mini|hochkant=0.8|Symbol der deutschen Feldjägertruppe ist der preußische Gardestern (Stern des von Friedrich I. gestifteten Schwarzen Adlerordens mit der lateinischen Devise , „Jedem das Seine“)Kameradschaft der Feldjäger (Hrsg.): Die Namensvorläufer der Feldjägertruppe der Bundeswehr 1740-1946, Band 1, Selbstverlag 2013, S. 12.

Die Feldjäger sind eine historische Truppengattung im deutschsprachigen Raum. Sie bilden aber auch heute noch eine Truppengattung der Bundeswehr, welche seit 1955 mit der Funktion der Militärpolizei in der Bundeswehr betraut ist.

Geschichte mini|hochkant=0.6|Freytag’sche Jäger (Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg) um 1761 – zeitgenössisch mini|hochkant=0.6|Feldjäger (Hessen-Kassel) um 1780 – Darstellung 19./20. Jahrhundert

Begriff Die heutige Feldjägertruppe der Bundeswehr als Militärpolizei geht auf den Profos zurück, der im 16. Jahrhundert ein mit der Regimentspolizei beauftragter Militärbeamter war, und sich in seinem Regiment um die Durchsetzung und Einhaltung der Feldordnung unter den Landsknechten zu kümmern hatte. Bis in den Dreißigjährigen Krieg war der Profos einer Kompanie oder einem Fähnlein zugeordnet, und mit der Ausführung von Disziplinarstrafen beauftragt.

Eine der ersten Militärpolizeitruppen, die Royal Military Police, wurde unter Wellington in der Britischen Armee für die Expedition 1807 in Portugal aufgestellt. In der Zeit nach den Napoleonischen Kriegen bis zum Ende des Dritten Reiches war im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung „Feldgendarmerie“ für die Polizei im Militärdienst üblich.

Der Begriff „Feldjäger“ selbst hatte ursprünglich nichts mit Militärpolizei zu tun, sondern bezeichnete zunächst die ab 1631 zuerst in Hessen-Kassel, später auch in anderen Territorien so in Preußen und in Kurhannover aufgestellte Jägertruppe. Diese meist aus Forstleuten und JägernKameradschaft der Feldjäger (Hrsg.): Die Namensvorläufer der Feldjägertruppe der Bundeswehr 1740-1946, Band 1, Selbstverlag 2013, S. 20, S. 30 und 31. rekrutierten Verbände Leichter Infanterie operierten in der Regel selbständig und außerhalb der zeitüblichen Linientaktik, häufig zur Aufklärung und als Plänkler und Scharfschützen. Sie waren mit gezogenen Büchsen aus ihrem Privatbesitz ausgerüstetKameradschaft der Feldjäger (Hrsg.): Die Namensvorläufer der Feldjägertruppe der Bundeswehr 1740-1946, Band 1, Selbstverlag 2013 S. 32.. Der früheste militärkundliche Beitrag zum Kleinen Krieg – Abhandlung über den kleinen Krieg (Kassel 1785) – stammt vom hessischen Feldjägerhauptmann Johann von Ewald und verarbeitet dessen Erfahrungen aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Des Weiteren gab es sogenannte „Fourierjäger“. Diese stellten im Weitesten Sinne den Personenschutz der königlichen Familie. Zum „Escortendienst“ oblag ihnen zusätzlich die Aufgabe der Quartiersuche für die ihnen anvertrauten PersonenKameradschaft der Feldjäger (Hrsg.): Die Namensvorläufer der Feldjägertruppe der Bundeswehr 1740-1946, Band 1, Selbstverlag 2013 S. 36..

Die k.u.k. Feldjäger war die Bezeichnung der Jägertruppe der Gemeinsamen Armee der Landstreitkräfte Österreich-Ungarns 1867–1914 der Doppelmonarchie von Österreich-Ungarn.

Altpreußische Armee (bis 1806) Militärpolizeiliche Befugnisse wurden im altpreußischen Heer im Bereich der Strafverfolgung von den Regimentsprofosen, im Bereich der allgemeinen Sicherheit von den HusarenDie Husaren bestanden nahezu gänzlich aus Freiwilligen, die Versuchung der Desertation war hier eher gering, sie waren aus diesem Grunde für Kontrollaufgaben prädestiniert. wahrgenommen, die nachts die Sicherung von Feldlagern vor feindlichen Überfällen, aber vor allem um Fahnenflucht von Soldaten zu verhindern, Patrouillen durchführte.

Dagegen diente das 1740 in der preußischen Armee aufgestellte Reitende Feldjägerkorps ausschließlich dem Kurier- und Meldedienst des Königs.

Neupreußische Armee, Bundesheer, Kaiserliches Heer (bis 1918) mini|Rittmeister der Königlich Württembergischen Feldjäger-Schwadron um 1840 Nach dem französischen Vorbild der Gendarmerie impériale bildete sich in den deutschen Staaten nach 1815 erst zögerlich eine von der Kampftruppe abgesonderte Truppe für Polizeiaufgaben: in Preußen die Königlich Preußische Landgendarmerie. Sie war – wie in Bayern die Gendarmerie, in Württemberg das Landjägerkorps oder in Oldenburg das Landdragonerkorps – Teil der Armee. 1914 bestanden analog zur Anzahl der preußischen Provinzen zwölf Brigaden mit je einem Oberst oder älterem Oberstleutnant als Brigadier an der Spitze gegliedert. Eine preußische Gendarmeriebrigade umfasste rund 300 Angehörige im Gegensatz zu einer Gendarmeriebrigade nach französischem Vorbild, die vier bis sechs Gendarmen umfasste. Der Chef der Landgendarmerie war ein General der Infanterie.Rangliste nach dem Stande vom 6. Oktober 1913, Redaktion Kriegsministerium, Berlin 1913. Aus dieser Landgendarmerie wurde bei Mobilmachung aus Offizieren und Wachtmeistern die Feldgendarmerie gebildet, ergänzt durch weitere wenige kommandierte Offiziere und eine erhebliche Anzahl Unteroffiziere und Mannschaften berittener Einheiten. Die Uniform der Feldgendarmerie entsprach der der Landgendarmerie. Bedeutung erlangte die Truppe erstmals in den Kriegen 1866 und 1870/71. Ihr Auftrag war der Ordnungsdienst in der Etappe, der Verkehrsdienst und auch sicherheitspolizeiliche Funktionen wie die Spionageabwehr.

mini|Deutsche Feldgendarmerie in Neu-Sandez, heute Woiwodschaft Kleinpolen Frühjahr 1915 Zu Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 stellte das Deutsche Heer 33 Feldgendarmerie-Abteilungen mit einer Etatstärke von jeweils 21 berittenen Unteroffizieren und Mannschaften auf. Sie wurden im Verlauf des Krieges auf 115 erweitert. Erkennungsmerkmal waren der Ringkragen und teilweise auch nur eine Armbinde. Im Generalgouvernement Warschau wurde am 1. März 1915 eine Feldjäger-Brigade aufgestellt, beim Oberbefehlshaber Ost am 19. Januar 1916 eine Gendarmerie-Inspektion eingerichtet. Aufgrund des Disziplinverfalls in der Etappe der Westfront wurde am 4. Oktober 1918 ein Feldgendarmerie-Korps zur besonderen Verwendung aufgestellt, das am 5. November in Gendarmerie-Regiment Nr. 9 umbenannt wurde.

Ab Ende 1916 wurden im Reichsgebiet in der Regel Unteroffiziere, zum Teil aber auch Mannschaftsdienstgrade (zuerst als Hilfsgendarmen, später als Sicherheitsunteroffiziere bezeichnet), den regionalen Polizeibehörden durch die Stellvertretenden Generalkommandos der Armeekorps zugewiesen. Durch die Personalverstärkung sollten die Gendarmerien der Bundesstaaten verstärkt werden, die wie z. B. in Preußen zum Teil ihr Personal zum Aufbau der Feldgendarmerie abgegeben hatten. So wurde die Oldenburgische Gendarmerie 1917 bei einer Personalstärke von rund 120 Angehörigen um gut 40 Hilfsgendarmen verstärkt, die vom X. Armee-Korps in Hannover entsandt worden waren. Ein Teil der Hilfsgendarmen wurde 1919 vom Gendarmeriekorps übernommen.

Generell wurde die Feldgendarmerie während des Krieges durch leichte Kavallerie wie Dragoner und Husaren unterstützt, die militärpolizeiliche Aufgaben wie z. B. Stabswachen, Kriegsgefangenenbewachung usw. übernahmen.

Die Kaiserliche Marine verfügte grundsätzlich nicht über eine Feldgendarmerie. Allerdings wurden beim Marinekorps Flandern Angehörige der Seebataillone als Feldgendarmen eingesetzt. Ende 1916 wurde in der Festung Wilhelmshaven zur Spionageabwehr und um die zunehmenden Übergriffe von Marineangehörigen auf die Zivilbevölkerung zu verhindern die Festungs-Gendarmerie Wilhelmshaven aufgestellt. Sie wurde im Juli 1919 aufgelöst. Am 30. September 1919 endete die 179-jährige Ära des „Reitenden Feldjägercorps“ mit einer kriegsministeriellen VerfügungKameradschaft der Feldjäger (Hrsg.): Die Namensvorläufer der Feldjägertruppe der Bundeswehr 1740-1946, Band 1, Selbstverlag 2013 S. 90..

Reichswehr der Weimarer Republik (bis 1933) In der Reichswehr gab es keine Einheiten mit polizeiähnlichen Aufgaben.

Feldgendarmerie der Wehrmacht, Geheime Feldpolizei, Feldjägerkommandos

mini|Für Heer und Waffen-SS identischer Feldgendarmerie-Ringkragen, mit stehendem Adler. Der Luftwaffen-Ringkragen hingegen mit fliegendem Adler

Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht und Vorbereitung des Krieges wurde ab 1938 eine Feldgendarmerie aufgebaut. Sie gehörte wie die Wachbataillone (500-Bataillone) zu den Ordnungstruppen/Versorgungstruppen des Feldheeres.Georg Tessin, Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945, Erster Band, Die Waffengattungen - Gesamtübersicht, Osnabrück 1977, Seite 290, 293. Die Feldgendarmerie wurde mehrheitlich aus Schutzpolizei und Gendarmerie – und hier vor allem der motorisierten Gendarmerie – zusammengesetzt, die ca. 8000 Angehörigen der Ordnungspolizei wurden bei Übernahme „in die Rangstruktur der Wehrmacht eingefügt“,Gerald Hesztera, Die Feldgendarmerie, in: Fritz Hörmann, Gerald Hesztera (Hg.), Zwischen Gefahr und Berufung. Die Gendarmerie in Österreich, 1999, Seite 167. die Befehlsstruktur entsprach jener der Wehrmacht. Jede Division hatte einen Feldgendarmerieoffizier als Fachberater, er leitete auch die zugewiesenen Feldgendarmerietrupps, die aus je 30-40 Mann (Offiziere, Feldgendarmerie und Fahrer) bestanden. Beim Überfall auf Polen wurden bereits eine motorisierte Feldgendarmerie-Abteilung bei den Truppen in Polen und drei Feldgendarmerie-Abteilungen bei den Truppen in Ostpreußen eingesetzt.Georg Tessin, Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945, Erster Band, Die Waffengattungen - Gesamtübersicht, Osnabrück 1977, Seite 290. Gemäß Verfügung des OKH/Generalstab des Heeres/Generalquartiermeister vom 3. Dezember 1939 waren die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften Soldaten (Ableistung der Wehrpflicht).

Nach dem Muster des Heeres stellten bald auch die Luftwaffen-Felddivisionen und die Waffen-SS eigenen Feldgendarmerie-Verbände auf. Organisatorisch war sie als Führungstruppe dem jeweiligen militärischen Großverband im Einsatzraum oder örtlichem Befehlshaber unterstellt. Einsatzschwerpunkt in der Aufgabenstellung wurden die Kontrolle im rückwärtigen Gebiet, die Versprengtensuche, die Einrichtung von Auffang- und Sammellinien sowie die Fahndung nach Fahnenflüchtigen und unerlaubt von der Truppe abwesenden Soldaten. Dabei war die Feldgendarmerie gegenüber jedem Soldaten und jeder Truppengattung befehlsbefugt. Die noch heute genutzte Waffenfarbe Orange teilte sie sich mit dem Wehrersatzwesen.

mini|Simferopol, Januar 1942. Verhaftete Männer in Begleitung eines deutschen Feldgendarmen und deutscher Soldaten. Die Feldgendarmerie Abteilung 683 war im Dezember 1941 an der Ermordung von 14.000 Juden in Simferopol beteiligt. Neben der Feldgendarmerie stellte die Wehrmacht auch eine Geheime Feldpolizei auf, sie rekrutierte sich aus Personal der Sicherheitspolizei (Kriminalpolizei, Gestapo, SD) und unterstand dem Amt Ausland/Abwehr des OKW.

Vor allem die Geheime Feldpolizei, aber auch die Feldgendarmerie waren an Kriegsverbrechen und am Holocaust beteiligt.