Cond ist der älteste der vier Stadtteile der Kreisstadt Cochem im rheinland-pfälzischen Landkreis Cochem-Zell.

Politik Wappen

Geschichte Jungsteinzeit Der rechts von Cochem im Cochemer Krampen gelegene Stadtteil Cond wurde bereits früh von Menschen besiedelt. Hierauf deutet der Fund eines Steinbeils aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. (späte Jungsteinzeit/frühe Bronzezeit).

Kelten und Römer Um 50 vor Christus kamen die Römer bei der Eroberung Galliens auch in den Moselraum. Die eisenzeitliche Bevölkerung der Kelten (Gallier) vom Stamm der Treverer vermischte sich mit der römischen Bevölkerung, wodurch sich eine gallorömische Mischkultur bildete. Die lateinische Sprache der Römer, die auch den für viele Moselorte wie Cond prägenden Weinbau mitgebracht hatten, verband sich mit der keltischen, und so entwickelte sich die Moselromanische Sprache. Die Moselaner nannte man zu dieser Zeit Galloromanen (Moselromanen). Condedunum, der alte Ortsname für Cond, wurde im Jahre 857 erstmals urkundlich erwähnt. Keltische Ortsnamen endeten häufig auf -dunum („befestigter Ort“). Den Begriff übernahmen die Römer von den Kelten. Als Nachweise der römischen Besiedelung in Cond gelten die im alten Dorfkern aufgefundenen Dachziegel sowie der Fund einer Villa rustica in der Conder Mark.

Franken Im 5. Jahrhundert nach Christus, die Römer hatten sich bereits zurückgezogen, kamen die Franken (Germanen) auf ihren erfolgreichen Eroberungszügen an die Mosel. Ihre frühe Anwesenheit in Cond ist durch zwei fränkische Grablegen nachgewiesen. Sie übernahmen nicht nur den Weinbau der einheimischen Bevölkerung, sondern auch deren Christentum römischer Prägung, und die beiden Sprachen verbanden sich schließlich zum heute noch gesprochenen Moselfränkischen. Der Ritter Willefried und sein Neffe Leodin, die dem fränkischen Adel entstammten, sind die ersten mit Namen bekannten Conder, die 857 ihre Kirche der Abtei Stablo verschenkten. Erst am 24. Juni 1130 sind wieder Conder mit Namen während der Neugründung des Klosters Ebernach belegt. Als Zeugen werden ein Heinrich und ein Engelbert genannt (Henricus et Ingelbertus de Kondena).

Für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts finden sich auf einem Wappen der Cochemer Burgmannen im Verzeichnis des Trierer Kurfürsten die Worte pueri de konde, was übersetzt Junge, Knabe oder auch Diener heißt. Im Jahr 1331 ist weiterhin ein aus Cond stammender Gerhard armiger belegt; übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet es, „bewaffnet“ oder „Bewaffneter“. Ob er auch als Burgmann tätig war, ist nicht gesichert.

Dreißig- und Achtzigjähriger Krieg Ab 1563 veranlasste die Kurtrierische Verwaltung für den Amtsbezirk Cochem die ersten Volkszählungen in Cond, dabei war die Anzahl der Herdstellen zu ermitteln, die mit dem Faktor fünf multipliziert wurde, um auf die in Cond lebenden Personen zu schließen. 1563 wurden 350 Personen gezählt, 1623 waren es 280 Personen und bei der letzten Zählung 1654 noch 125 Personen. Der erste Rückgang wird auf den Achtzigjährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden (1568–1648) zurückgeführt, da die Truppen dieser beiden Länder angst- und schreckenverbreitend durch das Moseltal und die Eifel gezogen waren. Ein weiterer starker Rückgang wird auf die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) zurückgeführt, wovon besonders die ärmeren Einwohner betroffen waren.

Erbfolgekrieg Im Oktober 1688 suchten französische Truppen im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) Cochem heim, um Stadt und Burg einzunehmen. Im Mai 1689 sprengten die Soldaten Ludwig XIV. die Burg, konnten allerdings noch einmal für kurze Zeit aus der Stadt vertrieben werden. Am 26. August 1689 kamen die französischen Soldaten zurück, plünderten die Stadt zündeten die Häuser der Bewohner an und massakrierten Männer, Frauen und auch Kinder. Der Stadtschreiber Johann Anton Schwang berichtete: „Die ganze Stadt wurde schließlich ausgeraubt und geplündert und vollständig wie Sodom und Gomorra nidergebrannt... und das noch am Feste Maria Geburt am 8. September die Plünderer nach Condt gekommen wären um übriges Gut und die Glocke der Siedlung mitzunehmen... Mit den Booten der Condter machten sie sich davon, um so noch größeren Schaden anzurichten“. Die Folgen waren ein weiterer Rückgang in der Bevölkerung, der erst Jahre später durch Zuzug neuer Familien nach Cond wieder ausgeglichen werden konnte. 1720 lebten in Cond 165, 1778 230 und 1808 zählte man wieder 257 Einwohner.

Franzosenzeit (1794–1814) Ab 1789 zogen viele Aristokraten in Folge der Französischen Revolution über die Grenze in das benachbarte deutsche Kurfürstentum Trier. Schätzungsweise 5000 der adligen Emigranten zog es allein nach Koblenz. 1791 nahm man die Familie des Königs Ludwig XVI. auf der Flucht nach Varennes gefangen und brachte sie zurück nach Paris. Österreich und Preußen sahen sich zum Handeln gezwungen, was die Pariser Volksmassen so sehr erzürnte – aufgeheizt durch Stimmungsmache der radikalisierten Jakobiner – dass Frankreich zunächst Österreich und kurze Zeit später auch Preußen den Krieg erklärte. Im selben Jahr rückten preußische Koalitionstruppen (der Mosel entlang) und Österreicher (über die Österreichischen Niederlande) nach Frankreich ein, mussten sich jedoch nach der Kanonade von Valmy zurückziehen. Nach den Hinrichtungen von Königin Marie-Antoinette und König Ludwig XVI. (beide 1793) sowie Robespierres im Jahre 1794 formierten sich die franz. Revolutionstruppen und marschierten schließlich am 9. August 1794 in Trier ein. Am 17. Oktober erreichten sie Cochem, am 23. Oktober Koblenz, die Mosel wurde französisch, und es begann die 20 Jahre andauernde Franzosenzeit von 1794 bis 1814. Nachdem auch Österreich im Jahre 1797 durch französische Streitkräfte in Italien besiegt worden war, musste es im Friedensvertrag von Campo Formio der Annexion des linken Rheinufers durch Frankreich zustimmen.

Zunächst dachte Frankreich über die Bildung einer Schwesterrepublik am linken Rheinufer nach, die Cisrhenanische Republik (die diesseits des Rheines gelegene Republik) sollte als Pufferstaat zwischen Frankreich und Preußen dienen. Jedoch konnten sich im Laufe des Jahres die Befürworter einer Annexion des besetzten Gebietes durchsetzen, und daher wurden 1798 die linksrheinischen Gebiete – ebenso wie in Frankreich – in Départements eingeteilt. Zum neu gegründeten Département de Rhin-et-Moselle (deutsch: Rhein-Mosel-Departement) gehörten von nun an die Osteifel, die Untermosel, ein Teil des Mittelrheins von Bingerbrück bis Bonn sowie der östliche Hunsrück. Hauptstadt und Sitz der Präfektur des Départements war Koblenz.

Die Verwaltungseinheiten für Cond gliederten sich ab 1804 wie folgt: Département de Rhin-et-Moselle (Rhein-Mosel-Departement) Arrondissement de Coblence (Arrondissement Koblenz) Mairie Cochem (Bürgermeisterei Cochem ab 1803, bis dahin Mairie Treis) Commune de Cond (Gemeinde Cond) Die Einwohner von Cond waren französische Staatsbürger (Citoyens). Geltende franz. Gesetzesbücher: Code civil (Bürgerliches Recht) Code de Commerce (Handelsrecht) Code pénal (Strafrecht) Die Bürger hatten Steuern zu zahlen, für die Männer galt die Wehrpflicht (Levée en masse, man konnte allerdings Ersatz schicken, wenn man jemanden gegen Geld fand). Man führte die standesamtliche Eheschließung ein, mittels Tauf- und Sterberegister wurden Geburten und Todesfälle dokumentiert, und die Schulaufsicht übertrug man dem Staat. Viele frühere Beamte des Kurfürsten fanden nun Arbeit bei der französischen Verwaltung, aber nur nachdem sie vorher den Eid auf die Verfassung der Republik geschworen hatten. Jedoch traute man ihnen wohl nicht auf allen Ebenen, sowohl der Finanzprüfer Lebon als auch der Gerichtsvollzieher und Gemeindeeinnehmer Despleix wurden auf Weisung Frankreichs nach Cochem geschickt. Dass Conder auch „bei der Fahne“ gedient hatten, belegt die Auszeichnung, die Johannes Hieronimi aus Cond (1784–1861) für seine Verdienste (er wurde 1809 bei Kämpfen in Saragossa am Arm verletzt) noch nach Jahren erhielt. Noch über 50 Jahre später verlieh ihm Napoleon III. die Sankt Helena-Medaille für seine Verdienste unter Napoleon I.

Nach einem Konsularbeschluss durch Kaiser Napoleon I. wurden im Jahre 1802 während der Säkularisation alle kirchlichen Orden aufgelöst, auch das Trierer Erzbistum; deren Vermögen zog man ein und versteigerte es in den Folgejahren. Allerdings war es so, dass diejenigen, die vorher schon gut finanziell dastanden, es auch dieses Mal wieder taten. Frankreich brachte zwar den Freiheitsgedanken, aber der ärmeren Bevölkerung nicht die Chancengleichheit, Kapitalismus und Verdrängung statt sozialer Aufstieg. Die Pfarrei Cond gehörte von da an zum Bistum Aachen, blieb es aber nur kurz, denn schon 1821 sollte sie zum Bistum Trier zurückkehren.

Wurde früher nur Moselfränkisch gesprochen, sickerte nun auch so langsam die französische Sprache in den Sprachschatz der „Moselaner“: Begriffe wie Gendarm, Trottoir (Bürgersteig) oder Portemonnaie (Geldbeutel) sind den meisten auch heute noch bekannt. Beispiele für Vermischungen franz. Worte mit Moselfränkischem Dialekt sind Begriffe wie, Pont (von pont volant, wörtlich: fliegende Brücke (für Wagenfähre)), aus der Lameng (aus dem Handgelenk), die Poart (la porte, die Tür), sich eschoffeere (s’échauffer, sich aufregen) oder disbedeere (disputer, diskutieren).

1812 verlor Napoleon seinen Russlandfeldzug, Preußen und Österreicher schlossen sich den Russen an und siegten so während der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813. Die Franzosen drängte man rasch zurück über den Rhein, und so konnten die Preußen bereits im Frühjahr 1814 wieder in Cochem einmarschieren. Die erfolgreichen Siegermächte teilten sich die Mosel auf, alles Linksseitige kam unter preußische Zivilverwaltung, und alles rechts der Mosel wurde von Österreichern und Bayern kontrolliert. Der Begriff Estreijer (für die Conder Österreicher) stammt aus dieser Zeit und kann wohl als lokale Neckerei verstanden werden. Cond schlug man damals dem Amt Treis zu. Nach dem Ende des Wiener Kongresses im Jahre 1815 wurde das Rheinland als Rheinprovinz dem Königreich Preußen zugeschlagen.

Deutscher Bund (1815–1866) Um dem neuen Frieden in Europa eine Ordnung zu geben, rief man auf dem Wiener Kongress den Deutschen Bund ins Leben. Dieser Staatenbund bestand aus souveränen Fürsten und freien Städten Deutschlands, einschließlich des Kaisers von Österreich, sowie der Könige von Preußen, Dänemark und der Niederlande. Die vormalig kurtrierischen Gebiete gehörten nun größtenteils zu Preußen. 1822 gliederte man die Mosel, die Eifel und den größten Teil des Hunsrücks in die neu geschaffene Rheinprovinz ein, und Koblenz wurde Sitz des Oberpräsidenten und der Provinzialregierung.

Die von Frankreich durchgeführte Kirchenenteignung beließ man, ebenso wie die neue Rechtsordnung, das Zivil- und Handelsrecht, der Code civil wurde Basis für das Bürgerliche Gesetzbuch. Die alten Verwaltungsebenen verschwanden, der Kreis wurde neues Zentrum der Verwaltung, seinen Vorsitz übernahm der Landrat als Vertreter der Staatsgewalt. Cond wurde zunächst der Bürgermeisterei Treis zugeschlagen, 1860 kam es dann zu Cochem-Land, um dort bis zur Eingemeindung mit Cochem im Jahre 1932 zu bleiben.

War der deutsche Wirtschaftsraum zu Beginn des Deutschen Bundes noch stark zersplittert, Preußen war noch kein zusammenhängendes Staatsgebiet, die wirtschaftlichen Verhältnisse noch uneinheitlich, so sollte durch Gründung des Deutschen Zollvereins die Grundlage für einen wirtschaftlichen Binnenmarkt geschaffen werden. Bis dahin gab es in Deutschland 38 Zoll- und Mautlinien sowie ca. 1800 Zollgrenzen, der Zollvereinigungsvertrag trat am 1. Januar 1834 in Kraft und hob diese wirtschaftlichen Barrieren auf.