mini|St. Gregorius Am Elend St. Gregorius im Elend, teilweise auch St. Gregorius Am Elend und im Volksmund Elendskirche genannt, ist eine im spätbarocken Stil gehaltene Kirche in der Kölner Altstadt-Süd. Das Gotteshaus ist eine Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bauwerks aus dem 18. Jahrhundert. Es liegt zwischen der Straße Sionstal, der Arnold-von-Siegen-Straße und der Severinstraße an der Straße An St. Katharinen.

Geschichte Namensgeber der Kirche ist ihr Standort, das Katharinengässchen, früher „im Elend“ (am oder om Elend und 1812/13 in französischer Zeit Cul de sac Ste. Cathérine – Sackgasse St. Katharina).

Der Elendskirchhof Der frühere, hinter dem ehemaligen Katharinen-Hospital gelegene Kirchhof wurde 1335 als „ellendiger kirchooyv“ erwähnt, war zu dieser Zeit jedoch noch nicht mit einer Kapelle bestanden.Hermann Keussen, Band I, S. 147. Er war Begräbnisstätte der heimatlos in Köln verstorbenen Fremden, die auf einem Pfarrkirchhof zu dieser Zeit noch nicht bestattet werden durften. Es war neben einem weiteren derartigen Bestattungsort der Stadt östlich des Klarissenklosters der Friedhof der Ehrlosen, der Selbstmörder und der Hingerichteten, oder der später ab dem 16. Jahrhundert so genannten „unkatholischen Toten“.

Die Protestanten, in Köln „Geusen“ genannt, wurden erst ab 1576 auf dem Geusenfriedhof bestattet, noch 1714 führte der Rat der Stadt eine Meldepflicht für Protestanten ein. Der ehemals auch für die reformierten Christen zuständigen Elendskirchhof musste der Bebauung weichen. Einige Grabmale im kleinen Kirchenhof erinnern an diese alte Zeit. Der Historiker Paul Clemen erwähnte den Grabstein des Kaspar von Kleingedank, genannt „Mommersloch“ mit seinem Todesjahr † 1590.Die Elendskirche, Wilhelm Ewaldd, Hugo Rahtgens, Johannes Krudewig. In: Paul Clemen (Hrsg.): Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Köln. Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1916. Ein großer Gedenkstein erinnert an die aus Antwerpen wegen der Gegenreformation nach Köln geflohene mennonitische Familie des Joost van den Vondel, und ein weiterer Grabstein erinnert an das Klosterfräulein Cornelia von Kaas mit den Daten 1762–1837. Noch im 19. Jahrhundert war die von den Kölnern für das Katharinengässchen benutzte Bezeichnung „Am (Em) Elend“ und „Elendskirchhof“ gebräuchlich.

Friedhof und Kapelle Sankt Michael Auf dem Gelände soll im Jahr 1473 ein Altar errichtet worden sein, woraus man auf die Existenz eines ersten, kleinen Oratoriums des Kirchhofes schloss. Danach sollen die Provisoren des dortigen Hospitals St. Katharinen up deme elendigen kirchove hinder s. Kathrynen durch Meister Johann Marburg einen Bau begonnen haben, der auf Anordnung des Kölner Rates eingestellt werden musste.Hermann Keussen, Ratsprot. 3, Fol. 17, Band II, S. 184. Spätestens am Anfang des 16. Jahrhunderts muss die Bautätigkeit wieder aufgenommen worden sein, da 1528 eine Kapelle erwähnt wurde.

In der Folge diente der Kirchhof den Protestanten bis zur Anlage eines eigenen Geländes, des Geusenfriedhofes vor dem „Weyerthore“ im Jahre 1574, als Begräbnisstätte. Danach nahm der Elendskirchhof die Gebeine überfüllter Kölner Kirchhöfe auf. mini|Kölner Wappen der Familie von Groote Zwischen 1675 und 1678 wurde durch Jakob de Groote eine Familienstiftung gegründet, deren vorläufiger Zweck es war, die Abhaltung öffentlicher Gottesdienste in der durch Mittel der Stiftung erweiterten Kapelle zu ermöglichen. Im gleichen Jahr erhielt der Elendsfriedhof durch die Stiftung de Groote eine Umfassungsmauer.Rupert Schreiber: St. Gregor. Kirche auf dem Elendsfriedhof, von Groote’sche Familienkirche. In: Colonia Romanica XVIII/XIX, Kölner Kirchen und ihre Ausstattung in Renaissance und Barock. Band II, S. 105–131, Köln 2003/2004; unter Verweis auf: Esser, Geschichte S. 129; Trippen, Alte Elendskirche S. 34, 38, Abb. Der Mauer von Josef Otto 1765. Ebenfalls aus den Mitteln der Stiftung ließ de Groote die Kapelle um 26 Schuh in der Breite sowie um 60 Schuh in der Länge erweitern und das Dach des Umbaus mit einem Glockenturm ausstatten.

Die Umbauten erfolgten in zwei Schritten, wobei die des Jahres 1675 der Steinmetzmeister Kaspar Mostorf, weitere Arbeiten im Jahr 1677 der Baumeister Arnold Gülich leitete, der auch einen Umbau an Alt St. Alban durchführte. Nach der Fertigstellung war ein schlichter, verputzter Bau aus Ziegelmauerwerk entstanden. Er hatte einen quadratischen Grundriss von 63 Fuß (ca. 20 Meter) Seitenlänge, die Höhe der Seitenwände betrug 11½ Fuß (ca. 3,60 m), das Dach hatte 14 Fuß Höhe (ca. 4,40 m), und der mit einer geschweiften Haube versehene Dachreiter erreichte eine Höhe von 12 Fuß (ca. 3,80 m). An der Südecke der Ostseite befand sich die Wohnung des Küsters, und an der Nordecke die Sakristei mit einem über dieser befindlichen Raum der Bruderschaft „St. Mariae de suffraggio“. Zwischen diesen befand sich der Chor des Gotteshauses. Dieser wurde im Inneren durch zwei Flachbögen separiert, ein größerer in der Mitte des Kirchenschiffes trennte den Bereich, der den Laien zugewiesen war ab. Die bisher nur dem heiligen Michael geweihte Kapelle erhielt nun als Hauptpatron den heiligen Gregor. Die so zu einer kleinen Kirche erweiterte Kapelle hieß in der Folge „Sankt Gregorius im Elend“ (Elendskirche S. Gregorii Magni), im Volksmund einfach „Elendskirche“.

Abbruch und Neubau mini|hochkant|Relief mit den Symbolen des Todes Vor dem Beginn der Abbrucharbeiten wurde durch den stadtkölnischen Artillerieleutnant Josef Otto in mehreren Ansichten und Rissen der äußere Zustand der alten Kirche dokumentiert. Die Ansichten zeigen einen Nord-Süd-Schnitt und die Ostansicht eines eingeschossigen Bauwerkes. Es hatte mittig und beidseitig bis an den First des Satteldaches hochgeführte Giebel, zwischen denen das mit Gauben bestückte Dach von einem kleinen Dachreiter gekrönt wurde. Über die gesamte Fassadenbreite hatte Otto sechs Fenster eingezeichnet, davon waren die beiden mittleren unter dem Giebel mit flachen Rundbögen versehen. Oberhalb dieser, dem Chor zusätzliches Licht zuführenden Mittelfenster war eine Rundbogennische eingelassen worden, in der eine Figur des heiligen Michael aufgestellt war. An der Ostseite befand sich ein schlichter Türeingang, und die Südseite zierte ein aus Hausten gefertigtes Portal, welches bei dem späteren Neubau wieder Verwendung fand. An dieser Seite hatte der Giebel eine Nische mit darin aufgestellter Madonnenfigur, und über dem Gesims der Fenster waren das alte und das nachfolgende, modifizierte Wappen (nach 1780) der Familie von Groote angebracht worden. Gekrönt wurden diese von einem Totenschädel, Knochen, und einer Schlange, einer Symbolik die in ähnlicher Form bis zur heutigen Zeit an der Kirche vorhanden ist.Kölner Kirchen und ihre Ausstattung in Renaissance und Barock , Band 2, S. 105 ff., Verlag Greven, Köln.

Bauherren und Baumeister mini|hochkant|Präsentationsriss des Hochaltars B. Spaeth um 1767 Bauherren der barocken Kirche waren die Nachkommen der aus den Niederlanden im 16. Jahrhundert emigrierten katholischen Familie de Groote, die dazu die Mittel einer von ihnen gegründeten Familienstiftung einsetzten. Die Verwaltung der Stiftung oblag den Brüdern de Groote. Diese waren Ev(b)erhard Anton, Kanonikus an St. Gereon und zugleich auch an St. Maria im Kapitol, sowie der damalige Bürgermeister Franz Jakob Gabriel de Groote. Das von ihm in Auftrag gegebene Bauwerk war die „letzte Kirche reichsstädtischer Zeit“Arnold Stelzmann, Robert Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln, Köln 11. Auflage 1990, S. 223. Franz Jakob Gabriel erstand zu dieser Zeit (1766) auch die der Stadt Köln benachbarte Burg Kendenich. Das dort im Giebelfeld eingearbeitete Allianzwappen der Bürgermeisterfamilien „von Groote / zum Pütz“ findet sich in ähnlicher Form auf dem Hochaltar der Elendskirche wieder.

Grundlage des Kirchenneubaus von 1765 bis 1768 waren Pläne, Zeichnungen, und Berechnungen, des Architekten und Bildhauers Balthasar Spaeth, dessen Vita bis auf wenige Anhaltspunkte unbekannt ist.Spaeth wurde 1751 in Düsseldorf (Berger Tor), und 1764/65 in Köln erwähnt. Die aus unbekannten Gründen von Spaeth abgebrochene Ausführung übernahm nach Überarbeitung der Konzeption seines Vorgängers, der Baumeister Nikolaus Krakamp.

Vorbereitungen und Bauausführung mini|hochkant|Choransicht um 1840 Zum Jahresbeginn 1765 wurde die alte Elendskirche entweiht und das Allerheiligste der Kirche übergangsweise in die St. Katharinenkirche des Deutschen Ordens verbracht. Die als gut organisiert beschriebenen Abbruch- und Folgearbeiten wurden mit dem Abräumen der Gebeine aus den Gruften begonnen. Der Orgelbauer Ludwig König demontierte die Orgel und der Schreinermeister Johann Georg Dau sicherte Verwertbares des Kircheninneren (insgesamt erbrachte der Verkauf aus Abbruchmaterial einen Erlös von 2000 Reichstalern). Anfang März begannen die Ausschachtarbeiten und im gleichen Monat des Jahres 1765 erfolgte die Grundsteinlegung zur neuen Kirche. Bis zum November war das Mauerwerk aus Backstein fertig gestellt (die Stadt stiftete 25000 Ziegelsteine) und die Arbeiten der Zimmerleute mit der Errichtung des Dachstuhls begannen. Am Anfang des Monats Dezember wurde das Richtfest gefeiert.

Neben den namentlich angeführten Fachmeistern wurden während der Errichtung des Rohbaues über fünfzig Handwerker und Arbeiter beschäftigt. Es waren bis zu vier Steinhauer, zehn Maurer und fünfzehn Handlanger. Für die Holzarbeiten zuständig waren acht Zimmerleute, denen zwei Holzschneider zur Seite standen. Die Dacharbeiten wurden von zehn Dachdeckern ausgeführt.

Nach weiteren Arbeiten der Zimmerer wurde zwischen den Monaten April und Juni 1766 durch den Leyendeckermeister Johann Schmitz das Dach der Kirche in Schiefer eingedeckt, den auf das Dach aufgebrachte Dachreiter versah er im September mit einer Kupferabdeckung. Die zuvor im August begonnene Einwölbung der einschiffigen Kirche wurde ebenfalls im September vollendet. Die Verputzarbeiten des Kirchenraumes durch den Pliestermeister Johann Weber schlossen die groben Arbeiten ab.

Planung und Realisierung der Innenausstattung mini|hochkant|Der in seiner Grundsubstanz erhaltene Hochaltar mini|hochkant|Eines der erhaltenen Weihwasser- und Lavabobecken, ehemals im Chorbereich (um 1767) Der Bauplanung soll eine generelle Vorstellung der Kirche in ihrer Gesamtheit zugrunde gelegen haben, wobei sich die Harmonie des Stils der von verschiedenen Künstlern entworfenen Einzelstücke der Ausstattung auch daraus ergab, dass sie nahezu gleichzeitig, während des engen Zeitraumes des Kirchenbaus selbst entstanden. Während dieser fünfjährigen Bauzeit plante Peter Joseph Manskirch die dekorative Raumfassung. Der Hochaltar entstand nach dem Entwurf von Balthasar Spaeth, nach Entwürfen von Friedrich Geiger entstanden die Kanzel, das Gestühl (Chor-, Bruderschafts- und Laiengestühl) sowie die Weihwasser-Lavabobecken und Türen, Johann Josef Imhoff schuf die Skulpturen des Hochaltars. Einige der Einzelstücke, die durch Stifter ergänzt werden konnten, wurden offenbar erst kurz vor ihrer Ausführung in Auftrag gegeben.

Für den inneren Ausbau waren bereits nach Zeichnungen vorgefertigte Werksteine von Stephan Miles aus Niedermendig angeliefert worden.Colonia Romanica, Verweis auf: HASTK, Bestand 1042, Kasten 6 (2, 1 bis). Johann Stahl, Schultheiß zu Balduinstein an der Lahn, lieferte den Marmor für die Laibungen der Türen im Chor sowie den dort im Mai 1768 verlegten Fußboden. Es folgten die Aufstellungen der schweren, aus Marmor gefertigten Ausstattungsstücke, das waren der Hochaltar, der Stipes und die Mensen der zwei Nebenaltäre sowie die Kommunionbank. Nach der Errichtung der Kanzel und der Aufstellung des Kirchengestühls konnte das Bauwerk im Herbst benutzt werden, so dass es Ende Oktober 1768 durch den Kanonikus Everhard Anton de Groote erstmals geweiht wurde.