Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden an der Technischen Universität Dresden ist eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts des Freistaates Sachsen und das größte Krankenhaus der Landeshauptstadt Dresden sowie eine der führenden Kliniken Deutschlands. Bis zum 1. Oktober 1993 bildete das Klinikum zusammen mit der medizinischen Fakultät der TU Dresden gleichen Namens die Medizinische Akademie Dresden. Die Kurzform MedAk ist immer noch im verbreiteten Sprachgebrauch erhalten.

Neben dem Universitätsklinikum Leipzig und dem Klinikum Chemnitz ist das Klinikum eines der drei Krankenhäuser mit Maximalversorgung in Sachsen.

Geschichte mini|Carl Gustav Carus, Leibarzt König Antons, lehrte von 1815 bis 1869 an der Chirurgisch-Medicinischen Akademie mini|Die 1956 eröffnete Chirurgische Klinik

Die Anfänge der medizinischen Ausbildungsstätten in Dresden gehen auf das Collegium medico-chirurgicum zurück, das als militärische Ausbildungsstätte 1748 gegründet wurde. Die als Vorläufer der Medizinischen Akademie angesehene Königlich Chirurgisch-Medicinische Akademie wurde 1815 gegründet und rief den später namensgebenden Mediziner Carl Gustav Carus als Professor. Die Gründung erfolgte 13 Jahre vor der Gründung der Königlich-Technischen Bildungsanstalt, dem historischen Kern der Technischen Universität Dresden und drei Jahre nach Gründung der Fachrichtung Forstwissenschaften, dem ältesten Teil der TU Dresden.

Ursprünglich und bis 1864 war die Akademie im Kurländer Palais gegenüber dem heutigen Albertinum in unmittelbarer Innenstadtlage am Rand der Viertel um den Neumarkt untergebracht. Die Technische Bildungsanstalt befand sich zu der Zeit in einem Pavillon auf der Brühlschen Terrasse, nur wenige Gehminuten entfernt.

Im Dezember 1901 konnte das Klinikum die weitläufigen Anlagen des Stadtkrankenhauses Johannstadt beziehen. Der Komplex mit Anstaltskirche wurde in den folgenden Jahren weiter ergänzt, so zum Beispiel durch die Frauenklinik 1903. Weite Teile des Klinikcampus, in dem die Gebäude U-förmig um einen zentralen Park arrangiert sind, stehen nunmehr unter Denkmalschutz.

Nationalsozialismus

Am 1. Juni 1934 wurde Hermann Jensen zum Chefarzt der Chirurgischen Klinik und zum Direktor der ab dem 5. Juni 1934 als Rudolf-Heß-Krankenhaus bezeichneten EinrichtungAlfred Brauchle, Louis Ruyter Radcliffe Grote: Ergebnisse aus der Gemeinschaftsarbeit von Naturheilkunde und Schulmedizin. Drei Bände, Philipp Reclam jun., Leipzig 1939. – Zitat: „Der Tatkraft des Reichsärzteführers Dr. Gerhard Wagner und dem verständnisvollen Weitblick des Stellvertreters des Führers ist es zu danken, daß hier ein Krankenhaus entstand.“ Quelle: Louis Ruyter Radcliffe Grote: Die neue deutsche Heilkunde in der Fortbildung. In: Veröffentlichungen aus der Gemeinschaftsarbeit am Rudolf-Heß-Krankenhaus Dresden, 2. Band, S. 7–23, Zitat S. 22. berufen. Jensen erhielt den Auftrag, sie zum Biologischen Zentralkrankenhaus und zu einer Mustereinrichtung der Neuen Deutschen Heilkunde auszubauen. An der von seinem Vorgänger Otto Rostoski und Erna von Abendroth am Krankenhaus gegründeten Krankenpflegeschule entstand unter Jensens Leitung am 1. Juli 1934 das Reichsmutterhaus der NS-Schwesternschaft.Patricia D’Antonio: Nursing History Review. Band 12/2004, Official Publication of the American Association for the History of Nursing, Springer Publishing Company, 2003, ISBN 0-8261-1479-2, S. 128.

Die für die angestrebte „Synthese von Schulmedizin und Naturheilkunde“ zur Neuen Deutschen Heilkunde wesentlichen Abteilungen waren die Innere Abteilung (als Gemeinschaftsstation mit 35 Betten und mit allen diagnostischen Möglichkeiten), als deren Leiter Reichsärzteführer Gerhard Wagner im Herbst 1934 den Internisten und Schulmediziner Louis Ruyter Radcliffe Grote bestimmte, und drei „Biologische Abteilungen“. Als Leiter der ersten „Biologischen Abteilung“ war der Schweizer Rohkosttherapeut Maximilian Oskar Bircher-Benner vorgesehen. Die Verhandlungen mit ihm „zerschlugen sich“ (Alfred Brauchle), aber auf seinen Vorschlag übernahm sein Schüler Werner Zabel diese Abteilung. Die zweite Abteilung wurde vom Naturheilkundler Alfred Brauchle,Alfred Brauchle: Naturheilkunde in Lebensbildern. Reclam, Leipzig 1937, S. 413. die dritte vom Hydrotherapeuten Georg Hauffe geleitet. Nach Zabels „Weggang“ im Juni 1935 übernahm Brauchle auch die Leitung der ersten Abteilung, und nach Hauffes Tod im Juni 1936 wurden alle drei Abteilungen zur „Klinik für Naturheilkunde“ unter Brauchles Führung vereinigt. Auch der Ernährungsforscher Ragnar Berg arbeitete vom Herbst 1934 bis zum Frühjahr 1937 in einem ernährungsphysiologischen Labor im Rudolf-Heß-Krankenhaus.

Rudolf Heß’ Flug (am 10. Mai 1941) nach Großbritannien hatte 1941 die eilige Umbenennung in Gerhard-Wagner-Krankenhaus zur Folge.

1943 wurde Alfred Brauchle vom sächsischen Gauleiter Martin Mutschmann genötigt, Dresden zu verlassen. Er wurde dann von 1943 bis 1946 Chefarzt des Sanatoriums Glotterbad bei Freiburg im Breisgau. Das damalige Sanatorium Glotterbad war ein größerer Gebäudekomplex, zu dem unter anderem der Alexanderbau und der Carlsbau (Außendrehort für Die Schwarzwaldklinik) gehörten.

Zugleich wurde die von Alfred Brauchle und Louis Ruyter Radcliffe Grote betriebene internistische Gemeinschaftsstation geschlossen; damit endete das Dresdner Experiment einer institutionellen Zusammenarbeit von Naturheilkunde und Schulmedizin.Louis Ruyter Radcliffe Grote, Alfred Brauchle: Gespräche über Schulmedizin und Naturheilkunde. Mit einem Geleitwort des Reichsärzteführers Dr. med. Gerhard Wagner. 2. Auflage, Reclam, Leipzig 1935.Albrecht Scholz, Caris-Petra Heidel, Marina Lienert: Vom Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt zum Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. In: Ärzteblatt Sachsen. 12. Jahrgang, Heft 12/2001, S. 567–570, hier S. 569 . Das nunmehrige Gerhard-Wagner-Krankenhaus bestand weiter. Grote blieb Leiter der Inneren Klinik. Bei den Luftangriffen auf Dresden wurde 1944 und 1945 etwa die Hälfte der Gebäude der Klinik zerstört oder beschädigt.

In der Zeit des Nationalsozialismus wirkten weiterhin Hermann Boehm und Richard Kirsch in dem Krankenhaus.

Nachkriegszeit und frühe DDR Bei den Luftangriffen im Februar 1945 war das Krankenhaus zu etwa 50 Prozent zerstört worden. Die Schäden reichten von zerborstenen Fenstern bis zur vollständigen Zerstörung einzelner Gebäude. Parallel zum schrittweisen Wiederaufbau nahmen sämtliche Kliniken innerhalb eines Jahres ihre Tätigkeit wieder auf. Im Jahr 1945 wurde die Frauenklinik dem Krankenhausverband angeschlossen. Bis 1953 entstand ein Großkrankenhaus mit 2359 Betten, in dem etwa 150 Ärzte und 790 Krankenschwestern tätig waren.Albrecht Scholz, Caris-Petra Heidel, Marina Lienert: Vom Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt zum Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. In: Ärzteblatt Sachsen. 12. Jahrgang, Nummer 12, 2001, S. 567–570, hier S. 569 f. (PDF).

Anfang der 1950er Jahre wurde in der DDR wegen des Ärztemangels und wegen der unzureichenden Ausbildungskapazitäten die Errichtung weiterer medizinischer Hochschulen vorbereitet. Dresden war in den Planungen zunächst nicht als Standort vorgesehen. Eine Gruppe Dresdner Ärzte um den Chirurgen Albert Fromme erreichte jedoch 1953 die Aufnahme der Stadt in das Gründungsprogramm. Durch eine Anordnung des Ministeriums für Gesundheitswesen vom 20. Juli 1954 wurde neben den Medizinischen Akademien in Erfurt und Magdeburg auch die Medizinische Akademie Dresden errichtet.Anordnung über die Errichtung von Medizinischen Akademien vom 20. Juli 1954. In: Zentralblatt der Deutschen Demokratischen Republik. Ausgabe A, Nr. 30 vom 31. Juli 1954, S. 351. Am 7. September 1954 wurde die Medizinische Akademie „Carl Gustav Carus“ am Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt eröffnet; Mitte September 1954 begann der Lehrbetrieb. Die Ausbildung war zunächst auf die klinischen Abschnitte des Medizin- und Zahnmedizinstudiums beschränkt.

Medizinische Akademie in der DDR

Das Johannstädter Krankenhaus bildete die klinische Grundlage der 1954 eröffneten Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“. Erster Rektor der Hochschule war der Chirurg Albert Fromme. Mit der Gründung wurden die Krankenversorgung, die medizinische Forschung sowie die Ausbildung von Ärzten und Zahnärzten institutionell miteinander verbunden.

Die Ausbildung in Dresden war zunächst auf die klinischen Studienabschnitte der Medizin und Zahnmedizin beschränkt. Die vorklinischen Semester absolvierten die Studenten an anderen Universitäten der DDR und später teilweise auch in osteuropäischen Staaten. Zur Erweiterung des ehemaligen Stadtkrankenhauses entstanden in den ersten Jahren der Akademie unter anderem neue Kliniken, neue Institute, zusätzliche Hörsäle, ein Verwaltungsgebäude und ein Studentenwohnheim; daneben wurden bestehende Gebäude umgebaut. Die medizinische und zahnmedizinische Ausbildung wurde mehrfach reformiert und stärker mit der praktischen Tätigkeit in den Kliniken verbunden.Albrecht Scholz, Caris-Petra Heidel, Marina Lienert: Vom Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt zum Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. In: Ärzteblatt Sachsen. 12. Jahrgang, Nummer 12, 2001, S. 567–570, hier S. 570.

An der Medizinischen Akademie wurden mehrere neue medizinische Einrichtungen und Behandlungsverfahren eingeführt. Eine 1966 eingerichtete Abteilung für Klinische Pharmakologie wurde 1975 als nach damaligem Stand erstes selbständiges Institut dieses Fachgebiets in Deutschland weitergeführt.Caris-Petra Heidel, Marina Lienert: Die Professoren der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden und ihrer Vorgängereinrichtungen 1814–2004. K. G. Saur, München 2005, ISBN 3-598-11720-5, S. . Im Jahr 1977 führte ein Team um den Chirurgen Helmut Wolff in Dresden die erste Lebertransplantation am Menschen in der DDR und im damaligen Ostblock durch.Uwe Scheuermann: 50 Jahre Transplantationsmedizin in Deutschland. In: Ärzteblatt Sachsen. 26. Jahrgang, Nummer 11, 2015, S. 474–477, hier S. 474.

Erst 1990 begann der Aufbau einer eigenen vorklinischen Ausbildung. Von 1954 bis zur Umstrukturierung im Jahr 1993 erhielten an der Medizinischen Akademie insgesamt mehr als 6000 Ärzte und Zahnärzte ihre klinische Ausbildung.

Im wiedervereinten Deutschland Anfang der 1990er Jahre wurde die Medizinische Akademie im Zuge der Reform der sächsischen Hochschullandschaft aufgelöst. Sie wurde aufgeteilt in das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und in die medizinische Fakultät, die seit dem Wintersemester 1993 Teil der Technischen Universität Dresden ist. Am 1. Juli 1999 wurde das Universitätsklinikum auch rechtlich von der Universität getrennt. Es dient der Universität aber weiterhin zur Forschung und Lehre. Einzig das Klinikum rechts der Isar in München und das Universitätsklinikum Aachen sind in Deutschland neben dem Dresdner Universitätsklinikum an Technische Universitäten angegliedert. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus ist Gründungsmitglied des 2010 gegründeten Wissenschaftsverbundes DRESDEN-concept, der eine Schlüsselmaßnahme der TU Dresden im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder darstellt.Partner von DRESDEN-concept. Website von DRESDEN-concept e. V. Abgerufen am 13. Februar 2019.

mini|DINZ, Haus 27 Der Campus des Klinikums wurde seit 1990 mehrfach erweitert. Seitdem entstanden zum Beispiel die chirurgische Notaufnahme und das Kinder- und Frauenzentrum. Im Jahr 2011 wurden das neue Diagnostisch-Internistisch-Neurologische Zentrum (DINZ, Haus 27) mit 411 angeschlossenen Plätzen und das durch einen Neubau erweiterte Versorgungszentrum eröffnet.

Daten und Fakten