Rottendorf ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg.
Geographie Rottendorf liegt in der Region Würzburg.
Die Gemeinde besteht aus drei Gemeindeteilen (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Rothof (Kirchdorf) Rottendorf (Pfarrdorf) Wöllriederhof (Gut)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Rottendorf. Sie hat eine Fläche von 14,817 km² und ist in 3700 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4004,62 m² haben.
Geschichte Mittelalter und Neuzeit Rottendorf, ursprünglich „Rotendorf“ oder „Rodendorf“, wurde um 1025 erstmals urkundlich erwähnt. Als Teil des Hochstiftes Würzburg (Stift Haug), das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, wurde Rottendorf 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert, dann im Frieden von Preßburg (1805) Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen, mit welchem es 1814 endgültig an Bayern fiel. Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde. Auf seinem Gut in Rottendorf gründete 1836 Joel Jakob von Hirsch neben einer Brauerei eine Rübenzuckerfabrik, wobei er, um das Königreich von Rohrzuckerimporten aus Übersee unabhängig zu machen, von der bayerischen Regierung Unterstützung erhielt.Ursula Gehring-Münzel: Die Würzburger Juden von 1803 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, S. 499–528 und 1306–1308, hier: S. 510.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl 1950 2866 1961 3060Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 396–426 und 1298–1302, hier: S. 425 (Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Gemeindedaten). 1970 3935 1987 4286 1991 4438 1995 4699 2000 4761 2005 5238 2010 5259 2015 5354 2020 5642
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 4277 auf 5329 um 1052 Einwohner bzw. um 24,6 %. Quelle: BayLfStat
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder (mit dem 1. Bürgermeister). Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 haben von den 4282 stimmberechtigten Einwohnern in der Gemeinde Rottendorf 2853 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 66,63 % lag.Gemeinderatswahl 2020
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2014 Roland Schmitt (CSU). Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wurde er mit 92,54 % der Stimmen wiedergewählt.Bürgermeisterwahl 2020 Sein Vorgänger war Rainer Fuchs (BWG).
Wappen
Gemeindepartnerschaften Die Partnerschaft zum nordfranzösischen Ort Troarn (etwa zehn Kilometer von Caen entfernt) besteht seit 1987.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater Theatergruppe Rottendorf e. V.
Musik mini|200px|Kapelle
Symphonisches Blasorchester Rottendorf der Musikkapelle Rottendorf e. V.
Bauwerke Käppele, eigentlich Marien-Kapelle, von 1753 Kriegerdenkmal Wasserschloss, von vor 1500, auf dem Gelände des Gutes Wöllrieder Hof Katholische Kirche St. Vitus Katholisches Vereinsheim Marienheim, 1924/25 im Stil des Historismus/Heimatstil errichtetChristian Ammon: ''Marienheim ist Baudenkmal'', Main-Post (Ausgabe Würzburg-Land), Nr. 128, 6. Juni 2024, S. 26. Hirsch’sche Zuckerfabrik, aus dem 19. Jahrhundert Seinsheimschule, 1972 nach Plänen von Walther und Bea Betz erbaut,Architekturmuseum der TU München, abgerufen am 23. November 2018. die als ein Vorreiter des modernen Schulbaus in Deutschland gilt.Colegios modernos en Alemania. In: Humboldt, Nr. 60 (1976), S. 30–43, hier S. 35–37.
Wirtschaft und Infrastruktur Rottendorf ist mit 3919 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Stand 30. Juni 2010) der größte Gewerbestandort im Landkreis Würzburg.Gemeinde Rottendorf (Hrsg.): Jahresbericht der Gemeinde Rottendorf 2010. 53.
Ansässige Unternehmen Hauptsitz von S.Oliver Hauptsitz von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen Hauptsitz von Frankonia Hauptsitz von Norconia (Handelsvertretung für Norinco in Europa)
Verkehr mini|200px|Ortsdurchfahrt
Rottendorf hat einen Bahnhof, S. 3 und 5., an dem sich die Bahnstrecke Bamberg–Rottendorf von der Bahnstrecke Fürth–Würzburg abzweigt. Auf beiden Strecken verkehren stündlich je ein Regional-Express und eine Regionalbahn.
Rottendorf liegt an der Bundesstraße 8, über die die nahe gelegene Anschlussstelle Rottendorf und Biebelried der Autobahn 3 und der A 7 erreicht wird.
Rottendorf ist Endpunkt der im dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts geplanten Neubaustrecke.
Öffentliche Einrichtungen und Kultur Bildung Grundschule Rottendorf mit Schwimmhalle Sing- und Musikschule Kinderhaus „Am Grasholz“ des Johannesverein e. V. Kindergarten „Am Marienheim“ des Johannesverein e. V. Kindergarten „Am Bremig“ der Evang. -Luth. Kirchengemeinde Rottendorf Mini-Club s.Oliver, Betriebsträger BRK Kreisverband Würzburg
Vereine, Sport TSV 1869 Rottendorf, Fußball, Volleyball, Badminton, Radball, Tischtennis, Schach, Turnen und Gymnastik, Karate Rottendorfer Karnevalsgesellschaft (RoKaGe), eine Abteilung des TSV Rottendorf Bayerisches Rotes Kreuz, Bereitschaft Rottendorf Wasserwacht, Ortsverband Rottendorf Malteser Hilfsdienst e. V., Ortsverband Rottendorf Freiwillige Feuerwehr Rottendorf KKS-Rottendorf, Kleinkaliber-Schützenverein
Begegnungsbahnhof Rottendorf Das Bahnhofsgebäude wurde 2019 von der Gemeinde erworben und zu einem Begegnungszentrum mit öffentlichen Veranstaltungsräumen und Gastronomie umgebaut, mit der Eröffnung im Juni 2023.Christian Ammon: Eröffnung des "Begegnungsbahnhofs", in: Main-Post, Nr. 139 vom 20. Juni 2023, S. 25.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Oskar „Ossi“ Krapf (1922–1996), Maler und Grafiker, Krapf betrieb ein Atelier in Rottendorf
Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben Andreas Schellhorn (1761–1845), Pfarrer, Dichter, Lexikograf und Sprachwissenschaftler, war als Geistlicher in Rottendorf tätig Eulogius Böhler (1861–1943), Kirchenmaler und Restaurator, fertigte 1914 ein heute nicht mehr vorhandenes Kunstwerk für die örtliche Pfarrkirche an Eduard Eichmann (1870–1946), Priester, Theologe und Kirchenrechtler, war drei Jahre lang als Kaplan in Rottendorf tätig Fritz Geißler (1889–1971), Politiker und Jurist, war ab 1938 als Amtsverweser in Rottendorf tätig Helga Strätling-Tölle (1927–2017), Psychotherapeutin und Schriftstellerin, lebte ab 1960 in Rottendorf Gerhard Launer (* 1949), Luftbildfotograf, betreibt in Rottendorf die Gerhard Launer WFL-GmbH Achim Heukemes (* 1951), Ultramarathonläufer, lebt in Rottendorf Jürgen Müller (* 1963), Mediziner, besuchte in Rottendorf die Grundschule Bas Kast (* 1973), Autor und Journalist, lebt in Rottendorf
Literatur
Angelika Treiber (Hrsg.): Rottendorf. Zur Geschichte einer unterfränkischen Gemeinde. 1991. Ludwig Wamser: Zur Vor- und Frühgeschichte der Gemarkung Rottendorf. In: Angela Treiber (Hrsg.): Rottendorf. 1991.
Weblinks
Gemeinde Rottendorf (PDF; 1,05 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Würzburg Kategorie:Weinort in Franken Kategorie:Ersterwähnung 1025 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Würzburg