Niederwiesa ist eine an die Städte Chemnitz, Flöha und Frankenberg/Sa. angrenzende Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen. Sie umfasst seit dem 1. Januar 1996 die Ortsteile Niederwiesa, Braunsdorf und Lichtenwalde. Auf 16,36 Quadratkilometern wohnen rund 5000 Einwohner. Bekannt ist das restaurierte Schloss Lichtenwalde mit seinem ausgedehnten Barockgarten.

Geographie mini|Luftaufnahme von Niederwiesa Die Gemeinde Niederwiesa liegt an der Zschopau, rund zehn Kilometer östlich vom Chemnitzer Stadtzentrum und westlich von Flöha. Durch die Gemeinde fließen der Erlbach, der Eubaer Bach und der Zapfenbach, die jeweils linke Nebenflüsse der Zschopau sind.

Niederwiesa liegt auf etwa 300 m ü. NN. Dabei liegt der tiefste Punkt auf 252 m ü. NN, an der Zschopau und ein Zipfel erstreckt sich bis an den Beutenberg, Chemnitz, auf 410 m ü. NN.

Geologie Das Gebiet der Gesamtgemeinde (Niederwiesa, Braunsdorf, Lichtenwalde) befindet sich im Grenzbereich folgender regionalgeologischer StruktureinheitenW. Pälchen, H. Walther (Hrsg.): Geologie von Sachsen – Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2008, Karte der Struktureinheiten im Vorsatzblatt, ISBN 978-3-510-65239-6.: Vorerzgebirgs-Senke (Lugau-Oelsnitz- und Flöha-Teilsenke), Oberkarbon bis Perm Frankenberger Kristallinkomplex, Präkambrium bis Paläozoikum Erzgebirgs-Nordrandzone (Lößnitz-Zwönitzer Schuppenzone), Präkambrium Entsprechend komplex ist der stratigrafisch-petrografische Aufbau der vorkommenden Gesteinsserien. Die nachfolgende Tabelle vermittelt hierzu eine Übersicht.Geologische Übersichtskarte Bundesrepublik Deutschland 1 : 200.000. Blatt CC 5542 Dresden, Hrsg.: Bundesanstalt für Rohstoffe, Hannover 2001.

Hauptgruppe Gruppe Folge Alter (Ma)Deutsche Stratigrafische Kommission (DSK): Stratigrafische Tabelle von Deutschland (STD 2016), Petrografie Fazies LokalisierungQuartärHolozän ,,f < 0,01 Auelehm/ -sandperiglazial gewässernahe Bereiche (Zschopau und Nebenzuflüsse)Pleistozän ,,hg > 1 Hangschutt, steinig-lehmige Verwitterungsmassen glazial westlich der Kerngemeinde rel. großflächig anstehendPermUnter-RotliegendesLeukersdorf-Formation (Tz)~ 292Sandstein, Arkose, Konglomeratlimnisch-fluviatilwestlich von Braunsdorf und LichtenwaldeHärtensdorf-Formation (ruH)~ 294Ortslage Niederwiesa, nordöstlich LichtenwaldePlanitz-Formation (ruP)~ 295Aschentuff („Zeisigwald-Tuff“)vulkanogen(ignimbritisch)kleinflächig Ortslage NiederwiesaKarbonOberkarbonWestfal B/C (postvariszisch)~ 300Schluff-/Sandstein, Tonstein, SteinkohleMolassesüdlich Ortslage Niederwiesa im Struthwald, südlich BraunsdorfKambrium – OrdoviziumHerold-Formation (cbHd)~440-495Muscovitphyllit, Glimmerschiefermetamorphsüdwestlich der Ortslage Niederwiesa an der Ortsgrenze zu FlöhaPräkambrium, Ordovizium,GMetagranitoide, Biotit- bis Zweiglimmer-Orthogneis (Rot-/Augengneis)kleinflächig zwischen Niederwiesa und Braunsdorf im ZschopautalProterozoikumVendiumLichtenwalde-Formation (VLi)~ 545Hornblendegneis, Amphibolit, Chlorit-Muscovit-Schieferzwischen Braunsdorf und Lichtenwalde im Zschopautal

Nachbarorte

Gemeindegliederung Die Gemeinde ist in die drei Ortsteile Niederwiesa, Braunsdorf und Lichtenwalde eingeteilt. Die Ortsteile Braunsdorf und Lichtenwalde sind zugleich Ortschaften im Sinne der §§ 65 bis 68 der Sächsischen Gemeindeordnung. Für diese Ortschaften gibt es jeweils einen Ortschaftsrat, der in Braunsdorf drei, in Lichtenwalde vier Mitglieder hat, sowie jeweils einen Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Eine endgültige Entscheidung obliegt dann jedoch dem Gemeinderat der Gemeinde Niederwiesa.

Geschichte Der Ort Wiesa wurde vermutlich um das Jahr 1216 gegründet. Damals wurde noch nicht zwischen Oberwiesa und Niederwiesa unterschieden. Im Jahr 1346 wurde Wiesa als selbstständige Pfarrei in der Matrikel des Bistums Meißen erstmals als Wissen erwähnt. 1378 erscheint die Unterscheidung in Wese superior und Wese inferior. Zu dieser Zeit lag der Ort im Gau Rochlitz, da von der Burg Rochlitz die Besiedelung ausging. Ab 1450 gehörte zen der Wysen zur Lehnsherrschaft Lichtenwalde, allerdings übte die Stadt Chemnitz (Kempnitz) das Recht der Bannmeile aus. Im Jahr 1509 kam es in den sogenannten Bierkriegen zwischen Wiesa und Chemnitz zum Streit um das Braurecht und den Ausschank. Vermutlich aufgrund der Streitigkeiten um die Privilegien der Stadt Chemnitz kam es im Jahr 1563 zur Teilung in Ober- und Niederwiesa. Im Jahr 1540 wurde in Niederwiesa erstmals eine Kirchschule erwähnt,Geschichte der Schulen in Niederwiesa. deren Lehrer sich nebenbei z. B. als Handwerker oder Krämer ihr Geld verdienen müssen.

In Niederwiesa existierte 1562 ein Vorwerk das später als Lehngut bezeichnet wurde. Dieses gehörte zur Grundherrschaft des Ritterguts Lichtenwalde. Der Ort Niederwiesa gehörte ebenfalls zeitweise zur Grundherrschaft Lichtenwalde bzw. als Amtsdorf direkt zum kursächsischen Amt Lichtenwalde, das ab 1696 durch das kursächsische Amt Frankenberg-Sachsenburg und ab 1783 durch das kursächsische bzw. spätere königlich-sächsische Amt Augustusburg verwaltet wurde.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 70 f. Nach dem Ende der sächsischen Ämterverfassung 1856 lag Niederwiesa im Zuständigkeitsbereich des Gerichtsamts Frankenberg und ab 1875 der Amtshauptmannschaft Flöha. Niederwiesa besaß bereits im Mittelalter eine Kirche, welche 1898 durch einen Neubau ersetzt wurde.Webseite der Kirche Niederwiesa Bis in das 19. Jahrhundert hinein hatte Niederwiesa eine klare dörflich ausschließlich auf Landwirtschaft ausgerichtete Struktur. Um 1836/40 wurde im Niederwiesaer Struthflügel Steinkohle abgebaut. Mit der infrastrukturellen Anbindung durch den Bau des Bahnhofs Niederwiesa an der Eisenbahnstrecke Dresden–Werdau (1866), der Eröffnung der Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa (1869) und mit der damit verbundenen Anbindung an die Großstädte entwickelte sich der Handel im Ort. Nachdem im Nachbarort Oberwiesa im Jahr 1860 eine Brauerei erbaut wurde (existierte bis 1890), entstand 1884 in Niederwiesa eine weitere an der Dresdner Straße, welche heute als Restaurant „Brauhof“ bekannt ist.

Am 1. Januar 1914 vereinigten sich die Gemeinden Oberwiesa und Niederwiesa zur Gemeinde Wiesa, die am 20. Juli 1915 laut Beschluss der Gemeinde in Niederwiesa umbenannt wurde. Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Niederwiesa im Jahr 1952 zum Kreis Flöha im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Flöha fortgeführt wurde und 1994 im Landkreis Freiberg bzw. im Jahr 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1914 schlossen sich Niederwiesa und Oberwiesa zur neuen Gemeinde Wiesa zusammen.Die Stadt- und Landgemeinden in Sachsen, Verlag E. Wulffen, Dresden, 1938. 1915 wurde Wiesa in Niederwiesa umbenannt.

Am 1. Juli 1995 wurde Braunsdorf eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands Lichtenwalde folgte am 1. Januar 1996.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands

mini|Kirche Niederwiesa

Einwohnerentwicklung (ab 1975 Stichtag: 31. Dezember)

Jahr Einwohner 1914 3.950 1933 4.507 1939 4.954 1946 5.721 Jahr Einwohner 1947 6.316 1964 5.075 1975 4.474 1989 3.676 Jahr Einwohner 1995 4.793 1996 4.840 2005 5.270 2006 5.237 Jahr Einwohner 2007 5.160 2008 5.139 2009 5.076 2010 5.057 Jahr Einwohner 2011 5.047 2012 4.990 2013 4.950 2014 4.914 Quelle ab 1995 mit Gebietsstand Januar 2011: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen / Regionaldaten Gemeindestatistik SachsenRegionaldaten Gemeindestatistik Sachsen

ab 1990: Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Registerdaten vom 3. Oktober 1990 (Einwohner: 4989) ab 2011: Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Zensusergebnisse vom 9. Mai 2011 (Einwohner: 5047)

Religionen Im Ort befinden sich eine evangelisch-lutherische und eine katholische Pfarrgemeinde, von denen Erstere mehr Mitglieder aufweist.

Politik

Gemeinderat Die Gemeinderatswahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 74,5 % zu folgendem Ergebnis für die Zusammensetzung im Gemeinderat:

Bürgerinitiative Niederwiesa e. V.: 5 Sitze Bürger- und Interessengemeinschaft Braunsdorf | Lichtenwalde | Niederwiesa: 4 Sitze AfD: 2 Sitze (ein Sitz bleibt mangels Bewerber unbesetzt) BSW: 1 Sitz (ein Sitz bleibt mangels Bewerber unbesetzt) CDU: 1 Sitz Grüne: 1 Sitz

+letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Bürgerinitiative Niederwiesa e. V.535,0741,0947,0Bürger- und Interessengemeinschaft Braunsdorf | Lichtenwalde | Niederwiesa422,7––––AfD216,1111,4––BSW113,8––––CDU18,816,7316,6BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN13,716,5–2,9BLB––423,1320,8IG – Niederwiesa––19,0––SPD–––2,2–2,7DIE LINKE––––18,2NPD–––––1,7Wahlbeteiligung74,5 %68,3 %56,9 % Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Bürgerinitiative Niederwiesa e. V. 35,0 % 5 Bürger- und Interessengemeinschaft Braunsdorf/Lichtenwalde/Niederwiesa 22,6 % 4 AfD 16,1 % 2 BSW 13,8 % 1 CDU 8,8 % 1 GRÜNE 3,7 % 1

Bürgermeister Dietmar Hohm war von 1990 bis 2012 Bürgermeister der Gemeinde. Zum 1. Januar 2013 wurde er von Ilona Meier abgelöst, die als einzige Kandidatin zur Wahl antrat und im Oktober 2012 mit 86 % der Stimmen gewählt wurde. Mit der Bürgermeisterwahl am 3. November 2019 wurde Raik Schubert, mit 1690 ausgezählten Stimmen (69 %), zum neuen Bürgermeister gewählt. Er trat sein Amt am 1. Januar 2020 an. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2026Wahl am 25. Oktober (Stichwahl am 22. November)2019Raik SchubertBI69,02012Ilona Meier87,72008Dietmar Hohm72,9200188,81994BI N69,0

Kreistag Bei der letzten Kommunalwahl am 9. Juni 2024 schafften zwei Kandidaten aus Niederwiesa im Wahlkreis 14 den Sprung in den Kreistag: Raik Schubert (Freie Wähler Mittelsachsen e. V.) und Jörg Scheibe (BSW).

Wappen Das Wappen ist ein Schnitter an einem Fluss mit drei Steinen vor dem Hintergrund dreier Bäume und dem Braunsdorfer Wasserturm. Der Fluss ist die Zschopau, welche die Gemeinde durchfließt. Die drei Steine symbolisieren Niederwiesa und die beiden Ortsteile Braunsdorf und Lichtenwalde. Das Wappen entstand durch das Zusammenfügen der drei Einzelwappen bei der Vereinigung der Orte.Wappen auf gemeinde-niederwiesa.de, abgerufen am 21. Mai 2023.

Gemeindepartnerschaften Seit dem 3. Oktober 1990 besteht die Gemeindepartnerschaft mit Bestwig (Nordrhein-Westfalen), 2005 kam eine zweite Partnerschaft zur ungarischen Gemeinde Tiszadorogma hinzu, die 2010 auf das benachbarte Ároktő erweitert wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|Das Niederwiesaer Rathaus Aufgrund seiner umfangreichen Sammlung von rund 7.000 Ausstellungsstücken ist das Feuerwehr-Museum ein Museum, welches in der Region seinesgleichen sucht. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Niederwiesa haben die Stücke, vom 19. Jahrhundert beginnend, zusammengetragen. Die Einrichtung ist auf Anfrage geöffnet.Feuerwehr-Museum Niederwiesa auf kulturpur.de, abgerufen am 21. Mai 2023.

Das Webereimuseum der Firma Tannenhauer in Braunsdorf ist eine ehemalige Weberei, die bis in die DDR-Zeit produziert hat. Verschiedene Webstühle, -maschinen und -techniken können besichtigt und zum Teil auch selbst ausprobiert werden. Das Museum ist ganzjährig an verschiedenen Wochenenden und Feiertagen geöffnet. Im Fabrikgebäude befindet sich die Fertigung und Werkschau der Cammann-Gobelin-Manufaktur.

Das Schloss Lichtenwalde beherbergt das Museum für Völker und Kulturen mit der Sammlung Frank, ein Uhrenmuseum, die erste Wünschelrutenausstellung der Welt, eine Sammlung von Puppen und historischem Spielzeug. Die Besichtigung ist täglich, außer montags, möglich. Ebenfalls befindet sich im Schloss die Umweltbibliothek der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt.

Bauwerke mini|Schloss Lichtenwalde