Das deutsche Alphabet ist das Alphabet, das zur Schreibung der deutschen Sprache verwendet wird. Es ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in Liechtenstein und Luxemburg in Gebrauch, darüber hinaus in Ländern mit deutschsprachigen Minderheiten wie Belgien (Eupen und Malmedy), Dänemark (Nordschleswig), Italien (Südtirol), Polen (Oberschlesien) und in Namibia.

Das deutsche Alphabet ist eine Erweiterung des lateinischen Alphabets. Im heutigen standardisierten Gebrauch umfasst es die 26 Grundbuchstaben des lateinischen Alphabets, die drei Umlaute (Ä, Ö, Ü) sowie das Eszett (ß). In der Schweiz und in Liechtenstein wird das ß jedoch heute nicht mehr verwendet (stattdessen wird ss geschrieben). Das große Eszett (ẞ) wurde erst 2017 Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung.

Großbuchstaben A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Ä Ö Ü ẞ Kleinbuchstaben a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z ä ö ü ß

Die Bezeichnungen der einzelnen Buchstaben haben neutrales Genus (sächliches Geschlecht): „das A“, „das B“ usw.

Sowohl in der Schreibung von Mundarten wie in historischen Dokumenten werden und wurden darüber hinaus zahlreiche Buchstabenvarianten und auch weitere Buchstaben gebraucht. Das Gleiche gilt für die Schreibung von Fremdwörtern, z. B. kommen é und è mit Akzent in französischen Fremdwörtern häufig vor.

mini|Buchstaben des deutschen Alphabets in Fraktur (mit Varianten und Ligaturen), etwa 1750. J wurde seinerzeit noch nicht als vom I verschiedener Buchstabe angesehen (anders als beispielsweise im englischsprachigen BereichJames Hoy: The Irish Spelling-Book; or Instruction for the Reading of English, fitted for the Young of Ireland. Dublin 1740, S. 1/2, ).

Entwicklung aus dem lateinischen Alphabet

Herkunft der Umlautbuchstaben mini|Entstehung der Umlautpunkte am Beispiel des ä mini|Auf diesem Plakat von 1806 wurde der Umlaut noch mit kleinem e über dem Vokal geschrieben (siehe die Wörter König, Bürgerpflicht, Brüder) mini|Eine Titelseite aus dem Jahr 1843 mit neuen und alten Umlautformen

Die Umlautbuchstaben (ä, ö und ü) entstanden aus der Kombination des jeweiligen lateinischen Buchstabens (also a, o und u) mit einem den Umlaut anzeigenden e. Sie sind in dieser Form erst seit dem 16. Jahrhundert in allgemeinem Gebrauch. Umlautbuchstaben werden heute auch in zahlreichen anderen Sprachen verwendet.

In althochdeutschen Handschriften sind Umlaute nur dort bezeichnet, wo ein geeigneter Buchstabe zur Verfügung stand, nämlich e für kurzes ä und später iu für langes ü, nachdem der Diphthong zum ü monophthongiert war. Die Buchstaben o und u konnten also in alt- und mittelhochdeutschen Schriften sowohl o und u wie auch ö und ü oder üe bedeuten.H. Paul, H. Moser, I. Schröbler: Mittelhochdeutsche Grammatik. Tübingen 1975, ISBN 3-484-10233-0; § 6.

Seit etwa dem 13. Jahrhundert wurde in manchen Handschriften die Ligatur æ für langes oder offen gesprochenes ä verwendet oder ein e oder i zur Unterscheidung über den umgelauteten Buchstaben gesetzt, seltener auch hinter ihn. In der deutschen Kurrentschrift, die etwa seit dem 16. Jahrhundert immer mehr in Gebrauch kam, sieht dieses kleine e wie zwei senkrechte Striche aus, aus denen schließlich die zwei heute häufig verwendeten Punkte wurden. Einige Schriftarten verwenden immer noch die senkrechten Striche für die Umlautbuchstaben.

Die Herkunft der Umlautbuchstaben ist im heutigen Schreibgebrauch noch erkennbar, insbesondere bei Familiennamen wie Baedeker und bei Ortsnamen wie Uerdingen oder Oerlikon. Wenn die Umlautbuchstaben auf einer Tastatur nicht zur Verfügung stehen, wird regelmäßig ae, oe, ue geschrieben. In Kreuzworträtseln wird zumeist AE, OE, UE anstelle von Ä, Ö, Ü geschrieben.

Herkunft des Eszett

Das Eszett (ß), das auch als scharfes s bekannt ist, ist ursprünglich eine Ligatur aus dem langen ſ (s) und entweder dem runden s oder dem z in den spätmittelalterlichen Bastarden und der neuzeitlichen Frakturschrift. Ab etwa dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Antiqua auch in deutschsprachigen Ländern gebräuchlicher. Damals enthielten die meisten Antiqua-Schriften keine Buchstaben für das ß, Drucke aus dem 19. Jahrhundert sind daher oftmals ohne ß gesetzt. Bei der Orthographischen Konferenz von 1901 wurde festgelegt, dass die Schriftgießereien in Zukunft ihre Antiqua-Schriften mit der Letter ß zu liefern hätten und für vorhandene Schriften ein ß nachzuliefern sei. Das lange s (ſ) wurde auch in der Antiqua gelegentlich gesetzt, es findet sich beispielsweise noch im Leipziger Duden von 1951.

Einführung des großen Eszett

In Versalschrift wird für ß meist SS geschrieben, früher auch SZ. In amtlichen Dokumenten wurde das ß auch innerhalb von Versalschrift verwendet, zum Beispiel beim Familiennamen WEIß, um die Unterscheidung zwischen Weiß und Weiss auch bei Versalschreibung zu ermöglichen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Schaffung eines Großbuchstabens diskutiert, von den Entwürfen hat sich aber keiner durchgesetzt. Das „große ß“ (Versal-Eszett) wurde schließlich am 4. April 2008 in die Version 5.1 des Unicode-Standards als U+1E9E (ẞ) aufgenommenSpecification for the Unicode Standard, Version 5.1.0 und am 24. Juni 2008 auch in die Norm ISO/IEC 10646. Die Verwendung des Versal-Eszett ist für die amtliche Schreibung geografischer Namen verbindlich.StAGN: Empfehlungen und Hinweise für die Schreibweise geographischer Namen, 5. Ausgabe 2010.

Am 29. Juni 2017 nahm der Rat für deutsche Rechtschreibung das große ß in das amtliche Regelwerk auf.Neue Rechtschreibregel: Im Deutschen gibt es jetzt ein großes Eszett rp-online.de, 29. Juni 2017. Statt STRASSE konnte man nun STRAẞE mit großem ß schreiben. Seit 2024 wird die Schreibweise STRAẞE bevorzugt.

Benennung der Buchstaben Ein bloßer Konsonant ist akustisch relativ schwierig von anderen seiner Art zu unterscheiden. Daher weicht die Benennung der Konsonantenbuchstaben von der üblichen Laut-Buchstaben-Zuordnung ab. Im Folgenden wird angegeben, wie die Buchstaben normalerweise benannt werden (Aussprache nach IPA):

Besonders beim Buchstabieren ist es hilfreich, statt des Buchstabens ein festgelegtes Wort mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben auszusprechen, zum Beispiel „Frankfurt“ für F. Siehe dazu Deutschsprachige Buchstabiertafeln.

In der Schrift werden Buchstaben meistens als solche notiert, zum Beispiel: „Vogel schreibt sich mit V, nicht mit F.“ Für einige wenige Buchstaben gibt es darüber hinaus verdeutlichende Schreibweisen, die gelegentlich verwendet werden. Laut Duden sind dies:

für J/j: Jot für Y/y: Ypsilon für Z/z: Zet oder Zett für ẞ/ß: Eszett oder scharfes S (weitere Namen siehe ß)

Reihenfolge und Sortierung

Reihenfolge der Buchstaben mini|hochkant=1.2|Vorlage zur Lateinischen Ausgangsschrift. Die Umlaute wurden hier separat angeordnet, das ß als letzter Kleinbuchstabe. mini|Schreibschrift-Vorlage der DDR (1958): Hier steht das ß nach s.

Die 26 Grundbuchstaben (ohne Umlaute und ẞ) haben folgende Reihenfolge im Alphabet:

Bei einer Auflistung des kompletten Alphabets werden die Umlaute meist am Ende angefügt, das ẞ entweder nach S oder zusammen mit den Umlauten am Ende. Beispielsweise werden im amtlichen Regelwerk zur Rechtschreibreform die Zeichen wie folgt in zwei Zeilen vorgeführt und mit größeren Abständen gruppiert:

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z   ä ö ü   ß A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z   Ä Ö Ü   ẞ

Bei der alphabetischen Sortierung von ganzen Wörtern werden die Umlaute und ẞ anders behandelt (siehe unten).

Alphabetische Sortierung

Die alphabetische Sortierung von Wörtern oder Namen richtet sich grundsätzlich nach der Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet. Bei Umlautbuchstaben und beim Eszett (ẞ) sowie beim Vorkommen von Ziffern und Sonderzeichen kann es jedoch Abweichungen geben, die vom genauen Anwendungsbereich abhängen. Beispielsweise beschreibt die Norm DIN 5007:1991 zwei Varianten:

Bei der Wörterbuch-Sortierung (betrifft gewöhnliche Wörter) werden die Umlautbuchstaben Ä, Ö, Ü wie A, O und U behandelt („Alter, älter, Altes“), ß wie ss. Die Telefonbuch-Sortierung (betrifft Namen von Personen) behandelt Umlautbuchstaben hingegen wie Ae, Oe und Ue.

In Österreich werden teilweise andere Normen angewendet.

Selten verwendete Variationen von Buchstaben Folgende Variationen von Buchstaben werden im Deutschen – wenn auch selten – noch in Eigennamen verwendet:

ë und ï: Die aktuellen Regeln der Rechtschreibreform von 1996 befassen sich nicht mehr mit dem Trema. Jedoch findet sich das Trema auf einem e oder i – das ë und ï – noch in manchen Eigennamen wie z. B. aë in Aëtius, ië in Piëch, oë in Loë, uë in Niuë, ëu in Alëuten (Inselkette) und Alëuten (Ureinwohner), sowie aï in Aïr. ÿ: Als Ligatur ij in Familiennamen, wie z. B. in Meÿer oder Lohmeÿer.

Häufigkeit der Buchstaben im Deutschen mini|Monogramm-Häufigkeitsgebirge: die Häufigkeitsverteilung der Zeichen in einem längeren deutschen Text

Der häufigste Buchstabe ist das E, gefolgt vom N. Der seltenste Buchstabe ist das Q. Die Art der Texte (Lyrik, Prosa, Bedienungsanleitungen usw.) hat keinen Einfluss auf die Buchstabenverteilung.

Bei den Buchstabenpaaren (Bigrammen) sind ER und EN am häufigsten vertreten, und zwar hauptsächlich am Wortende. Die häufigsten Dreiergruppen (Trigramme) sind SCH und DER.

Zahl der Buchstaben im Alphabet Bei der Frage, wie viele Buchstaben das deutsche Alphabet enthält, ist zunächst die Konvention festzuhalten, dass Groß- und Kleinbuchstaben nicht separat gezählt werden. Zum Beispiel gelten A und a nicht als verschiedene Buchstaben, sondern als zwei Formen desselben Buchstabens.Duden definiert a, A gemeinsam als „erster Buchstabe des Alphabets“. Entsprechend werden auch Buchstabenformen wie das ſ („langes s“) und das ʒ („z mit Unterschlinge“) sowie Ligaturen – die verschmolzene Schreibweise zweier Buchstaben – nicht als zusätzliche Buchstaben gewertet, sondern als besondere Gestaltungsformen von Buchstaben (siehe dazu Glyphe).

Es ist dennoch nicht eindeutig, wie viele verschiedene Buchstaben Bestandteile des deutschen Alphabets sind. Abhängig vom Verständnis des Begriffs „Alphabet“ werden meist 26 oder (seltener) 30 Buchstaben zum Alphabet gerechnet, manchmal auch 27 Buchstaben:

26 Buchstaben – ä, ö, ü und ß werden nicht mitgezählt. 30 Buchstaben – ä, ö, ü und ß werden mitgezählt. 27 Buchstaben – ß wird als Buchstabe mitgezählt, ä, ö, ü nicht.Beispiel für die Zählung von 27 Buchstaben: Wolfgang Schindler, Skript zur Vorlesung Das deutsche Schriftsystem an der LMU München, Version 03-20, S. 25 ().

Im Zusammenhang mit dem Vergleich der zahlreichen lateinischen Alphabete und der Frage, wie viele Buchstaben diese enthalten, ist das Verständnis naheliegend, dass mit dem jeweiligen Alphabet die Gesamtheit der Buchstaben gemeint ist, die zum Schreiben von Wörtern der jeweiligen Sprache gebraucht werden – im Deutschen also nicht nur die 26 Buchstaben von A bis Z, sondern auch die Umlautbuchstaben und das ß. Entsprechende Definitionen finden sich in der Fachliteratur.Helmut Glück definiert im Metzler Lexikon Sprache (2., erweiterte Auflage, Metzler, 2000) das Alphabet als „Inventar der Schriftzeichen eines alphabetischen Schriftsystems“. Danach heißt es: „Viele A[lphabete] enthalten eine größere Anzahl an Buchstaben als ihre Alphabetliste (im Dt. z. B. ä, ö, ü, ß).“ Somit werden hier die Umlautbuchstaben und ß ausdrücklich zum deutschen Alphabet gerechnet. Daraus ergibt sich die Zählung von 30 Buchstaben im deutschen Alphabet.So Diana Šileikaitė-Kaishauri (Universität Vilnius): Einführung in die Phonetik und Phonologie des Deutschen (PDF), S. 45: „Das deutsche Alphabet besteht aus 30 Buchstaben.“