Rätselflug war die deutsche Version der französischen Fernsehshow La Chasse aux trésors des damaligen Senders Antenne 2, bei der es darum ging, innerhalb einer bestimmten Zeit drei verschlüsselte Rätsel zu lösen, die zu jeweils einem von drei „Schätzen“ führten, welche von einem Außenreporter per Helikopter zu finden waren. Erfinder der Sendung war der französische Fernseh- und Radiojournalist Jacques Antoine.

Inhalt Ein Kandidatenpaar, jeweils ein Mann und eine Frau (meist ein Paar), hatte innerhalb von 45 Minuten drei Rätsel zu entschlüsseln. Dazu dirigierten sie ein Außenteam, bestehend aus Reporter, Kameramann (meist: Jean-Yves), Kamerahelfer (meist: Bruno; gelegentlich: Francis oder Serge) und Pilot, das mit einem Hubschrauber unterwegs war, zu dem sie keine visuelle Verbindung, sondern lediglich (mehr oder weniger guten) Funkkontakt hatten.

Die Rätseltexte wurden von der Expertin Elsa Manet, die auch in der französischen Version La chasse aux trésors mitwirkte, im Sendestudio von Antenne 2 in einem verschlossenen Briefumschlag an den Moderator Rudolf Rohlinger übergeben. Sobald dieser den Umschlag geöffnet hatte, lief die Zeit. Den Kandidaten standen zur Lösung der Aufgaben lediglich speziell zusammengestellte Landkarten, Bücher, Reiseführer und Prospekte zur Verfügung. Als Lohn erhielten sie 1000 DM für das erste, 2000 DM für das zweite und 3000 DM für das dritte Rätsel, also maximal 6000 Deutsche Mark insgesamt.

Produktion Die Sendung wurde verantwortlich vom Süddeutschen Rundfunk (SDR) und Bayerischen Rundfunk (BR) produziert. Das Schweizer Fernsehen (SF DRS) fungierte als Koproduzent, während die Télé Union Paris (TUP) die Lizenzrechte an der Sendereihe hatte und hat. Geplant waren zunächst 13 Folgen, wobei die Aufgaben, Schauplätze, Kameraleute und Piloten größtenteils vom französischen Original seitens Antenne 2 übernommen wurden.

Aus technischen Gründen wurde die Sendung zwar unter „Live-Bedingungen“ produziert, dennoch allerdings komplett aufgezeichnet, weil die Realisierung alles andere als unkompliziert war. Aus diesem Grund wurde das Format kostengünstig von den Pariser Kollegen von „Antenne 2“ übernommen und alle 13 Folgen parallel in Deutsch und in Französisch produziert.Rotierender Reporter Der Spiegel 29/1982, 19. Juli 1982. Dazu gehörten auch der Vorspann, der Abspann sowie die Studioeinrichtung des französischen Originals. Die Studioaufnahmen und die Bilder des Außenteams wurden dann nachträglich zur fertigen Sendung zusammenmontiert.

Der Kameramann des Außenteams bzw. dessen Kameraassistent führte dazu einen tragbaren Videorekorder mit sich, auf dem die Bilder festgehalten wurden, die nie live ins Studio übertragen wurden. Zusätzlich war in die jeweilige Region jeweils eine Telefonverbindung aufgebaut, wobei dann zumeist über ein tragbares Duplex-UKW-Funksystem das Signal aus dem Studio in Paris an den Reporter vor Ort und umgekehrt übermittelt wurde. Doch gerade zu den außereuropäischen Zielen brachen die Sprechverbindungen immer wieder gänzlich ab, so dass die Aufzeichnungen unterbrochen und teils erst am nächsten Tag wieder aufgenommen wurden.

Der jeweilige Außenreporter und sein Team legten die großen Entfernungen generell mit dem Hubschrauber zurück. Da man aber nicht immer direkt am Zielort landen konnte, mussten oft mehrere hundert Meter zu Fuß zurückgelegt werden. Daher war vom Außenteam sportliche Fitness erforderlich und der Reporter stets mit einem roten Overall bekleidet. In den meisten Fällen stiegen Kameramann und dessen Helfer ebenfalls mit aus und legten die erforderlichen Strecken zu Fuß zurück. Doch je nach Schwierigkeit des Geländes blieben diese mit ihrer schweren Ausrüstung auch gelegentlich im Hubschrauber und filmten die Szenen mit den Aktionen des Außenreporters von der Luft aus.

Die „Schätze“ selbst waren eigens vor Spielaufnahme durch die Redaktion platzierte Gegenstände oder Auftragsarbeiten vor Ort. Wesentlich geprägt wurden die Folgen dadurch, dass es damals noch keine Satellitentechnik gab, mittels derer das ganze Spielgeschehen hätte vereinfacht werden können, was der Sendung andererseits aber auch den Reiz genommen hätte. Daher bestand ein Großteil der einzelnen Sendungen daraus, die Außenreporter Günther Jauch und Bernhard Russi, die abwechselnd zum Einsatz kamen, zu fragen, wo sie gerade sind und was sie sehen oder machen.

Kritik In Deutschland wurde das Format so schlecht aufgenommen, dass es zum Gegenstand von offenem Spott – „Rätselflugangst“ – und nach den 13 geplanten sowie produzierten Sendungen wieder eingestellt wurde. So begeisterten sich die Befürworter des Formates für eine seinerzeit actionreiche Unterhaltungsshow, die Gegner indes forderten, den Hubschrauberpiloten die Fluglizenz zu entziehen, weil sie teilweise gegen die jeweils geltenden Luftsicherheitsbestimmungen verstoßen hatten.

Ebenso äußerten auch einige Kandidaten Kritik an der Sendung, weil sie manche Aufgabenstellungen zum Auffinden der insgesamt drei gesuchten „Schätze“ innerhalb der vorgegebenen 45 Minuten im teils sehr groß dimensionierten Suchgebiet für nahezu unmöglich hielten. Tatsächlich waren einige „Schatzstätten“ so weit von einem möglichen Hubschrauber-Landeplatz entfernt, dass die Außenreporter und Kameraleute sehr weite Wege zu Fuß oder beispielsweise gar per Pferd zurücklegen mussten, um diese in einer angemessenen Zeit überhaupt zu erreichen.

Folgen Die Beschreibungen der Inhalte einzelner Sendungen enthalten die Namen der Kandidaten sowie deren Herkunft zum Produktionszeitpunkt. Ebenso die Rätseltexte und wo die Schätze zu finden waren sowie worum es sich dabei handelte. Auch die Stoppuhrzeiten sind erwähnt und dementsprechend, ob das Kandidatenpaar alle Rätsel lösen konnte. Die Reihenfolge der einzelnen Folgen basiert auf jener der ARD-Erstausstrahlung, wobei einige Sendungen nicht unbedingt berücksichtigt sind, weil diese in den jeweiligen ARD-Archiven offenbar verschollen sind. (Die Rechtschreibung der Rätseltexte orientiert sich übrigens an jener, wie sie seinerzeit in den einzelnen Sendungen verwendet wurde!)

Folge 01: Füssen Das Suchgebiet befand sich rund um Füssen in Bayern. Pilot des Helikopters vom Typ Aerospatiale AS 350 Ecureuil war Günther Braun († 1993), Reporter an Bord war Günther Jauch. Die Kandidaten waren Monika und Franz Meier aus Dornach bei Basel. Innerhalb der vorgegebenen Zeit von 45 Minuten wurden alle drei Rätsel gelöst. Rätseltext Lösung & Schatz #1 „Durchqueren Sie die Grotte, die keine ist, danach finden Sie an dem Ort, an dem der Sitz meiner Macht sein sollte, das Symbol meiner Familie.“ – Unterschrift: Ludwig Gesucht war König Ludwig II., der eine künstliche Grotte in seinem Schloss Neuschwanstein errichten ließ, durch die man zum Thronsaal gelangte. Dort war als Familiensymbol ein kleiner Porzellanschwan platziert, der den gesuchten Schatz darstellte. (Die Restspielzeit wurde bei 29:28 angehalten.) #2 „Da wo ich nur im Sommer wohnte, ließ ich meinen Ring genau unter dem höchsten Balkon, auf dem man nicht stehen kann, fallen.“ – Unterschrift: Bischof von Augsburg Gesucht war die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Augsburg im Hohen Schloss Füssen. Unter dem aufgemalten Erker des dortigen „Storchenturms“ war in der Böschung am Fundament ein Ring versteckt, welcher der gesuchte Schatz war. (Die Restspielzeit wurde bei 10:29 angehalten.) #3 „Am weißen Geweih eines Hirsches bei meiner Jagdhütte hängt meine Patronentasche.“ – Unterschrift: Ludwig Gesucht war erneut Ludwig II., der mehrere Jagdhütten hatte. Die gesuchte Hütte befand sich in der Bleckenau im Landkreis Schwangau, wo an der Außenfassade der obersten Etage ein Hirschgeweih angebracht war, woran die als Schatz gesuchte Patronentasche hing. (Die Restspielzeit wurde bei 00:11 angehalten.)

Folge 02: Dubrovnik Das Suchgebiet befand sich rund um Dubrovnik im damaligen Jugoslawien, heute Kroatien. Reporter an Bord des Helikopters war Günther Jauch. (In den Archiven der ARD-Sender ist diese Rätselflugfolge nicht mehr als Videomaterial vorhanden.)

Folge 03: Loreley Das Suchgebiet befand sich rund um die Loreley in Rheinland-Pfalz. Pilot des Helikopters vom Typ Agusta-Bell AB-206B JetRanger III war erneut Günther Braun († 1993), Reporter an Bord war Günther Jauch. Die Kandidaten waren Liliana Palazzi und Willi Schmidt aus Zürich. Innerhalb der vorgegebenen Zeit von 45 Minuten wurden alle drei Rätsel gelöst. Rätseltext Lösung & Schatz #1 „In dem schrecklichen Kerker, in den mich der Graf und Zöllner des Rheins hinunterließ, finden Sie mein Gold.“ – Unterschrift: Ein Schiffer Gesucht war die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub, die einst als Zollwache auf der Rheininsel Falkenau erbaut wurde. Dort befand sich ein neun Meter tiefes Verlies, in welches Günther Jauch per Seil herabgelassen wurde. Am Boden befand sich ein kleiner Lederbeutel, der einige Gold- und Kupfermünzen enthielt, die den gesuchten Schatz darstellten. (Die Restspielzeit wurde bei 33:44 angehalten.) #2 „Katz und Maus sahen sie der weißen Fahne widerstehen, sich aber der Trikolore ergeben. In der "Uhr" finden Sie meine Pistole.“ – Unterschrift: Ein Kanonier Gesucht war die Burg Rheinfels oberhalb von Sankt Goar, die von den beiden Burgen Katz und Maus aus eingesehen werden konnte. Am so genannten U(h)rturm, einem Torturm der Burg, befand sich ein verfallener Gang zu einem Innenraum. Dort war unter einer Fensternische eine alte zweiläufige Steinschlosspistole versteckt, die der gesuchte Schatz war. (Die Restspielzeit wurde bei 16:11 angehalten.) #3 „Auf dem Bauwerk, das zwei enge Verwandte trennt, finden Sie deren Bögen.“ Gesucht waren die so genannten „feindlichen Brüder“, die Burgen Sterrenberg und Liebenstein bei Kamp-Bornhofen. Zwischen den beiden Wehranlagen befanden sich zwei „Streitmauern“, wo auf dem Wehrgang der Mauerkrone eines der beiden Bauwerke zwei Pfeilbögen platziert waren, die den gesuchten Schatz darstellten. Günther Jauch erreichte diese, indem er sich an eine Kufe des Helikopters hing. (Die Restspielzeit wurde bei 01:21 angehalten.)

Folge 04: Djibouti Das Suchgebiet befand sich rund um Djibouti. Reporter an Bord des Helikopters war Bernhard Russi. (In den Archiven der ARD-Sender ist diese Rätselflugfolge nicht mehr als Videomaterial vorhanden.)

Folge 05: Nordsee Das Suchgebiet befand sich auf dem Frigg-Gasfeld des Mineralölunternehmens Elf Aquitaine in der Nordsee zwischen den Shetlandinseln und Norwegen. Reporter an Bord des Helikopters vom Typ Bell 214B Big Lifter war Bernhard Russi. Die Kandidaten waren Inge Windfelder und Egon Griesser aus München. Innerhalb der vorgegebenen Zeit von 45 Minuten wurden alle drei Rätsel gelöst. Rätseltext Lösung & Schatz #1 „Jim Spencer arbeitet immer unter Druck. Wenn Sie ihn gefunden haben, bitten Sie ihn, den Namen von Odins Frau aufzuschreiben.“ Gesucht war ein Taucher namens Jim Spencer, der auf dem Schiff „Stena Protector“ arbeitete. Dieser schrieb den Namen der nordischen Göttin Frigg auf einen Zettel, wobei es sich bei dieser Notiz um den gesuchten Schatz handelte. (Die Restspielzeit wurde bei 26:33 angehalten.) #2 „Auf einer Plattform ohne Wellenbrecher muß Bernhard Russi den Christbaum No 1 schließen.“ Als Fachbegriff „Christbaum“ war das Ventilsystem gesucht, über welches der Druck der Gasquelle gedrosselt werden konnte. Dieses befand sich auf der Bohrinsel „DP 2 Drilling Platform“, die nicht mit Wellenbrechern ausgestattet war. Nummer eins von insgesamt 24 Regelventilen musste per Handrad zugedreht werden, was als Schatz galt. (Die Restspielzeit wurde bei 14:36 angehalten.) #3 „Der Mann, der manchmal mit “Mutter Hubbard” arbeitet, wird Bernhard Russi einen seiner Kerne geben.“ Gesucht war ein Bohrmeißel auf der Plattform „North East“, wo Bernhard Russi durch einen Techniker ein Bohrkern als Schatz übergeben wurde. (Die Restspielzeit wurde bei 02:20 angehalten.)

Folge 06: Indien