mini|Verschiedene Portraits von Choctaw mini|Ehemaliges Stammesgebiet der Choctaw und erste Reservation (1838), Trails of Tears (Pfade der Tränen) und Gefechte mit indianischer Beteiligung im Südosten der USA zwischen 1811 und 1847

Die Choctaw oder Chahta sind ein nordamerikanisches Indianervolk, das ursprünglich im Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Mississippi, Alabama sowie Louisiana lebte und zum Kulturareal des Südöstlichen Waldlands der Vereinigten Staaten zählt.

Die Herkunft der heutigen Stammesbezeichnung als „Choctaw“ ist umstritten: Der Anthropologe John Swanton vermutet, dass sie sich vom Namen eines früheren, einflussreichen Häuptlings ableite, der Historiker Henry Halbert hingegen eine Ableitung vom Choctaw- bzw. Chahta-Wort Hacha hatak („Fluss-Volk“).

Sie sind sowohl sprachlich als auch kulturell eng verwandt mit den Chickasaw (Chikasha), denn beide Sprachen – das Choctaw (Chahta Anumpa) und Chickasaw (Chikashshanompa') – bilden das sogenannte „West-Maskoki“ der Muskogee (Maskoki)-Sprachfamilie.

Im 19. Jahrhundert waren beide – zusammen mit den Muskogee (Maskoki), Seminolen und Cherokee (Tsalagi) – als zwei der fünf zivilisierten Nationen bekannt, weil sie eine Vielzahl von kulturellen und technologischen Praktiken durch – oftmals erzwungene oder aus Selbstschutz unternommene – Assimilation und Akkulturation von den Europäern angenommen hatten. Dies schützte sie wie die anderen vier Völker jedoch nicht, während der Ära der Indianer-Umsiedlung gewaltsam auf dem Pfad der Tränen (Trail of Tears) ins Indianerterritorium (das heutige Oklahoma) unter Begleitung der US-Armee ausgewiesen zu werden.

Die Chahta sind berühmt für ihre extreme Großzügigkeit bei der großen Hungersnot in Irland, da sie im Jahr 1847 Geld zur Unterstützung der hungerleidenden Iren sammelten. Ihnen zu Ehren errichteten die Iren 2017 das Denkmal Kindred Spirits.

Heute gibt es mehrere anerkannte Stämme in Louisiana, Mississippi und Oklahoma oder von Choctaw-Abstammung in Alabama und Louisiana.

Geschichte Ursprünge

Der französische Forscher Antoine-Simon Le Page du Pratz schreibt in seiner Histoire de La Louisiane (Paris, 1758): „Als ich fragte, woher die Chat-ka kämen, erwiderten sie, sie kämen von ‚unter der Erde‘, um die Plötzlichkeit ihres Auftauchens zu erklären.“ Trotz der Annahme des Autors, dass diese Geschichte lediglich das plötzliche Auftreten des Volkes beschreiben soll und keine buchstäbliche Schöpfungsgeschichte ist, ist dies vielleicht die erste europäische Niederschrift, die die Schöpfungsgeschichte der Chat-ka erzählt.

Bernard Roman erzählte 1771 in seiner Natural History of East and West Florida (New York 1775) die Geschichte folgendermaßen:

Wie sowohl diese beiden als auch zeitgenössische Mississippi-Chahta-Geschichtenerzähler erzählen, tauchten die Chahta entweder aus Nanih Waiya selbst oder einer Höhle in der Nähe auf.

Eine andere Geschichte,Catlin’s Smithsonian Report, 1885 die die Chahta mit Nanih Waiya verbindet, erzählt, dass die Chahta ursprünglich viel weiter im Westen lebten:

Nach dieser Geschichte war es bei Nanih Waiya, als der Stock gerade stand. Nanih Waiya bedeutet auf Chahta „lehnender Hügel“.

Nanih Waiya befindet sich in Winston County (Mississippi) etwa zehn Meilen südöstlich von Noxapater (Mississippi). Früher war es ein Staatspark, wurde aber mittlerweile der Mississippi-Gruppe der Chahta zurückgegeben.

GallowayChoctaw Genesis 1500-1700; Lincoln, Neb.: University of Nebraska Press, 1995 argumentierte aus fragmentarischen archäologischen und kartographischen Funden heraus, dass die Chahta vor dem 17. Jahrhundert nicht als einheitlicher Stamm existiert hätten. Erst zu dieser Zeit hätten verschiedene südöstliche Völker, die Nachfahren der Moundville-Kultur, der Plaquemine-Kultur und anderer Mississippi-Kulturen, sich zu einem Chahta-Stamm koaliert, der sich seiner selbst bewusst wurde. Die Heimat der Chahta oder der daraus hervorgegangenen Völker liegt in dem Gebiet um Nanih Waiya. Der Erdhügel und das umgebende Areal sind den Chahta heilig und ein zentraler Verbindungspunkt zwischen den Chahta und ihrer Heimat.

Der Kontakt mit den Europäern Die Chahta waren ohne Zweifel ein Teil der Mississippi-Kultur im Tal des Mississippi River. Zu der Zeit, als die Spanier ihre ersten Vorstöße an die Golfküste machten, waren die politischen Zentren der Mississippi-Bewohner bereits im Abstieg begriffen oder bereits verschwunden. Die Region ist sehr gut beschrieben als eine Ansammlung mäßig-großer Häuptlingsreiche (wie jener am Coosa River und am Alabama River), unterbrochen von komplett autonomen Dörfern und Stammesgruppen. Dies fanden die ersten spanischen Entdecker ab 1519 vor.

Pánfilo de Narváez 1528 reiste Pánfilo de Narváez durch das Gebiet etwa um die Mobile-Bay-Gegend und beschrieb die Indianer, die als Antwort auf den spanischen Vorstoß flohen und ihre Häuser abbrannten. Diese Antwort war ein Vorspiel zu Hernando de Sotos Reisen zwölf Jahren später.

Hernando de Soto Von 1540 bis 1543 reiste Hernando de Soto durch Florida aufwärts und dann hinein in die Alabama-Mississippi-Gegend, die später von den Chahta bewohnt werden sollte. Wenn man zwischen den Zeilen seiner Berichte über die Ureinwohner liest, erscheint eine Region voller Stämme aller Größen und Kontrollgrade über ihre Nachbargebiete.

Hernando de Soto hatte die bestausgestattete Armee seiner Zeit. Seine Erfolge waren über Spanien hinaus wohlbekannt, und viele Menschen aus allen Schichten, unter ihnen Frauen und Kinder, gesellten sich zu seiner Truppe – in Erwartung der sagenhaften Schätze in der Neuen Welt. Jedoch waren die Brutalitäten von de Sotos Expedition auch unter den Chahta bekannt und sie beschlossen, ihr Land aggressiv zu verteidigen. Bob Ferguson stellt fest:

Die Schlacht von Mauvilla (Mabila) war der Wendepunkt von de Sotos Unternehmen; die Schlacht „brach das Rückgrat“ der Kampagne, die nie wieder voll hergestellt werden konnte. Innerhalb von neun Stunden starben 20 Spanier, weitere 20 wurden tödlich verwundet, keiner der Chahta überlebte, die 2000 bis 6000 Krieger starben im Kampf, wurden hingerichtet oder begingen Suizid. Die Hauptstadt der Chahta brannte nieder.

Die Ansteckung mit europäischen Krankheiten ist nicht gewiss. Berichte von De Sotos Reisen erwähnen keine Krankheiten unter seinen Leuten, obwohl die Schweine, die mit dem Tross mitgeführt wurden, oft entwichen und exzellente Vektoren für gefährliche Keime darstellten. Die zwei folgenden kurzen Vorstöße in den Südosten von Tristán de Luna y Arellano 1559 und Juan Pardo 1565 bis 1567 erhielten keine Beweise für grassierende Seuchen. Nach Pardo endet das historische Bild. Über ein Jahrhundert sollte mit den Europäern kein Kontakt mehr in dieser Gegend stattfinden. Während dieser Zeit veränderten sich die Gruppen-Identitäten in dieser Region komplett.

Le Moyne d’Iberville Der nächste direkte aufgezeichnete Kontakt zwischen den Chahta und einem Europäer war der mit Pierre Le Moyne d’Iberville 1699. Jedoch fand bis dahin ohne Zweifel indirekter Kontakt zwischen den Chahta und britischen Siedlern durch andere Stämme statt, unter ihnen die Muskogee und Chickasaw. Pelzhandel kann zu weiteren Kontakten geführt haben. Die archäologischen Funde dieser Periode von 1567 bis 1699 sind nicht komplett oder unerforscht; es gibt jedoch Ähnlichkeiten in der Keramikbemalung und Begräbnissen, die folgendes Szenario für das plötzliche Auftauchen der Chahta-Kultur plausibel machen: Die Chahta-Region (zwischen Natchez im Süden und dem Yazoo Basin im Norden) wurde langsam von Begräbnisurnen-Leuten aus der Bottle-Creek-Gegend im Delta des Mobile River besetzt. Gleichzeitig kamen Nachfahren des Moundville-Häuptlingsreichs, das einige Jahre zuvor zusammengebrochen war. Angesichts ernsthafter Entvölkerung flohen sie westwärts, wo sie sich mit den Plaquemine und einer Gruppe „Prärie-Leuten“ vereinigten, die in der Nähe lebten. Wann dies genau geschah, ist noch nicht vollständig geklärt. Doch innerhalb weniger Generationen wurde eine neue Kultur geboren (wenn auch mit einem starken Hintergrund der Mississippi-Kultur).

Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs teilten sich die Chahta in ihrer Unterstützung entweder Großbritanniens oder Spaniens (das 1779 Großbritannien den Krieg erklärte) auf, wobei die meisten Chahta-Krieger, die im Unabhängigkeitskrieg mitkämpften, die britischen Aktionen bei Natchez, Mobile und Pensacola unterstützten. Die Chahta zählten bis zum Vertrag der Hopewell-Verhandlungen 1786 nicht als Amerikaner. John R. Swanton schreibt:

Einige Chahta-Scouts dienten unter US-General Wayne im Nordwestlichen Indianerkrieg. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs waren die Chahta auf der Seite der Südstaatler.

Die Chahta waren bekannt für ihre schnelle Eingliederung in die europäische Modernität. John R. Swanton schreibt:

George Washingtons Indianerpolizei wurde dazu benutzt, die Indianer zu „zivilisieren“. Er glaubte, dass die Indianer selbst gleichwertig waren, ihre Gesellschaft jedoch minderwertig. Der 6-Punkte-Plan schloss ein: 1) Ungeteilte Gerechtigkeit gegenüber Indianern, 2) regulierter Kauf indianischen Lands, 3) verstärkter Handel, 4) verstärkte Experimente, Indianer zu zivilisieren, 5) dem Präsidenten Autorität geben, ihnen „Geschenke“ zu machen und schließlich 6) verstärkte Bestrafung jener, die indianische Rechte verletzen.

Ausweisung und Verträge Obwohl viele Verträge mit anderen europäischen Nationen abgeschlossen wurden, wurden nur neun Verträge zwischen den Chahta und den USA abgeschlossen (zwischen 1786 und 1830). Ferguson schreibt: „Neun Verträge wurden während einer vierundvierzigjährigen Periode von 1786 bis 1830 unterzeichnet. Man muss die Mengen Chahta-Land bedenken, die in diesen Verträgen behandelt wurden, vor allem weil sie auch Vereinbarungen anderer Themengebiete enthielten, denn Land war die wertvollste Resource der Indianer.“ Diese Verträge sind:

Vertrag von Hopewell 3. Januar 1786 Vertrag von Fort Adams 17. Dezember 1801 Vertrag von Fort Confederation 17. Oktober 1802 Vertrag von Hoe Buckintoopa 31. August 1803 Vertrag von Mount Dexter 16. November 1805 Vertrag von Fort St. Stephens 24. Oktober 1816 Vertrag von Doak's Stand 18. Oktober 1820 Vertrag von Washington City 20. Januar 1825 Vertrag von Dancing Rabbit Creek  15.–17. September 1830

Der letzte Vertrag, der bedeutendste, war der Vertrag von Dancing Rabbit Creek (1830). Der Vertrag übertrug das verbliebene traditionelle Heimatland der Chahta im Gegenzug für finanzielle Kompensationen an die USA. Artikel 14 dieses Vertrags erlaubte einigen Chahta, im Staat Mississippi zu verbleiben:

Ergänzend wurde ein Gesetz erlassen, das es für illegal erklärte, sich gegenüber anderen Chahtas gegen die Umsiedlung auszusprechen.Howard Zinn: A People’s History of the United States; Harper Perennial, 2005; ISBN 0-06-083865-5; S. 138. Jene Chahta, die zwischen 1831 und 1838 ins Indianerterritorium ausgewiesen wurden, wurden als Chahta-Nation von Oklahoma organisiert. Jene, die unter Artikel 14 des Vertrags von Dancing Rabbit Creek unterzeichneten, bildeten später die Mississippi-Gruppe der Chahta-Indianer. 1831 gingen Zehntausende Chata den 800-km-Weg nach Oklahoma und viele starben. Die Ausweisungen gingen bis ins frühe 20. Jahrhundert weiter und wurden unter der Bezeichnung Pfad der Tränen bekannt.

Große Hungersnot in Irland