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Lahr/Schwarzwald (bis 30. September 1978 nur Lahr) ist eine Große Kreisstadt im Ortenaukreis im Westen Baden-Württembergs. Sie ist nach der Kreisstadt Offenburg die zweitgrößte Stadt des Ortenaukreises und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung wurde Lahr 1956 zur Großen Kreisstadt. Mit der Gemeinde Kippenheim ist die Stadt eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Geografie Geografische Lage Lahr liegt am Westrand des Schwarzwaldes, auf der östlichen Seite der Rheinebene an den Ausläufern des Schuttertals.

Lahr liegt etwa 38 km nördlich von Freiburg im Breisgau und 100 km südlich von Karlsruhe. 40 km nordwestlich liegt Straßburg.

Gewässer Die Schutter erreicht vom Schwarzwald kommend im Südosten das Stadtgebiet. Sie durchfließt dann in nordwestlicher Richtung die Stadtteile Reichenbach und Kuhbach, anschließend die Kernstadt (die Altstadt liegt am rechten Ufer des Flusses) und den Stadtteil Dinglingen. Hier wendet sich der Fluss nach Norden, durchfließt den Stadtteil Hugsweier und verlässt dann wieder das Stadtgebiet.

Unweit von Dinglingen zweigt der Schutterentlastungskanal ab.

Nachbarorte Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, grenzen folgende Städte und Gemeinden an die Stadt Lahr/Schwarzwald:

Friesenheim Seelbach Kippenheim Mahlberg Schwanau Meißenheim

Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Lahr gliedert sich in die Kernstadt, zu der heute auch der 1899 eingemeindete Ort Burgheim sowie die 1933 eingegliederte Gemeinde Dinglingen gehören. Beide sind heute mit Lahr zusammengewachsen.

Hinzu kommen die im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden und heutigen Stadtteile Hugsweier,hugsweier.lahr.de/ Kippenheimweiler,kippenheimweiler.lahr.de/ Kuhbach, Langenwinkel,langenwinkel.lahr.de Mietersheim,mietersheim.lahr.de Reichenbachreichenbach.lahr.de/ und Sulz.sulz.lahr.de/siehe auch Burg Burgheim

Zu einigen Stadtteilen gehören teilweise weitere separat gelegene Wohnplätze mit eigenem Namen, die meist nur sehr wenige Einwohner haben, inzwischen aber teilweise auch schon mit dem Hauptort zusammengewachsen sind. Andererseits gibt es auch neue Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Grenzen meist jedoch nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen gehören folgende Wohnplätze bzw. Siedlungen zu den Stadtteilen: zu Kuhbach: Brudertal zur Kernstadt: Schutterlindenberghof, Waldfrieden zu Reichenbach: Eichberg, Gereut, Giesenhof, Langeck, Poche, Schindelhöfe zu Sulz: Dammenmühle, Ernethof, Hohberg, Langenhard

Raumplanung Lahr/Schwarzwald bildet ein Mittelzentrum innerhalb des Verbands Region Südlicher Oberrhein mit dem zugehörigen Oberzentrum Offenburg (ein weiteres Oberzentrum der Region ist Freiburg im Breisgau). Zum Mittelbereich Lahr gehören neben der Stadt Lahr/Schwarzwald noch die Städte und Gemeinden Ettenheim, Friesenheim, Kappel-Grafenhausen, Kippenheim, Mahlberg, Meißenheim, Ringsheim, Rust (Baden), Schuttertal, Schwanau und Seelbach.

Geschichte mini|Stadtplan von 1726 mini|Lahr 1909

Bis zum 18. Jahrhundert Auf der Gemarkung Lahr-Dinglingen zwischen Schutter, dem Gewann „Mauerfeld“ und im Gewerbegebiet fanden sich Reste einer römischen Siedlung (siehe Vicus von Lahr) mit mehrphasiger Bebauung. Der Befund zeigt einen gallorömischen Umgangstempel, Brunnen, Töpferei, Wirtschaftsgebäude und Streifenhaus in Fachwerktechnik, eine charakteristische Bauweise der Römer vor allem in den Nordwestprovinzen. Die Fundstücke befinden sich in der Sammlung des Stadtmuseums.

Die Siedlung Lahr entstand um den Storchenturm Lahr, eine Tiefburg der Geroldsecker aus dem Jahre 1220, und wurde vermutlich 1278 zur Stadt erhoben. Das 1377 erneuerte Stadtprivileg bildete bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs den Eckpfeiler der städtischen Freiheiten und erlaubte im 18. Jahrhundert wegen seiner deutlichen Steuerprivilegien den Aufschwung der Stadt als Handelszentrum.

Bei der Geroldseckischen Hausteilung 1277 kam Lahr zur unteren Herrschaft (Herrschaft Lahr-Mahlberg). Als die Lahr-Mahlberger Linie mit Heinrich III. von Geroldseck 1426 im Mannesstamm ausstarb, fiel das Erbe an Graf Johann I. von Moers-Saarwerden. 1442 verpfändeten die Grafen von Moers-Saarwerden die Hälfte des Lahr-Mahlberger Erbes an die Markgrafen von Baden, die schließlich 1497 ihren Teil käuflich erwarben, womit sich die Herrschaft fortan jeweils zur Hälfte im Besitz der Markgrafen von Baden und der Grafen von Moers-Saarwerden befand. Ersteren folgten 1533 die Markgrafen von Baden-Baden, letzteren folgten 1527 die Grafen von Nassau-Saarbrücken. Die religiösen Spannungen zwischen den katholischen Baden-Badenern und den protestantischen Nassauern führten unter Markgraf Wilhelm von Baden-Baden 1629 zur Realteilung des Kondominats Lahr-Mahlberg durch Losentscheid, wobei Mahlberg an Baden-Baden, Lahr an Nassau fiel.

Nach starken Bevölkerungsrückgängen im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1677 während des Holländischen Kriegs von französischen Truppen unter dem Marschall Créquy in Brand gesetzt. Wichtigste Ereignisse im 18. Jahrhundert waren die verschiedenen „Lahrer Prozesse“ der Bürgerschaft gegen ihre eigene Landesherrschaft, die 1726 und 1778 zu Gunsten der Bürger entschieden wurden und in der Stadt das von der Herrschaft intendierte absolutistische System verhinderten.

19. Jahrhundert 1803 kam Lahr mit seinem Umland an Baden und die Stadt wurde Sitz eines badischen Amtes, das im Laufe der Geschichte mehrmals verändert wurde.

Im 19. Jahrhundert war Lahr eine bedeutende Druckerstadt. So hat auch der aus einer Druckerei hervorgegangene Burda-Verlag, der heute im benachbarten Offenburg beheimatet ist, den Ursprung seiner Firmengeschichte z. T. in Lahr.

20. Jahrhundert Schon von 1898 bis 1919 sowie von 1936 bis 1945 war Lahr Garnisonsstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lahr Stützpunkt französischer Streitkräfte (bis zum NATO-Austritt Frankreichs). Von 1969 bis in die 1990er Jahre hatte das Hauptquartier der kanadischen NATO-Streitkräfte in Europa hier seinen Sitz. Durch den anschließenden Zuzug ehemaliger Russlanddeutscher bzw. Spätaussiedler, insgesamt 9000 Menschen, und von ca. 4000 Menschen anderer Nationalitäten hat derzeit etwa jeder vierte Bürger Lahrs einen Geburtsort im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Nach dem Abzug der kanadischen Streitkräfte blieb eine kleine Gemeinde kanadischer Bürger – ca. 200 meist ehemalige Zivilangestellte des Militärs – in Lahr zurück.

Bereits 1939 war Lahr Kreisstadt des aus dem bisherigen Bezirksamt Lahr hervorgegangenen Landkreises Lahr geworden, der später das Kfz-Kennzeichen „LR“ bekam. Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Lahr aufgelöst und seine Gemeinden dem neu gebildeten Ortenaukreis zugeordnet. Lahr war somit die mit Abstand größte Stadt im ehemaligen Regierungsbezirk Südbaden (Freiburg), die ihren gleichnamigen Landkreis und dessen Kreissitz verloren hatte.

Einige Szenen des kanadischen Politthrillers Power Play wurden 1974 mit kanadischen Truppen in Lahr gedreht.kinotv.com: Power PlayBadische Zeitung online vom 12. Februar 2006: Peter O’Toole in Lahrer KulissenBadische Zeitung online vom 12. Juli 2019: Lahr als Kinokulisse – Militär vor dem Henkershisli

Stadtteile Auch die Stadtteile Lahrs haben eine lange Geschichte. Die meisten gehörten zur Herrschaft Lahr (Hugsweier, Burgheim, Dinglingen, Langenwinkel und Mietersheim) und teilten folglich die Geschicke der Stadt. 1803 kamen sie an Baden und waren Gemeinden im Amtsbezirk Lahr, bevor sie 1972 in die Stadt Lahr eingegliedert wurden. Hugsweier wurde 1341 als „Hugeswilre“, Burgheim 1035 als „Burcheim“, Dinglingen 961 als „Tuntelinga“, Mietersheim 762 als „Mutherisheim“ und Sulz 1270 als „Sulz“ erstmals erwähnt.

Langenwinkel ist ein recht junges Dorf. Es wurde zunächst ab 1787 auf der Gemarkung Dinglingen im nassauischen Waldgebiet, das hierfür gerodet wurde, angelegt. 1790 wurde das erste Haus errichtet, und 1797 wurde Langenwinkel eine selbständige Gemeinde, die mit Lahr 1803 an Baden kam. Nach 1951 wurde in der unmittelbaren Nachbarschaft der Flugplatz der französischen Streitkräfte angelegt. Dies führte zu einer erheblichen Belastung für die Einwohner Langenwinkels. 1965 beschloss daher das Bundesverteidigungsministerium, den Ort zu verlegen. Er wurde einige Kilometer südöstlich unweit des Hurster Hofes zwischen 1968 und 1971 neu angelegt.

Kippenheimweiler wurde 1417 als „Wilre“ bzw. 1462 als „Kippenwiler“ erstmals erwähnt. Es war ein Ausbauort Kippenheims und kam mit diesem 1629 an die badische Herrschaft Mahlberg, ab 1810 zum Amt Ettenheim und erst nach dessen Auflösung 1924 zum Bezirksamt Lahr.

Kuhbach wurde 1035 als „Cuobach“ erstmals erwähnt. Es gehörte zunächst den Geroldseckern und kam bei deren Teilung 1278 an Hohengeroldseck (Vogtei Seelbach). Kirchlich gehörte es zunächst zu Burgheim, dann zur Pfarrei Lahr. Nach der Gegenreformation in Hohengeroldseck wurde der Ort wieder katholisch. Der Ort kam erst 1819 an Baden und wurde dann dem Bezirksamt Lahr zugeordnet.

Reichenbach wurde 1270 als „Richenbach“ erstmals erwähnt. Der Ort war zwischen Geroldseck und Tiersberg geteilt. Der Tiersberger Teil kam im 14. Jahrhundert über Schwarzenberg und Ettendorf, Hummel von Staufenberg nach und nach an Baden, die den Ort an die Röder zu Lehen gaben. Der hohengeroldseckische Teil kam über die Cronberg an die Grafen von der Leyen. Reichenbach war zunächst evangelisch, wurde aber ab 1658 wieder katholisch. Der baden-rödersche Teil kam 1806 an die Grafschaft Geroldseck, wurde mit dieser 1815 österreichisch und wurde 1819 an Baden (Amt Hohengeroldseck) abgetreten. Erst 1832 kam Reichenbach zum Bezirksamt Lahr.

21. Jahrhundert Die ersten Stolpersteine für Verfolgte und Opfer des Nationalsozialismus wurden in Lahr im Januar 2004 verlegt, siehe Liste der Stolpersteine in Lahr/Schwarzwald.

Eingemeindungen Folgende Gemeinden wurden in die Stadt Lahr/Schwarzwald eingemeindet: 1899: Burgheim 1933: Dinglingen 1. Januar 1972 (Gebietsreform in Baden-Württemberg): Hugsweier, Kippenheimweiler, Kuhbach, Langenwinkel, Mietersheim, Reichenbach und Sulz

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Lahr-Schwarzwald von 1804 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle mini|400px|Bevölkerungspyramide für Lahr/Schwarzwald (Datenquelle: Zensus 2011)

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1804 4.753 1815 4.371 1852 6.939 1. Dezember 1871 9.173 1. Dezember 1880 ¹ 11.152 1. Dezember 1900 ¹ 16.068 1. Dezember 1910 ¹ 17.919 16. Juni 1925 ¹ 16.609 16. Juni 1933 ¹ 16.807 17. Mai 1939 ¹ 18.100 1946 16.662 13. September 1950 ¹ 19.530 6. Juni 1961 ¹ 22.599 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 24.725 31. Dezember 1975 35.570 31. Dezember 1980 35.465 25. Mai 1987 ¹ 33.141 31. Dezember 1990 34.719 31. Dezember 1995 42.021 31. Dezember 2000 42.555 31. Dezember 2005 43.648 31. Dezember 2010 43.827 31. Dezember 2015 44.884 31. Dezember 2020 47.551 31. Dezember 2023 49.420 ¹ Volkszählungsergebnis

mini|Kirche St. Stephanus im Stadtteil Reichenbach

Religionen Konfessionsstatistik Laut Zensus 2011 waren 38,7 % Einwohner evangelisch und 34,7 % römisch-katholisch. 26,6 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos. Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1,5 Prozentpunkte gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren 29,1 % der Einwohner evangelisch, 26,7 % katholisch, und 44,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 11. Januar 2025