Bad Soden (bis 1928 Soden, 1928–1974 Bad Soden bei Salmünster) ist ein Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Weitere Ortsteile sind Ahl, Alsberg, Hausen, Eckardroth, Katholisch-Willenroth, Kerbersdorf, Mernes, Romsthal, Salmünster und Wahlert.
Die ehemals selbständige Kurstadt Bad Soden bei Salmünster wurde am 1. Juli 1974 im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Gesetzes mit der Stadt Salmünster und der Gemeinde Mernes zur Stadt Bad Soden-Salmünster zusammengeschlossen.
Geographie Lage mini|Die Salz in Bad Soden Bad Soden liegt im Main-Kinzig-Kreis am Nordrand des Spessarts und am Südrand des Vogelsbergs im Kinzigtal.
Durch Bad Soden fließt die Salz, die bei Salmünster in die Kinzig mündet; Spazier- und Radwege durch die Flussauen verbinden beide Stadtteile.
Nachbarorte Bad Soden grenzt im Norden an die Ortsteile Wahlert und Romsthal, im Osten an den Ortsteil Ahl, im Süden an den Ortsteil Salmünster und im Westen an das zur Gemeinde Brachttal zählende Udenhain.
Geschichte Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung von (Bad) Soden, als „Sodin“, stammt aus dem Jahr 1190.
Hauptwirtschaftsgut der Siedlung war seit dem frühen Mittelalter das Salz; insoweit ist ihre Geschichte parallel zu derjenigen des nur wenige Kilometer südlich gelegenen Bad Orb zu betrachten, unterscheidet sich jedoch insbesondere wegen der unterschiedlichen Herrschaften erheblich von dieser.
Bereits um 900 wurden in der Umgebung salzhaltige Quellen gefunden, die in den Besitz des Klosters Fulda gelangten. Um 1190 wurde in einer Urkunde des Abtes Konrad II. von Fulda (1177–1192) Sodin erwähnt. Am 6. Juli 1296 wurde die unterhalb der Burg Stolzenberg gelegene Siedlung durch König Adolf von Nassau unter dem Namen „Stolzental“ zur Stadt erhoben und mit Frankfurter Recht versehen. In der Praxis setzte sich aber der Gang zum Oberhof Gelnhausen durch.Karl Schmerbach: Der Oberhof Gelnhausen. In: Geschichtsblätter für Stadt und Kreis Gelnhausen 1966, S. 13–33 (23). Das Dorf der Salzsieder wurde der Stadt eingemeindet und setzte sich namensetymologisch am Ende durch. Ob die Burg Stolzenberg eine Schutzfunktion für die Solequellen wahrnahm, ist historisch nicht gesichert.
Die Burg war im 14. und 15. Jahrhundert auch Sitz der Herren von Hutten, die die Stadt als Pfandbesitz Fuldas verwalteten. Nachdem Philipp der Großmütige 1522 die Burg eingenommen hatte, entstand in der Siedlung im Tal 1536 eine neue Residenz der Hutten, die als „Huttenschloss“ erhalten ist.
Neuzeit Anders als in Orb wurden im 16. Jahrhundert die Salzquellen verschüttet und die Salinen stillgelegt. Soden war zeitweise verpfändet an Kurmainz, wurde jedoch 1734 von Fulda zurückgekauft, indes mit der Maßgabe, die Solequellen nicht zu reaktivieren, solange die mit 10 Gradierwerken in Orb arbeitende Saline in Produktion war; ein Konkurrenzbetrieb sollte auf diese Weise ausgeschlossen werden.
Die Säkularisation des Klosters Fulda 1803 führte zu einer Besitzübernahme durch das Kurfürstentum Hessen nach der Neuordnung im Wiener Kongress 1815. Da es Kurmainz im neu geordneten Reich nun auch nicht mehr gab, wurde die Verpflichtung, die Salzquellen nicht zu nutzen, hinfällig. Trotzdem hat Kurhessen die Neuerrichtung einer Saline als wirtschaftlich unrentabel verworfen. Parallel vollzog sich auch der Niedergang der Orber Saline unter bayerischer Regierung.
Ebenso wie in Orb begann im 19. Jahrhundert die Nutzung der Solequellen als Heilwasser. 1837 – im gleichen Jahr, als der Apotheker Franz Leopold Koch (1782–1850) die erste Solbadeanstalt mit 8 Badekabinetten in Orb errichtete – begann man, die Sodener Quellen freizulegen. Hierzu überliefert ist die Geschichte von einer Kuh: Ständig an einer bestimmten Stelle auf der Wiese links der Salz leckend, animierte sie die Einwohner zu Grabungen, die einen alten Brunnenschacht und die kohlensäurehaltige Sole ans Tageslicht förderten. Relikte mittelalterlicher Gradierkästen wurden ausgegraben. Friedrich Wilhelm von Hessen, der letzte Kurfürst, sprach der Stadt 1844 das Recht zu, die Quellen zu fassen. Die Bürger nutzten diesen heilenden Schatz der Natur zu Beginn in privater Hand, jedoch fehlten Investoren. Wohlhabende Frankfurter – die Orber Jagdgesellschaft – investierten in die Koch’schen Anlagen vor Ort, nicht aber in die Quellen von Soden. Am 9. Oktober 1875 erwarben Georg Vitriarius und Balthasar Emmerich aus Gießen von der Stadt Soden die Quellen. Vitriarius errichtete im Souterrain des Huttenschlosses eine erste private Badeanstalt. „Bis zum Jahr 1881 wurde ein Badehaus mit 8 Badezellen geschaffen. Nach Vitriarius' Tod führte seine Witwe das Geschäft mit großem Erfolg fort. Sie erbaute das Kurhaus, die Villa Vitriarius, legte die Badestraße an, Fasste die Rolandquelle und richtete einen Tafelwasserversand ein“ aufgerufen am 15. Februar 2021. Erst 1919 gelang es der Stadt, das Nutzungsrecht von der privaten Betreibergesellschaft zurückzuerwerben. mini|hochkant=0.7|"Marienheim" (1997) Zuvor wurden bereits neue Sprudel erschlossen. Der Pacificus-Badesprudel am Stolzenberg wurde am 7. August 1907 durch den 1. Pfarrer von Soden, Pacificus Schulz mit einer Tiefe von 406 m erbohrt und mit einem Pavillon überdeckt. Die Quelle wurde Teil des 1905 gegründeten Sanatoriums "Marienheim", das in den 50er Jahren als katholisches Kinderheim und später als Teil der St. Marien Reha-Klinik genutzt wurde. Über der Eingangstür an der Pacificusstraße 14 ist das Wappen der Fuldaer Erzbischofs Adalbert Endert angebracht ist. Das Hessische Landesamt für Denkmalpflege beabsichtigte die gesamte Anlage als Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen unter Schutz zu stellen.
1928 wurden der Stadt das Prädikat „Bad“ verliehen und seitdem die Gesundheitsinfrastruktur kontinuierlich ausgebaut. Die Kurstadt verfügt heute über ein vielfältiges Hotellerie- und Gastronomieangebot, acht hoch qualifizierte Reha-Fachkliniken, eine umfassende ambulante Ärzte- und Therapieversorgung sowie viele Freizeiteinrichtungen. Mit der Spessart-Therme errichtete Bad Soden 2005 eine Thermalbade- und Saunalandschaft nach zeitgenössischem Wellness-Verständnis.
Gebietsreform Am 1. Dezember 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wahlert im Zuge Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Bad Soden bei Salmünster eingegliedert. Am 1. April 1972 folgen die Gemeinden Eckardroth und Ahl ebenfalls auf freiwilliger Basis.
Die Stadt Bad Soden-Salmünster besteht seit dem 1. Juli 1974. Sie entstand durch den Zusammenschluss kraft Landesgesetz der Städte Bad Soden bei Salmünster und Salmünster sowie der Gemeinde Mernes. Für Bad Soden wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1668: 21 Herdstätten mit 95 Personen • 1789: 130 Bürger (mit Hof Salz) • 1812: 128 Feuerstellen, 986 Seelen
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 36 evangelische (= 4,08 %), 847 katholische (= 95,92 %) Einwohner • 1961: 466 evangelische (= 19,77 %), 1878 katholische (= 79,68 %) Einwohner
Politik Ortsbeirat Für Bad Soden besteht, ebenso wie für die anderen Stadtteile von Bad Soden-Salmünster, ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung. Im Ortsbeirat sind die CDU, die GWL und die SPD vertreten. Bei den Kommunalwahlen 2021 erlangte die CDU 2 Sitze, die GWL 3 Sitze und die SPD 2 Sitze im Ortsbeirat. Ortsvorsteher ist Tobias Schneider (GWL)., abgerufen am 10. August 2022
Wappen Am 30. März 1967 wurde der Stadt Bad Soden bei Salmünster im damaligen Landkreis Schlüchtern, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Blau ein schräglinks gestellter goldener Bischofsstab, darunter aus silberner Brunnenschale aufsteigend eine silberne Fontäne, rechts oben in silbernem Schild ein durchgehendes schwarzes Kreuz.
Wirtschaft und Infrastruktur Bildung Kindertagesstätte Seit 1975 gibt es in Bad Soden eine Kindertagesstätte, unter der Trägerschaft der Katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius. Sie ist mit 7 Gruppen für insgesamt bis zu 130 Kindern, in Ganz- oder Halbtagsbetreuung, auch mit Mittagsverpflegung ausgelegt, abgerufen am 10. März 2021.
Schulen In Bad Soden befindet sich eine Grundschule. Der benachbarte Ortsteil Salmünster verfügt mit der Henry-Harnischfeger-Schule sowohl über eine Grundschule als auch eine integrierte Gesamtschule, die für das gesamte Umland zuständig ist. Andere weiterführende Schulen sind die Friedrich-August-Genth-Schule, eine (Kooperative Gesamtschule) in Wächtersbach, das Ulrich-von-Hutten-Gymnasium in Schlüchtern und das Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen.
Kurort Bad Soden ist ein Kurort für Rheuma, Kreislauf, Rehabilitation und Akupunkturbehandlung. Zentrale Basis des Kurortes sind die vielen Solequellen, die u. a. für ein Thermal-Sole-Hallenbad genutzt werden:
+ Solequellen Bad Soden Nr. Name Eigenschaften Bemerkungen 1 Barbarossaquelle HCO3−-1.978 mg/l Entdeckung und Freilegung: 11. September 1837 2 Fritz-Hamm-Sprudel, HCO3−-3350 mg/l; Eisen-, jod- und kohlensäurehaltige Sole; Teufe 503 m, aufgerufen am 24. Januar 2022 Ausbruch: 29. November 1971 3 Huttenquelle HCO3−-180 mg/l Freilegung: 1880 4 König-Heinrich-Sprudel HCO3−-4048 mg/l Quellenzusammensetzung, S. 32/35, aufgerufen am 15. März 2022; „eisen- und kohlensäurehaltige Thermal-Sole“ Artesischer Brunnen Durchbruch: 25. September 1928; früher nach Bgm. Radke-benannter Sprudel 5 Karl-Roth-Quelle HCO3−-50,3 mg/l Durchbruch: 21. Dezember 1909 6 Otto-Quelle In 6,5 m aufgefunden, nach Otto Emmerich benannt, eisenreiche Kochsalzquelle Freilegung: 1880 7 Pacificus-Sprudel HCO3−-1996 mg/l; Teufe 400 m. Bei seiner Entdeckung galt er als der kohlensäurehaltigste Solesprudel Deutschlands, aufgerufen am 24. Januar 2022 Durchbruch: am 7. August 1909 8 Roland-Quelle HCO3−-1.629 mg/l Freilegung: 1886 9 Sprudel II (alter Badesprudel) Teufe 50 m Freilegung: 1880 10 Sprudel I, Trinksprudel I Teufe 114 m Erbohrung: 1970
Verkehrsanbindung Straße Durch Bad Soden verläuft die Landesstraße L3178 die den Ort mit den weiteren Ortsteilen Romsthal, Eckardroth und Kerbersdorf im Norden sowie Salmünster, Hausen und Mernes im Süden verbinden. Der nächste Autobahnanschluss ist Bad Soden-Salmünster, (AS 46) an der A 66 (Frankfurt–Fulda).
Bahn Der nächste Bahnhof befindet sich im Ortsteil Salmünster an der Bahnstrecke Fulda–Frankfurt. Hier verkehrt die Regionalbahn, im Bereich Fulda–Frankfurt im Stundentakt. Der behindertengerecht ausgebaute Bahnhof ist Bahnhof Wächtersbach. Anschluss an Intercity (IC), Intercity-Express (ICE) gibt es in Fulda, Hanau und Frankfurt.
Fahrrad Von Bad Soden aus besteht Anschluss an den Hessischen Radfernweg R3. Er führt als „Rhein-Main-Kinzig-Radweg“ von Rüdesheim nach Tann in der Rhön. In Wächtersbach besteht weiterhin Anschluss an den Vogelsberger Südbahnradweg.
Nahverkehr Regulärer Busverkehr Ganzjährig verkehren in Bad Soden mehrere Buslinien des KVG. Sie schaffen z. B. mit den Linien MKK-76, abgerufen am 11. März 2021, MKK-80Bad Soden-Salmünster, Fahrplan 2018, abgerufen am 11. März 2021 und MKK-90, abgerufen am 11. März 2021 öffentliche Verkehrsanschlüsse zu allen Ortsteilen der Gemeinde Bad Soden-Salmünster, aber auch zu den nahen Gemeinden Wächtersbach, Bad Orb, Jossgrund, Brachttal, Steinau und Schlüchtern. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.
Autonom fahrende Kleinbusse