Lubań [] (deutsch Lauban; schlesisch und oberlausitzisch Laubn oder auch LaubmHans Klecker: Oberlausitzer Wörterbuch. Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf 2003, ISBN 3-933827-39-6, unter L.) ist eine Stadt im Powiat Lubański der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie ist Mitglied der Euroregion Neiße. Historisch war sie ein Grenzort der Oberlausitz zu Schlesien.
Geographie Die Stadt liegt in der Oberlausitz an den nördlichen Ausläufern des Isergebirgsvorlandes (Pogórze Izerskie) am linken Ufer des Queis (Kwisa) auf 214 m ü. NHN, 24 Kilometer östlich der Stadt Görlitz.
Nachbarorte
Geschichte Mittelalter Lauban entstand zwischen dem Queis und dem Alt Laubanbach, vermutlich neben einer slawischen Siedlung Alt Lauban, die westlich des Alt Laubanbachs lag. Es wurde erstmals im Jahr 1268 urkundlich erwähnt. Das genauer Gründungsdatum der Stadt ist unbekannt. Historiker vermuten, dass Lauban das Magdeburger Stadtrecht um 1220 vom böhmischen König Ottokar I. Přemysl verliehen bekam. Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Universität Oldenburgh Die Stadt gehörte zur böhmischen Oberlausitz und war ab 1253 im Besitz der Askanischen Markgrafen von Brandenburg, zunächst als Pfandbesitz aufgrund der Heirat Markgraf Ottos III. mit Beatrix von Böhmen. Nach dem Aussterben der Askanier 1319 gelangte das Land Görlitz mit Lauban und dem Queiskreis an Herzog Heinrich von Jauer. Obwohl er Görlitz bereits 1329 an den böhmischen König Johann von Luxemburg wieder abgeben musste, fielen Lauban und der Queiskreis erst nach dem Tod Herzog Heinrichs 1346 als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen heim.Gertraut Eva Schrage: Die Oberlausitz bis zum Jahr 1346. In: Joachim Bahlcke: Geschichte der Oberlausitz. Leipziger Universitätsverlag 2001, ISBN 3-935693-46-X, S. 90f. Im selben Jahr schloss Lauban gemeinsam mit Görlitz, Löbau, Bautzen, Zittau und Kamenz den Oberlausitzer Sechsstädtebund, der die Entwicklung der Städte in den nächsten 200 Jahren stark prägte.
mini|Lauban zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Von 1273 bis zur Reformation bestand in Lauban ein Kloster der Franziskaner, das zur Sächsischen Ordensprovinz (Saxonia) gehörte; es konnte 1333 erweitert werden. Der letzte Franziskaner musste während der Reformation 1556 die Stadt verlassen.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 67, 107 und 303. 1320 wurde in Lauban ein Konvent der Magdalenerinnen gegründet. Lauban wurde zum Hauptsitz der Ordensgemeinschaft. Als es am Anfang des 15. Jahrhunderts zu Auseinandersetzungen zwischen dem Rat der Stadt und den Bürgern kam, griff König Sigismund zugunsten des Rates ein.Friedrich Bernward Fahlbusch: Städte und Königtum im frühen 15. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte Sigmunds von Luxemburg. Böhlau, Köln 1983, ISBN 3-412-01783-3, S. 215.
Im Mai des Jahres 1427 wurde Lauban erstmals von einem hussitischen Heer erobert. Bei dem anschließenden Massaker an rund 1000 Katholiken, darunter vielen aus Böhmen vertriebenen Priestern und aus Prag geflüchteten Studenten, erlitt auch der Priester Johannes Rimer das Martyrium. Er wurde von der Katholischen Kirche heiliggesprochen. 1431 wurde Lauban erneut von einem hussitischen Heer erobert und zerstört. 1426, 1435, 1464 und 1497–1498 kam es zu Pestepidemien. 1487 verwüstete ein Brand die Stadt, die sich im 16. Jahrhundert jedoch wirtschaftlich erholte.
mini|hochkant|Brüderturm mini|hochkant|Laubaner Rathaus, erbaut im 16. Jahrhundert mini|Salzhaus (zur Salzlagerung), erbaut 1539 (Foto aus dem Jahr 1999)
Frühe Neuzeit Erstmals evangelisch gepredigt wurde 1525 in der Stadtkirche.Karlheinz Blaschke: Lausitzen. In: Anton Schindling, Walter Ziegler (Hrsg.): Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500–1650. Band 6: Nachträge. Aschendorff, Münster 1996, ISBN 3-402-02977-4, S. 92–113, hier S. 99. Als um 1540 die Bürger der Stadt die Reformation annahmen, blieb das Magdalenerinnenkloster katholisch. Fortan teilten sich die evangelischen Bürger und die katholischen Nonnen die Kirche. Lauban war damit neben Bautzen die zweite Stadt in der Oberlausitz, in der es eine Simultankirche gab, die von Protestanten und Katholiken gemeinsam genutzt wurde.
Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 verlor Lauban im Pönfall seine bis dahin zehn Kammerdörfer. Nach dem Prager Frieden fiel Lauban 1635 zusammen mit der Oberlausitz an das evangelische Kurfürstentum Sachsen. Im Dreißigjährigen Krieg musste Lauban Durchmärsche und Einquartierungen sächsischer, Kaiserlicher und schwedischer Heere erdulden. Nach 1653 nahm es zahlreiche Glaubensflüchtlinge aus Schlesien und Böhmen auf, die in ihren Ländern im Zuge der Gegenreformation verfolgt worden waren. Während des Großen Nordischen Kriegs hielt sich vom 12. bis 14. September 1707 König Karl XII. von Schweden in Lauban auf, wo die Urkunden der Altranstädter Konvention ausgetauscht wurden.Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 271f. Am 23. November 1745 fand während des Zweiten Schlesischen Krieges sieben Kilometer nordwestlich von Lauban die Schlacht bei Hennersdorf statt. Im Siebenjährigen Krieg wurde Lauban 1757 von Preußen besetzt. In den Jahren 1487, 1554, 1559, 1670, 1696 und 1760 wurde Lauban durch Stadtbrände zerstört. Der Brand von 1760 vernichtete fast die gesamte mittelalterliche Bausubstanz einschließlich fast aller öffentlichen Gebäude und der gotischen Pfarrkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit.
19. und 20. Jahrhundert In den Jahren 1812 und 1813 litt die Stadt Lauban unter den Durchzügen bayerischer und italienischer Truppen der Grande Armée, es kam zur Brandschatzung durch fliehende französische Truppen.
Mit den Verträgen des Wiener Kongresses 1815 fiel Lauban, das bis dahin zum Oberlausitzer Sechsstädtebund gehört hatte, zusammen mit der Ostoberlausitz an Preußen. 1816 wurde Lauban der preußischen Provinz Schlesien und dort dem Regierungsbezirk Liegnitz zugeordnet.Roland Gehrke: Landtag und Öffentlichkeit. Provinzialständischer Parlamentarismus in Schlesien 1825–1845. Böhlau, Köln 2009, ISBN 978-3-412-20413-6, S. 39. Im selben Jahr wurde der Kreis Lauban gebildet, der aus vormals sächsischen (oberlausitzschen) Gebieten westlich des Queis und ab 1819 auch aus alt-schlesischen Gebieten zusammengesetzt wurde. Die Stadt hatte damals rund 4300 Einwohner, der Kreis zählte 1820 rund 8200 Einwohner.
1866 wurde Lauban an das Eisenbahnnetz angeschlossen. 1854 gründete Albert Augustin die Laubaner Thonwerke, die durch ihre tiefroten Terrakotten bekannt wurden. In den 1860er Jahren wurden sie u. a. zur Verkleidung der Fronten des Roten Rathauses in Berlin verwendet. Seit den 1890er Jahren wurde die Produktion auf Wandsteine aus Ton mit Porzellanglasur (z. B. für Tunnel und Badeanstalten) umgestellt. Vor 1939 wurden diese Artikel weltweit exportiert.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Textilindustrie, besonders spezialisierte sie sich auf die Produktion von Taschentüchern. So wurden vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 95 % aller deutschen Taschentücher in Lauban hergestellt. In dieser Zeit entstand der Werbeslogan Lauban putzt der Welt die Nase.Klaus Christian Kasper; Lauban putzt(e) der Welt die Nase. Bonn-Oberkassel 2000. Das 1868 errichtete Ausbesserungswerk der Preußischen Staatseisenbahnen bzw. später der Deutschen Reichsbahn war seit 1914 die moderne Hauptwerkstatt elektrischer Triebfahrzeuge und der größte Arbeitgeber in Lauban. Bis 1929 erfolgte dort die Instandsetzung aller elektrischen Lokomotiven des mitteldeutschen und des niederschlesischen Netzes.Eisenbahn-Album Schlesien, S. 62, Verlag SSB-Medien, Zittau, 2025 Die Webstuhlfabrik Julius Müller entstand 1919 aus einer Schmiede und Autowerkstatt.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Lauban zwei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, eine Handels- und Zieglerschule, eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle, eine Krankenanstalt (ehemaliges Kloster der Magdalenerinnen, gestiftet 1320), verschiedene Produktionsstätten mittelständischer Unternehmen und war Sitz eines Amtsgerichts.
Bis 1945 war Lauban Verwaltungssitz des Landkreises Lauban im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Schlesien. mini|links|Joseph Goebbels in Lauban bei der Auszeichnung des Hitlerjungen Wilhelm „Willi“ Hübner, März 1945 Im Zweiten Weltkrieg war die Gegend um Lauban ab Mitte Februar 1945 Schauplatz heftiger Kämpfe. Anfang März 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt und am 8. März 1945 gelang der Wehrmacht die Rückeroberung, wobei sie zu rund 55 Prozent zerstört wurde. Dieser Erfolg der Wehrmacht diente dem angereisten Propagandaminister Joseph Goebbels zur Inszenierung einer reichsweiten Propagandakampagne, zu der eine Ansprache auf dem Marktplatz von Lauban und die Verbreitung seiner letzten öffentlichen Rede vor Bürgern und Soldaten in der Stadthalle von Görlitz durch die Deutsche Wochenschau gehörte. Die Rote Armee unterstellte Lauban, das sie am 9. Mai 1945 besetzt hatte, der Verwaltung der Volksrepublik Polen.Zu den Vorgängen in Lauban bei Kriegsende siehe: Joachim Bahlcke (Hrsg.): Geschichte der Oberlausitz - Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Leipziger Universitätsverlag / Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, 2001, ISBN 3-935693-46-X, S. 253. Nachfolgend wurde es in Lubań umbenannt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht vorher geflohen war, weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.
Im Jahr 1950 wurde der Landkreis aufgelöst, um 1999 wieder ins Leben gerufen zu werden. 1954 wurde das früher selbstständige Kerzdorf (heute Księginki) als Stadtteil von Lubań eingemeindet. In den 1950er Jahren wurde der im Krieg nur gering beschädigte quadratische Häuserblock in der Ringmitte bis auf den Krämerturm abgerissen. Von 1997 bis 2002 wurde die Bebauung jedoch wiederhergestellt und mit Geschäften ausgestattet. Ebenso wurde die Kursächsische Poststundensäule, die sich bis 1945 gegenüber dem Amtsgericht befand, auf Anregung der ortsansässigen Gesellschaft der Freunde der polnischen Oberlausitz rekonstruiert. Aufsehenerregend war auch die Wiederentdeckung der Fundamente des ehemaligen Galgens vor den Toren der Stadt.
Demographie