Bad Rappenau (, bis 1930 Rappenau) ist eine Stadt im Kraichgau im Nordwesten des Bundeslandes Baden-Württemberg, rund 14 km nordwestlich von Heilbronn und 34 km südöstlich von Heidelberg. Sie gehört zum Mittelzentrumsbereich Heilbronn des gleichnamigen Oberzentrums, zum Regionalverband Heilbronn-Franken sowie zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.
Nach Neckarsulm und Eppingen ist Bad Rappenau die drittgrößte Stadt des Landkreises HeilbronnEinwohnerzahlen der Städte und Gemeinden im Landkreis Heilbron, abgerufen am 4. Februar 2023. Die Gemeinde erhielt am 1. Oktober 1973 die Stadtrechte und ist seit dem 1. Januar 2003 „Große Kreisstadt“; den Titel eines „Heilbads“ trägt der Ort seit 1930.
Geographie Geographische Lage Bad Rappenau liegt im nordöstlichen Kraichgau. Der Hauptort und der größte Teil der Gemarkung liegen bereits auf der Kraichgau-Hochfläche, während sich der Stadtteil Heinsheim am rund 100 Höhenmeter tiefergelegenen Ufer des Neckars befindet. Das wichtigste Gewässer ist der Mühlbach, der im westlich des Hauptorts gelegenen Stadtteil Babstadt entspringt. Er durchquert Bad Rappenau, speist den See im Kurpark, um dann nach Nordosten über das sogenannte Fünfmühlental in den Neckar zu münden.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bad Rappenau (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten): Gundelsheim, Offenau und Bad Wimpfen (alle Landkreis Heilbronn), Heilbronn (Stadtkreis), Massenbachhausen und Kirchardt (beide Landkreis Heilbronn), Sinsheim, Neckarbischofsheim und Helmstadt-Bargen (alle Rhein-Neckar-Kreis), Hüffenhardt (Neckar-Odenwald-Kreis), Siegelsbach (Landkreis Heilbronn) und Haßmersheim (Neckar-Odenwald-Kreis). Mit den Gemeinden Kirchardt und Siegelsbach ist Bad Rappenau eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Bad Rappenaus gliedert sich in die Kernstadt und die Stadtteile Babstadt, Bonfeld, Fürfeld, Grombach, Heinsheim, Obergimpern, Treschklingen und Wollenberg.
Zu Bad Rappenau selbst gehören noch das Dorf Zimmerhof, die Weiler Kohlhof und Mayerhof sowie die Wohnplätze Barthsmühle, Kugelmühle und Sommersmühle. Zu Babstadt gehören die Höfe Oberbiegelhof und Unterbiegelhof, zu Bonfeld die Höfe Eichhäuser Hof, Obere Mühle und Untere Mühle, zu Heinsheim der Wohnplatz Ehrenberg, zu Obergimpern die Höfe Eulenberg(er)hof und Wagenbach sowie die Wohnplätze Obere Mühle und Portland-Zementwerk, zu Wollenberg der Wohnplatz Neumühle. Abgegangene, heute nicht mehr bestehende Orte sind Speßhart und Straßbach auf Markung Rappenau, Eichhausen auf Markung Bonfeld, Hurenfurt (Altfürfeld) auf Markung Fürfeld und Battenhausen auf Markung Grombach.Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung:Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 50–56Zusätzliche Quelle für Hurenfurt: Hans-Heinz Hartmann: Hurenfurt, ein vergessenes Dorf bei Fürfeld. In: Bad Rappenauer Heimatbote Nr. 10, Bad Rappenau 1998Das in der Landesbeschreibung erwähnte Niuern bzw. Neuern hat es dagegen lt. Geschichte der Stadt Bad Rappenau (Bad Rappenau 1978, Anm. S. 52) nie gegeben, der Fehler geht auf R. Bührlen (1970) zurück, der Besitz der Freiherren von Gemmingen bei Niefern irrtümlich bei Rappenau lokalisiert hat. Das Heimatbuch führt außerdem den weiteren abgegangenen Wohnplatz Straßbach an und macht korrigierende Anmerkungen, dass Speßhart nie Speceshart genannt wurde, sondern hier auch eine weitere Verwechslung mit dem Dorf Spessart bei Ettlingen besteht.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Bad Rappenau.
Geschichte Frühe Geschichte Zur Römerzeit bildete die heutige Gemarkung von Rappenau das Hinterland des strategisch wichtigen Kastell Wimpfen im Tal. Die bedeutende Römerstraße von Speyer nach Wimpfen, deren Verlauf auf Rappenauer Gebiet heute die L 530 folgt, durchquerte die Rappenauer Gemarkung von Westen nach Osten. In mehreren der heutigen Rappenauer Teilorte, darunter Fürfeld, Babstadt und Obergimpern, befanden sich Villae rusticae, während man in Rappenau selbst 1994 die Reste eines römischen Getreidespeichers ergraben hat.Hans-Heinz Hartmann: Ein römischer Getreidespeicher in Bad Rappenau, in: Bad Rappenauer Heimatbote 8, 1996, S. 30–36; Johann-Christoph Wulfmeier, Hans Heinz Hartmann: Reichlich Speicherplatz. Ein horreum von Bad Rappenau, Kreis Heilbronn. In: Jörg Biel, Jörg Heiligmann, Dirk Krausse (Hrsg.): Landesarchäologie. Festschrift für Dieter Planck zum 65. Geburtstag (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg. Band 100). Konrad Theiss, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2331-6, S. 341–378.
Rappenau wurde als Rappenaw 1343Siehe bei LEO-BW erstmals urkundlich erwähnt, jedoch wird 1190 bereits ein Raban von Wimpfen als Reichsministeriale genannt, dem verschiedentlich der Name des Ortes als „Rabans Aue“ zugeschrieben wird und dessen Nachfahren den Raben im Wappenschild führten. Anderen Deutungen zufolge wurde der Ort nach einem nicht weiter bekannten Gründer Rappo, der nicht mit dem Ministerialen in Verbindung stand, benannt. Ein Rappe, wie er im heutigen Ortswappen zu sehen ist, scheidet als Namensgeber aus, da der Begriff in der deutschen Sprache erst um das 16. Jahrhundert gebräuchlich wurde. Als sicher gilt nur die Endung auf Au, die sich auf die feuchte Niederung des Mühlbachs bezieht.Roland Franke: Die Ortsnamen von Bad Rappenau und den Stadtteilen nach Sinn und Ursprung erklärt. In: Bad Rapenauer Heimatbote 8, 1996, S. 36–38.
Die Besiedelung erfolgte vermutlich in merowingisch-fränkischer Zeit, worauf ein nördlich der Heinsheimer Straße vorgefundenes Gräberfeld und zahlreiche Keramikfunde hindeuten.Hans-Heinz Hartmann: Spuren einer frühmittelalterlichen Gründung Rappenaus, in Bad Rappenauer Heimatbote 23, Dezember 2012, S. 20–23. Der Besitz war in aus Einzelhöfen bestehende Erblehen aufgeteilt, eine Allmende entstand erst im Verlauf des 14. Jahrhunderts. Die Siedlung konzentrierte sich schließlich auf zwei Kerne: das Unterdorf um das Wasserschloss und das Oberdorf um die Kirche, wo sich ebenfalls ein Herrensitz beim heutigen Marktplatz befand. Die Siedlungskonzentration führte im späten Mittelalter zur Aufgabe des nordwestlich gelegenen Weilers Speßhart.
Die Oberlehensherrschaft über Rappenau lag bis 1339 bei den Grafen von Vaihingen und Grafen von Württemberg, ab 1344 allein bei den Grafen und späteren Herzögen von Württemberg. Außerdem hatte das Stift Wimpfen Rechte am Ort. Beim Übergang des Vaihinger Anteils an Württemberg kam das gesamte Lehen an Konrad von Helmstatt aus der Rappenauer Linie der Herren von Helmstatt, der zuvor bereits den größeren württembergischen Teil besessen hatte. In der Folgezeit wuchsen Ober- und Unterdorf zu einem Dorf zusammen, dessen natürliche Grenze nach Süden der Mühlbach war. Nach Konrads Tod, gegen Ende des 14. Jahrhunderts, kam das Lehen in verschiedene Hände, bevor Peter von Helmstatt 1436 wieder das ganze Lehen erwarb. 1438 kam während der Vormundschaft der Herren von Weinsberg über Jost und Martin von Helmstatt ein Fünftel der Rechte an Dorf und Vogtei an die Stadt Wimpfen (das so genannte Wimpfener Fünftel, das erst 1649 wieder zum Lehensgut kam). 1578 veräußerten Daniel und David von Helmstatt das Lehen an Johann Philipp von Helmstatt, einen entfernten Verwandten aus dem Dürkasteler Ast der Familie. Johann Philipp stand in kurpfälzischen Diensten und konnte die mit dem Lehen verbundene Vasallenpflicht für den württembergischen Herzog Ludwig nicht wahrnehmen. Er verkaufte den gesamten Helmstatter Anteil daher 1592 für 35.000 Gulden an Reinhard von Gemmingen zu Treschklingen (1532–1598) aus der Familie der Herren von Gemmingen, die neben dem Lehen hier auch umfangreichen Allodialbesitz erwarben.Emil Künzel: Die Freiherren von Gemmingen(-Hornberg) in Bad Rappenau, in: Bad Rappenauer Heimatbote 8, 1996, S. 7.
Rappenau unter den Herren von Gemmingen Reinhard von Gemmingens Sohn Eberhard (1567–1611) vollendete bis 1603 das Rappenauer Wasserschloss an der Stelle des alten Schlosses, verstarb jedoch früh. Seine minderjährigen Söhne Philipp, Melchior-Reinhard und Hans Sigmund unterstanden vorerst der Vormundschaft der Brüder Eberhards, zunächst Hans Wilhelm, der 1615 starb, und dann Reinhard dem Gelehrten. Die Brüder Philipp, Melchior-Reinhard und Hans Sigmund verstarben alle jung im Dreißigjährigen Krieg. Rappenau wurde während des Krieges mehrfach niedergebrannt. Das Lehen wurde 1630 eingezogen. Während des Krieges war der minderjährige, mit der Mutter nach Menzingen geflohene Eberhard (1628–1675) der einzige Stammhalter. Er erhielt 1648 nach dem Westfälischen Frieden das Lehen über Rappenau zurück. Er war zeitweilig Direktor des Ritterkantons Kraichgau und verstarb kinderlos.Emil Künzel: Die Freiherren von Gemmingen(-Hornberg) in Bad Rappenau, in: Bad Rappenauer Heimatbote 8, 1996, S. 7/8.
Nach Eberhards Tod trat 1675 sein älterer und bereits reich begüterter Großneffe Weiprecht von Gemmingen (1608–1680) in die Erbfolge ein. Dessen Söhne Erpho, Weiprecht, Uriel und Reinhard verwalteten den väterlichen Besitz bis 1688 gemeinsam, danach kam Rappenau an Uriel (1644–1707), der ab 1684 ebenfalls Direktor des Ritterkanton Kraichgau war.
Auf Uriel folgte sein Sohn Karl Ludwig von Gemmingen (1700–1752), der keine männlichen Nachkommen hatte, so dass Rappenau 1752 an den entfernten Vetter Eberhard von Gemmingen (1713–1757) kam, der als preußische Militärperson Bekanntheit erlangte. Sein Sohn Eberhard Georg (1754–1806) war beim Erbfall erst drei Jahre alt, so dass Rappenau unter die Vormundschaft von Eberhard Georgs Großvater Eberhard (1688–1767) kam. Nach dessen Tod war der Lehenserbe noch immer nicht mündig, so dass dessen in Treschklingen begüterter Onkel Sigmund von Gemmingen (1724–1806) die Vormundschaft übernahm und 1779 schließlich den Besitz übergab.
Eberhard Georg überlebte seinen jung verstorbenen Sohn Christian Friedrich von Gemmingen (1780–1805) um ein Jahr, danach trat nochmals der vormalige Vormund Sigmund von Gemmingen in das Erbe ein, doch lebte er in Ungarn und verstarb noch innerhalb desselben Jahres. 1806 kam Rappenau an seinen gleichnamigen Sohn Sigmund (1777–1843).Emil Künzel: Die Freiherren von Gemmingen(-Hornberg) in Bad Rappenau, in: Bad Rappenauer Heimatbote 8, 1996, S. 7–13.
Innerhalb der im 18. Jahrhundert rasch wechselnden Besitzer- und Erbenfolge der Rappenauer Ortsherren befinden sich viele höherrangige Diplomaten und Militärpersonen, die sich am Hof in Wien oder an Kriegsschauplätzen in ganz Europa bewegten, so dass der Besitz in Rappenau um 1800 stellenweise vernachlässigt war. Erst Sigmund pflegte den Besitz wieder.
Im Jahr 1806 gelangte Rappenau durch den Reichsdeputationshauptschluss an das Großherzogtum Baden. Die Freiherren von Gemmingen verloren dadurch die obrigkeitlichen Rechte, blieben aber freilich der größte Grundbesitzer des Ortes wie auch der Umgebung. Ein Zweig der Familie bewohnte das Schloss bis zum Zweiten Weltkrieg. 1810 wurde Rappenau vorübergehend Sitz eines Amtes, doch kam der Ort bereits 1813 zum Bezirksamt Neckarbischofsheim, nach dessen Auflösung 1864 zum Bezirksamt Sinsheim.
Aufschwung durch Saline und Heilbad