Schwarzenberg/Erzgeb. (amtlich für Schwarzenberg/Erzgebirge) ist eine Große Kreisstadt im sächsischen Erzgebirgskreis. Im 12. Jahrhundert als Befestigungsanlage zum Schutz eines Handelsweges angelegt, entwickelte sich die kleine Bergstadt zum Zentrum der gleichnamigen Herrschaft und des späteren Amtes Schwarzenberg. Bis zum Ende der DDR entwickelte sich die Stadt zu einem international bedeutenden Waschmaschinenproduktionsstandort. Schwarzenberg wurde 1984 durch Stefan Heyms gleichnamigen Roman überregional bekannt, der in der Nachkriegszeit in der mehrere Wochen unbesetzten Stadt spielt. Mit etwa 16.000 Einwohnern ist Schwarzenberg heute Standort mittelständischer Unternehmen und entwickelt als Perle des Erzgebirges und Mitglied des Städtebundes Silberberg den Tourismus.
Geographie Geographische Lage mini|Schloss und Kirche auf Felsriegel über dem Schwarzwasser
Schwarzenberg liegt im südwestlichen Erzgebirge auf einer durchschnittlichen Höhe von 468 m ü NN. Die Altstadt mit Kirche und Schloss befindet sich auf einem Felsriegel, der von einer großen Schleife des Schwarzwassers umzogen wird, in das im Stadtgebiet die Große Mittweida mündet.
Die Stadt befindet sich trotz der Lage der Altstadt insgesamt in einem großen Kessel, der von teils steilhängigen Felsen umrahmt wird. Zu den markantesten Erhebungen zählen der Hirschstein (641 m), der Hohe Hahn (674 m), die Hohe Henne (728 m), der Rockelmann (580 m), der Galgenberg (557 m), der Raschauer Knochen (551 m) und der Schlossberg (593 m). In Richtung Erla erstreckt sich das Rosenthal.
Geologie Das Stadtbild wird von den einander gegenüberliegenden Felsen Ottenstein und Totenstein umrahmt, die wie der Felssporn mit der Altstadt aus grobflaserigem und mittelkörnigem Augengneis bestehen. Zudem finden sich Quarz, Biotit, Muskovit, augenförmig hervortretender Feldspat und vereinzelt Bergkristall. Das Schwarzenberger Bergbaurevier ist von Erzadern mit einer komplexen Entstehungsgeschichte durchzogen. Die heutigen Skarnlagerstätten weisen Magnetit, Schwefelkies (Pyrit und Markasit), Arsenopyrit, Chalkopyrit, Sphalerit und Galenit auf. Die bis zu 6 Meter mächtigen Erzlagerstätten sind lokal mit Silber- und Cobalt-Mineralien und Kassiterit durchsetzt.
Stadtgliederung und Nachbargemeinden mini|Schwarzenberg 1908: Stadtkern umgeben von Toten- und Ottenstein, Wildenau und Neuanbau auf dem Brückenberg, Rockelmann und Galgenberg Den historischen Kern von Schwarzenberg bildet die Altstadt mit Markt, Schloss und St.-Georgen-Kirche innerhalb der heute nicht mehr vorhandenen Stadtmauern. Im Süden fügt sich die Vorstadt an, die um die erste Mühle der Stadt, die Herrenmühle, entstanden ist. Die Ende des 19. Jahrhunderts um den Bahnhof im Norden der Altstadt errichteten Fabrik- und Arbeiterwohngebäude bilden den Stadtteil Neustadt, der heute als Standort von Rathaus und Arbeitsamt Verwaltungszentrum der Stadt ist. In den 1960er Jahren entstand nordwestlich der Altstadt das Wohngebiet Hofgarten in Großblockbauweise. In den 1970er Jahren errichtete man im Westen des Rockelmanns ein weiteres Großblock-Wohngebiet, den heutigen Stadtteil Heide. Von 1981 bis 1991 entstand die Plattenbau-Siedlung Sonnenleithe am Nordrand der Stadt.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts vergrößerte sich das Stadtgebiet durch Eingemeindungen kontinuierlich. Am 1. Februar 1913 ging Obersachsenfeld im Norden der Stadt an SchwarzenbergDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943, Seite 238, am 1. September 1919 folgt der angrenzende Ort Neuwelt mit Ortsteil Untersachsenfeld (1857 nach Neuwelt eingemeindet) und am 1. Januar 1920 Wildenau am östlichen Stadtrand mit einer Siedlung auf dem Brückenberg.Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943, Seite 241 Am 1. Oktober 1995 wurde Grünstädtel (etwa 2,5 Kilometer östlich des Stadtkerns) eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 Am 1. Januar 1999 folgten Bermsgrün mit Jägerhaus und Erla mit Crandorf im Süden der Stadt.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 Das am 1. Januar 2008 eingemeindete Pöhla befindet sich südlich von Grünstädtel.
+OrtsteilBevölkerung (9. Mai 2011)Schwarzenberg Stadt13.409Grünstädtel745Bermsgrün1.359Jägerhaus38Erla579Crandorf808Pöhla1.171
Flora Schwarzenberg befindet sich inmitten bewaldeter Anhöhen im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.naturpark-erzgebirge-vogtland.de Die flache Kuppe des Galgenberges ist vornehmlich mit Fichtenwald bedeckt. Die Terrassen an den Waldrändern sind mit einem dichten Gebüsch aus Bergahorn, Espe, Eberesche, Hasel und Vogelkirsche bewachsen. Auf dem Ottenstein befinden sich vereinzelt Rotbuchen und Weymouthkiefern. Die bekannteste Pflanze der Stadt ist das Schwarzenberger Edelweiß, eine spanische Wucherblume, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Rinde der Korkeiche in die Stadt gelangte.
Geschichte Gründung mini|Bergfried: ältester Teil des Schlosses mini|Kurfürstliches Wappen mit Jahreszahl 1558 auf dem Eingangstor des Schlosses Schwarzenberg wurde erstmals 1282 als civitas Swartzenberg urkundlich erwähnt. Bei Grabungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden wurden 1977 Keramikscherben gefunden, die man zeitlich um das Jahr 1200 einordnet. Man geht daher davon aus, dass bereits deutlich früher eine Siedlung auf dem benannten Gebiet bestanden hat. Als etwaiges Gründungsjahr Schwarzenbergs und Ausgangspunkt für die 850-Jahr-Feier der Stadt 2000 wurde das Jahr 1150 festgelegt.
Die Stadt entstand aus einer Befestigungsanlage, die vermutlich durch Herzog Heinrich II. von Österreich, den ersten urkundlich nachgewiesenen Besitzer der späteren Herrschaft Schwarzenberg, zum Schutz eines wichtigen Handelsweges zwischen dem Pleißenland und Böhmen in dem sonst unbesiedelten Gebiet angelegt wurde.
Einer Sage nach soll einer der ottonischen Kaiser, dem man auch die Gründung der Stadt selbst zu verdanken habe, die Stadt so genannt haben, wie der Berg, auf dem sie gebaut ist, sich ihm zeigte. Auch seriöse Quellen gehen davon aus, dass die Stadt ihren Namen dem äußeren Erscheinungsbild seiner Umgebung verdankt, der dichten, dunklen Bewaldung, die sich von Weitem wie ein schwarzer Berg erhob.
Schwarzenberg bis 1533 1170 soll Schwarzenberg in den Besitz Kaiser Barbarossas übergegangen sein, der es seinem Sohn Kaiser Heinrich VI. vererbte. Danach wechselten die Besitzer mehrfach, 1334 ist die Familie Lobdeburg als meißnische Lehnsträger von Stadt und Herrschaft Schwarzenberg nachgewiesen, 1425 gelangten diese in den Besitz der Tettauer, von denen 1533 der sächsische Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige die Herrschaft für 126.000 Gulden erwarb.
Die Anlage der Schwarzenberger Burg bildete die Grundlage für die Entstehung der umliegenden Dörfer und späteren Stadtteile für die Versorgung der Burgherren. Die Siedlung am Brückenberg entstand um ein altes Vorwerk, das vermutlich im Zuge der Erstbesiedlung entstanden war. Die damaligen Grünhainer Klosterdörfer Sachsenfeld und Wildenau werden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnt, in Erla ist 1380 der Betrieb eines Hammerwerkes bezeugt, die Dörfer Crandorf und Bermsgrün entstanden wenig später.
Um 1500 lebten in Schwarzenberg 48 Bürger mit ihren Familien. Die Stadt war Sitz eines Bergmeisters, der im Auftrag der Herren von Tettau die Bergbautätigkeit in der Herrschaft leitete. Eine Zwangsmühle in der Vorstadt verarbeitete die Getreide der Einwohner Schwarzenbergs und der umliegenden Dörfer. Im Zuge der Reformation wurde die Stadt evangelisch.
Kurfürstlicher Amtssitz 1535 zerstörte ein Stadtbrand das Rathaus am Markt und die Schule in der Badergasse. Die alte Kirche und der Kugelhammer in der Vorstadt wurden wenig später erstmals erwähnt. 1536 gestattete Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen die Durchführung eines freien Jahrmarktes in der Stadt, der 1597 durch einen zweiten Jahrmarkt ergänzt wurde. Die Märkte wurden jeweils am ersten Sonntag nach Dionysius und am fünften Sonntag nach Ostern drei Tage hintereinander abgehalten.
Um 1550 lebten 73 Hausbesitzer mit ihren Familien innerhalb der Stadtmauern, in der Vorstadt befanden sich 36 Häuser. Kurfürst August ließ 1555 bis 1558 die Burg zu einem kurfürstlichen Jagdschloss umbauen und erwarb im Jahr darauf das Dorf Sachsenfeld.
Im Verlauf des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Schwarzenberg zu einem Verwaltungszentrum. Die Stadt war Sitz des gleichnamigen kurfürstlichen Amtes und Mittelpunkt eines umfangreichen Eisen- und Zinnbergbaureviers mit eigenem Bergamt. 1579 wird erstmals eine Schwarzenberger Knappschaft erwähnt. An die Bergbautradition der Stadt wird mit einer jährlichen Bergparade erinnert.
1574 fanden in der Stadt zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Michaelis jeweils dreitägige Jahrmärkte statt.
Stadtbild um 1627 mini|links|Stadtansicht um 1627 mini|Am Oberen Tor Anhand der ältesten erhaltenen Abbildung der Stadt, einer Federzeichnung Wilhelm Dilichs von 1627, lässt sich das ursprüngliche Stadtbild erahnen. Am Ende der Oberen Schloßstraße steht an exponierter Stelle das kurfürstliche Jagdschloss, das seine heutige Gestalt 1852 erhielt. Am anderen Ende der Straße ist der Dachreiter des Rathauses auf der Ostseite des Marktes zu erkennen. Das dritte auffällige Gebäude im historischen Stadtkern war die Kirche, die im 17. Jahrhundert zu klein und durch die St.-Georgen-Kirche ersetzt wurde. Neben der alten Kirche befand sich der Friedhof an der Stelle, die heute als Unterer Markt bezeichnet wird. Bald wurde auch der Gottesacker zu klein und durch einen zweiten, außerhalb der Stadtmauern, entlastet und später ganz ersetzt. Von den Stadtmauern selbst ist bereits auf Dilichs Zeichnung nichts mehr zu sehen. Bis heute haben sich lediglich die Bezeichnungen Oberes Tor und Unteres Tor erhalten. Als die Gebäude innerhalb der Stadt für die stetig wachsende Bevölkerung nicht mehr ausreichten, errichtete man Häuser auch außerhalb der Stadtmauer. Auf der oben genannten Zeichnung lassen sich unterhalb der Kirche die Gebäude der Vorstadt erkennen.
Dreißigjähriger Krieg Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde Schwarzenberg mehrfach von kaiserlichen Truppen überfallen. Bei einem Angriff des Generals Heinrich von Holk im Jahr 1632 fielen 16 Bürger der Stadt, die sich dessen Soldaten in den Weg gestellt hatten. Die vorgewarnten Einwohner der Stadt waren mit ihren Habseligkeiten in die umliegenden Wälder geflohen. Im Oktober 1634 wurde Schwarzenberg von Oberst Schönickel eingenommen und gebrandschatzt. Im November desselben Jahres fielen 200 Dragoner in die Stadt ein und plünderten diese erneut.
Gegen Ende des Krieges, am 15. April 1642, bestätigte Kurfürst Johann Georg I. die Privilegien der Stadt.
Bevölkerung, Gewerbe und Post mini|Schwarzenberg auf einem Meilenblatt 1790 Ende des 17. Jahrhunderts lebten in 138 Wohnhäusern 116 Angesessene und 56 unangesessene Bürger. In Besitz der 700 Einwohner der Stadt (ohne Kinder) waren 20 Pferde, 19 Ochsen, 27 Ziegen, 150 Kühe, 100 Schafe und viele Kleintiere. 1695 sorgten in Schwarzenberg 15 Bäcker und acht Fleischer für die Versorgung der Bürger, zudem gab es fünf Handelsleute, insgesamt 60 Schlosser, Schmiede, Zinngießer, Tischler, Hutmacher, Posamentierer, Glaser, Seifensieder, Leinweber, Seiler, Weiß- und Lohgerber und jeweils einen Uhrmacher, Orgelbauer, Gürtler und Büchsenschäftler.