mini|Giengen an der Brenz, Luftaufnahme (2016) mini|Marktstraße mini|Blick vom Bruckersberg auf die Altstadt mini|Ansicht nach Matthäus Merian mini|Rathaus am Marktplatz mini|Türme der Evangelischen Stadtkirche mini|Memminger Tor mit Sockel aus dem 13. Jhdt. mini|Reste der Stadtmauer mit stauferzeitlichen Buckelquadern in der Burgstraße beim Steiff Museum mini|Stauferzeitliche Buckelquader der Stadtmauer in der Planiestraße 18 mini|Rest der Stadtmauer bei der Evangelischen Stadtkirche mini|Stadtmauer an der Brenz (16. Jahrhundert) Die ehemalige freie Reichsstadt Giengen an der Brenz liegt im Osten Baden-Württembergs an der Grenze zu Bayern, etwa zehn Kilometer südöstlich von Heidenheim an der Brenz und 30 Kilometer nordöstlich von Ulm. Sie ist nach der Kreisstadt Heidenheim die zweitgrößte Stadt des Landkreises Heidenheim und die fünftgrößte Stadt in der Region Ostwürttemberg. Giengen gehört zum Mittelbereich Heidenheim, der alle Gemeinden des Landkreises Heidenheim umfasst, und ist seit 1. Januar 1999 Große Kreisstadt.
Geographie Lage Giengen liegt am Ostrand der Schwäbischen Alb auf der Lonetal-Flächenalb in einem Talkessel der unteren Brenz nördlich des Flusses zwischen Schießberg und Bruckersberg, Rechberg und Läutenberg. Die Brenz betritt von Herbrechtingen kommend im Westen das Stadtgebiet, durchfließt dann die Kernstadt südlich der Altstadt und verlässt es im Südosten in Richtung Hermaringen wieder. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Höhenlage von beim Wasserwerk Burgberg bis im Gewann Dornhäule an der Grenze zu Heidenheim.
Historische Geographie Durch Giengen führt der historische Jakobspilgerweg, der in Santiago de Compostela (Spanien) endet. Giengen liegt am süddeutschen Teilstück Nürnberg–Ulm–Konstanz. So wird Giengen heute wieder von vielen Menschen zu Fuß auf dem Weitwanderweg besucht.
Im Wohnbezirk Hohenmemmingen liegen die abgegangenen Ortschaften Sparenweiler, Stulen und Weiler, im Wohnbezirk Hürben liegt die abgegangene Ortschaft Niederweiler.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 591–598
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Giengen an der Brenz besteht aus der Kernstadt und den vier im Rahmen der Gebietsreform 1972 eingegliederten Gemeinden Burgberg, Hohenmemmingen, Hürben und Sachsenhausen, diese bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.Hauptsatzung der Stadt Giengen an der Brenz vom 22. November 2001, Änderung vom 21. März 2017
Zur ehemaligen Gemeinde Burgberg gehören das Dorf Burgberg und Schloss und Gehöft Schloss Burgberg. Zur Stadt Giengen an der Brenz im Gebietsstand vom 31. Dezember 1971 gehören die Stadt Giengen, das Gehöft Schratenhof und der Wohnplatz Christophruhe.
In der Kernstadt werden teilweise weitere Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Zuge der Bebauung ergeben haben, deren Grenzen jedoch meist nicht festgelegt sind. Hierzu gehören zum Beispiel Schwage, Bühl, Ehbach, Südstadt, Rechberg und Memmingerwanne.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Giengen an der Brenz. Im Norden beginnend, sind es im Uhrzeigersinn: Die Stadt Heidenheim an der Brenz im Norden; die Gemeinden Syrgenstein im Nordosten, Bachhagel im Osten und Medlingen im Südosten, alle zum bayerischen Landkreis Dillingen; wieder im eigenen Landkreis Heidenheim die Gemeinden Hermaringen im Süden, Sontheim an der Brenz im Süden, die Stadt Niederstotzingen im Südwesten, die Exklave Bissingen ob Lontal/Hausen von Herbrechtingen im Südwesten, die Gemeinde Gerstetten im Westen und die größere Teilfläche der Stadt Herbrechtingen selbst im Nordosten.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Giengen an der Brenz.
Schutzgebiete
Im Norden des Stadtgebiets liegt das Naturschutzgebiet Kirnberg. Zudem liegen im Stadtgebiet insgesamt sieben Landschaftsschutzgebiete: Irpfel mit Bernauer Feld, Rechberg, Läutenberg, Kirnberg, Schießberg, Heideflächen im Hölletal Ächselesberg westlich von Hohenmemmingen Salztröge südwestlich von Giengen Westl. Brenztalhang südlich von Giengen mit Nordteil des Bruckersberges sowie Greutberg, Hürbenhalde Hänge um den Schelmenberg sowie Langer Berg Lone- und Hürbetal Eifeld
Giengen hat darüber hinaus Anteile am FFH-Gebiet Giengener Alb und Eselsburger Tal.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Giengen um 1897 Giengen Bereits 100 n. Chr. wurde von den Römern eine Straße von Heidenheim (lat. Aquileia) nach Faimingen erstellt. Sie verlief nördlich von GiengenRömerstraßen im rätischen Limesgebiet Württembergs. Friedrich Hertlein, Heidelberger OJS-Journals. Giengen wurde zum ersten Mal im Jahr 1078 als Giengin in einer Chronik des Klosters Petershausen urkundlich erwähnt. Die Herkunft des Namens ist nicht gesichert. Die Siedlung entwickelte sich um eine Burg, die im 14. Jahrhundert noch erwähnt war. Im 13. Jahrhundert war Giengen bereits als Stadt genannt und hatte spätestens seit 1334 eine eigene Schule. 1391 konnte Giengen die Reichsfreiheit erlangen. 1395 trat sie dem Schwäbischen Städtebund bei. Die Stadt konnte sich jedoch kein Herrschaftsgebiet erwerben. Sie führte die Reformation ein und trat 1608 der evangelischen Union bei. 1613 kostete eine Seuche etwa 200 Bewohnern das Leben. Als Reichsstadt besaß Giengen das Recht der „Hohen Gerichtsbarkeit“, das heißt, das Recht bei schweren Straftaten die Todesstrafe verhängen zu können. So wurde 1615 Apollonia Sailer („Sailer Apel“) als Hexe angeklagt und zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt.jestrabek.homepage.t-online.de: "Hexen"verfolgungen im Heidenheimer Land Mit Württemberg gab es oft Streitigkeiten über die Obrigkeit. Während des Dreißigjährigen Kriegs logierte 1631 Wallenstein in der Reichsstadt.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 255. Nach der für die Schweden 1634 verlorenen Schlacht bei Nördlingen drangen die siegreichen kaiserlichen und spanischen Truppen vor. Auf Grund einer Unachtsamkeit der spanischen Besatzungstruppen brannte neun Tage nach der Schlacht am die Reichsstadt Giengen bis auf wenige Überreste vollständig ab; zum Gedenken an diesen Tag schuf der aus Giengen stammende Ulmer Stadtmaler Stötzlin das sogenannte „Brandbild“, das heute noch in der Stadtkirche besichtigt werden kann. Der Wiederaufbau der Stadtkirche begann erst 1655, nachdem der Prediger Simon Böckh d. Ä.Wikidata während einer Reise durch das Heilige Römische Reich genügend Spendengelder gesammelt hatte. Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekriegs musste Giengen 1703 die Besetzung durch französische Truppen hinnehmen.
Durch die Mediatisierung in der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 kam die Stadt an das Land Neuwürttemberg beim Kurfürstentum Württemberg. Im drei Jahre später errichteten Königreich Württemberg wurde die Stadt 1806 Sitz eines Oberamtes, das jedoch 1809 bereits wieder aufgelöst wurde. Fortan gehörte die Stadt zum Oberamt Heidenheim.
Im Jahre 1875 erreichte der Bau der Brenzbahn die Stadt, womit der Anschluss an das Netz der Württembergischen Eisenbahnen erfolgte.
Im Zuge der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg kam Giengen zum Landkreis Heidenheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Stadt in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Im Jahre 1972 erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung.
Die Einwohnerzahl der Stadt Giengen überschritt 1996 die 20.000-Einwohner-Grenze. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die baden-württembergische Landesregierung dann mit Wirkung vom 1. Januar 1999 beschloss.
Stadtteile Schloss Burgberg im Stadtteil Burgberg wurde 1209 erstmals als Burg Berg, der zugehörige Weiler 1372 als Berg erstmals erwähnt. Von den Herren von Berg kam der Ort an verschiedene Geschlechter. Ein Teil kam 1328 schließlich an die Herren von Öttingen. Die andere Hälfte war im Besitz der Herren von Böbingen. Im 14. Jahrhundert waren die Herren von Stein Besitzer, und schließlich 1452 waren die Herren von Grafeneck, die den Ort bis 1728 beherrschten, die Ortsherren. Dann fiel der Ort wieder an die von Öttingen. Im Schloss und im Weiler stand die hohe Obrigkeit und teilweise auch die niedrige Obrigkeit der württembergischen Herrschaft Heidenheim zu, sonst den Schlossherren. 1806 fiel der Ort an Bayern, 1810 an Württemberg und gehörte zum Oberamt Heidenheim. Das Schloss wurde 1838 von den Öttingen an Freiherr von Linden verkauft. 1936 erwarb es die Gemeinde. Im Ort wurde im 18. Jahrhundert von der Ortsherrschaft Fahrendes Volk angesiedelt, das überwiegend der Volksgruppe der Jenischen angehörten.
Hohenmemmingen wurde 1250 erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zur Herrschaft Staufen, die den Ort 1353 an die Herren von Helfenstein verkauften. Somit gelangte der Ort an die Herrschaft Heidenheim und kam mit diesem 1504 an Württemberg. Es gehörte schon früh zum Amt und späteren Oberamt Heidenheim.
Hürben wurde 1171 als Hurwin (Sumpf) erstmals erwähnt. Über mehrere Herrschaften kam auch Hürben an Heidenheim, wurde 1442 an Ulm verpfändet und 1448 jedoch wieder mit Heidenheim an Württemberg und gehörte zum Amt und späteren Oberamt Heidenheim.
Sachsenhausen wurde 1143 als Sachsenhusen erstmals erwähnt. Auch dieser Ort kam über verschiedene Herrschaften an Heidenheim und damit 1448 an Württemberg und war dem Amt und späteren Oberamt Heidenheim zugehörig.
Eingemeindungen Folgende Gemeinden wurden nach Giengen an der Brenz eingegliedert: 1. Januar 1972: Hürben und Sachsenhausen 15. März 1972: Hohenmemmingen 1. April 1972: Burgberg
Religionen Die Bevölkerung von Giengen an der Brenz gehörte ursprünglich zum Bistum Augsburg und war dem Archidiakonat Ries unterstellt. 1528 wurde die erste evangelische Predigt gehalten. Auf Bitten der Bürger wurde 1531 der erste evangelische Prediger angestellt. Es gab jedoch weiterhin katholische Gottesdienste. 1537 wurde die württembergische Kirchenordnung eingeführt, und 1556 wurde endgültig die Reformation besiegelt. Katholische Gottesdienste wurden eingestellt. Danach war Giengen über Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt. Als Reichsstadt konnte sie ihre kirchlichen Angelegenheiten selbst regeln. Bürgermeister Jörg Vetter (1512–1589) unterzeichnete für den Rat der Stadt die lutherische Konkordienformel von 1577.Vgl. BSLK, S. 765; vgl. S. 17.
Nach dem Übergang an Württemberg wurde die Kirchengemeinde Giengen dem Dekanat bzw. Kirchenbezirk Heidenheim zugeordnet. Neben der Stadtkirche gibt es noch die Spitalkirche, die aber seit 1967 der griechisch-orthodoxen Gemeinde als Gottesdienstraum dient.
In den Stadtteilen Hohenmemmingen, Hürben und Sachsenhausen wurde infolge der frühen Zugehörigkeit zu Württemberg ebenfalls die Reformation eingeführt. Daher gibt es in diesen Orten jeweils eine evangelische Kirchengemeinde und eine Kirche. Die Protestanten von Burgberg gehören zur Nachbarkirchengemeinde Hermaringen. Burgberg ist sonst überwiegend katholisch. Alle evangelischen Kirchengemeinden im Stadtgebiet Giengens gehören zum Dekanat Heidenheim innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.