Burn-out oder Burnout, auch Burnout-Syndrom (von ), ist ein Oberbegriff für bestimmte Arten von persönlichen Krisen, die als Reaktion auf andauernden Stress und Überlastung etwa am Arbeitsplatz auftreten.Burn-out in: DORSCH Lexikon der Psychologie Hogrefe 2017.Pschyrembel klinisches Wörterbuch, Verlag de Gruyter, 267. Auflage 2017 (ISBN 978-3-11-049497-6). (Stichwort Burnout-Syndrom, online).

Allgemeines Burn-out geht mit emotionaler Erschöpfung, einem Gefühl von Überforderung sowie reduzierter Leistungszufriedenheit einher. Die Symptomatik wird allerdings uneinheitlich beschrieben (Matthias Burisch identifizierte mehr als 130 Symptome) und überlappt mit der diverser anderer Störungsbilder (z. B. Depression).M. Burisch: Das Burnout-Syndrom. Berlin: Springer 2010. Burnout-Syndrome können mit eher unauffälligen Frühsymptomen beginnen und bis hin zu völliger Arbeitsunfähigkeit oder Suizid führen.

Als Ursachen für Burn-out wird häufig auf die Rolle von Stress verwiesen;Ferdinand Jaggi: Burnout – praxisnah. Georg Thieme Verlag: Stuttgart 2008, S. 6–7. diskutiert werden dabei sowohl äußere Faktoren der (Arbeits-)Umwelt als auch persönliche Dispositionen (wie Perfektionismus oder die Unfähigkeit zur Abgrenzung). Burn-out kann mit Depersonalisation im Sinne einer funktionalen emotionalen Distanzierung gegenüber Klienten oder beruflichen Aufgaben einhergehen – nicht als dissoziative Entfremdung – und stellt oft den Endzustand eines Prozesses dar, der von idealistischer Begeisterung über Desillusionierung und Frustration bis hin zu Apathie führt. Die Lebenszeit-Prävalenz von Burn-out in Deutschland beträgt laut der bevölkerungsrepräsentativen „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)“ 4,2 % und die 12-Monats-Prävalenz 1,5 %.Ulrike E. Maske et al.: Häufigkeit und psychiatrische Komorbiditäten von selbstberichtetem diagnostiziertem Burnout-Syndrom. In: Psychiatrische Praxis, 2016, 43(01), S. 18–24. doi:10.1055/s-0034-1387201.B.-M. Kurth: Erste Ergebnisse aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS). In: Bundesgesundheitsbl. 2012, 55, S. 980–990. doi:10.1007/s000103-1504-5.

Geschichte Die erste Erwähnung von Burn-out als ein psychologisches Phänomen, das bei Helfern (hier: Bewährungshelfern) anzutreffen ist, findet sich 1969 bei Bradley.H.B. Bradley: Community-based treatment for young adult offenders. In: Crime & Delinquency, 15. Jg., Nr. 3, 1969, S. 359–370.Dirk Enzmann, Dieter Kleiber, Helfer-Leiden: Stress und Burnout in psychosozialen Berufen, Asanger-Verlag, Heidelberg 1989, S. 17. Als Entdeckungszusammenhang gelten aber die Beobachtungen von Herbert Freudenberger, die dieser im Laufe seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Free Clinic machte und 1974 unter dem Titel Staff Burn-OutHerbert Freudenberger: Staff Burn-Out. In: Journal of Social Issues, 30. Jg., Nr. 1, 1974, S. 159–165. veröffentlichte. Der Begriff Burn-out tauchte wiederholt in den 1970er Jahren in den Vereinigten Staaten in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit Pflegeberufen auf. Populär war er bereits 1960 durch den Roman von Graham Greene mit dem Titel A Burnt-Out Case geworden. Erste wissenschaftliche Artikel zu diesem Thema neben dem Aufsatz von Freudenberger erschienen ab 1976 bspw. von der Sozialpsychologin Christina Maslach (University of California, Berkeley).Christina Maslach, W. B. Schaufeli, M. P. Leiter: Job Burnout. In: Annual Review of Psychology, 2001, 52, S. 397–422, hier S. 398. C. Maslach, J. Goldberg: Prevention of burnout: New perspectives. In: Applied Preventive Psychology, 7, 1998, S. 65. In diesen grundlegenden Arbeiten wird das Burnout-Syndrom als Reaktion auf chronische Stressoren im Beruf beschrieben. Nach Maslach hat es drei Dimensionen:

eine überwältigende Erschöpfung (overwhelming exhaustion) durch fehlende emotionale und physische Ressourcen (Energien) als persönlicher Aspekt, Gefühle des Zynismus und der Distanziertheit (detachment) von der beruflichen Aufgabe (Job) als zwischenmenschlicher Aspekt und ein Gefühl der Wirkungslosigkeit (inefficacy – wegen mangelnder Ressourcen) und verminderter Leistungsfähigkeit als Aspekt der Selbstbewertung (Selbstbild; vgl. Selbstwirksamkeitserwartung).C. Maslach, W. B. Schaufeli, M. P. Leiter: Job Burnout. In: Annual Review of Psychology, 2001, 52, S. 403.

Freudenberger beschrieb Burn-out als superachiever-sickness. Die Krankheit sei der Preis allzu hoher Aspirationen und extremer Erfolgsorientierung oder hoher moralischer Ansprüche.Herbert J. Freudenberger: Burn Out. How to beat the costs of success. Bantam Books 1980. Als besonders betroffen gelten aber auch Berufe, bei denen mit Menschen (als Klienten) gearbeitet wird, die sich in emotional belastenden Situationen befinden.C. Maslach, M. P. Leiter: The Truth About Burnout. San Francisco 1997. Seit den 1990er Jahren wird Burn-out immer wieder auch im Zusammenhang mit anderen Berufsgruppen diskutiert, was jedoch auf der Grundlage von Metaanalysen kritisch zu beurteilen ist.Dieter Korczak, Christine Kister, Beate Huber: Differentialdiagnostik des Burnout-Syndroms. (PDF; 1,0 MB) HTA-Bericht 105, 2010, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Köln, S. 20. Seit 2007 hat sich die Diskussion zu Burnout-Bedrohungen und -Ursachen auf Management-Kräfte verallgemeinert.Ruth Stock-Homburg, Eva-Maria Bauer: Abschalten unmöglich? In: Harvard Business Manager, Nr. 7/2008, S. 10–15.Burnout. In: Hernstein Management Report Nr. 5/13, Wien 2013.Ellen Braun, Steffen Hillebrecht: Betriebliche Wahrnehmung des Burnout. In: Der Betriebswirt, 54. Jg., Nr. 3/2013, S. 16–22. Auch in den Medien hat sich der Begriff Burn-out verbreitet.Markus Pohlmann, Volker Helbig und Stefan Bär: Ein neuer Geist des Kapitalismus? Selbstoptimierung und Burnout in den Wirtschaftsmedien. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 2017 (42) 1. S. 21–44. Viele Psychiater halten das Burnout-Syndrom hingegen für eine Modediagnose, die als Grundlage zahlreicher Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ein gesundheitsökonomischer Faktor geworden sei und die Diagnose einer Depression behindern könne.Andreas Meißner: Die Not der Psychiater. In: Süddeutsche Zeitung. 25. November 2011, S. 2.

Symptome Die Leitsymptome sind mit Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit unspezifisch. Folgt man dem Diagnoseschlüssel der ICD (vital exhaustion) und legt man die Forschungsergebnisse zur Diagnose des Burnout-Syndroms seit Mitte der 1970er Jahre zugrunde, dann zeigen die wichtigsten validierten Testverfahren, über welche Symptome das Burnout-Syndrom heute operationalisiert wird. Ausgangspunkt ist dabei das weltweit am häufigsten eingesetzte Maslach Burnout Inventory (MBI). Dieses wurde unter anderem durch das Copenhagen Burnout Inventory (CBI) und das Oldenburg Burnout Inventory (OLBI) modifiziert, aber im Kern nicht verändert.R. B. Halbesleben u. a.: The construct validity of an alternative measure of burnout: Investigating the English translation of the Oldernburg Burnout Inventory. In: Work & Stress, 19, 2005, Nr. 3. Auf dieser Grundlage lassen sich die Symptome in drei Kategorien (Dimensionen) einteilen:C. Maslach u. a.: Job Burnout. In: Annual Review of Psychology, 52, 2001. T. S. Kristensen u. a.: The Copenhagen Burnout Inventory: A new tool for the assessment of burnout. In: Work & Stress 19 (2005) Nr. 3. mini|Abbildung: Symptome des Burnout-Syndroms Emotionale Erschöpfung (exhaustion oder fatigue): Diese Erschöpfung resultiert aus einer übermäßigen emotionalen oder physischen Anstrengung (Anspannung). Es ist die Stress-Dimension des Burnout-Syndroms. Die Betroffenen fühlen sich schwach, kraftlos, müde und matt. Sie leiden unter Antriebsschwäche und sind leicht reizbar. Depersonalisierung: Mit dieser Reaktion auf die Überlastung stellen die Betroffenen eine Distanz zwischen sich selbst und ihren Klienten (Patienten, Schülern, Pflegebedürftigen oder Kunden) her. Das äußert sich in einer zunehmenden Gleichgültigkeit und teilweise zynischen Einstellung diesen gegenüber und die Arbeit wird zur unpersönlichen Routine. Erleben von Misserfolg: Die Betroffenen haben häufig das Gefühl, dass sie trotz Überlastung nicht viel erreichen oder bewirken. Es mangelt an Erlebnissen des Erfolges. Weil die Anforderungen quantitativ und qualitativ steigen und sich ständig verändern, erscheint die eigene Leistung im Vergleich zu den wachsenden Anforderungen gering. Diese Diskrepanz zwischen Anforderungen und Leistungen nimmt der Betroffene als persönliche Ineffektivität bzw. Ineffizienz wahr. Dies ist mit eine Folge der Depersonalisierung, weil die Betroffenen sich von ihren Klienten entfernt haben und auf deren Erwartungen nicht mehr wirksam eingehen können. Darunter leidet der Glaube an den Sinn der eigenen Tätigkeit.

Freudenberger nennt auch Orientierungslosigkeit, Verweigerungshaltung und sogar Paranoia als gelegentliche Begleiterscheinungen.Freudenberger, 1980.

Phasen des Burn-out Herbert Freudenberger und seine Kollegin Gail North haben zwölf Phasen im Verlauf des Burnout-Syndroms identifiziert. Die Reihenfolge muss jedoch nicht wie in der folgenden Auflistung verlaufen:Herbert Freudenberger, Gail North: Burnout bei Frauen. Freiburg, 1992. Drang, sich selbst und anderen Personen etwas beweisen zu wollen extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen erfüllen zu können Überarbeitung mit Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte Überspielen oder Übergehen innerer Probleme und Konflikte Zweifel am eigenen Wertesystem sowie an ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden Verleugnung entstehender Probleme, Absinken der Toleranzgrenze Rückzug und dabei Meidung sozialer Kontakte bis auf ein Minimum offensichtliche Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen Personen; das Leben verläuft zunehmend funktional und mechanistisch innere Leere und verzweifelte Versuche, diese Gefühle durch Überreaktionen zu überspielen wie beispielsweise durch Sexualität, Essgewohnheiten und Drogen Depression mit Symptomen wie Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit erste Gedanken an einen Suizid als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs

Diagnostik Burn-out wird in der 10. Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) im Abschnitt Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung des Kapitels Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen als „Ausgebranntsein“ (Z73.0) aufgeführt. Burn-out ist im Unterschied zu Depression keine Behandlungs-, sondern eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose.Manfred Nelting: Burnout. München 2010, S. 32. Ein reines Burnout-Syndrom ist ein Ausschlusskriterium für eine Neurasthenie (F48.0), die in der Diagnose aber als Burnout-basiert beschrieben wird und die Leistungspflicht eines Krankenversicherers begründen kann. Auch wird die Depersonalisierung (F48.1) als ein mögliches Symptom des Burnouts betrachtet.

In der Version ICD-11, die seit Januar 2022 international gültig ist und zukünftig auch im deutschen Sprachraum zur Anwendung kommen wird, ist Burn-out als Syndrom aufgrund von „Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann“ enthalten. Dabei heißt es ausdrücklich, das Syndrom solle nicht verwendet werden, um Erfahrungen in anderen Lebensbereichen zu erfassen, sondern auf den Arbeitsplatz beschränkt sein. In den Medien wurde 2019 teilweise berichtet, mit der ICD-11 werde Burn-out „als Krankheit anerkannt“. Hierbei handelt es sich um eine Falschmeldung, Burn-out wird weiterhin im Kapitel „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen“ geführt.