mini|Verschiedene Kopfbedeckungen: vom Helm über den Fes bis zur Narrenkappe Eine Kopfbedeckung ist ein Kleidungs- oder Schmuckstück zur Bedeckung des Kopfes. Dies schließt auch größere Kleidungsstücke ein, die zusätzlich zum Kopf auch den Hals, die Schultern oder den ganzen Körper bedecken, dazu alle Arten von Kränzen, Bändern und Haarschmuck, die das Haar zusammenhalten, sowie einige Arten von Masken.

Kopfbedeckungen können schützende, zierende und auszeichnende Funktionen übernehmen. Wichtig ist oft ihre sozialpsychologische und semiotische Bedeutung, als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Hierarchie.

Schutzfunktionen Schutz gegen die Witterung mini|Mann mit hutartiger Pelzhaube (Selbstporträt des jungen Hans Baldung) Bei ihrer Verwendung gegen Sonne, Kälte, Wind und Regen ergänzt oder ersetzt die Kopfbedeckung die natürliche Schutzfunktion des menschlichen Kopfhaars. Im Fall von Perücken wird sogar das Aussehen des Kopfhaares nachgeahmt. Damit Atmung und Orientierung des Trägers nicht behindert werden, bleiben Augen, Nase und Mund meist unbedeckt, weniger oft die Ohren. Gegen extreme Witterungsbedingungen wird zuweilen aber auch das Gesicht maskenartig bedeckt.

Hüte aus meist festem, steifen Material, wie Filz, Stroh, Bast oder Leder, weisen oft, aber nicht immer, eine umlaufende Krempe auf, die sowohl das Gesicht als auch Ohren und Nacken gegen Regen und/oder Sonne schützen sollen. Hüte mit Krempe: Aus dem breitkrempigen Schlapphut entwickelte sich der Dreispitz und Zweispitz. Die Melone mit rundem Hutkopf und die flache Kreissäge sind steife Hüte. Beim steifen und sehr hohen Zylinder überwiegt jedoch bereits die Schmuck- und Zeichenfunktion vor der Schutzfunktion. Der Panama-Hut oder der Kalabreser sind hingegen weich, auch der Südwester. Hüte ohne Krempe: asiatischer Kegelhut, Fes, Topfhut etc. Mützen aus meist weichem Material, wie Wolle, Pelz, Samt, Baumwolle, dienen tendenziell eher dem Schutz gegen Kälte. Seit dem 19. Jahrhundert sind sie vermehrt mit einem steifen Schirm versehen, der nur die Augen beschattet. Schirmlose Mützen: Zipfelmütze, Pudelmütze, Barett, Baskenmütze etc. Schirmmützen: Schiebermütze, Ballonmütze, Prinz-Heinrich-Mütze, Baseballcap etc. Kapuzen dienen darüber hinaus auch als Schutz gegen Kälte und Wind. Anders als Hüte und Mützen bzw. Kappen können Kapuzen nicht vom Wind davongetragen werden.

Schutz gegen Verletzungen mini|Portugiesischer Feuerwehrhelm

In dieser Funktion ergänzen die Kopfbedeckungen die Schädelknochen, besonders die Schädelkalotte.

Helme, aus stoß- und schlagfestem Material wie Metall, Leder, Kunststoff Stahlhelme werden besonders von Soldaten getragen Im zivilen Bereich sollen Anstoßkappen und Schutzhelme Kopfverletzungen vermeiden. Ein Tropenhelm soll gegen Hitzschlag schützen, ein Taucherhelm gegen den Wasserdruck. Masken: Eine Atemschutzmaske schützt beispielsweise gegen giftige Gase, ein Schweißerschutzfilter gegen das „Verblitzen“ der Augen, die Imkermaske gegen Bienenstiche. In manchen verletzungsintensiven Sportarten, etwa Eishockey trägt besonders der Torwart, zusätzlich zum Helm eine Torwartmaske. Visiere aus einem gewölbten Blatt PET oder PC schützen vor Spritzern von aggressiven Chemikalien oder infektiösem Material auf die Augen oder ins Gesicht. Holzarbeiter mit Kettensäge und Arbeiter an Hochspannungsanlagen schützen sich mit einem Visier aus Metalldrahtgeflecht.

Bedeckung des Haares und Schutz vor Blicken Kopftücher und Schleier bieten Schutz vor Wettereinwirkungen und Blicken und bändigen das Haar. Zahlreiche Varianten sind bekannt, beispielsweise das Bandana. Hauben aus leichtem Gewebe und anderem empfindlichem Material (Draht, Fischbein, Pappe) dienen seit dem Mittelalter dazu, das Haar (verheirateter) Frauen zu verhüllen. Die praktische Funktion der Haarbändigung wird hier allerdings schon größtenteils durch die Symbol- und Schmuckfunktion überlagert. Kostümmasken machen den Träger gänzlich unkenntlich. Auch Kapuzen und Sturmhauben können vorrangig zur Unkenntlichmachung dienen. Bei Helmen mit Gesichtsschutz (Visier etc.) ist dieser Effekt meist nicht beabsichtigt, tritt aber trotzdem ein.

Haarbändigung

mini|Das Wappen Korsikas

Langes Haar kann die Sicht behindern bzw. sich an Hindernissen oder Arbeitsgeräten verfangen. Deshalb wird es zuweilen durch besondere Kopfbedeckungen, wie den Haarreif, zusammengehalten.

Calotten wurden seit dem Spätmittelalter unter anderen Kopfbedeckungen wie dem Barett getragen. Haarnetze, Einweghäubchen aus dünnem Vlies mit Gummizug und Kochmützen sind Teil von Arbeitskleidung, die aus Gründen der Hygiene und Sauberkeit in der Küche, bei der Lebensmittelverarbeitung, beim Lackieren, bei Arbeiten an feiner Mechanik und Elektronik, im medizinischen Operationssaal und im Reinraum getragen werden. Bei hohem Reinraumstandard kommen Overall mit Kapuze und Überschuhe dazu. Stirnbänder können zusätzlich Schweiß aufsaugen und Ohren wärmen. Haargummis und Haarreif sind auf ein Minimum reduzierte Haarbändiger.

Zeichenfunktionen mini|Sozialer Status: Beim sonntäglichen Promenadenkonzert in Hannover trug lediglich das Kindermädchen keinen Hut;Ansichtskarte Nr. 8753 von Louis Glaser In gemäßigten Klimaten ist das Tragen einer Kopfbedeckung keineswegs unabdingbar. Im Laufe der Geschichte gab es deshalb immer wieder Perioden, in denen es die Ausnahme war, Barhäuptigkeit hingegen die Regel. Wie jede Kleidung haben Kopfbedeckungen, neben ihren praktischen Funktionen und ihrer Schmuckfunktion, auch eine wichtige sozialpsychologische Bedeutung, umso mehr durch ihre wortwörtlich „hervorgehobene Stellung“ und gute Sichtbarkeit. Deshalb kam ein unbedecktes Haupt zu anderen Zeiten nahezu der Nacktheit gleich.

Gruppenzugehörigkeit

mini|Hutterische Frau mit einem Kopftuch, Mädchen mit einer Haube Durch gleichförmige oder ähnliche Kopfbedeckungen kann der Träger seiner Zugehörigkeit zu unterschiedlichsten Gruppen Ausdruck geben.

Geschlecht, Stand, Alter, Konfession: In den Volkstrachten des 19. Jahrhunderts wurden Kopfbedeckungen von Männern und Frauen streng unterschieden. Besonders die Hauben der Frauen wurden oft noch zusätzlich differenziert für ledige, verheiratete oder verwitwete Frauen (nur selten gab es besondere Kappen für unverheiratete Männer) oder gemäß dem Anlass: im Alltag, beim Kirchgang, bei der Hochzeit, während der Trauerzeit etc. Heute sind diese Differenzierungen weitestgehend geschwunden. Religion: In Judentum und Islam ist das Tragen der Kippa und der Takke im Gottesdienst für alle Männer üblich, bei orthodoxen auch im Alltag. Frauen tragen entsprechend eine das Haar bedeckende Kopfbedeckung (Kopftuch, Haube, Hut, Mütze, Perücke). Für Sikhs ist das Tragen des Dastars eine religiöse Pflicht. Christliche Ordensgemeinschaften unterscheiden sich u. a. durch ihre unterschiedlichen Kopfbedeckungen, ähnlich verschiedene Schulen des tibetischen Buddhismus („Rotmützen“, „Gelbmützen“, „Schwarzmützen“). Manche christliche Gruppen, die Kopfbedeckungen tragen, sind die Hutterer, die Amish People und Bruderhof Mitglieder. Politik: die roten Baskenmützen als Symbol des Carlismus, die Schlägermützen des Spartakusbunds, die braunen Schaftmützen der SA etc. Militär, siehe: Militärische Kopfbedeckung

Berufskleidung: Kluft (Zunftkleidung), Kochmütze, Schaffnermütze, Haube der Krankenschwester etc. Studentenmützen zeigen die Zugehörigkeit zu bestimmten Verbindungen an.

Abstammung: die schwarzen oder grünen Turbane der Nachkommen des Propheten Mohammed.

Ausgrenzung mini|Der jüdische Spruchdichter Süßkind von Trimberg rechts im Bild mit Judenhut, 14. Jhd. Andererseits kann eine Kopfbedeckung, genau im Gegenteil, zur Ächtung ihres Trägers und zur Ausgrenzung einer bestimmten Gruppe aus der Mehrheitsgesellschaft dienen.

Judenhut, die Carocha verurteilter Ketzer, auch die Narrenkappe

Autorität, Herrschaft und Privilegierung Besondere Kopfbedeckungen, die durch ihre Höhe, Breite, Farbe oder Verzierungen imponieren sollten, wurden ursprünglich wohl den Gottheiten selbst zugesprochen, später den Priesterkönigen und ihren Priestern, zum Beispiel die Doppelkrone der Pharaonen, die Tiara der altpersischen Großkönige. In der Bibel wird der Turban (Kopfbund) als Kopfbedeckung der Hohepriester in Israel genannt. In dieser antiken Tradition steht auch die Mitra und der Stephanos christlicher Bischöfe. Bis in das 11. Jahrhundert gingen die gewöhnlichen christlichen Geistlichen hingegen barhäuptig, erst später übernahmen sie das Birett/Barett.

Alexander der Große übernahm das Diadem von den Persern (ursprünglich ein Stirnband, das um die Tiara gewunden wurde); auch der griechisch-römische Lorbeerkranz wurde später aus Metall gefertigt. Als erste Germanen verwandten die Könige der Vandalen das Diadem als Insigne. Hieraus entwickelte sich die Krone der abendländischen Kaiser und Könige.

Aber auch der gewöhnliche Hut konnte ein Herrschaftssymbol sein: Schon im Sachsenspiegel wird der Schultheiß durch seine Kopfbedeckung vor den anderen Bauern hervorgehoben. Ebenso wird der Lehnsherr oft mit einer Kopfbedeckung dargestellt, der Belehnte hingegen barhäuptig. In Zeiten der allgemeinen Verbreitung von Kopfbedeckungen musste deshalb der Rangniedrigere den Hut zum Gruß abnehmen. Der Ranghöhere konnte ihn aufbehalten. Ein bekanntes Beispiel ist der Gesslerhut, dem man sogar in Abwesenheit des Trägers zu huldigen hatte. Ähnliche Stellvertreterfunktion hatte der Hut, der zur Eröffnung eines Marktes auf einer Stange aufgestellt wurde. Er symbolisierte den Schutz des Marktrechts durch den Marktherren.

Allgemein galt der Hut (ähnlich wie die Hose) auch als Zeichen der Herrschaft des Ehemannes über seine Ehefrau. Die Sitte, vor Frauen jeglichen Standes den Hut zu ziehen, kam erst an den galanten Adelshöfen des 18. Jahrhunderts auf.

Die Haube, im Gegenzug, stand für die Unterordnung der Frau unter den Willen des Mannes, der Schleier (besonders der Schleier der Nonnen) galt als ein Zeichen der Demut vor Gott. Aus diesem Grund brauchten diese typisch weiblichen Kopfbedeckungen auch nicht vor höhergestellten Personen oder im Gottesdienst abgenommen zu werden – ganz im Gegenteil.

Das Barett war im späten Mittelalter die Kopfbedeckung der Fürsten und Grafen, die auch die Gerichtsbarkeit innehatten. In der frühen Neuzeit wurde es von Juristen übernommen, besonders von Richtern, sowie allgemein von Gelehrten (siehe: Doktorhut). Eine Mischform aus Krone und Barett ist der Kurhut der Kurfürsten.

Politische Freiheit Im Alten Rom war der Pileus das Erkennungszeichen der freigelassenen Sklaven und wurde so zum Symbol der Freiheit allgemein.

Die Friesen zur Zeit der Friesischen Freiheit führten in Kriegszeiten einen Hut als Feldzeichen. In den Wappen vieler Schweizer Kantone findet sich der Tellenhut als Freiheitszeichen. Die Vereinigten Niederlande gaben Münzen heraus, auf die ein Hut geprägt war, um ihrem republikanischen Unabhängigkeitswillen gegenüber der spanischen Habsburgermonarchie auszudrücken.

Nach der Glorious Revolution in Großbritannien wurden die breitkrempigen Hüte mit kegelstumpfförmiger Krone zu einem Erkennungszeichen der Puritaner und Quäker. Noch während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges kehrte der Puritanerhut aus Nordamerika nach Kontinentaleuropa zurück und wurde in der Zeit des Sturm und Drang zu einem Bestandteil der Werthertracht, die bei der aufbegehrenden, idealistischen und überschwänglichen deutschen Jugend in Mode kam.

mini|Porträt von André Antoine, 1795 Bei der französischen Nationalversammlung von 1789 trugen die liberal gesinnten Deputierten ähnliche Hüte aus Woll- oder Biberhaarfilz, allerdings mit schmalerer Krempe und mehr zylinderförmig. Als Zeichen der Emanzipation behielten sich nun auch die Bürger das Recht vor, ihre Hüte in Gegenwart von Adeligen aufzubehalten. Anderseits wurde erwartet, dass die Höflichkeitsgeste des Hutlüftens nun auch von Adeligen erwidert wurde.