Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Fläche: km² Gliederung: 41 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 75.000 (2026) Adresse desDekanatamtes: Neckarhalde 2772070 Tübingen Dekan: Martin Böger Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Tübingen innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Tübingen.

Geografie Der Kirchenbezirk Tübingen liegt im Südwesten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst fast den gesamten Landkreis Tübingen mit Ausnahme der Ortsteile Bierlingen, Felldorf und Wachendorf der Gemeinde Starzach, die zum Kirchenbezirk Sulz am Neckar gehören, der Ortsteile Altingen, Breitenholz, Entringen und Reusten der Gemeinde Ammerbuch sowie der Stadtteile Baisingen und Hailfingen der Stadt Rottenburg am Neckar, die alle zum Kirchenbezirk Herrenberg gehören. Ferner gehören die Gemeinden Pliezhausen und Walddorfhäslach des Landkreises Reutlingen und die Ortsteile Rohrdorf und Weitingen der Gemeinde Eutingen im Gäu (Landkreis Freudenstadt) zum Kirchenbezirk Tübingen.

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Tübingen grenzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Bernhausen und Nürtingen (beide Prälatur Stuttgart) sowie Reutlingen, Balingen, Rottweil, Herrenberg und Böblingen (alle Prälatur Reutlingen).

Geschichte Das Gebiet des heutigen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Tübingen gehört zum Großteil zum württembergischen Kernland, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Dieses Gebiet ist daher mehrheitlich evangelisch geprägt. Ein anderer Teil des heutigen Kirchenbezirks Tübingen gehörte aber auch zu Vorderösterreich und blieb somit nach der Reformation katholisch. Hier wurden erst ab dem 19. Jahrhundert bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg evangelische Gemeinden gegründet.

Tübingen wurde bald nach der Reformation, wohl ab 1552 Sitz eines Spezialsuperintendenten bzw. Dekans, dessen Verwaltungsbezirk auch als Diözese bezeichnet wurde. Es gab die sog. Stadtdiözese, zu deren Dekan der Stadtpfarrer an der Stiftskirche Tübingen ernannt wurde und dem die Geistlichen in der Stadt Tübingen, die Stiftsrepetenten sowie die Lehrer der Lateinschule unterstanden, und die sog. Amtsdiözese, zu dessen Verwaltungsbezirk über 20 Orte außerhalb Tübingens gehörten. Der Amtsdekan war ein Pfarrer eines Amtsortes, bis 1692 mehrmals der Pfarrer in Lustnau. Daneben gab es noch die sog. „Bebenhäuser Diözese“ in Lustnau, zu der die Orte Altdorf, Weil, Poltringen, Unterjesingen, Hagelloch, Ofterdingen und Dettenhausen gehörten. Sowohl die Stadtdiözese Tübingen als auch die sog. Bebenhäuser Diözese unterstand ab 1552 dem Amtsdekan. 1692 schied die Bebenhäuser Diözese aus diesem Verband aus und es wurde dort ein eigener Superintendent bzw. Dekan eingesetzt. Dem Amtsdekan, der ab 1692 bis 1713 in Derendingen, dann bis 1735 in Walddorf seinen Sitz hatte, unterstand somit neben seinem eigenen Verwaltungsbezirk nur noch die Stadtdiözese Tübingen. 1735 wurde der Sitz des Amtsdekans dann nach Tübingen verlegt und in der Regel mit der Stelle des dortigen Abendpredigers verbunden. 1794 wurde schließlich Stadt- und Amtsdiözese Tübingen vereinigt. Fortan war der Stadtpfarrer an der Stiftskirche der alleinige Dekan für die Stadt und Amtsorte.

Durch königliche Verordnung vom 30. Juli 1811 wurde schließlich auch die noch bestehende Bebenhäuser Diözese in Lustnau aufgelöst und deren Orte auf die Dekanate Böblingen, Herrenberg und Tübingen aufgeteilt, wobei Tübingen die Orte Hagelloch, Ofterdingen und Dettenhausen erhielt. Im 19. Jahrhundert gab das Dekanat Tübingen die Orte Breitenholz, Entringen und Pfäffingen an das Dekanat Herrenberg und Gomaringen an das Dekanat Reutlingen ab.

Die Stadtdiözese, die Amtsdiözese und die Bebenhäuser Diözese gehörten zunächst zum Generalat Bebenhausen. Ab 1810 wurde Tübingen anstelle von Bebenhausen Sitz des Generalats. Dem Generalat Tübingen unterstand ab 1811 unter anderem auch das ab dann allein noch bestehende Dekanat Tübingen. 1913 wurde das Generalat Tübingen aufgehoben und sein Gebiet dem Generalat Reutlingen zugeordnet, aus der 1924 die heutige Prälatur Reutlingen hervorging.

Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurden mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinden Schlaitdorf und Altenriet in den Kirchenbezirk Nürtingen sowie Degerschlacht, Sickenhausen, Gönningen, Oferdingen, Altenburg und Rommelsbach in den Kirchenbezirk Reutlingen umgegliedert. Im Gegenzug erhielt der Kirchenbezirk Tübingen vom Kirchenbezirk Herrenberg die Kirchengemeinden Pfäffingen und Unterjesingen. 1983 wechselte auch die Kirchengemeinde Stockach, die bis dahin als Filialkirchengemeinde zur Gesamtkirchengemeinde Dußlingen gehörte, in den Kirchenbezirk Reutlingen, weil sie fortan vom Pfarramt Gomaringen betreut wurde. Zum 1. Januar 2002 wurden die Kirchengemeinden Gomaringen und Stockach auf eigenen Wunsch vom Kirchenbezirk Reutlingen in den Kirchenbezirk Tübingen umgegliedert.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan bzw. der Dekanin. Dekan ist seit Februar 2026 Martin Böger.

Dekane des Kirchenbezirks Tübingen seit 1794 1794–1812 Georg Heinrich von Müller 1812–1837 Johann Gottlieb Münch 1838–1848 Johann Gottfried Pressel 1848–1851 Albert von Hauber (1806–1883) 1851–1852 Christian Palmer (1811–1875) 1853–1869 Ludwig von Georgii (1810–1896) 1870–1884 Georg Friedrich Franck 1885–1890 Viktor von Sandberger (1835–1912) 1890–1909 Karl August Elsässer 1909–1911 Christian Friedrich von Römer (1854–1920) 1911–1930 Hermann Friedrich Faber 1930–1946 Dr. Theodor Stockmayer 1946–1951 Theodor Haug 1951–1958 Friedrich Höltzel (1898–1990) 1958–1970 Friedrich Epting (1910–1983) 1970–1986 Reinhard Hermann (1923–2016) 1986–1995 Heinrich Küenzlen (* 1942) 1995–2012 Marie-Luise Kling-de Lazzer (* 1947) 2012–2025 Elisabeth Hege (* 1959) seit 2026 Martin Böger (* 1987)

Dekane der Bebenhäuser Diözese in Lustnau bis zu deren Auflösung 1811: 1767–1784 Magnus Friedrich Roos 1784–1801 Georg Ludwig Weber 1801–1807 Johann Gottfried Mayer 1807–1811 Eberhard Friedrich Cless

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Tübingen gibt es insgesamt 42 Kirchengemeinden, von denen sich 14 zu insgesamt vier Gesamt- oder Verbundkirchengemeinden zusammengeschlossen haben, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Das Gebiet des Kirchenbezirks Tübingen ist im Osten überwiegend evangelisch, im Westen jedoch überwiegend katholisch geprägt. Alte evangelische Kirchen bzw. Kirchengemeinden gibt es daher nur in den Orten, die schon früh die Reformation eingeführt haben, also überwiegend im altwürttembergischen Teil. In den mehrheitlich katholischen Orten Vorderösterreichs zogen evangelische Bewohner überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu, so dass es dort meist junge evangelische Kirchengemeinden gibt.

Kirchengemeinde Bebenhausen mini|hochkant|Evang. Klosterkirche Tübingen-Bebenhausen mini|links|Blick zum Kloster Tübingen-Bebenhausen

Die Kirchengemeinde Bebenhausen umfasst den Stadtteil Bebenhausen der Stadt Tübingen. Das kirchliche Leben in Bebenhausen beginnt mit der Gründung des Zisterzienserklosters im 12. Jahrhundert. Nach der Reformation durch Württemberg 1534 wurde das Kloster aufgehoben und eine evangelische Klosterschule eingerichtet. Politische gehörte das Gebiet Bebenhausen zum Klosteramt, ab 1779 Oberamt Bebenhausen. Erst 1823 wurde eine eigene politische Gemeinde Bebenhausen gegründet. Für die Bewohner Bebenhausens wurde eine evangelische Kirchengemeinde gegründet, die sich in der ehemaligen Klosterkirche zum Gottesdienst versammelt. Eine eigene Pfarrei hat Bebenhausen jedoch nicht. Die Kirchengemeinde Bebenhausen wird bis heute vom Pfarramt Lustnau betreut. Die Klosterkirche Bebenhausen wurde ab 1188 begonnen. 1228 wurde die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika geweiht. Im 14. und 15. Jahrhundert gab es Veränderungen. Nach der Reformation wurde das Langhaus fast ganz abgebrochen und neu erbaut. Im 17. Jahrhundert wurde eine Orgelempore im Chor eingebaut. 1883 bis 1885 wurde sie nochmals neugotisch verändert. Die wertvollste Innenausstattung ist das spätgotische Tafelbild über dem Seitenaltar, das die „Bernhardsminne“ darstellt.

Bis 1967 gehörte auch der Weiler Waldhausen zur Kirchengemeinde Bebenhausen. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 21. April 1967 wurde dieser Weiler der Martinskirchengemeinde Tübingen zugeordnet.

Kirchengemeinde Belsen mini|Belsener Kapelle

Die Kirchengemeinde Belsen umfasst den Stadtteil Belsen der Stadt Mössingen. Politisch gehörte Belsen stets zu Mössingen. Kirchlich war es ebenfalls Filiale der Peter- und Paulskirche Mössingen. Eine Belsener Kapelle wurde aber bereits 1485 erwähnt. 1525 wird sie St. Maximin und Johannes genannt. Die romanische Chorturmkirche wurde wohl im 12. Jahrhundert erbaut und spätgotische verändert. 1842 wurde an ihr eine eigene Pfarrverweserei und 1866 eine eigene Pfarrei errichtet. Die Belsener Kapelle wurde zur Pfarrkirche. 1960 wurde die Kirche renoviert. Bekannt sind die Außenplastiken am Westgiebel der Kirche. Die Kirche steht auf Fundamenten einer Vorgängerkirche. Eine kreisrunde Lichtöffnung in der Südostecke der Kirche ist eine sog. „Sonnenkalenderanlage“. Diese kann aber nur noch von innen besichtigt werden, weil das Dach der Sakristei die Öffnung verdeckt.

Kirchengemeinde Bodelshausen mini|links|hochkant|Dionysiuskirche Bodelshausen

Die Kirchengemeinde Bodelshausen umfasst die Gemeinden Bodelshausen und Hirrlingen sowie den Stadtteil Hemmendorf der Stadt Rottenburg am Neckar. Eine Kirche und Pfarrei wurde bereits 1275 erwähnt. 1565 wird sie mit St. Dionys bezeichnet. Das Patronat hatten die Herren von Ow, dann Württemberg, das 1534 die Reformation einführte. Die heutige Kirche wurde 1847 vom Reutlinger Stadtbaumeister Johann Georg Rupp im neogotischen Stil erbaut. Der untere Teil des Turms stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Das frühere Langhaus stand östlich, das heutige westlich des Turms. Im Chorraum sind Epitaphen Hechinger Bürger zu sehen. Der Korpus des Altarkreuzes stammt noch von 1790, das Kreuz an sich ist jüngeren Datums. Die Bleiglasfenster stammen von 1930 (Käte Schaller-Härlin, Südfenster) und 1963 (Rudolf Yelin d. J., drei Chorfenster). Heute hat die Kirchengemeinde Bodelshausen zwei Pfarrämter, die mit I und II bezeichnet werden.

Hirrlingen und Hemmendorf blieben nach der Reformation katholisch. Überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch evangelische Bewohner nach Hirrlingen und Hemmendorf. Diese wurden der Kirchengemeinde Bodelshausen zugeordnet.

Von 1951 bis 1974 gehörten auch die evangelischen Bewohner der überwiegend katholischen Orte Sickingen und Bechtoldsweiler (beide Stadt Hechingen) zur Kirchengemeinde Bodelshausen. Sie waren im Zusammenhang mit der Umgliederung der Kirchengemeinde Hechingen, zu der sie bis dahin gehörten, von der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union in die württembergische Landeskirche am 1. April 1951, von der Kirchengemeinde Hechingen getrennt und der Kirchengemeinde Bodelshausen zugeordnet worden. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1974 wurden dies wieder rückgängig gemacht, das heißt beide Orte wurden in den Kirchenbezirk Balingen umgegliedert und wieder der Kirchengemeinde Hechingen zugeordnet.

Kirchengemeinde Derendingen mini|Ev. St. Galluskirche Derendingen