mini|Ausschnitt aus der Karte des Geometers Joseph Mantel: Beschreibung des Freyherrlich von Groschlagischen Lustgartens nebst zugehörigen Wiessen und Baumstüken zu Stokau von 1789, heute im Museum Schloss Fechenbach, Dieburg Das unbefestigte Lustschloss Schloss Stockau mit dem historischen Schlossgarten lag an der Gersprenz bei Dieburg im Landkreis Darmstadt-Dieburg.Seinen Namen hat das Schloss von der Wüstung Stockau, die sich über Stocken (1379), Stockenau (1429), Stockaw (1593), Stockhaw (1545) zur Bezeichnung des Schlosses Stockau ausgebildet hat. Es wurde nach der adligen Familie auch als Groschlag’sches Schloss bezeichnet.

Geschichte mini|Plan der Anlage von 1789 Nachdem Philipp von Groschlag 1687 die südlich der Stadt liegende Mühle im Gewann Stockau erworben hatte, ließ er ein Sommerschloss erbauen und bezog es mit seiner Familie nach der Fertigstellung 1699.

Nach dem Tod des letzten Groschlag, des Kurfürstlichen Staatsministers Friedrich Carl Willibald von Groschlag zu Dieburg (1729–1799) am 25. Mai 1799 kam das Schloss über eine seiner TöchterGräfin Maria Anna Philippine Walburga von Lerchenfeld-Köfering, geborene Groschlag (* 21. Juli 1775 in Dieburg; † 17. Juni 1854 in Wien) in den Besitz des Grafen Maximilian Emanuel von Lerchenfeld-Köfering (1772–1809).

1840 ist ein Freiherr von Gemmingen Schlossherr, der eine neue Mühle ca. 100 Meter stromabwärts an der Gersprenz erbauen ließ. 1854 zog dieser auf ein Gut in Ungarn, nachdem er das Schloss mit allen Gebäuden und Feldern an den k. k. österreichischen Oberst von Brüselle verkauft hatte. Der neue Schlossherr kam nie nach Dieburg. Sein Verwalter Kraft von Dieburg ließ das Schloss nach dem Verkauf aller Materialien 1857 völlig niederlegen.

Ab 1857 betrieben die Gebrüder Stern von Mannheim eine Kartoffelmehlfabrik in der Mühle. Ab Mitte der 1870er Jahre folgte eine Nähmaschinenfabrik des Herrn Raiser, von dem der Fabrikant Ganß im Herbst 1882 das ganze Anwesen kaufte, um am 1. Januar 1883 eine Kokosmattenfabrik darin zu eröffnen.

Ausbau des Schlosses Schloss Stockau war ein großer, schlichter, sehr geräumiger vierstöckiger Bau aus Backsteinen und Holz. Das Gebäude grenzte mit der Rückseite dicht an die Gersprenz und mit der Vorderseite bis nahe an den Park. Nach der Niederlegung des Schlosses kam die ziemlich umfangreiche Bibliothek nach Darmstadt, ein Teil vermutlich auch nach Frankfurt am Main.

Heutige Nutzung Das heute existierende Gebäude ist nicht das Schloss, sondern die ehemalige Mühle und spätere Fabrik. Es steht unter Denkmalschutz, befindet sich in Privatbesitz und dient als Wohnhaus. Das Dieburger Kreis- und Stadtmuseum im Fechenbacher Schloss zeigt die alten Gartenpläne des historischen Schlossgartens, der von überregionaler Bedeutung ist.

Der Schlosspark mini|Schwacher Abglanz des ehemaligen Groschlag’schen Barockgartens, die heutige Hauptallee Richtung Fontäne mit Blick nach Süden mini|Trapezteich Die Gartenanlage des 18. Jahrhunderts stellte mit französischen, holländischen und englischen Partien eine Begegnungsstätte bedeutender Persönlichkeiten dar. Silvester 1779 verbrachte Johann Wolfgang Goethe hier mit Herzog Karl August von Sachsen-Weimar und Eisenach, mit Karl Theodor von Dalberg und anderen Persönlichkeiten den Jahreswechsel als Gast der von Groschlags. Ein Briefwechsel über den Schlossgarten folgte und Groschlag hat sich wohl beim Ausbau des Gartens nach Goethes Ratschlägen gerichtet.in Biographie: Johann Heinrich Merck: Briefwechsel. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0105-4, S. 370 ff.Politischer Briefwechsel des Herzogs und Großherzogs Carl August von Weimar, Deutsche Verlags-Anstalt, 1954, S. 120 Man konnte die Gartenanlage durchaus mit dem Park von Schwetzingen und Wörlitz vergleichen.

Die Groschlags ließen die Partien der Parkanlage genauestens planen, um Licht- und Sichteffekte zu erzielen. Den Besuchern boten sich ständig neue Perspektiven von Gartenplastiken, Statuen und Gebäude, die wohlüberlegt in den Park eingefügt waren. Kleine Tempel, Lusthäuser oder antik anmutende Ruinen schmückten den überwiegend englischen Landschaftsgarten, der zu den frühesten Parks dieses Stils in Deutschland gehörte.

Heute sind von der einstigen großen Gartenfläche noch Teile erhalten, die nach den alten Plänen saniert wurden und so noch einen Eindruck der prächtigen historischen Anlage vermitteln. Der heutige Schlossgarten, verbliebener Teil des Parks, ist romantischer Erholungsraum für die Dieburger Bürger und seit 1961 naturhafter Rahmen des jährlichen Schlossgartenfestes. Der Eingang zum Schlossgarten wird immer noch von einer Fontäne geprägt. Wenige Meter weiter bietet ein modern gestalteter Spielplatz Spaß für die Kleinen. Hinter dem Dieburger Festplatz erstreckt sich die fast zweihundert Meter lange Lindenallee, die auf einen trapezförmigen Teich mit größerer Fontäne und kleinem Tempel ausläuft.

Literatur Peter und Marion Sattler: Burgen und Schlösser im Odenwald, Verlag Edition Diesbach, Weinheim 2004, S. 29 Magistrat der Stadt Dieburg (Hg.): Dieburg. Beiträge zur Geschichte einer Stadt, Selbstverlag, Dieburg 1977, S. 366f

Weblinks

Dieburg – Siedlungsentwicklung vom Mittelalter bis 1846/58 (LAGIS), abgerufen am 14. März 2022, Lage von Schloss Stockau und Mühle links unten in der Karte

Einzelnachweise

Stockau Kategorie:Bauwerk in Dieburg Kategorie:Groschlag (Adelsgeschlecht)