Oberbilk ist ein dicht besiedelter, in der Nähe der Stadtmitte liegender und zum Stadtbezirk 3 gehörender Stadtteil von Düsseldorf. In der Vergangenheit prägte die Eisen- und Stahlindustrie den früheren Arbeiterstadtteil. Seit Schließung der letzten Werke Anfang der 1980er Jahre durchläuft Oberbilk einen Strukturwandel.
Geographie und Bevölkerung Lage Oberbilk liegt östlich von Bilk, der Friedrichstadt und der Stadtmitte. Nördlich schließt sich Flingern-Süd an. Im Osten grenzt der Stadtteil an Lierenfeld und Eller. Südlich von Oberbilk liegt Wersten. Der am dichtesten besiedelte nördliche Teil Oberbilks liegt östlich des Düsseldorfer Hauptbahnhofes inmitten eines großen Gleisdreiecks. Südlich schließen sich der Volksgarten, der Stoffeler Friedhof und der Südpark, der zum Teil schon zu Wersten gehört, an.
Bevölkerung und Sozialstruktur Auf 3,94 km² leben rund 30.500 Menschen. Der Ausländeranteil liegt mit rund 35 % etwa 12,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Stadt (alle Angaben zum 31. Dezember 2016).https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt12/statistik/stadtforschung/download/stadtteile/Oberbilk_037.pdf Statistische Angaben über Oberbilk auf duesseldorf.de
Das niedrige Niveau der Mieten hat Einwanderer aus verschiedenen Ländern angezogen. Die Stadt versucht mit Straßenbegrünung und Verkehrsberuhigung das Viertel wohnlicher zu gestalten. Rund um den Lessingplatz wirkt dieser Teil Oberbilks mittlerweile eher gutbürgerlich. Am südlichen Ende der Kölner Straße leben viele italienische, marokkanische und türkische Einwanderer, daneben auch viele Griechen und in letzter Zeit Einwanderer aus Osteuropa und Subsahara-Afrika. Neben alteingesessenen Geschäften gibt es mittlerweile zahlreiche Läden, die internationale Waren anbieten. Die Kiefernstraße mit ihrer ehemaligen Hausbesetzerszene, die Moschee an der Ronsdorfer Straße sowie die dort liegenden Diskotheken im ehemaligen Mannesmann Stahlwerk befinden sich bereits in Flingern-Süd oder Lierenfeld, sind aber durch Industrieflächen von diesen Stadtteilen abgetrennt, so dass sie eher mit Oberbilk eine städtebauliche Einheit bilden.
Im Zuge des Strukturwandels kommt es zu Verdrängungsprozessen der ansässigen Bevölkerung durch einkommensstärkere Schichten mit höherem Status (Gentrifizierung). Diese Prozesse beschränken sich bisher auf einige „Inseln“ im Stadtteil.Lokale Transformationsprozesse in der Global City : Düsseldorf-Oberbilk-Strukturwandel eines cytinahen Stadtteils. (= Düsseldorfer Geographische Schriften. 37). Geographisches Institut der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf 1998.
Grünflächen und Stadtteil-Parks In Oberbilk befindet sich der flächenmäßig größte Park Düsseldorfs: der Südpark. In seiner Gesamtfläche umfasst dieser 70 Hektar. Zum Südpark gehören neben dem Volksgarten die beiden Teile „Unter dem Deich“ (23 Hektar) sowie die Gartenachse „In den Gärten“ (20 Hektar). Darüber hinaus liegt in Oberbilk – an der Grenze zu Flingern – der Bürgerpark IHZ (4,5 Hektar).
Geschichte Die Anfänge (1384–1838) Oberbilk gehörte zu der bereits 1384 eingemeindeten Ortschaft Bilk. Es handelte sich um ein bewaldetes und sandiges Gelände. Aus dem lateinischen Namen für Sand(platz), arena entwickelte sich der Name Arenbilk(e), der sich mundartlich bis Mitte des 18. Jahrhunderts in Orenbilke, Orembilke oder auch Orrenbilke wandelte. Parallel dazu entwickelte sich bereits im 14. Jahrhundert der Name Overbilke, der auf die im Vergleich zu Bilk höhere Lage anspielte. Oberbilk ist seit 1677 geläufig.Hermann Kleinfeld: Düsseldorfs Straßen und ihre Benennung. Grupello, Düsseldorf 1996, ISBN 3-928234-36-6, S. 253. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war die Gegend noch durch Landwirtschaft geprägt.
Industrialisierung (1838–1945) mini|Sicht vom 1891 angelegten Volksgarten auf das Industriegebiet von Oberbilk. Im Vordergrund die Köln-Mindener Eisenbahnstrecke. Heinrich Hartung (1897) mini|hochkant|Wohnhaus in der Heerstraße 1838 wurden die Trassen der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn und 1845 die der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft durch Oberbilk gelegt. Um 1850 stieg die Nachfrage nach Stahl für den Eisenbahnbau stark an und die Stahlproduzenten suchten nach neuen Standorten. Die gute Eisenbahnanbindung an die Kohlegruben des Ruhrgebietes sowie die günstigen Bodenpreise machten Oberbilk zu einem interessanten Standort für die Stahlindustrie. Das erste Puddelstahlwerk errichteten 1852 die Brüder Richard aus Belgien. Es folgten schon bald weitere belgische Industrielle wie Jean Louis Piedbœuf mit weiteren Puddelstahlwerken, einer Dampfkesselfabrik, einem Blechwalzwerk und einer Nagelfabrik.
Im Jahre 1860 verlegte die Industriellenfamilie Poensgen ihre Werke nach Düsseldorf und legte schließlich den Grundstein zur Entwicklung der Großindustrie in Düsseldorf. Die Produktionsstätten der Oberbilker Stahlwerke AG, vormals C. Poensgen, Giesbers & Co., konzentrierten sich auf den Bereich, wo sich heute der Bertha-von-Suttner-Platz und der südliche Eingang zum Hauptbahnhof befinden (die damalige Anschrift lautete Körnerstraße 34, welche von der Eisen- bis zur Schlägerstraße verlief).Gelände (heute Stahlwerkstraße) unmittelbar hinter dem Hauptbahnhof, Luftbild 1927 Das Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerk war an der Kölner Straße mit Anschlussbahn angesiedelt, sowie Eigentümer einiger Werkshäuser.Cölnerstraße 172, 174, 176, 178 E. Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerke. Abth. I Drahtwerk, Abth. II Röhrenwerk, Abth. III Puddlingswerk. Häuser Nr. 182, 186, 188, 190 (E. Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerk), in Adressbuch der Stadt Düsseldorf für das Jahr 1899, S. 565Häuser Cölnerstraße Nr. 165, 167 (E. Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerk), in Adressbuch der Stadt Düsseldorf für das Jahr 1899, S. 559
So rasch die industrielle Entwicklung fortschritt, so schnell bildeten sich Wohngebiete für die Arbeiter im Wesentlichen in Form komfortloser und billiger Mietskasernen. Die Mehrzahl der Arbeitskräfte wanderte aus recht unterschiedlichen Regionen und Milieus zu. Durch die auf Bahndämmen verlaufenden Gleise vom Rest der Stadt getrennt, entwickelte sich in Oberbilk dennoch eine eigenständige homogene Ortsteilkultur und Identität. Der Schriftsteller Dieter Forte beschreibt den Stadtteil und seine Sozialstruktur in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sehr lebendig in seiner Romantrilogie Das Haus auf meinen Schultern.
Mit drei Kinos, zwanzig Kneipen, darunter einer mit Hausbrauerei und gut einhundert Geschäften war die Kölner Straße mit dem Oberbilker Markt in der Mitte das Zentrum des neuen Stadtteils. Neben der Industrie und Arbeiterwohnhäusern spielte das Handwerk im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Stadtteils. Es handelte sich dabei um kleine Hinterhofbetriebe. Diese Mischung aus Wohnen im Vorderhaus und Kleingewerbe bzw. Handwerk im Hinterhof prägt Oberbilk bis heute.
Wiederaufbau und Niedergang (1945–1979) Im Zweiten Weltkrieg wurde Oberbilk stark zerstört. Bis weit in die 1970er Jahre wurden die Kriegsschäden repariert. An eine Sanierung der Gebäude war jedoch auf Grund des niedrigen Mietniveaus oftmals noch immer nicht zu denken, so dass der Stadtteil zu verwahrlosen drohte, insbesondere nachdem in den 1970er und 1980er Jahren die letzten Industriearbeitsplätze in Oberbilk verschwunden waren.
Strukturwandel (seit 1979) mini|Bertha-von-Suttner-Platz (östlicher Vorplatz des Hauptbahnhofs), Plastiken von Horst Antes Der Fortzug und Niedergang der Schwerindustrie aus dem Stadtteil boten allerdings auch neue Chancen für die Stadtentwicklung. Nachdem 1979 das Poensgen’sche Stahlwerk am südlichen Ende des Hauptbahnhofes nach Holthausen umgesiedelt werden konnte, konnte der Hauptbahnhof in Richtung Osten nach Oberbilk geöffnet werden. Mit dem Bertha-von-Suttner-Platz entstand ein zweiter Bahnhofsvorplatz, über den der Stadtteil fußläufig an den Hauptbahnhof und die Stadtmitte angebunden wurde. In den neu entstandenen Gebäuden um den Bertha-von-Suttner-Platz siedelten sich die Zentralbibliothek der Stadtbüchereien, die Volkshochschule, das zentrale Einwohnermeldeamt und mehrere Gerichte an.
1987 fand die Bundesgartenschau statt. Das 70 Hektar große Ausstellungsgelände, das überwiegend in Oberbilk lag (teilweise auf dem Gebiet des früheren Stadtteils Stoffeln, von dem 1975 ein großer Anteil Oberbilk zugeschlagenen worden war), umfasste den Volksgarten und neu gestaltete Flächen südlich des bereits 1893 fertiggestellten Parks. Der Eröffnung waren auch umfangreiche Wohnumfeldverbesserungen in den Vierteln nördlich des Volksgartens vorausgegangen um eine attraktive fußläufige Verbindung vom schon nach Osten geöffneten Hauptbahnhof zum BUGA-Gelände zu schaffen.
Von 1996 bis 2002 folgte der U-Bahn-Bau, der neben anderen Einflüssen dem alteingesessenen Einzelhandel auf der Kölner Straße die Existenzgrundlage entzog. Zwischenzeitlich wurde die gesamte Straße als Einkaufsstraße in Frage gestellt und drohte zu verwahrlosen. Im Rahmen einer 2,7 Millionen Euro teuren oberirdischen Neugestaltung der Straße in der Zeit von November 2003 bis September 2004 besserte sich das Bild vorübergehend etwas.Wir sind doch auch noch da. In: Rheinische Post. Lokalausgabe E1, 22. Februar 2008. Im Sommer 2008 kam es jedoch zu Geschäftsaufgaben von zwei Kundenmagneten. Im Herbst wurde einer der letzten geschlossen.RP vom 19. März 2008:Strauss schließt Filialen in Holthausen und Oberbilk Leerstände erreichten neue Höchststände und der Anteil an Textildiscountern, Ramschläden und Schnellimbissen war stark gestiegen. Die Leerstände betreffend waren jedoch am Ende des Jahres 2014 kaum noch welche zu verzeichnen.
mini|500px|Blick auf Oberbilk, im Vordergrund die Baustelle des Justizzentrums Östlich der Werdener Straße und südlich der Erkrather Straße wurde seit Ende der 1980er Jahre auf einem ehemaligen Werksgelände der Daimler AG ein neues Bürogebiet entwickelt, das „IHZ Internationales Handelszentrum“. So konnten unter anderem PricewaterhouseCoopers, die Deutsche WertpapierService Bank und ein Vier-Sterne-Hotel der spanischen Kette NH Hoteles angesiedelt werden. Der Standort wurde mit dem vier Hektar großen IHZ-Park aufgelockert, dem sich ein neues Wohngebiet anschließt. 1999 wurde Oberbilk zudem in das Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen „Soziale Stadt NRW“ aufgenommen. Für Oberbilk und das benachbarte Flingern wurde ein Finanzvolumen von 24 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. 2010 wurde am Oberbilker Markt der Neubau des Düsseldorfer Land- und Amtsgericht eröffnet.
Ein Gelände zwischen Kölner Straße, Readinger Straße und Erkrather Straße war früher ein Standort der Deutschen Post AG für ein Postverteilzentrum und ist inzwischen in Besitz der Catella Corporate Finance GmbH und weiterer Projektentwickler übergegangen, die entsprechend eines städtebaulichen Wettbewerbs von 2011 Wohnungen sowie Hotels, Kindertagesstätten und Einzelhandel errichten wollen.duesseldorf.de
Nahezu fertiggestellt ist die Realisierung von Wohnungen auf dem ehemaligen Güterbahnhof Düsseldorf-Lierenfeld, der sich jedoch faktisch im Stadtteil Oberbilk befindet. Wegen geplanter Umbaumaßnahmen für den Rhein-Ruhr-Express ab 2028 sollen die verbliebenen Gleise reaktiviert und ein temporärer Haltepunkt für den Personenverkehr eingerichtet werden.
Liste bekannter Personen Der deutsche Autor Dieter Forte (1935–2019) lebte bis Anfang der 1970er Jahre in Oberbilk. Die Philanthropin Emma Burmann lebte und wirkte in Oberbilk. Der Schlagersänger Heino wurde 1938 in Oberbilk geboren. Die Autorin und Journalistin Mithu Sanyal wurde 1971 in Oberbilk geboren. Die Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht lebte 2009 in Oberbilk.Anna Lewy: , NRZ vom 10. September 2009 Der Deutschrap-Künstler Al-Gear stammt aus Oberbilk. Dies thematisiert er in vielen seiner Lieder. Der Franziskanerpater Bruno (Hubert) Linden, Missionar in Brasilien (* 8. September 1876 Oberbilk + 25. Februar 1960 Joacaba/Brasilien): seine Seligsprechung ist in Vorbereitung.