Althengstett (regional kurz Hengstett genannt) ist eine Gemeinde mit Einwohnern () im Landkreis Calw in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Lage Althengstett liegt in 450 bis Höhe im östlichen Nordschwarzwald in geringer Entfernung zum Landschaftsschutzgebiet Hecken- und Schlehengäu. Althengstett ist damit die höchstgelegene Gemeinde im Landkreis Calw östlich der Nagold. Das Köpfle stellt mit einer Höhe von die höchste natürliche Erhebung der Gemarkung dar. Die Althengstetter Erddeponie ist ähnlich hoch (), sie wurde jedoch künstlich aufgeschüttet. Weitere Erhebungen auf Althengstetter Gemarkung sind: Täfelberg () Jägerberg () Hube () Heimberg () Muckberg () Esslensberg () Steinlensberg () Stutz () Predigtplatz () Ottenbronner Berg () Omelesberg () Brandt ()

mini|links|Tälesbach, im Hintergrund Althengstett

Im Norden befindet sich im Gewann Eulhart die Quelle des Tälesbachs, eines rechten Zuflusses der Nagold, der nach anfänglicher offener Führung durch Wiesen verdolt unter Althengstett hindurchfließt und am westlichen Ortsrand wieder an die Oberfläche geleitet wird.

Der Untere Wald (450 bis ), ein Ausläufer des Schwarzwaldes, der bis nach Althengstett reicht, stellt den östlichsten Punkt des Schwarzwaldes im Landkreis Calw dar. Gut ein Drittel der Gemeindefläche ist bewaldet. Knapp 70 Prozent des Waldes in Althengstett sind Nadelwälder.

Der Ortsteil Neuhengstett und der östliche Teil der Ortschaft Althengstett sowie der östliche Teil des Gemeindegebiets stehen auf Muschelkalk, der westliche Teil der Ortschaft Althengstett und der Ortsteil Ottenbronn sowie die Flächen in Richtung Heumaden und Hirsau auf Buntsandstein.Geologische Übersichtskarte. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beim Regierungspräsidium Freiburg, Baden-Württemberg

Gemeindegliederung Die Gemeinde Althengstett besteht aus den Ortsteilen Althengstett (4715 Einwohner im Juli 2021Website der Gemeinde Althengstett, abgerufen am 18. November 2023.), Neuhengstett (1768 Einwohner) und Ottenbronn (1421 Einwohner). Die Ortsteile Neuhengstett und Ottenbronn sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.

Im Ortsteil Althengstett liegen die abgegangenen Ortschaften Schweichingen () und Unterer Wald. Im Ortsteil Neuhengstett liegt die Wüstung Schlehdorn.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 474–475

Nachbargemeinden Die direkten Nachbargemeinden sind Bad Liebenzell, Calw, Gechingen, Ostelsheim und Simmozheim.

Schutzgebiete

Althengstett hat mit mehreren Teilgebieten Anteil am Natur- und Landschaftsschutzgebiet Würm-Heckengäu und am FFH-Gebiet Calwer Heckengäu. Nördlich von Ottenbronn reicht zudem das Landschaftsschutzgebiet Nagoldtal auf das Gemeindegebiet. Die Gemeinde gehört zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Um 1120 wird der Ort in einer Urkunde des Klosters Hirsau erstmals urkundlich erwähnt. Die damaligen Güter gehörten ursprünglich den Grafen von Calw. Einer der Bediensteten der Grafen mit Namen Hingo gab dem Ort seinen späteren Namen Hengstett, wie er auch heute noch von seinen Einwohnern genannt wird. Nach dem Aussterben der Calwer Grafen im 13. Jahrhundert kam der Ort zunächst an die Grafen von Zweibrücken, geriet aber bereits im 14. Jahrhundert ans Kloster Herrenalb und damit unter den Schutz von Württemberg. mini|hochkant|Markuskirche in Althengstett

Neuhengstett wurde im Jahr 1700 von Waldensern gegründet, die im damaligen Herzogtum Württemberg Aufnahme fanden. Sie nannten ihren Ort zunächst Le Bourcet – nach der alten Heimat Le Bourset., abgerufen am 22. Dezember 2014.Homepage des Heimatgeschichtsvereins, abgerufen am 22. Dezember 2014. Durch herzogliche Verfügung wurde der Ort bereits 1711 in „Neuhengstett“ umbenannt, wodurch das seitherige Hengstett folgerichtig zu Althengstett wurde. Über die örtliche Geschichte der Waldenser unterrichtet das Neuhengstetter Waldensermuseum.

Seit dem 19. Jahrhundert Althengstett kam 1807 bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg zum Oberamt Calw. 1872 bekam Althengstett mit der Schwarzwaldbahn Anschluss an das Streckennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg 1938 gelangte Althengstett zum Landkreis Calw. 1945 wurde Althengstett Teil der Französischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Zum 1. Oktober 2022 wurde dem Teilort Neuhengstett der Namenszusatz Waldenserort verliehen.Bekanntmachungen des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen v. 1. September 2022 – Az.: IM2-2200-6/1, GABl. BW (2022), S. 819.

Eingemeindungen Am 1. Oktober 1974 wurden die beiden bis dahin selbstständigen Gemeinden Neuhengstett und Ottenbronn nach Althengstett eingemeindet.

Religionen In Althengstett bestehen drei evangelische Kirchengemeinden, die zum Kirchenbezirk Calw-Nagold der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehören: Im Hauptort eine eigenständige KirchengemeindeWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Althengstett und in den Teilorten die Gesamtkirchengemeinde Neuhengstett und Ottenbronn.Website der Evangelischen Kirchengemeinde Neuhengstett-Ottenbronn Seit der Reformation in Württemberg im Jahr 1534 sind die beiden Ortsteile Althengstett und Ottenbronn evangelisch geprägt. Die Kirchengemeinde Neuhengstett geht auf die Gründung des Ortes Neuhengstett im Jahr 1699 durch die Waldenser zurück. Die Gottesdienstsprache war zunächst Französisch. 1824 wurde diese Kirchengemeinde vollständig in die Württembergische Landeskirche integriert.

Die katholischen Einwohner der Gemeinde Althengstett mit ihren Teilorten gehören zur römisch-katholischen Seelsorgeeinheit St. Josef in Calw.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat in Althengstett besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem getrennt gewählten Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis:

Partei/Liste20242019 Stimmen Sitze Stimmen Sitze Unabhängige Wählervereinigung 27,6 % 5 24,6 % 4 FWG 23,8 % 4 21,8 % 4 CDU 17,9 % 3 14,7 % 3 Grüne 16,1 % 3 17,3 % 3 SPD 14,6 % 3 14,9 % 3 BNV „Althengstett bewegen“ e. V. -- -- 6,8 % 1 Wahlbeteiligung 68,0 % 63,7 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. August 2023 Rüdiger Klahm. Er wurde am 14. Mai 2023 mit 66,1 Prozent der Stimmen gewählt. Er folgte Clemens Götz nach, der von 2007 bis 2023 amtierte.Althengstett: Götz bleibt Bürgermeister. schwarzwaelder-bote.de, 4. Mai 2015. Bei der Bürgermeisterwahl 2023 trat er nicht erneut an.

Städtepartnerschaft Seit 2013 ist Althengstett durch eine Partnerschaft mit Moutiers-les-Mauxfaits im westfranzösischen Département Vendée freundschaftlich verbunden.

Wirtschaft und Infrastruktur Althengstett verfügt über zahlreiche Arbeitsplätze und liegt im Einzugsgebiet des leistungsstarken Wirtschaftszentrums Sindelfingen/Böblingen. mini|Ehemaliges Empfangsgebäude des Bahnhofs Althengstett an der Württembergischen Schwarzwaldbahn

Verkehr

Althengstett liegt an der Bundesstraße 295. Sie kommt von Nordosten aus Weil der Stadt ins Gemeindegebiet und verlässt es wieder in Richtung Südwesten nach Calw. Die Große Kreisstadt Calw ist mit dem Auto in rund fünf Minuten erreichbar. Das östlich von Althengstett gelegene Mittelzentrum Böblingen/Sindelfingen ist etwa 20 Minuten entfernt, die Landeshauptstadt Stuttgart in etwa 35 Minuten.

Ab 1872 war Althengstett durch die von Stuttgart-Zuffenhausen nach Calw führende Württembergische Schwarzwaldbahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Der Abschnitt Weil der Stadt–Calw wurde im Jahre 1983 im Personenverkehr und 1988 im Güterverkehr außer Betrieb genommen, seit dem 1. Februar 2026 hat Althengstett aber in Folge der Reaktivierung des genannten Abschnitts im Rahmen des Projekts „Hermann-Hesse-Bahn“ wieder Anschluss an den Schienenpersonennahverkehr. Der ehemalige Bahnhof Althengstett wurde dabei zum Haltepunkt herabgestuft.

Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Althengstett mit Calw und in der anderen Richtung über Simmozheim, Weil der Stadt und Renningen mit Leonberg verbunden.

Bildungseinrichtungen In Althengstett gibt es eine Haupt- und Realschule. Außerdem bestehen in Althengstett, Neuhengstett und Ottenbronn je eine Grundschule. Des Weiteren stehen in Althengstett selbst drei Kindergärten zur Verfügung und in Neuhengstett und Ottenbronn existiert jeweils noch ein weiterer Kindergarten.

Bauwerke mini|hochkant|Waldenserkirche Neuhengstett Evangelische Kirchen Althengstett: Die Kirche im Hauptort, ab 1310 als Marien- und Markuskirche bekannt, war Mutterkirche für Calw und Altburg. Sie wurde 1049 neu erbaut und soll damals einer mittelalterlichen Überlieferung zufolge von Papst Leo IX. – einem Verwandten der Grafen von Calw – geweiht worden sein. Das Patronat hatten zunächst die Grafen von Calw, dann die Grafen von Eberstein-Zweibrücken, die es an Württemberg verkauften. 1342 wurde es an das Kloster Hirsau abgegeben. Die ursprünglich von einem Kirchhof umgebene Kirche war im Mittelalter eine Wehrkirche. An der Westseite war eine kleine von einem Wassergraben umgebene Burg angebaut, die 1595 abgetragen wurde. Der Turm der Markuskirche ist noch hochmittelalterlich, der netzgewölbte Chor wurde in spätgotischer Zeit angebaut. Das Langhaus wurde mehrfach umgestaltet. Die letzte große Renovierung und Umgestaltung war 1956/57. Damals wurde die im Chor befindliche Orgelempore entfernt, die neue Orgel tiefer eingebaut, so dass die von Rudolf Yelin d. J. gestalteten Farbfenster besser zur Geltung kommen (links: Christus als Gärtner, ungläubiger Thomas; Mitte: Himmelfahrt, himmlisches Jerusalem; rechts: Emmaus, Pfingsten). Neuhengstett: Die Waldenserkirche im Ortskern wurde 1769 in der heutigen Form gebaut.Jörg Widmaier: Der reformierte Kirchenbau im deutschen Südwesten. In: Grit Koltermann, Jörg Widmaier (Red.): Kulturdenkmale der Reformation im deutschen Südwesten. Hrsg. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. Esslingen 2017, S. 65–85 (71); (PDF) abgerufen am 3. Mai 2020Festschrift 250 Jahre Waldenserkirche Neuhengstett. Hrsg. Evangelische Kirchengemeinde Neuhengstett-Ottenbronn, 2019; gemeinde.neuhengstett-ottenbronn.elk-wue.de (PDF; 4,7 MB) abgerufen am 3. Mai 2020 Ottenbronn: 1923 erhielt Ottenbronn durch den Stuttgarter Architekten Rudolf Behr eine eigene Filialkirche, die zuletzt im Jahr 2003 umfassend renoviert und etwas erweitert wurde. 1928 gestaltete Erwin Hetsch (1895–1978) die Altarwand mit Fresken (Gekreuzigter, Johannes der Täufer mit dem Gotteslamm, Paulus).Georg Kopp: Neue Wandbilder in evangelischen Kirchen Württembergs – Gabe des Vereins für Christliche Kunst in der evangelischen Kirche Württembergs an seine Mitglieder 1935; Sonderdruck aus der Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst 1935, Heft 10/11, S. 2 f Bahnhofsgebäude der Württembergischen Schwarzwaldbahn, heute unter Denkmalschutz Schützenhausturm, ein Richtfunkturm in Stahlfachwerkbauweise beim Schützenhaus auf dem Heimberg (geographische Koordinaten: ) In der Hengstetter Straße 2 () liegt ein Stolperstein für Helmut Grosshans.

Wasserversorgung