Das Wertschöpfungskettendiagramm (WKD) ist ein Modell zur Darstellung von Geschäftsprozessen einer Organisation in der Geschäftsprozessmodellierung bzw. zur Darstellung der Prozessorganisation (Prozessarchitektur) in der (ganzheitlichen) Unternehmensabbildung mit dem Ziel der Visualisierung einer Schaffung von Werten (Produkten / Dienstleistungen) durch die Geschäftsprozesse. Es findet hauptsächlich auf hohem Abstraktionsniveau der Darstellung von Geschäftsprozessen Anwendung.

Allgemeines mini|300px|right|Michael Porters Wertkette in ihrer Ur-Form als geschachtelter Blockpfeil Als Wertschöpfungskettendiagramm wird allgemein die graphische Darstellung einer Wertkette () bezeichnet. Das Konzept der Wertkette wurde erstmals 1985 von Michael E. Porter in seinem Buch Competitive Advantage - Creating and Sustaining Superior Performance veröffentlicht.Michael E. Porter, Competitive Advantage - Creating and Sustaining Superior Performance, Free Press 1998, ISBN 978-0-684-84146-5Michael E. Porter, Wettbewerbsvorteile - Spitzenleistungen erreichen und behaupten, Campus Verlag 2014, ISBN 978-3-593-50048-5

In diesem Buch finden sich die erste Darstellung einer Wertkette, die Herleitung der Wertkette: «Ausgehend von der generischen Kette werden die einzelnen Wertaktivitäten in dem jeweiligen Unternehmen ermittelt. Jede generische Kategorie kann in einzelne Aktivitäten unterteilt werden». (.) und die Anweisung zur Zerlegung der Werkette: «Umfassende Funktionen wie die Herstellung oder das Marketing müssen in Tätigkeiten unterteilt werden. Der Produktfluss, der Auftragsfluss oder der Papierfluss können dabei hilfreich sein. Die Unterteilung der Aktivitäten kann bis zu immer engeren Aktivitäten gehen, die bis zu einem gewissen Grad diskret sind.» ()

mini|300px|right|Jüngere Darstellung einer Wertschöpfungskette mit Hierarchien (durchgezogene Kanten) und Abfolgen (gestrichelte Kanten) Jüngere Darstellungen von WertschöpfungskettendiagrammenAugust-Wilhelm Scheer: ARIS — Modellierungsmethoden, Metamodelle, Anwendungen, 4. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2001, ISBN 978-3-540-41601-2Michael Rosemann, Ansgar Schwegmann und Patrick Delfmann: Vorbereitung der Prozessmodellierung in Jörg Becker, Martin Kugler und Michael Rosemamm (Hrsg.): Prozessmanagement: Ein Leitfaden zur prozessorientierten Organisationsgestaltung, 2. korrigierte und erweiterte Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2002, ISBN 978-3-540-00107-2Andreas Gadatsch: Management von Geschäftsprozessen / Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis: Eine Einführung für Studenten und Praktiker, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-528-15759-3 behalten die Darstellung mit Blockpfeilen bei, schachteln die Blockpfeile aber nicht mehr ineinander, sondern nutzen Kanten zur Verbindung der Blockpfeile um auf diese Weise Hierarchien oder Abfolgen darzustellen. Durch die Aufgabe des Schachtelns der Blockpfeile wird die graphische Darstellung der Zerlegung von Wertketten erheblich einfacher und flexibler.

Elemente des Wertschöpfungskettendiagramms Wertschöpfungskette Eine Wertschöpfungskette im Wertschöpfungskettendiagramm besitzt die gleichen Merkmale wie eine Funktion in der Ereignisgesteuerten Prozesskette, nur auf höherem Abstraktionsniveau der Darstellung: Sie bindet Ressourcen (Menschen, Material, Maschinen, Kapital, Umweltkapazität), sie benötigt Zeit für ihre Ausführung und sie wandelt/verarbeitet Input in/zu Output.

Beziehungen Folgende Beziehungen zwischen Wertschöpfungsketten stehen zur Verfügung: links|Beziehung: ist prozessorientiert übergeordnet Bild 1a links|Beziehung: ist Vorgänger von Bild 1b zur Darstellung einer hierarchischen Struktur ist prozessorientiert übergeordnet zur Darstellung einer Reihenfolge ist Vorgänger von

Die Beziehungen zwischen Wertschöpfungsketten werden auch als strukturbildende Beziehungen bezeichnet, weil sie entweder die funktionale Aufbaustruktur (Beziehung: ist prozessorientiert übergeordnet) oder die Ablaufstruktur (Beziehung: ist Vorgänger von) einer Organisation beschreiben.

Weitere Elemente und Beziehungen Darüber hinaus ist es möglich, Organisationseinheiten/Abteilungen, Datenobjekte und Anwendungssysteme aber auch Leistungen, Ziele, Messgrößen und Risiken sowie deren Beziehungen zu Wertschöpfungsketten darzustellen.

Die Beziehungen von Wertschöpfungsketten zu den weiteren Elementen werden auch als nicht strukturbildende Beziehungen bezeichnet, weil sie weder die funktionale Aufbaustruktur noch die Ablaufstruktur einer Organisation beschreiben.

Modellierungsgrundsätze Gliederung von Geschäftsprozessen Bei der Darstellung von Geschäftsprozessen in Wertschöpfungskettendiagrammen werden diese in Teilprozesse zerlegt, die miteinander in Beziehung treten.

Beispiel eines Wertschöpfungskettendiagramms für ein Produktionsunternehmen Bild 2: Prozesslandkarte

Wahrung der Übersichtlichkeit Um die Geschäftsprozesse und Teilprozesse in Wertschöpfungskettendiagrammen übersichtlich und ohne Überfrachtung der Darstellung zu gliedern, können mehrere Wertschöpfungskettendiagramme hierarchisch geschachtelt/kaskadiert werden.

Beispiel für die Kaskadierung von Wertschöpfungskettendiagrammen Bild 3

Einbeziehung zusätzlicher Informationen in Wertschöpfungskettendiagramme Um Teilprozesse oder Phasen eines Geschäftsprozesses deutlich voneinander abzugrenzen, werden Meilensteine verwendet.

Beispiel für einen Produktentwicklungsprozess mit Meilensteinen Bild 4

Werden weitere Elemente und Beziehungen im Wertschöpfungskettendiagramm eingesetzt, könnte sich eine Darstellung wie die folgende ergeben:

Beispiel für eine Anforderungsanalyse mit Organisationseinheiten, Datenobjekten und Anwendungssystemen Bild 5

Vorteile und Nachteile des Wertschöpfungskettendiagramms + Wertschöpfungskettendiagramme können Geschäftsprozesse sehr einfach und intuitiv erfassbar darstellen (siehe Bilder 2 und 4). + Sie ermöglichen gleichzeitig die Darstellung hierarchischer Zusammenhänge und eine Verkettung entsprechend der Reihenfolge.

- Steigt jedoch die Anzahl der dargestellten Teilprozesse und vor allem die Anzahl ihrer Beziehungen zueinander oder zu Organisationseinheiten, Datenobjekten, Anwendungssystemen, Leistungen, Zielen, Messgrößen oder Risiken, so werden Wertschöpfungskettendiagramme schnell unübersichtlich (siehe Bild 5). - Regeln, nach denen sich Prozesspfade teilen, können in Wertschöpfungskettendiagrammen nicht adäquat dargestellt werden.

Um die Anzahl der Beziehungen und damit die Komplexität zu reduzieren, bietet sich im Zusammenhang mit Wertschöpfungskettendiagrammen die Verwendung von Funktionszuordnungsdiagrammen (FZDs) an. Um Regeln, nach denen sich Prozesspfade teilen, darzustellen, können statt des Wertschöpfungskettendiagramms die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK), das Vorgangskettendiagramm (VKD) oder Swimlane-Diagramme (wie in der Business Process Modeling Notation) verwendet werden. Dabei muss aber auf die gleichzeitige Darstellung von hierarchischen Zusammenhängen verzichtet werden.

Siehe auch Funktionszuordnungsdiagramm (FZD) Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) Vorgangskettendiagramm (VKD) Funktionsbaum (FB) Swimlane-Diagramme (z. B.: Business Process Modeling Notation)

Literatur August-Wilhelm Scheer und Wolfram Jost (Hrsg.): ARIS in der Praxis: Gestaltung, Implementierung und Optimierung von Geschäftsprozessen, Springer, Berlin, Heidelberg, New York 2002, ISBN 3-540-43029-6 Andreas Gadatsch: Grundkurs Geschäftsprozess-Management. Analyse, Modellierung, Optimierung und Controlling von Prozessen, 9. Auflage, Springer Vieweg, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-27811-3. Bruno R. Waser, Daniel Peter, Jan Kraner: Prozess- und Operations-Management in Wertschöpfungsnetzwerken - - Prozessorientierung, Digitalisierung, Internationalisierung, Nachhaltigkeit der Leistungserstellung 7., überarb. und erw. Aufl., Versus Verlag, Zürich 2025, ISBN 978-3-03909-355-7.

Einzelnachweise

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