mini|330px|Zeitliche Übersicht der Ostverträge, 1955–1973 Der Moskauer Vertrag wurde am 12. August 1970 zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik Deutschland im Katharinensaal des Kremls in Moskau geschlossen (BGBl. 1972 II S. 354 ff.).
Inhalt Im Moskauer Vertrag verpflichten sich beide Länder, den internationalen Frieden aufrechtzuerhalten und den Entspannungsprozess zu fördern, damit sich die Lage in Europa normalisiert.
Dabei wollen sie sich von der Charta der Vereinten Nationen leiten lassen und ihre Konflikte friedlich lösen. In diesem Sinne verpflichten sich die beiden Staaten, die bestehenden Grenzen der europäischen Staaten zu achten und keine Gebietsansprüche gegen irgendjemanden zu erheben.
Insbesondere werden die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze der Volksrepublik Polen und die Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland als unverletzlich erklärt. Der Vertrag wurde für die Bundesrepublik von Bundeskanzler Willy Brandt und Außenminister Walter Scheel, für die Sowjetunion von Ministerpräsident Alexei Kossygin und Außenminister Andrej Gromyko unterzeichnet.
Ratifizierung Im Zusammenhang mit der Unterzeichnung übergab Scheel seinem sowjetischen Amtskollegen den Brief zur deutschen Einheit. Dieser bestand, abgesehen von der Schlussformel, aus einem einzigen Satz:
Indem sie dieses Schreiben in Empfang nahm, akzeptierte die sowjetische Führung gewissermaßen, dass die Bundesregierung nach wie vor am Ziel einer friedlichen Wiedervereinigung der Deutschen festhielt. Der 6. Deutsche Bundestag ratifizierte den Vertrag am 17. Mai 1972 zusammen mit dem Warschauer Vertrag. Nach Austausch der Ratifikationsurkunden trat er am 3. Juni 1972 in Kraft.
Siehe auch Ostverträge
Literatur Claus Arndt: Die Verträge von Moskau und Warschau. Politische, verfassungsrechtliche und völkerrechtliche Aspekte. 2. aktual. Auflage, Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, ISBN 3-87831-159-1. Valentin Falin: Politische Erinnerungen. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-26657-1. Werner Link: Die Entstehung des Moskauer Vertrages im Lichte neuer Archivalien. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (VfZ) 49, 2001, S. 295–315 (PDF; 9,5 MB). Helmut Steinberger: Völkerrechtliche Aspekte des deutsch-sowjetischen Vertragswerkes vom 12. August 1970. In: Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht (ZaöRV) 1971, S. 63 ff. (PDF). Günter Buchstab: Die Whistleblower von 1970 – Die Enthüllung des geheimen „Bahr-Papiers“. Zur Vorgeschichte des Moskauer Vertrags zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik Deutschland. In: Historisch-Politische Mitteilungen 27 (2020), S. 133–151.
Weblinks Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken („Moskauer Vertrag“) vom 12. August 1970 (Wortlaut) Deutsches Historisches Museum: Moskau, Warschau, Prag Gottfried Niedhart: Zustimmung und Irritationen: Die Westmächte und die deutsche Ostpolitik 1969/70 (PDF) Vertragswerk zum deutsch-sowjetischen Vertrag vom 12. August 1970 (PDF) Almut Finck: 12.08.1970 – Dt.-sowjetischer Vertrag unterzeichnet, WDR ZeitZeichen vom 25. Februar 2016 (Podcast, 14:35 min)
Einzelnachweise
Kategorie:Politik (deutsche Nachkriegszeit) Kategorie:Deutsch-sowjetische Beziehungen Kategorie:Völkerrechtlicher Vertrag (Sowjetunion) Kategorie:Völkerrechtlicher Vertrag (Deutschland) Kategorie:Vertrag (20. Jahrhundert) Kategorie:Politik 1970