mini|Gewächshaus mit Tischkultur von Topfpflanzen im Erwerbsgartenbau mini|hochkant=1.6|Gewächshaus des Botanischen Gartens in Wuppertal mini|hochkant=1.6|Moderne Treibhäuser in den Niederlanden mini|Einfaches Gewächshaus in einem Kleingarten mini|Gewächshäuser mit zwei massiven Funktionsgebäuden in Reden (1987), inzwischen unter Denkmalschutz

Ein Gewächshaus, Pflanzenhaus, Glashaus oder Treibhaus (früher auch Erdhaus, Conservationshaus, Winterhaus; je nach angestrebter Maximaltemperatur auch Warmhaus oder Kalthaus) ist eine lichtdurchlässige Konstruktion, welche das (frost)geschützte und kontrollierte Kultivieren von Pflanzen in ansonsten dafür ungeeigneten Klimata ermöglicht. Die Eindeckung – traditionell aus Glas, heute oft aber auch aus transparenten Kunststoffplatten oder -folien – erhöht einerseits durch Sonnenlicht und den Glashauseffekt die Temperatur im Gewächshaus, andererseits schützt sie aber auch die Pflanzen vor Niederschlägen oder starken Winden. Durch Regelung verschiedener Faktoren wie z. B. der Lufttemperatur, der Luftfeuchtigkeit, einer Verschattung und der Bewässerung ist eine Steuerung des Klimas innerhalb des Gewächshauses möglich. Daher können in Gewächshäusern die erforderlichen Wuchsbedingungen der in ihnen kultivierten Pflanzen optimiert oder gar, wie zum Beispiel für einen ganzjährigen Gemüseanbau im mitteleuropäischen Klima, erst geschaffen werden.

Gewächshäuser dienen primär der gartenbaulichen Produktion bzw. Zucht, überdies aber auch zu Forschungszwecken oder zur Zurschaustellung subtropischer oder tropischer Pflanzen, etwa in botanischen Gärten.

Geschichte

mini|Das Innere des Palmenhauses, Gemälde von Carl Blechen, 1832 mini|Treibhäuser nach englischem Vorbild in Berlin-Glienicke von 1839 mini|Serre des cactées im Jardin des Plantes in Paris mini|Palm House in Kew Gardens mini|Großes Palmenhaus im alten Botanischen Garten Berlin-Schöneberg, erbaut 1857/58

Den ersten Hinweis auf den Anbau von Pflanzen in Kübeln, deren Überwinterung in eigens dafür konstruierten Gebäuden und der zeitweisen Kultur unter Glas gibt der römisch-antike Landwirtschaftsautor Lucius Iunius Moderatus Columella in seinem Werk De re rustica, Band 11, Kapitel 3 / 52: Lucius Iunius Moderatus Columella: De Re Rustica, Liber XI, III. DE CULTU HORTORUM.

Ab dem 16. Jahrhundert entstanden an den europäischen Fürstenhöfen Sammlungen von Orangen-, Pomeranzen und anderen Zitrusbäumen, für die sich der Begriff Orangerie einbürgerte. Anfangs wurden jeden Winter über den Pflanzen Holzgebäude errichtet, ab etwa 1600 wurden die Pflanzen in Pflanzkübeln gepflegt und mit Kübel-Transportwagen (erfunden von André Le Nôtre in Versailles) im Winter in feste Gebäude überführt.

Im Kontext des europäischen Kolonialismus bildete sich die Mode heraus, als exotisch empfundene Zier- und Nutzpflanzen insbesondere aus Asien, Amerika und Australien zu sammeln. Impulse für die Entwicklung des Gewächshauses kamen vor allem aus dem Ananasanbau in Europa. Es war ein Obst, das in seiner ungewöhnlichen Form, Geruch und Geschmack Europäer besonders faszinierte. Während sich die Ananas nach der Entdeckung durch Christopher Kolumbus sehr schnell weltweit in den tropischen Zonen verbreitete, war der Transport von Früchten nach Europa während der Zeit der Segelschifffahrt fast unmöglich.Fran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. Random House, London 2005, ISBN 0-7011-7699-7. S. 25.

Schösslinge von Ananaspflanzen waren in Gewächshäusern von botanischen Gärten wie dem Hortus Botanicus Leiden bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts gepflegt und so erfolgreich vermehrt worden, dass Pflanzen des botanischen Gartens von Leiden die Ananaskultur in Südafrika begründeten.Fran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. S. 58. Verglichen mit der vegetativen Vermehrung dieser Pflanzen war es jedoch eine wesentlich höhere Herausforderungen an die Gewächshauskultur, einen Schössling so zu pflegen, dass er eine Frucht bis zu deren Reife trug. Dazu benötigte es eine gleichmäßige hohe Temperatur des Bodens und der Luft sowie sehr gute Lichtverhältnisse. Verlässliche Thermometer, mit denen man die Raumtemperatur messen konnte, standen aber beispielsweise erst um 1714 zur Verfügung.Fran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. S. 56. Die Niederlande galt im 17. Jahrhundert als das in Gartenkultur führende Land und entsprechend wurden hier die ersten europäischen Erfolge beim Ananasanbau erzielt. Ausschlaggebend war zunächst die Entwicklung entsprechender Gewächshäuser.Fran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. S. 72. Das erste Gewächshaus, in dem auf Grund der Lichtverhältnisse und der erzielbaren Bodentemperatur eine Kultivierung von Ananasfrüchten theoretisch möglich war, entstand 1682 im Hortus Botanicus Amsterdam. Drei Seiten des kleinen Hauses waren verglast, der Boden wurde von unten durch Torföfen beheizt und weitere Rohre erwärmten die Luft des Treibhauses.Fran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. S. 59. Inspiriert durch die Erfolge in den Niederlanden wurde die Kultivierung dieser tropischen Frucht insbesondere in England im 18. und 19. Jahrhundert zur Mode. Die damals kaum transportierbaren und deshalb seltenen Ananasfrüchte wurden als Status- und Prestigesymbol wohlhabender Gesellschaftsgruppen aufwendig in kleinen Treibhäusern (pinery) oder mit Glasfenstern abgedeckten Gruben (pineapple pit) erzeugt. Trotz der hohen Kosten für Bau und Betrieb solcher Gewächshäuser waren sie um 1725 in England bereits weit verbreitetFran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. S. 76., um 1770 gehörte sie zur Standardausstattung aristokratischer Gärten und Parks.Fran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. S. 97. Als Statussymbol wurde der Glashausanbau von Ananas auch in anderen Ländern aufgegriffen und sorgte so in ganz Europa für eine Verbreitung der entsprechenden Techniken. Ludwig XV. ließ 1738 ein tropisches Gewächshaus für 800 Ananaspflanzen bauen. Auch hier fanden sich schnell Nachahmer: Verschwenderischen Luxus zeigte, wer wie der Herzog von Bouillon 4000 Pflanzen pflegen und täglich mehrere Ananas an seiner Tafel servieren ließ.Fran Beauman: The Pineapple: King of Fruits. S. 89.

Den sogenannten Pflanzenjägern, die aus Afrika, Amerika und Asien als exotisch empfundene Pflanzen einführen wollten, ermöglichte das in den 1830er Jahren von Nathaniel Ward entwickelte Miniaturgewächshaus nun auch den Transport empfindlicher Pflanzen nach Europa. Um diese tropischen Pflanzen unter europäischen klimatischen Bedingungen zu erhalten, war eine Weiterentwicklung der Orangerien erforderlich. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts waren Treibhäuser als Glas-Holz-Konstruktionen entstanden, allerdings nur vereinzelt mit ersten verglasten Satteldächern, z. B. das „Eiserne Haus“ in Stuttgart-Hohenheim (R. F. Hr. Fischer, 1789 oder 1791). Ein weiterer Bautyp sind die lean-to greenhouses, bei denen sich ein schräges Glasdach an eine nach Norden abschirmende massive Wand „anlehnte“.

Die Industrialisierung eröffnete neue Möglichkeiten der Verwendung von Eisen und Glas als Baustoffe. Anfang des 19. Jahrhunderts experimentierten in England George Steward Mackenzie und John Loudon mit den curvilinear houses, das sind Gewächshäuser mit halbkreisförmig gewölbtem Eisen-Glasdächern, um möglichst viel Sonnenlicht gleichmäßig zu nutzen. Mackenzie entwarf 1812 ein quarter-sphere-hothouse zum Pfirsich- und Weinanbau, das aus einer gläsernen Viertelkugel vor einer gemauerten Wand bestand. Louden errichtete 1818 in Bayswather bei London verschiedene Versuchsgewächshäuser, um die günstigste Konstruktionsform für eine optimale Sonneneinstrahlung experimentell zu finden. Er veröffentlichte 1817 die Remarks on the Construction of Hothouses und 1818 die Sketches Of Curvilinear Houses, welche europaweit rezipiert wurden und die weitere Entwicklung der Glashauskonstruktion maßgeblich beeinflussten.Helga Stoverock: Der Poppelsdorfer Garten. Dissertation, Universität Bonn 2001, S. 232–237 ()

Ein frühes Beispiel eines Eisen-Glas-Gewächshauses außerhalb Großbritanniens sind die 1834–36 von Charles Rohault de Fleury errichteten Serres im Pariser Jardin des Plantes. In England baute Joseph Paxton 1836–1841 The Great Conservatory (Großes Pflanzenhaus) im Park von Chatsworth House, welches Vorbild war für das 1841–1849 errichtete Palm House in Kew Gardens. 1850 entstand ebenfalls in Chatsworth durch Paxton ein tropisches Seerosenhaus mit beheizbarem Becken, das Victoria-Regia-Gewächshaus. Ein Höhepunkt der Eisen-Glas-Holzkonstruktion war das 1851 errichtete Ausstellungsgebäude Crystal Palace von Paxton.

Die früheste bekannte Warmwasser-Zentralheizung wurde 1716 von Marten Trifvald für ein Treibhaus in Newcastle gebaut. Jedoch fand erst ab etwa den 1830er Jahren die Dampfheizung bei Gewächshäusern größere Verbreitung und löste ältere Einzelöfen ab.

Diese Glashäuser, auch „Pflanzenmuseen“ genannt, die die zusammengetragenen Exponate im Zeichen von Naturbeherrschung und Exotik inszenierten, verbreiteten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Metropolen Europas und Nordamerikas vor allem in den botanischen Gärten als auch in städtischen Parks als kommerzielle Vergnügungsstätten. Beispielsweise wurde in Wien 1882 das Schönbrunner Palmenhaus eröffnet. In Berlin entstand von 1905 bis 1907 das Große Tropenhaus im botanischen Garten. Ein herausragendes Beispiel für die Gewächshausarchitektur des 19. Jahrhunderts sind die Serre du Congo und Grote Wintertuin im Park des Schloss Laken im Norden Brüssels.

Die Errichtung, Beheizung und Bewirtschaftung großer Tropenhäuser erforderte laufend enorme Kosten. Erst als dem luxuriösen Lebensstil des Adels auch reiche Fabrikanten und Kaufleute nacheifern konnten, entstanden Glashäuser auch als Orte bürgerlich-privater Repräsentation, in denen man Feste feierte und die tropische Flora zum Gegenstand gehobener Konversation machte. Seit dem Einsatz von Kühltechniken und der Beschleunigung der Überseelogistik kamen tropische Früchte vermehrt nach Europa und nahmen den Glashäusern ihren exotischen Reiz. Zwar wurden in Botanischen Gärten noch öffentliche Palmenhäuser unterhalten und auch neu errichtet, aber als private Repräsentationsbauten entstanden sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kaum noch. Historische Glashäuser als Teil der Villenarchitektur überlebten zudem nur selten Besitzwechsel, Korrosionsschäden, Unwetter und Leerstände.Alfred Löhr: Ein Palmenhaus aus Bremen für Adelaide – und andere bremische Gewächshäuser. In: Bremisches Jahrbuch, 97, 2018, S. 51–92, hier S. 74–77.

Das erste Gewächshaus in Form einer geodätischen Kuppel war das 1960 fertiggestellte Climatron im Botanischen Garten von Missouri in St. Louis. Ein bekanntes Beispiel für diese Konstruktionsform sind die 2001 eröffneten Gewächshäuser des Eden Projects, die derzeit weltweit größten Gewächshäuser. Ende der 1980er Jahre wurde versucht, ein autarkes Ökosystem im Gewächshaus des Projekts Biosphäre 2 zu verwirklichen.

Um 2018 errichtet Frutura Glashäuser in der oststeirischen Thermenregion, die mit Erdwärme beheizt werden.

Glashäuser, die mit Erdgas beheizt werden, nützen im Glashaus auch das Kohlenstoffdioxid im Abgas als Edukt für die Photosynthese der Pflanzen, quasi als Dünger.

Mit der Preiserhöhung für Gas und elektrische Energie 2022 auf ein Mehrfaches in der Folge des Russischen Überfalls auf die Ukraine, kündigten Mitte Oktober 2022 Glashausbetreiber in Wien und Niederösterreich an, die üblicherweise 4 Monate bis Mitte Februar laufende Winterproduktion – trotz staatlicher Unterstützung – aus Kostengründen entfallen zu lassen.Teuerung: 10.000 Tonnen weniger Gemüse. ORF, 14. Oktober 2022; abgerufen am 14. Oktober 2022.

Aufbau und Komponenten eines Gewächshauses mini|Gewächshaus in der sogenannten Venlobauweise mit ca. 4 m Stehwandhöhe Gewächs- bzw. Glashäuser gibt es in unterschiedlichen Größen von wenigen Quadratmetern bis zu riesigen Palmenhäusern.

Grundbestandteile eines Gewächshauses sind: