Die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover (Eigenschreibweise seit 2006: „Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover“), kurz Leibniz Universität Hannover oder LUH, ist mit rund 25.000 Studierenden im Wintersemester 2025/26 eine Hochschule in Niedersachsen. Sie bietet 82 Studiengänge an. Die Leibniz Universität Hannover ist Mitglied des Zusammenschlusses der neun führenden Technischen Universitäten Deutschlands (TU9).
Geschichte mini|Um 1850: Die Polytechnische Schule an der Georgstraße, Blick in Richtung des heutigen Kröpcke; Stich von Thümling nach Kretschmer
Höhere Gewerbeschule mini|Welfenschloss (um 1915) mini|Welfenschloss 2010 mit gemauertem neuen Namen mini|Lichthof im Hauptgebäude Die GeschichteVergleiche ebenfalls: . Stand: 3. Dezember 2008. der Leibniz-Universität Hannover geht bis in das Jahr 1831 zurück, als unter der Leitung von Karl Karmarsch die Höhere Gewerbeschule im Haus des Bierbrauers, Branntweinherstellers und Essigfabrikanten Christian Wilhelm Bornemann eröffnet wurde. Die anfangs 64 Schüler konnten 14 Fächer,Zur Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens, Centralblatt der Bauverwaltung, 28. Mai 1881, S. 73–75, abgerufen am 7. Dezember 2012. darunter Mathematik, Baukunst, Maschinenbau, Naturgeschichte, Physik, Chemie, Technologie (Fertigungstechnik), Zeichnen, Bossieren und Buchhaltung studieren. Außerdem wurde ein Vorbereitungskurs für Mathematik angeboten.
Sechs Jahre später zog die Schule in ein neu errichtetes Gebäude in der Georgstraße im Herzen Hannovers um, an den Standort des heutigen Kröpcke-Centers. Zu Beginn der 1840er Jahre erfuhr die Schule im Zusammenhang mit dem Beginn des Eisenbahnbaus ein Wachstum. 1844 waren 280 Schüler eingeschrieben.
Polytechnische Schule Im Jahr 1847 erhielt die Schule den Namen „Polytechnische Schule“. Bis 1853 hatte sich die Zahl der Lehrfächer nahezu verdreifacht. 1854/55 wurde dort eines der damals modernsten Chemielaboratorien Deutschlands eingerichtet.
Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Polytechnische Schule im Jahr 1875 mit 868 Schülern und Hospitanten. Im selben Jahr trat der Begründer und Direktor Karl Karmarsch nach 44-jähriger Amtszeit in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde der Bauingenieur Wilhelm Launhardt, der in den folgenden Jahren den Ausbau der Polytechnischen Schule zur Technischen Hochschule forcierte. Ebenfalls ab 1875 wurde als Zulassung das Reifezeugnis verlangt und der Studienplan reformiert. Ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der Universität Hannover war der Einzug in das Welfenschloss im Jahr 1879, das nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 für die Zwecke einer Hochschule umgebaut worden war.
Technische Hochschule Am 1. April 1879 erhielt die Polytechnische Schule die amtliche Bezeichnung „Königliche Technische Hochschule“ und unterstand ab sofort dem preußischen Ministerium in Berlin. Infolge der Hochschulverfassung von 1880 entstanden fünf Abteilungen innerhalb der Hochschule:
Architektur Bauingenieurwesen Maschineningenieurwesen Chemie und Elektrotechnik Allgemeine Wissenschaften.
1896 erhielt die Hochschule im Zuge des technischen Fortschritts ein Maschineningenieur-Laboratorium, um Lehre und Forschung unter den Bedingungen der industriellen Praxis zu ermöglichen.
Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Königlich Technischen Hochschule Charlottenburg verlieh 1899 Kaiser Wilhelm II. den preußischen Technischen Hochschulen das Recht, die akademischen Grade Doktoringenieur und Diplomingenieur zu verleihen. Damit waren die Technischen Hochschulen den Universitäten gleichgestellt. Am 14. April 1909 wurden die Technischen Hochschulen Preußens für die Immatrikulation für Frauen geöffnet.
Vom Ersten Weltkrieg bis 1945 Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erreichte die Zahl der Studierenden mit rund 3000 einen vorläufigen Höhepunkt. An der Aachener RWTH waren zur gleichen Zeit 1440 Studierende eingeschrieben; in Braunschweig 1180.
Im Zuge der bürgerkriegsartigen Zustände im Deutschen Reich wird im April 1919 auch aus Hannoverschen Studierenden ein Zeitfreiwilligenbataillon aufgestellt, das 10 Kompanien mit insgesamt 1000 Mann umfasst. Etwa 600 Zeitfreiwillige stellen die verschiedenen Korporationen Hannovers. Im Juli 1919 ist das Zeitfreiwilligenbataillon in der Waterlookaserne, dann im Welfenschloss stationiert. Studentische Mitglieder der Technischen Nothilfe stellen sicher, dass trotz Streiks der Bahnverkehr nicht zusammenbricht. Am 14. März 1920 sammelt sich das Zeitfreiwilligenbataillon wegen des Kapp-Lüttwitz-Putsches in der Technischen Hochschule und wird von demonstrierenden Arbeitern belagert. Am 2. April wird das Bataillon aufgelöst. Ein Teil seiner Angehörigen beteiligt sich am Einsatz des Freikorps Maercker im Ruhrkampf. Anlässlich der Rückkehr am 26. April 1920 nach Hannover nimmt Paul von Hindenburg eine Parade der Freikorpsangehörigen ab.Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Ergänzungsband: AV Frisia zu Hannover im CV. Bad Buchau 2021, ISBN 978-3-948502-06-5, S. 67
Die wirtschaftliche Not, die viele Studierende in der Zeit nach dem Krieg plagte, führte 1921 zur Gründung der Studentenhilfe, die schon 1922 den Betrieb der Mensa übernahm. Im selben Jahr erfolgte die Aufhebung der bisherigen Abteilungen der Technischen Hochschule und die Neugliederung in drei Fakultäten:
für allgemeine Wissenschaften, für Bauwesen (Architektur und Bau- und Ingenieurwesen), für Maschinenwesen (und Elektrotechnik). Die Hannoversche Studierendenschaft war in den 1920er Jahren national dominiert. Nach der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten verabschiedeten die Studierende ihn mit einem Fackelzug aus Hannover. Im Mai 1925 gründete sich ein studentischer Kampfausschuss gegen den jüdischen Professor Theodor Lessing, der sich mehrfach abfällig über Hindenburg geäußert hatte. Bei der Kammerwahl im Juli 1925 errang die „Völkische Einheitsliste“ 87 % der Stimmen an der TH. Bei der letzten freien Kammerwahl im November 1932 errang die Liste der Korporationen 81 %, der NSDStB 15 % und die Freistudentenschaft 3 %.Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Ergänzungsband: AV Frisia zu Hannover im CV. Bad Buchau 2021, ISBN 978-3-948502-06-5, S. 69–71
Kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bildete sich im Zuge der „Aktion wider den undeutschen Geist“Rainer Hoffschildt: Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933, in: Olivia. Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover, Verein zur Erforschung der Geschichte der Homosexuellen in Niedersachsen, Hannover 1992, Selbstverlag, ISBN 3-9802909-0-5, S. 87 ff. ein dreiköpfiger „Kampfausschuss“, dem als Vertreter der Hochschule Curt Habicht angehörte.Klaus Mlynek: Bücherverbrennung, In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 92. Die Hochschule war Sammelstelle für diejenigen Bücher, die am 10. Mai 1933 durch die Bücherverbrennung in Hannover an der Bismarcksäule vernichtet wurden, während mehrere Redner, darunter wieder Curt Habicht, ihre „aufrüttelnden“ Ansprachen hielten. Im Juli 1933 gehörte bereits die Hälfte der rund 1400 Studierenden der TH dem NSDStB an, der daraufhin einen Aufnahmestopp verhängte.Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Ergänzungsband: AV Frisia zu Hannover im CV. Bad Buchau 2021, ISBN 978-3-948502-06-5, S. 72
Mit der Aufrüstung wuchs das Interesse an der Wehrforschung an der TH Hannover.
Bei den Luftangriffen auf Hannover während des Zweiten Weltkriegs wurden fünf der insgesamt 23 Einzelgebäude vollständig zerstört, aber auch die restlichen Gebäude waren mehr oder weniger stark beschädigt.
Wiederaufbau nach 1945 und Expansion zur Technischen Universität mini|Neubau von 1958 für das Auditorium maximum und den großen Physikhörsaal, an der Ostseite des Welfenschlosses Mit Hilfe des aktiven Einsatzes der Studierendenschaft waren die Aufräum- und Aufbauarbeiten möglich, durch Spenden der Mitglieder eines 1921 gegründeten Fördervereins der Hochschule (Hannoversche Fördergemeinschaft) wurde der Wiederaufbau der Hörsäle finanziert. Ab 1947 kam als Gebäude die Villa Simon dazu, die zunächst vom Geographischen Institut genutzt wurde. 1951 erweiterte sich das Arbeitsgebiet der Hochschule um den Bereich Schiffbau, und nur ein Jahr später kam durch die Integration der Hochschule für Gartenbau und Landeskultur die vierte Fakultät dazu. In diesem Rahmen wurden ab den 1950er Jahren Demonstrations- und Versuchsgärten angelegt. Jahr 1959 in der Online-Ausstellung 100 Jahre Landschaftsarchitektur des bdla. Abgerufen am 10. April 2014. 1955 riss man die im Krieg stark beschädigte Kapelle an der Ostseite des Welfenschlosses ab, um von 1956 bis 1958 an dieser Stelle einen Anbau zu errichten, in dem das Auditorium maximum und der große Physikhörsaal untergebracht sind.Wolfgang Pietsch: Vom Welfenschloss zum 'Campus Center' – die Geschichte ständiger Nutzungsänderungen. In: Auffarth, Pietsch: Die Universität Hannover. Ihre Bauten. Ihre Gärten. Ihre Planungsgeschichte. 2003, S. 98.
Gegen Ende der 1960er Jahre begann sich der Bereich der Lehrerausbildung zum Schlüsselproblem sämtlicher hochschulpolitischer Ausbaupläne zu entwickeln. Nach der Rahmenvereinbarung zur Neuordnung des Unterrichts in der Oberstufe an Gymnasien von 1964 stiegen die bis dato bei 4000 bis 5000 liegenden Studierendenzahlen enorm an und erreichten bereits 1978/79 die 18.000er-Marke.
1968 wurde die fünfte Fakultät für Geistes- und Staatswissenschaften (später Sozialwissenschaften) gegründet, und es trat die „Vorläufige Verfassung“ in Kraft, die, abgesehen von zeitlichen Anpassungen, bis zur Einführung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes im Jahr 1978 galt. Gleichzeitig wurde die Technische Hochschule (TH Hannover) infolge dieses Strukturwandels in „Technische Universität“ (TU Hannover) umbenannt. 1973 entstand die Fakultät für Rechtswissenschaften und 1974 noch die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, so dass die Technische Universität nun insgesamt sieben Fakultäten umfasste.
Mit Inkrafttreten des Niedersächsischen Hochschulgesetzes am 1. Oktober 1978 wurde die „Technische Universität“ in „Universität“ umbenannt, nachdem die Abteilung Hannover der Pädagogischen Hochschule Niedersachsen (PHN), die ehemalige Pädagogische Hochschule Hannover, in die Technische Universität integriert worden war. Der erste Präsident der Universität wurde am 30. Mai 1979 gewählt. 1982 genehmigte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur eine Grundordnung für die Universität, die die vorläufige Verfassung von 1968 ablöste und seit 1996 in einer novellierten Fassung gültig ist.
„Hochschuloptimierungskonzept“ und neuer Name Im Rahmen des Hochschuloptimierungskonzepts des Landes Niedersachsen aus dem Jahr 2003 ergaben sich tief greifende Umstrukturierungen für den Wissenschaftsstandort Niedersachsen. Neben Budgetkürzungen und Einsparauflagen für die Hochschule gab es unter anderem einschneidende Veränderungen für den Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Universität Hannover: Die Grundschul-, Hauptschul- und Realschullehrerausbildung wurde an die Universität Hildesheim verlagert. Der Fachbereich Rechtswissenschaften blieb unter Aufgabe des sozialwissenschaftlichen Schwerpunkts für die juristische Ausbildung erhalten. Das Romanische Seminar wurde in seiner bisherigen Ausrichtung aufgegeben und 2012 mit einem Hispanistik-Studiengang neu eröffnet.
Im August 2005 trat die neue Grundordnung der Universität in Kraft. Aus den bis dahin 17 Fachbereichen wurden durch Zusammenlegungen neun Fakultäten geschaffen. Die Universität besteht nun aus den Fakultäten für Architektur und Landschaft, Bauingenieurwesen und Geodäsie, Elektrotechnik und Informatik, Maschinenbau, Mathematik und Physik, der juristischen, der naturwissenschaftlichen, der philosophischen und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.