Möckmühl [] ist eine Stadt im Landkreis Heilbronn im fränkisch geprägten Nordosten von Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken.
Geographie mini|Möckmühl von Südosten mit Stadtmauer und Burg Möckmühl liegt nördlich von Heilbronn am Zusammenfluss von Seckach und Jagst in 169 bis 350 Meter Höhe.
Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Möckmühls sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten): Billigheim (Neckar-Odenwald-Kreis), Roigheim, Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis), Widdern, Hardthausen am Kocher und Neudenau. Bis auf Billigheim und Adelsheim gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Mit Jagsthausen, Roigheim und Widdern ist Möckmühl eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Stadtgliederung Die Stadt besteht aus der Kernstadt Möckmühl und den Stadtteilen Bittelbronn, Korb, Ruchsen und Züttlingen. Zu Möckmühl selbst gehören der Weiler Siegelbach, der Hof Brandhölzle und die Wohnplätze Schwärzerhof und Sülzhof, zu Korb die Weiler Dippach und Hagenbach, zu Züttlingen der Weiler Ernstein, die Höfe Habichtshöfe, Maisenhälden und Seehof sowie die Wohnplätze Assumstadt und Schloss Domeneck. Abgegangene, heute nicht mehr bestehende Orte sind auf Markung Möckmühl Alte Bürg, Guckemer Hof und Wargesau, auf Markung Züttlingen Ammerlanden, Gießübel, Habichtshof und Burg Erenstein.Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 106–110.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Möckmühl.
Geschichte mini|Mechita-Brunnen (1979) mini|Möckmühl um 1640. Illustration aus Matthäus Merians Topographia Sueviae, 1643 Frühe Geschichte Bodenfunden zufolge war die Markung Möckmühls bereits zur Zeit der Jungsteinzeit besiedelt. Auch Kelten und Römer siedelten in Möckmühl. Zwei Reihengräberfriedhöfe, im Gewann Große Binsach und um die Stadtkirche, belegen mindestens zwei Siedlungskerne in der Merowingerzeit. 750 bis 779 wird Möckmühl als Meitamulin, Meitamulen und Mechitamulin erstmals in Urkunden des Klosters Fulda erwähnt, das damals dort großen Besitz hatte. Der Ortsname bedeutet Mühle der Mechita und leitet sich von einer sagenhaften fränkischen Fürstin dieses Namens ab. Auch die heute eingemeindeten Stadtteile sind sehr alt. Ruchsen wurde 768 als Rochesheim erstmals erwähnt, Züttlingen im 8. Jahrhundert als Zutilingen, Korb um 1100 als Corbe und Bittelbronn 1161 als Bittelbrunnen.
mini|Möckmühl von Süden, Lithographie von G. Engel und C. Obach, nach 1854 mini|Brand der evangelischen Stadtkirche 1898 Im 12. und 13. Jahrhundert tritt mit den Herren von Möckmühl ein Ortsadel auf, der seinen Sitz wohl auf der Alten Bürg nordwestlich des heutigen Ortskerns hatte. Zur alten Bürg zählte die heute ebenfalls abgegangene Alte Stadt am Zusammenfluss von Seckach und Hannackerklinge. Während der Ortsadel bereits um 1300 nur noch andernorts nachweisbar ist und seine Burg bis dahin wohl auch bereits verlassen war, erhielten die Herren von Dürn im 13. Jahrhundert den Ort als würzburgisches Lehen. Auf die Dürner geht vermutlich die Anlage der heute noch erhaltenen Burg Möckmühl und der ummauerten Siedlung auf dem Burgberg zurück. Um 1250 erhielt der Ort durch Konrad von Dürn das Stadtrecht. 1287 kam Möckmühl durch die Hochzeit von Poppo von Dürn mit Agnes von Hohenlohe an das Haus Hohenlohe. 1379 wurde bei der Burg ein Chorherrenstift mit zugehöriger Schule und Kirche gegründet. 1445 kam Möckmühl durch Kauf an die Kurpfalz.
Um 1470 wurde die Burg neu befestigt, und um diese Zeit entstand auch die heute noch weitgehend erhaltene Ummauerung der heute die Stadtmitte bildenden Talsiedlung. 1504 kamen Burg und Ort nach sechstägiger Belagerung durch den 17-jährigen Herzog Ulrich von Württemberg an Württemberg. 1519 verteidigte der württembergische Amtmann Götz von Berlichingen die Stadt gegen den Schwäbischen Bund, wurde dabei gefangen genommen und in Heilbronn 3½ Jahre unter Arrest gestellt. 1521 verpfändete Kaiser Karl V. Möckmühl an den Bischof von Würzburg, von dem es Herzog Ulrich von Württemberg 1542 wieder auslösen konnte. 1525 wurde der Stadt Möckmühl im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg eine Strafe von 400 Gulden auferlegt. Im Zuge der Reformation in Württemberg wurde das Chorherrenstift in Möckmühl 1558 aufgehoben.
Während des Dreißigjährigen Krieges starben 80 % der Bevölkerung an der Pest 1627 und 1635 und den Folgen des Krieges. Die Stiftskirche auf dem Schlossberg wurde in der Endphase des Krieges von französischen Truppen zerstört. Von 1649 bis 1742 gehörten Stadt und Amt Möckmühl zur württembergischen Nebenlinie Württemberg-Neuenstadt. Seit 1665 fanden in Möckmühl Hexenprozesse statt, die mit der Verbrennung einer wegen Hexerei angeklagten Frau 1667 endeten.
19. und 20. Jahrhundert Von 1805 bis 1836 lebte Louise Franck, die Schwester des Dichters Friedrich Schiller, in Möckmühl. Nach der Gründung des Königreichs Württemberg konsolidierte sich eine neue Verwaltungsgliederung. So wurde 1808 das Oberamt Möckmühl aufgelöst. Bis dahin war die altwürttembergische Stadt Möckmühl Sitz eines Zentgerichts, das als Hochgericht die Todesstrafe verhängen konnte. Möckmühl war von 1808 bis 1810 dem Oberamt Schöntal unterstellt und kam 1810 schließlich zum Oberamt Neckarsulm.
Die Wasserkraft der Seckach nutzte man zum Antrieb von mehreren Mühlen, später und bis in die Gegenwart auch von Turbinen. Im Nordwesten der Stadt befand sich die schon im 15. Jahrhundert belegte Stadtmühle, die 1964 abgerissen wurde. Nur wenige Meter entfernt außerhalb der Stadtmauern befand sich die Lohemühle, deren Gebäude sich erhalten hat, während die Seckach in diesem Bereich verdolt wurde. Nordwestlich der Stadt befanden sich weitere Mühlen, darunter die große Gernersche Mühle, die bis 1928 in Betrieb war und deren letztes Gebäude 1995 abgebrochen wurde. An ihrer Stelle befindet sich seit den 1970er Jahren ein E-Werk. 1873 entstand an der Stelle zweier anderer Mühlen an der Seckach die Papierfabrik Möckmühl, die später um ein Werk an einem weiteren ehemaligen Mühlenstandort expandierte und die Wasserkraft außerdem auch zum Antrieb einer Holzschleiferei und von 1908 bis 1993 auch eines eigenen E-Werks nutzte. Die Papierfabrik wurde 1965 an Texon verkauft, der Betrieb wurde modernisiert und auf ein anderes Produktspektrum umgestellt. An der Stelle der 1732 durch Hochwasser zerstörten Walkmühle siedelten sich später die Agria-Werke an.Heinz Tuffentsammer: Mühlen an der unteren Seckach. MK-Verlag, Möckmühl 2000, ISBN 3-9806440-7-3, S. 42–75.
In den Jahren 1867 bis 1869 errichteten die Württembergischen Staatsbahnen unter Leitung von Oberbaurat Georg von Morlok die Eisenbahnstrecke von Jagstfeld nach Osterburken, so dass Möckmühl früh an den Schienenverkehr zwischen Württemberg und dem Nachbarland Baden angeschlossen war.
1938, im Zuge der württembergischen Gebietsreform während der NS-Zeit, kam Möckmühl zum Landkreis Heilbronn.
1945 wurde die Stadt in der Endphase des Zweiten Weltkrieges vor größeren Zerstörungen bewahrt, da es den Möckmühler Bürgern gelang, den Abzug der deutschen Verteidigungstruppen zu erreichen. Auch konnte die Sprengung der Jagstbrücke bis kurz vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen verhindert werden, was die Stadt womöglich auch vor größeren Zerstörungen bewahrt hat. 1939 wurden 1590 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 2134.Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg
Da Möckmühl Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Stadt somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
1971 bis 1975 wurden vier umliegende Orte eingemeindet. 1974 wurde die A 81 von Weinsberg nach Würzburg mit Anschlussstelle in Möckmühl für den Verkehr freigegeben. Von 1975 bis 1992 erfolgte eine umfassende Sanierung des historischen Ortskerns. Von 1987 bis 1996 wuchs die Bevölkerung von 6000 auf über 8000 Einwohner, was hauptsächlich auf den Zuzug von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion zurückzuführen ist.
Religionen Herzog Ulrich führte in Möckmühl 1542 die Reformation ein, Stadt und Amt Möckmühl wurden evangelisch.
Neben evangelischen Kirchengemeinden in Möckmühl und seinen Stadtteilen sowie einer evangelisch-landeskirchlichen Gemeinschaft gibt es auch eine katholische Kirchengemeinde. Außerdem sind in Möckmühl noch die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten), die Mennoniten, die Neuapostolische Kirche, die Siebenten-Tags-Adventisten und die Zeugen Jehovas vertreten.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1971 wurde Korb eingemeindet und wechselte dabei vom Landkreis Buchen in den Landkreis Heilbronn. Am 1. März 1972 folgten die Eingemeindungen von Bittelbronn, das bereits bis 1836 zu Möckmühl gehörte, und von Ruchsen, das ebenfalls den Landkreis Buchen verließ. Als letzter Ort wurde am 1. Januar 1975 Züttlingen eingemeindet.
Politik mini|hochkant|Rathaus Möckmühl Gemeinderat und Ortschaftsräte Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. In Möckmühl wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern.
Nach der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 hat der Gemeinderat Möckmühls 23 Sitze (zuvor 25). Die Wahl brachte folgendes Ergebnis (mit Vergleichszahlen zur vorigen Wahl): Partei / Liste20242019 Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Grüne 16,3 % 4 20,8 % 5 SPD 13,1 % 3 13,1 % 3 Bürgerliche Liste / CDU 26,8 % 6 20,0 % 5 FWV Möckmühl 43,8 % 10 46,1 %* 8 Wir für Möckmühl (WFM) -- -- 4 * Wählervereinigungen zusammen, vom Statistischen Landesamt nicht getrennt ausgewiesen
In den vier Ortschaften Bittelbronn, Korb, Ruchsen und Züttlingen gibt es zudem jeweils einen Ortschaftsrat. Auf seinen Vorschlag hin wählt der Gemeinderat für jede Ortschaft einen ehrenamtlichen Ortsvorsteher. Diese Gremien sind zu wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.
Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. Oktober 2024 Simon Michler (CDU). Er war zuvor von 2016 bis 2022 Bürgermeister von Edingen-Neckarhausen. Michler wurde am 14. Juli 2024 mit 59,7 Prozent der Stimmen gewählt. Zuvor war von 2000 bis 2024 Ulrich Stammer Bürgermeister.stimme.de
Wappen und Flagge rechts|80px|Wappen Möckmühls Die Blasonierung des Möckmühler Wappens lautet: Über grünem Dreiberg gespalten, vorne in Blau ein linksgekehrter, schwarz befiederter goldener Adlerfang, hinten in Silber ein vierspeichiges schwarzes Mühlrad. Die Stadtfarben sind Blau-Weiß.
In den Möckmühler Siegeln ist der ungedeutete Adlerfang erstmals 1499 und danach bis 1630 nachgewiesen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erscheint in Wappenzeichnungen in Verbindung mit dem Adlerfang erstmals das Mühlrad als redende Wappenfigur; seit 1613 auch auf den Möckmühler Grenzsteinen. Von 1639 bis 1643 ist die Verwendung eines Siegels mit dem Mühlrad-Zeichen nachgewiesen; 1645 wurden dann beide Wappenfiguren in einem Siegel vereinigt. Im Wesentlichen blieb das Wappen mit den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Farben seitdem unverändert.Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 98Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 115f.
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