Jawor [] (deutsch Jauer) ist eine Kreisstadt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten Polens. Bekannt ist die Stadt durch ihre Friedenskirche, die seit 2001 zum UNESCO-Welterbe gehört. Bekannt war auch Jauersche, eine Brühwurst-Sorte. Jauersche Wurst grillsportverein.de
Geographie Jawor liegt an der Wütenden Neiße (), einem rechten Nebenfluss der Katzbach (Kaczawa), rund 70 Kilometer westlich von Breslau (Wrocław). Sie gehört der Euroregion Neiße an.
Stadtwappen Schutzpatron der Stadt ist der hl. Martin. Schon 1300 zeigte das älteste Siegel der Stadt eine Darstellung der Legende vom hl. Martin, wie er seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bis um 1945 bestand das Stadtwappen aus zwei gesonderten Schilden, auf dem rechten das rotschwarze Schachbrett der Herzöge von Schweidnitz, auf dem linken der hl. Martin. Das amtliche Stadtwappen enthält den hl. Martin in blauem Felde auf einem Schimmel, mit rotem Mantel, der dem auf dem Boden sitzenden halbnackten Bettler in Weiß seinen Mantel herabreicht.
Geschichte mini|hochkant|St.-Martin-Kirche, Ersterwähnung 1242 Der Name der Stadt erscheint erstmals in einem Dokument vom 12. April 1177 und ist slawischen Ursprungs (Jawor = Ahorn). Noch 1750 wurde der Name „Jawor“ auch in der durch Friedrich II. von Preußen veröffentlichten Verordnung für die schlesischen Einwohner genutzt.
Das Gebiet war bereits vor dem Jahr 1000 bewohnt, was durch die vielen Urnenfunde in der Stadt und im benachbarten Dorf Alt Jauer (Stary Jawor) bezeugt wird. Das genaue Datum für die Stadtgründung Jawors nach dem Magdeburger Recht ist unbekannt, jedoch ist für das Jahr 1242 für Jauer ein Pfarrer Valentinus belegt, der als Zeuge einer Schenkungsurkunde für das Kloster Trebnitz auftrat.
Jauer entwickelte sich vor allem als Stadt der Handwerker und Ackerbürger sowie als Erholungsort für Kauf- und Fuhrleute, da sie neben wichtigen Handels- und Militärstraßen aus Breslau, Striegau, Goldberg und Löwenberg lag, die sich hier begegneten. Die Handelswege Dresden–Breslau und Liegnitz-Prag kreuzten sich in Jauer.
Im Jahr 1278 wurde Jauer Sitz eines herzöglichen Vogts, wodurch es in den Rang einer Haupt- und Residenzstadt des unabhängigen piastischen Herzogtums Jauer erhöht wurde. Damit verbunden war eine größere politische Bedeutung, doch eine fürstliche Residenz ist Jauer trotz des Titels der Herzöge „Herr von Jauer“ nie gewesen. Herzog Heinrich I. (1301–1346) war der Stadt sehr verbunden, hielt sich jedoch häufig in den Städten am Bober – Hirschberg, Bunzlau und Löwenberg – auf, von wo er zahlreiche Reisen in die benachbarten Lausitzen unternahm. Trotzdem förderte er seine Hauptstadt, der er mehrere Privilegien verlieh, u. a. 1326 das Meilenrecht, das die Ausübung des Bäckerhandwerks und das Bierbraumonopol einschloss, und 1329 das Privileg des freien Salzhandels sowie die Hohe und Niedere Gerichtsbarkeit.
Das Münzrecht übte Herzog Heinrich I. gemeinsam mit Bolko II. und Heinrich II. von Schweidnitz aus. Die Münzstätte befand sich in Löwenberg.acsearch.info Schlesien, Schweidnitz – Jauer, Heinrich I. von Jauer, Bolko II. und Heinrich II. von Schweidnitz, 1326–1343. Halbgroschen o. J. (nach 1333), Löwenberg. Adlerschild. Rückseite: Helm mit Helmzier. Es wurden nicht nur Silbermünzen, sondern auch Goldgulden nach Florentiner Typ geprägt.Schweidnitz und Jauer, Fürstentum. acsearch.info, Bolko II., Goldgulden nach Florentiner Typ o. J.
Im Jahr 1368 starb Herzog Bolko II., mit dem die Schweidnitzer Linie der Schlesischen Piasten erlosch. Er hatte sein Herzogtum testamentarisch seiner Nichte Anna von Schweidnitz, Gemahlin des Kaisers Karl IV., bzw. deren Nachkommen vererbt. Dadurch gelangte es 1368 an Annas Sohn, den böhmischen König Wenzel bzw. an die Krone Böhmen. Allerdings stand Bolkos Witwe Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zu. 1371 verlieh Herzogin Agnes der Stadt das Münzrecht für Silbermünzen. Sie wohnte zeitweise in einem Palast neben dem Liegnitzer Tor, dessen Kellermauern aus dem 14. Jahrhundert erhalten sind. Sie schützte die Juden, deren Viertel schon im Jahr 1356 erwähnt wurde. Das Schloss Jauer wurde nach ihrem Tod Sitz des königlich-böhmischen Landeshauptmanns, der dort bis 1741 residierte.
mini|Bernhardinerkloster mit Klosterkirche St. Maria; 1486–1492 errichtet mini|Das Schloss von Jauer brannte 1648 komplett ab und wurde bis 1665 wieder aufgebaut. mini|Friedenskirche Jauer in einer Darstellung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts Anfang des 14. Jahrhunderts veranlasste König Wenzel einen Umbau des Schlosses, das um den Westflügel erweitert wurde. 1404 erhielt die Stadt das Privileg, zusätzlich zu dem seit 1339 existierenden Donnerstagsmarkt einen Samstagsmarkt abzuhalten, der dem Getreidehandel vorbehalten war. Während der Hussitenkriege wurde 1428 die Umgebung verwüstet, die Stadt selbst blieb jedoch verschont. Zusammen mit Breslau und Schweidnitz kämpfte Jauer 1434 gegen die Hussiten, so dass es gelang, diese aus den Herzogtümern zu verjagen. Im selben Jahr stellten die Fürstentümer Jauer und Schweidnitz eine Armee von 400 Berittenen auf, die das Unwesen des herrschenden Raubrittertums verfolgen sollten. 1454 machte der Wanderprediger Johannes Capistranus auf seinem Weg aus Breslau nach Prag in Jauer Station und predigte hier gegen Hussiten und Juden. Nachfolgend wurden 17 Jauersche Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Einige Jahre später wurden die Juden aus Jauer ausgewiesen. 1459 nahm der böhmische König Georg von Podiebrad in Jauer die Huldigung der Stände entgegen.
Nachdem der böhmische König Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács getötet worden war, fiel die böhmische Königswürde 1526 an Ferdinand I. aus der Dynastie der Habsburger. Nachfolgend waren diese in ihrer Eigenschaft als Könige von Böhmen bis 1742 auch Herzöge von Schlesien. Jauer bekannte sich zu dieser Zeit zur Reformation; der erste evangelische Prediger Samuel Frenzel wurde 1526 nach Jauer berufen. Um 1559 war Jauer ein Zentrum des schlesischen Leinenhandels. Seit 1543 verfügte die Stadt über eine Badeanstalt. 1564 stellte sie einen Stadtphysicus und 1586 einen Wundarzt an. 1618 zählte sie 1400 Einwohner.
Im Dreißigjährigen Krieg standen die Jauerschen Stände auf der Seite der Protestanten. Sie huldigten 1620 dem „Winterkönig“ Friedrich V. von der Pfalz auf dem Jauerer Schloss, zwei Jahre später dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen, der als Vertreter des Kaisers Ferdinand II. nach Jauer kam. 1626–1627 musste Jauer 1200 Soldaten aus dem Heer Wallensteins versorgen. 1629–1644 fiel Jauer mehrmals in die Hände verschiedener gegnerischer Armeen; die Katholiken verjagten die protestantischen Geistlichen und die Schweden die katholischen. Unabhängig vom Bekenntnis waren die Kaiserlichen, Schweden und Sachsen an den Plünderungen und Zerstörungen beteiligt. 1644–1648 hielten die Schweden die Stadt besetzt; am 25. Juli 1648 belagerte der Liegnitzer kaiserliche Kommandant Jauer. Nach heftigen Kämpfen kapitulierten die Schweden. Für ihre Zusammenarbeit mit den Schweden mussten die Jaueraner – mehrheitlich Protestanten – Bestrafungen hinnehmen. Die Stadt wurde in Brand gesteckt und verwüstet, nur das Rathaus, die Kirchen St. Martin und das Kloster sowie einige Bürgerhäuser am Ring wurden verschont. Bei Kriegsende 1648 zählte die Stadt nur 150 Einwohner.
1653 bereiste eine kaiserliche Kommission Jauers Umgebung und gab alle ursprünglich katholischen Kirchen an den katholischen Klerus zurück. Da die Bevölkerung der Gegend mehrheitlich lutherisch war, musste sie die Gottesdienste im benachbarten Herzogtum Liegnitz besuchen, dessen piastische Fürsten Protestanten waren und Religionsfreiheit gewährten. 1654/55 erfolgte der Bau der evangelischen Friedenskirche zum Heiligen Geist. Sie war neben Glogau und Schweidnitz eine der drei Friedenskirchen, die den schlesischen Protestanten im Westfälischen Frieden von 1648 zugestanden wurden. Nach Abschluss der Altranstädter Konvention konnte die Friedenskirche 1709 um einen Glockenturm erweitert werden. 1680 wurde Jauer von einer Pestepidemie heimgesucht. Otto Christian Ockel eröffnete 1683 die erste Buchdruckerei in Jauer. Von wirtschaftlicher Bedeutung war die Einführung des Postverkehrs Anfang des 18. Jahrhunderts.
mini|Ringhäuser im barocken Stil Im Ersten Schlesischen Krieg besetzte Friedrich der Große am 26. Januar 1741 Jauer. Am 23. Februar wurde der kaiserliche Landeshauptmann aus dem Jauerschen Schloss verjagt. Nach Kriegsende 1742 kam Jauer zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. In der Nähe von Jauer wurde am 4. Juni 1745 die Schlacht bei Hohenfriedeberg ausgefochten. Im Siebenjährigen Krieg wurde Jauer 1756 von kaiserlichen und ungarischen Truppen eingenommen und der preußische Magistrat aufgelöst. Jauer und das Fürstentum Jauer huldigten Maria Theresia in ihrer Eigenschaft als Königin von Böhmen. Nach der Schlacht bei Leuthen 1757 kehrten die preußischen Behörden zurück. Im August 1761 plünderten russische Verbündete Maria Theresias das Jauersche Gebiet. Nach Beendigung der Schlesischen Kriege 1763 stabilisierte sich die Lage, jedoch wurde Jauer mit einer großen Schuldenlast belegt.
Am 2. August 1776 vernichtete ein großer Brand in Jauer 137 Häuser. Nach Besichtigung der Schäden gewährte Friedrich II. der Stadt zum Wiederaufbau eine Geldsumme von 106.000 Talern und entsandte einen Baumeister, der den Aufbau leitete. Das Aussehen der Stadt geht im Wesentlichen auf dessen Planung zurück. Im Jahr 1788 etablierte sich in Jauer ein Füsilier-Bataillon als ständige Garnison. Von preußischen Behörden ermuntert, wanderten viele Handwerker aus Jauer und dem Fürstentum nach Polen aus, besonders in zu Schlesien benachbarte Gebiete. In den Napoleonischen Kriegen erhielt Jauer nach der Niederlage Preußens bei der Schlacht bei Jena und Auerstedt während der Franzosenzeit eine französische Besatzung und musste eine große Kontribution zahlen. Im Befreiungskrieg 1813 war das Lützowsches Freikorps in Jauer stationiert. Am 26. August fand in der Region die Schlacht an der Katzbach statt. mini|Rathaus, 1896 im Stil des Historismus erbaut, mit dem 1799 eröffneten Theater Die preußische Verwaltungsreform löste das Fürstentum Jauer 1807 auf. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Jauer seit 1815 zur Provinz Schlesien und war 1816–1945 Sitz des Landkreises Jauer. Im Jahr 1818 gab die Stadtverwaltung die erste Zeitung, die Jauersche Zeitung heraus, die bis 1945 erschien. 1822 erhielt die Stadt eine Straßenbeleuchtung. Im selben Jahr wurde eine reguläre Postkutschenverbindung (unter anderem nach Glogau und Neisse) eingerichtet. Wegen der Krise der schlesischen Leinwandindustrie und der Absatzmärkte für Handwerksprodukte wanderten viele Handwerker nach Russisch-Polen (besonders Kalisch, Łódź und Łęczyca) aus, da die russischen Behörden eine leichte Existenzgründung versprachen. Die Ausgewanderten gründeten dort deutsche evangelische Gemeinden, die bis 1945 und teilweise noch immer – als polnische evangelische Gemeinden – bestehen. 1844 wurde der Stadtpark angelegt, 1856 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss (spätere Bahnstrecke Katowice–Legnica). Um für die stetig wachsende Bevölkerung mehr Baufläche zu erlangen, wurden 1866 die Stadtmauern geschleift. Im selben Jahr wurde das Kreiskrankenhaus errichtet und 1869 das Städtische Gymnasium eröffnet. 1901 erhielt Jauer ein Telefonnetz. 1911 schenkte der Dresdener Großkaufmann Bruno Fuchs, aus Jauer gebürtig, der Stadt 5000 Goldmark für die Anlage eines neuen Stadtparks jenseits der Wütenden Neiße, der nach dem Stifter benannt wurde. In den Jahren 1914–1916 wurde die Stadt kanalisiert.