Mernes ist der südlichste Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im osthessischen Main-Kinzig-Kreis. Weitere Ortsteile sind, neben Bad Soden und Salmünster noch Ahl, Alsberg, Hausen, Eckardroth, Katholisch-Willenroth, Kerbersdorf, Romsthal und Wahlert.

Das Dorf liegt ungefähr 60 km östlich von Frankfurt im Naturpark Hessischer Spessart und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Mernes hat knapp unter 900 Einwohner.

Geographie Geographische Lage Mernes liegt an einer Brücke über die Jossa, acht Kilometer südöstlich von Salmünster, jenseits eines Höhenrückens des zum Kinzigtal hin im Norden auslaufenden Spessarts. Ebenso wie Alsberg ist es durch den gemeindefreien Gutsbezirk Spessart vom übrigen Stadtgebiet Bad Soden-Salmünsters als Exklave getrennt. Im Osten grenzt es an Bayern. Die Grenze verläuft direkt hinter der Kuppe des nahen Stackenberges (), der sich weitgehend waldfrei über dem Ort erhebt.

Nachbargemeinden Direkte Nachbarschaft gibt es im Nordosten zu Marjoß einem Stadtteil von Steinau an der Straße und im Süden zu Burgjoß in der Gemeinde Jossgrund.

Geschichte mini|Wasserwerk Mernes Vorgeschichte Die Gegend des Stacken war archäologischen Funden zufolge bereits in der Jungsteinzeit (4.000 – 3.000 v. Chr.) besiedelt.

Ortsname Der Ortsname wandelte und entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte von Merlongis und Mernolfes (1267) über Mernolfes (1389), Ernolfes (1404), Mernolffes (1497), Merles (auf einer Karte aus dem 16. Jahrhundert) und Mernesz (1632) zur heutigen Form Mernes.

Mittelalter Der Ort wurde erstmals 1267 genannt, im Zusammenhang mit einem Sohn des Rudolf von Babenhausen, genannt von Mernolfes (von Mernes). Im weiteren Verlauf (1378) musste sich die ansässige Witwe des Johann von Babenhausen mit ihrem Sohn Götz von Babenhausen gegen Ansprüche der Grafen von Hanau (Ullrich von Hanau) zur Wehr setzen.

Der heute bewaldete Stacken wurde im Mittelalter agrarisch genutzt.

Neuzeit Mit der Zeit gerieten die Herren von Babenhausen mehr und mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Sie verpfändeten zunächst und gaben schließlich ihre Besitzungen in Mernes auf. Etwa im gleichen Maße erwarben die Herren von Hutten Grundbesitz und Einfluss in der Region. Die Landesherrschaft wechselte zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Grafen von Hanau zum Kurfürstentum Mainz. Einer der ältesten Grenzsteine im Spessart (datiert 1559) dokumentiert den Stacken als Grenzland zwischen der Grafschaft Hanau, den Herren von Hutten, den Herren von Thüngen und Kurmainz, nach Aussterben der Grafen von Rieneck in ebendiesem Jahr. Im 19. Jahrhundert war der Stacken Grenzland zwischen den Königreichen Preußen (vor 1866 Kurhessen) und Bayern.

Im Dreißigjährigen Krieg sind die Pest und eine Wolfsplage für Mernes belegtMernes Geschichte aufgerufen am 26. September 2021.

Ein kurioser Vertrag von 1913 mit dem preußischen Militär gewährt den Bürgern des Dorfes bis in die Gegenwart kostenloses Trinkwasser. Als Rechtsnachfolger ist nun die Stadt Frankfurt am Main in der Verpflichtung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden auch Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, wie z. B. Sudetenland in Mernes eine neue HeimatVogelfrei über Umwege nach Westen - Waltraut Ochsenhirt aus Mernes erinnert sich an die Flucht aus dem Sudetenland, Gelnhäuser Neue Zeitung, 20. März 2021.

Gebietsreform Mernes wurde am 1. Juli 1974 im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz mit den Städten „Bad Soden bei Salmünster“ und Salmünster zur neuen Stadt Bad Soden-Salmünster zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1632: 36 Dienstpflichtige • 1811: 68 Feuerstellen mit 516 Seelen

Politik Ortsbeirat In Mernes besteht, ebenso wie in allen anderen Stadtteilen von Bad Soden-Salmünster, ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung. Im Ortsbeirat sind die CDU (3 Sitze) und die SPD (2 Sitze) vertreten. Ortsvorsteher ist Thorsten Desch (CDU)Kommunalwahl, abgerufen am 10. August 2022.

Religionszugehörigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 6 evangelische (= 1,06 %), 559 katholische (= 98,94 %) Einwohner • 1961: 35 evangelische (= 4,96 %), 667 katholische (= 94,48 %) Einwohner

Religion Kirche In Mernes steht die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter. Sie wurde, als kleines Kirchlein, am 23. August 1671 eingeweiht. Um der gewachsenen Größe der Gemeinde Rechnung zu tragen, wurde die Kirche 1934 erweitertPfarrei St. Peter Mernes aufgerufen am 26. September 2021.

Kirchengemeinden Katholisch In der Anfangszeit wurde die Kirchengemeinde von Oberndorf her betreut. In der bayerischen Zeit (1814–1866) war Mernes zur Diözese Würzburg zugeordnet und ab 1871 ist die Kirche bis heute zum Bistum Fulda zugehörig. Erst langjährigen Bemühungen des Oberndorfer Pfarrers Haseneier, die Schenkung eines kleinen Häuschens und die Erhebung einer Ortskirchensteuer ermöglichen 1924 die Ansiedlung eines Geistlichen in Mernes. Der erste Kurat war Martin Drissel. Er förderte das Dorfleben, durch die Gründung einer Musikgruppe, einer öffentlichen Bücherei und eines Gesellenvereins, der auch sportlichen Aktivitäten wie Leichtathletik und Fußball für seine Mitglieder anbot„Schon immer ein bisschen aufmüpfiger – Gründung einer Pfarrstelle in Mernes vor 00 Jahren/Festlichkeiten zum Jubiläum am 28. April“, Gelnhäuser Neue Zeitung, 13. April 2024. Heute gehört die Gemeinde zum Pastoralverbund „St. Martin im Spessart“.

Evangelisch Die nächste evangelische Gemeinde im Jossgrund ist die Gemeinde in Lettgenbrunn mit der Johanneskirche bzw. die evangelische Christusgemeinde in Sinntal und Marjoß.

Infrastruktur und Wirtschaft Verkehrsanbindung Straße Die Entfernung zum Autobahnanschluss (AS 45) Bad Soden-Salmünster der A 66 beträgt etwa 12 km. Dahin führt die L 3178. Durch den Ort verläuft die L 3197, sie ist die Verbindung nach Burgjoß und Marjoß hin.

Bahn Eine Anbindung an den Bahnverkehr bieten der Bahnhof Bad Soden-Salmünster an der Kinzigtalbahn. Die Regionalexpress, die im Stundentakt verkehrt, bringt eine Anbindung an die ICE-Haltepunkte Fulda und Hanau bzw. Frankfurt. Der Bahnhof nächste behindertengerecht ausgebaute Bahnhof an dieser Strecke ist der Bahnhof Wächtersbach. Auch der Bahnhof Jossa, an der Bahnstrecke Flieden–Gemünden, liegt gut erreichbar in 11 km Entfernung.

Nahverkehr Ganzjährig verkehren in Mernes mehrere Buslinien der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG). Sie schaffen z. B. mit den Linien MKK-82 und MKK-83 öffentliche Verkehrsanschlüsse, abgerufen am 22. März 2021 in die Gemeinden im Jossgrund, nach Bad Orb, sowie nach Wächtersbach mit der Kinzigtalbahn (Hessen) (Bahnhof Wächtersbach) und Anschluss zum Bahnhof Gelnhausen und Grimmelshausen-Gymnasium. Oder die Linie MKK-94 die zu den Nachbargemeinden Marjoß und Altengronau, aber auch zu den Ortsteilen Alsberg, Ahl und Salmünster, abgerufen am 22. März 2021. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Internetanschluss Bereits seit Anfang 2013 hat Mernes Glasfaser-Internet (FTTC) mit Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s.Schnelles Internet, aufgerufen am 16. November 2021

Seit 2021 gibt es hier eine neue 4G (LTE)-Station, die Bandbreiten bis zu 225 Mbit/s im mobilen Internet ermöglicht4G (LTE)-Station, aufgerufen am 16. November 2021.

Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Mernes wurde 1933 gegründet, die Jugendfeuerwehr Mernes besteht seit 1. März 1968. Es gibt auch eine Kinderfeuerwehr Mernes, sie wurde am 5. Juni 2014 „aus der Taufe gehoben“. Die Personalstärke der Einsatzabteilung beträgt 42 Personen, die der Jugendfeuerwehr 18 PersonenFFMKK, Freiwillige Feuerwehren Main-Kinzig-Kreis aufgerufen am 15. Februar 2021.

Seit 1951 gibt es in Mernes ein Feuerwehrhaus, das 2018 erweitert worden ist. 1999 kam auch ein Schlauchturm der illegal gebaut worden war hinzu.

Die Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte der Freiwilligen Feuerwehr Mernes sind: Brandbekämpfung, einfache technische Hilfeleistungen.

Wirtschaft Mernes ist vor allem landwirtschaftlich geprägt. Daneben gibt es Im kleineren Umfang auch Beherbergungsangebote mit Ferienwohnungen und einer Pension sowie entsprechende Angebote in der Gastronomie.

Historische Mühlen Es gab in Mernes „drei Mühlen innerhalb der Ortslage am Jossabach. Die letzte von ihnen, die sogenannte Untere Mühle Mernes (auch Königsmühle) wurde um 1972 stillgelegt“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bildung Kindergarten In Mernes gibt es den St. Bonifatius Kindergarten, mit drei Gruppen, einem u3 Bereich, ü3 Bereich und Vorschulkindern. Er ist in der Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde.

Schulen Die Schüler besuchen die Jossatal-Schule, eine Grundschule in Oberndorf. In Salmünster befindet sich mit der Henry-Harnischfeger-Schule eine Integrierte Gesamtschule, die für das gesamte Umland zuständig ist.

Andere, weiterführende Schulen sind die Friedrich-August-Genth-Schule, eine (Kooperative Gesamtschule) in Wächtersbach und das Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen.

Sehenswürdigkeiten mini|150px|Hochaltar St. Peter; Petrusstatue Kirche St. Peter Gotische Spitzbogenfenster, heute in der Seitenkapelle und ehemals im Chorraum der Vorgängerkirche gelegen, gehen bis in die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. Im Dreißigjährigen Krieg wurde dieses Gotteshaus, wohl eine kleine Kapelle, fast vollständig zerstört. Nach diesem Kriege, zwischen 1660 und 1671, wurde mit Förderung, durch den Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Schönborn, ein etwas größeres, St. Peter geweihtes Kirchlein errichtet. Bei dem 1934, zum Zwecke der Erweiterung erfolgten Umbau der Kirche, wurde, quer zur bisherigen Achse, ein neues Hauptschiff hinzugefügt. Heute ist sie daher, ungewöhnlicherweise nach Norden, statt wie üblich nach Osten ausgerichtet.

Der äußerlich schmucklose Bau birgt im Inneren einige wertvolle Ausstattungsstücke. Sie stammen aus der durch Bombenabwurf-Übungen des Fliegerhorsts Gelnhausen-Rothenbergen nach 1935 zerstörten Kirche in Lettgenbrunn, die zuvor – als die Siedlung geräumt wurde – nach Mernes in Sicherheit gebracht worden waren. Das waren: Ein Hochaltar mit einer Kreuzigungsgruppe aus der Schule Tilman Riemenschneiders, dem Kirchpatronen St. Peter und dem Ortspatronen St. Wendelin sowie einen Taufstein und einen Marienaltar.

Die kleine, aber klangkräftige Orgel „wurde 1892 von Orgelbaumeister Fritz Clewing im neugotischen Stil erbaut“„Katholische Kirche St. Peter Mernes“, Kirchenführer, 2021. Sie wurde 2021 von A. Schmidt grundlegend restauriert. Das Instrument verfügt über 10 Register auf einem Manualwerk und Pedal, wie folgt: Manual– 1. Bordun 16′ 2. Principal 8′ 3. Gamba 8′ 4. Holzflöte 8′ 5. Salicional 8′ 6. Octave 4′ 7. Flöte 4′ 8. Octave 2′ Pedalwerk– 9. Subbas 16′ 10. Octave 8′ Koppeln: Manual-Pedal

Merneser Wasserwerk Das Merneser Wasserwerk ist ein Jugendstil-Industriedenkmal aus den Jahren 1913/14. Im Inneren sind noch Maschinen, Motoren, Pumpen und Werkzeuge aus der Entstehungszeit erhalten, die jedoch nicht mehr genutzt werden. Ursprünglich war das Wasserwerk zur Versorgung des Truppenübungsplatzes an der Wegscheide gebaut worden. Der Vertrag, den der damaligen Merneser Bürgermeisters Hieronymus König mit der Militärverwaltung 1913 schloss, sah im Gegenzug zur Belieferung der Kaserne, eine kostenlose Versorgung der Gemeinde Mernes mit Trinkwasser vor. Dieser Vertrag wurde nie aufgehoben und gilt deshalb noch fort. Eigentümerin des Wasserwerks ist heute die Stadt Bad Orb und Pächterin die Stadt Frankfurt, die Eigentümerin des Wegscheide-Geländes. Heute versorgt die Anlage das Schullandheim auf der Wegscheide. Das Wasserwerk ist sanierungsbedürftig und entspricht nicht mehr den heutigen technischen und hygienischen Vorschriften. Ein lokaler Förderverein versucht, Mittel zur Bestandssicherung zu erheben.

Kröckelmühle