Chartres ist die Präfekturhauptstadt des Départements Eure-et-Loir in Frankreich. Die Stadt liegt 90 Kilometer südwestlich von Paris in einer Ebene an der Eure, einem Nebenfluss der Seine. Die Einwohner (Stand ) nennen sich „Chartrains“. Im Zentrum der Altstadt steht die berühmte Kathedrale Notre-Dame de Chartres.
Geschichte Chartres war unter dem Namen Autricum ein Hauptort der Karnuten und schon vor der Römerzeit bedeutend. 51 v. Chr. unterwarfen sich die Karnuten Caesar. Unter den Römern gehörte die Stadt zur Provinz Gallia Lugdunensis. Bereits im 4. Jahrhundert wurde es als Carnutum oder Carnotum Bischofssitz. Erst im 12. Jahrhundert kommt die Stadt unter ihrem jetzigen Namen vor.
Chartres war im früheren Mittelalter Hauptort der Landschaft Beauce oder des Chartrain und gab der Grafschaft Chartres den Namen, die seit 956/960 im Besitz des Hauses Blois war. 911 belagerten die Normannen Chartres und 1019 verbrannten sie es fast gänzlich. Die Grafschaft Chartres wurde 1286 an König Philipp IV. den Schönen verkauft. Mit Bischof Fulbert von Chartres entwickelte sich die Domschule zu einem bedeutenden Zentrum mittelalterlicher Bildung. Hier wirkten u. a. Ivo von Chartres, Gilbert von Poitiers und Johannes von Salisbury.
1528 machte König Franz I. die Grafschaft Chartres zum Herzogtum. Heinrich IV. eroberte Chartres 1591 und ließ sich hier 1594 krönen. 1626 erhielt die Familie Orléans Chartres als Apanage, weshalb auch der älteste Sohn des Herzogs von Orléans gewöhnlich den Titel eines Herzogs von Chartres führte. Am 21. Oktober 1870 wurde Chartres von der 22. Division unter General Wittich besetzt und blieb in den Kämpfen gegen die Loire-Armee ein wichtiger Stützpunkt der Deutschen.
Im Zweiten Weltkrieg flohen die meisten Menschen vor den heranrückenden Soldaten der deutschen Wehrmacht aus der Stadt. Nur noch 800 der 23.000 Einwohner, darunter der Präfekt Jean Moulin, waren am 15. Juni 1940 in Chartres zurückgeblieben. Die Einwohner kehrten aber bereits während der Besatzung zurück. Am 6. Juni 1944 landeten die westalliierten Truppen in der Normandie (Operation Overlord). Nach dem Ausbruch aus dem Landekopf Ende Juli entfaltete die US-Armee fast ohne Widerstand der dezimierten deutschen Truppen einen raschen Vormarsch ins Landesinnere. Am 16. August 1944 stand das XX. US-Korps vor Chartres. In diesen Raum hatte Hitler jedoch drei Divisionen der deutschen 15. Armee beordert und
Am 16. August 1944 fotografierte Robert Capa die Befreiung der Stadt, dabei entstand das Bild La Tondue de Chartres (Die Geschorene von Chartres) einer Frau, die der sogenannten Horizontalen Kollaboration beschuldigt wurde. Am 18. August 1944 wurde der Vormarsch zur Seine wieder aufgenommen.
Von 1945 bis 1947 bestand in Chartres das „Stacheldrahtseminar“ als Priesterseminar. Hier wurden deutschsprachige Priester und Seminaristen zusammengeführt für Studien in ihrer Zeit als Kriegsgefangene. Der Gefangenenseelsorger Abbé Franz Stock war Regens des Seminars. Etwa 950 Dozenten, Priester, Brüder und Seminaristen aus Deutschland und Österreich durchliefen das Seminar. Es handelte sich um das größte Priesterseminar in der Geschichte der katholischen Kirche. In dem noch erhaltenen Gebäude wurde die Europäische Begegnungsstätte Franz Stock eingerichtet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 20182021Einwohner 31.495 34.469 38.928 37.119 39.595 40.361 40.022 38.42638,447 Quellen: Cassini und INSEE
Sehenswürdigkeiten mini|Südfassade der Kathedrale mini|hochkant|Westfassade der Kathedrale mini|hochkant|Portal der Kathedrale Notre-Dame de Chartres mini|291x291px|Altstadt alternativtext=Eine der historischen Brücken über die Eure|mini|Eure in Chartres mini|Grabkirche Franz Stock Die Europäische Begegnungsstätte Franz Stock Die Kirche Saint Jean Baptiste mit dem Grab von Franz Stock und einem von Gabriel Loire entworfenen Mosaik.Kirche Saint Jean Baptiste in Chartres Die Kathedrale Notre-Dame de Chartres mit dem Labyrinth von Chartres; seit 1979 Weltkulturerbe; Krypta aus dem 11. Jahrhundert; Glasgemälde; Westfassade mit Portail Royal Die mittelalterliche Innenstadt Wälle, Stadtmauer und Tore Die hochgotische Église Saint-PierreSaint-Pierre Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Chartres
Wirtschaft und Infrastruktur Traditionell ist Chartres eine Stadt, die im Agrarhandel mit Getreide, Vieh und Wolle verankert war. Daraus resultiert ihre Stellung als Marktzentrum der Beauce. Inzwischen sind Nahrungsmittel-, pharmazeutische und Elektroindustrie sowie der Maschinenbau hinzugekommen.
Verkehr Chartres ist ein Eisenbahnknotenpunkt. Der Bahnhof liegt an der Bahnstrecke Paris–Brest und wird im Regionalverkehr mit TER-Zügen bedient.
Partnerstädte Chartres unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften: Speyer (Deutschland) Évora (Portugal) Cusco (Peru)Asociation de Agencias de Turismo del Cusco: Ciudades hermanas Ravenna (Italien) Bethlehem (Westjordanland)Bethlehem Twinning cities (englisch)
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Fulcher von Chartres (1059–1127), Chronist Severin Pineau (1550–1619), Anatom und Chirurg, Dekan des Collège de Chirurgie in Paris Étienne I. d’Aligre (1559–1635), Staatsmann des 17. Jahrhunderts Mathurin Régnier (1573–1613), Satirendichter Étienne II. d’Aligre (1592–1677), Staatsmann zur Zeit der Könige Ludwig XIII. und Ludwig XIV. Pierre de Goussainville (1620–1683), Kirchenhistoriker Pierre Nicole (1625–1695), Theologe Laurent Cassegrain (1629–1693), Erfinder und Namensgeber des Cassegrain-Teleskops Léonor Jean-Christin Soulas d’Allainval (1696–1753), Schriftsteller und Dramatiker Nicolas François Guillard (1752–1814), Librettist Jacques Pierre Brissot (1754–1793), Revolutionär Claude Chauveau-Lagarde (1756–1841), Advokat Jérôme Pétion de Villeneuve (1756–1794), Revolutionär François Séverin Marceau (1769–1796), General Achille Guenée (1809–1880), Anwalt und Entomologe Pierre-Jules Hetzel (1814–1886), Verleger und Förderer Jules Vernes Jean-Baptiste Eugène Bellier de la Chavignerie (1819–1888), Entomologe Louis-Augustin Rogeard (1820–1896), Journalist und Kommunarde Julien-Gaston du Vergier de La Rochejacquelein (1833–1897), Politiker Alexandre Brou (1862–1947), römisch-katholischer Priester und Theologe Madeleine Castaing (1894–1992), Kunstsammlerin, Antiquitätenhändlerin und Innendekorateurin Bernard Chevallier (1912–1997), Vielseitigkeitsreiter Jacqueline de Romilly (1913–2010), Philologin, Hochschullehrerin Philippe Alliot (* 1954), Automobilrennfahrer Philippe Loiseau (* 1957), Politiker Gaël Lesoudier (* 1970), Automobilrennfahrer Nicolas Escudé (* 1976), Tennisspieler Julien Escudé (* 1979), Fußballspieler Anthony Delhalle (1982–2017), Motorradrennfahrer Loïc Duval (* 1982), Automobilrennfahrer Baptiste Herbin (* 1985), Jazzmusiker Laura Kamdop (* 1990), französisch-senegalesische Handballspielerin Gauthier Toux (* 1993), Jazzmusiker Erwan Colas (* 1997), Fußballspieler Hugo Page (* 2001), Radrennfahrer
Sonstige Persönlichkeiten Thierry von Chartres (* um 1085; † um 1155), platonischer Philosoph Noël Ballay (1847–1902), Dichter; wurde in der Kathedrale von Chartres beigesetzt Jean Moulin (1899–1943), der „stille Held der Résistance“; von 1939 bis 1940 Präfekt des Départements Eure-et-Loir (mit Amtssitz in Chartres) Abbé Franz Stock (1904–1948), deutscher katholischer Geistlicher und Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft; wurde 1963 von Paris in die neu erbaute Kirche Saint Jean Baptiste in Chartres umgebettet
Bekannte Bischöfe von Chartres: Leobinus von Chartres, auch Lubinus (frz. Saint Lubin) († 557) Fulbert von Chartres (um 950–1028 oder 1029) St. Ivo von Chartres (1090–1115) Johannes von Salisbury (1176–1180) Rainald von Bar († 1217) Michel Kuehn (1923–2012) Michel Pansard (* 1955)
Weblinks
Illustration von Frans Hogenberg von 1570: Nachdem Chartres war seher beschoßen, Hant die Condeischen sich ontschlossen, ... Mit sturmender faust die Statt angehen,... ()
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Centre-Val de Loire Kategorie:Präfektur in Frankreich
Kategorie:Stadt in Frankreich Kategorie:Ort an der Eure