(52) Europa ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 4. Februar 1858 vom deutsch-französischen Astronomen Hermann Mayer Salomon Goldschmidt in Paris entdeckt wurde. (52) Europa ist der sechstgrößte Himmelskörper im Asteroidengürtel.
Der Asteroid wurde benannt nach Europa, der Tochter von Agenor, König der Phönizier, und Schwester von Kadmos. Sie wurde auf dem Rücken eines Stiers, dessen Gestalt Zeus angenommen hatte, der in sie verliebt war, über das Wasser nach Kreta getragen. Europa wurde die Mutter von Minos, Sarpedon und Rhadamanthys. Die Benennung erfolgte durch Jean-Baptiste Philibert Vaillant, den Marschall von Frankreich. Der Name Europa wurde auch dem zweiten Satelliten des Jupiter gegeben, der 1610 von Galileo Galilei entdeckt worden war.
Wissenschaftliche Auswertung Mit Daten radiometrischer Beobachtungen im Infraroten am Cerro Tololo Inter-American Observatory in Chile im Jahr 1974 sowie am Kitt-Peak-Nationalobservatorium in Arizona im September 1975 wurden für (52) Europa erstmals Werte für den Durchmesser und die Albedo von 337 oder 276 km und 0,03 und 0,04 bestimmt.D. Morrison: Radiometric diameters of 84 asteroids from observations in 1974–1976. In: The Astrophysical Journal. Band 214, 1977, S. 667–677 doi:10.1086/155293 (PDF; 1,18 MB).D. Morrison: Asteroid sizes and albedos. In: Icarus. Band 31, Nr. 2, 1977, S. 185–220 doi:10.1016/0019-1035(77)90034-3. Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (52) Europa, für die damals Werte von 302,5 km bzw. 0,06 erhalten wurden.E. F. Tedesco, P. V. Noah, M. Noah, S. D. Price: The Supplemental IRAS Minor Planet Survey. In: The Astronomical Journal. Band 123, Nr. 2, 2002, S. 1056–1085, doi:10.1086/338320 (PDF; 398 kB). Mit hochaufgelösten Aufnahmen mit dem Adaptive Optics (AO)-System am Teleskop II des Keck-Observatoriums auf Hawaiʻi im Infraroten vom 7. Dezember 2003 konnte ein äquivalenter Durchmesser von 277 ± 25 km abgeleitet werden.J. Hanuš, F. Marchis, J. Ďurech: Sizes of main-belt asteroids by combining shape models and Keck adaptive optics observations. In: Icarus. Band 226, Nr. 1, 2013, S. 1045–1057, doi:10.1016/j.icarus.2013.07.023 (arXiv-Preprint: PDF; 1,79 MB).
Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 334,6 km bzw. 0,05.J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, J. Dailey, P. R. M. Eisenhardt, R. S. McMillan, T. B. Spahr, M. F. Skrutskie, D. Tholen, R. G. Walker, E. L. Wright, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, A. Wilkins: Main Belt Asteroids with WISE/NEOWISE. I. Preliminary Albedos and Diameters. In: The Astrophysical Journal. Band 741, Nr. 2, 2011, S. 1–20, doi:10.1088/0004-637X/741/2/68 (PDF; 73,0 MB). Nach neuen Messungen mit NEOWISE wurden die Werte 2012 auf 303,9 km bzw. 0,06 korrigiert.J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, C. Nugent, M. S. Cabrera: Preliminary Analysis of WISE/NEOWISE 3-Band Cryogenic and Post-cryogenic Observations of Main Belt Asteroids. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 759, Nr. 1, L8, 2012, S. 1–8, doi:10.1088/2041-8205/759/1/L8 (PDF; 3,27 MB). Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2016 angegeben mit 303,1 km bzw. 0,05, diese Angaben beinhalten aber hohe Unsicherheiten.C. R. Nugent, A. Mainzer, J. Bauer, R. M. Cutri, E. A. Kramer, T. Grav, J. Masiero, S. Sonnett, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year Two: Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astronomical Journal. Band 152, Nr. 3, 2016, S. 1–12, doi:10.3847/0004-6256/152/3/63 (PDF; 1,34 MB). Aus einer Auswertung von 13 Sternbedeckungen durch den Asteroiden konnte in einer Untersuchung von 2020 ein Durchmesser von 314,4 ± 7,5 km bestimmt werden.D. Herald, D. Gault, R. Anderson, D. Dunham, E. Frappa, T. Hayamizu, S. Kerr, K. Miyashita, J. Moore, H. Pavlov, S. Preston, J. Talbot, B. Timerson: Precise astrometry and diameters of asteroids from occultations – a data set of observations and their interpretation. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 499, Nr. 3, 2020, S. 4570–4590, doi:10.1093/mnras/staa3077 (PDF; 2,74 MB). Eine Untersuchung von 2024 bestimmte aus einer Bedeckung des Sterns 14. Größe UCAC4 369-127384 durch den Asteroiden am 11. Mai 2023 für (52) Europa einen elliptischen Querschnitt von 347 × 321 km.T. Horaguchi: Observation of Asteroidal Occultation with Frame-integrating Video System. In: Bulletin of the National Museum of Nature and Science. Series E, Physical Sciences & Engineering. Band 47, 2024, S. 11–19, doi:10.50826/bnmnsscieng.47.0_11 (PDF; 2,80 MB).
Spektroskopische Beobachtungen von (52) Europa erfolgten am 16. November 1997 mit dem Photopolarimeter ISOPHOT des Weltraumteleskops Infrared Space Observatory (ISO). Das Spektrum entsprach dem von kohligen Chondriten, die Oberfläche des Asteroiden besteht wahrscheinlich aus einer Mischung von Pyroxenen und Olivinen.E. Dotto, T. G. Müller, M. A. Barucci, Th. Encrenaz, R. F. Knacke, E. Lellouch, A. Doressoundiram, J. Crovisier, J. R. Brucato, L. Colangeli, V. Mennella: ISO results on bright Main Belt asteroids: PHT-S observations. In: Astronomy & Astrophysics. Band 358, 2000, S. 1133–1141, (PDF; 311 kB).
Am 8. Dezember 2020 wurde (52) Europa spektrophotometrisch am Observatorium des Sternberg-Instituts für Astronomie auf dem Pik Terskol in Russland untersucht, als sie sich in der Nähe ihres Perihels befand. Die gemessenen Reflexionsspektren bestätigten die taxonomische Zuordnung. Kurzfristige spektrale Veränderungen könnten das Ergebnis sowohl komplexer Effekte einer staubigen Exosphäre sein, die in Perihelnähe dieses Asteroiden entstand, als auch von Unregelmäßigkeiten in der Albedo der Oberfläche. Diese Annahmen sind jedoch als vorläufig anzusehen und weitere Beobachtungen in Perihelnähe wurden als notwendig erachtet.V. V. Busarev, A. A. Savelova, M. P. Shcherbina, S. I. Barabanov: Spectral Signs of Simultaneous Sublimation Activity and the Appearance of a Dust Exosphere on Eight Asteroids of the Main Belt Near Perihelion. In: Solar System Research. Band 56, 2022, S. 84–99, doi:10.1134/S0038094622020022.
Photometrische Beobachtungen des Asteroiden erfolgten erstmals vom 18. November bis 12. Dezember 1976 am Osservatorio Astronomico di Torino in Italien. Aus der in fünf Nächten aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 11,2582 h abgeleitet.F. Scaltriti, V. Zappalà: Rotation period of the asteroid 52 Europa. In: Astronomy & Astrophysics Supplement Series. Band 30, 1977, S. 169–174, (PDF; 300 kB). Vom 25. Januar bis 18. Februar 1983 wurden am gleichen Ort weitere Daten aufgezeichnet, um die Rotationsachse bestimmen zu können. Bei der Auswertung der in vier Nächten registrierten Lichtkurve wurde jedoch überraschenderweise genau die halbe Periode wie zuvor, nämlich 5,631 h gefunden. Ohne die Frage der korrekten Periode abschließend klären zu können, wurde vermutet, dass viele der zur damaligen Zeit bekannten Rotationsperioden von Asteroiden zweifelhaft sein könnten.V. Zappalà, M. Di Martino, S. Cacciatori: On the ambiguity of rotational periods of asteroids: The peculiar case of 52 Europa. In: Icarus. Band 56, Nr. 2, 1983, S. 319–324, doi:10.1016/0019-1035(83)90041-6.
mini|links|Berechnetes 3D-Modell von (52) Europa Neue Beobachtungen von (52) Europa erfolgten am 25. und 27. April 1984 am Observatoire de Haute-Provence in Frankreich. Die gemessene Lichtkurve bestätigte völlig die kürzere Periode. Aus den Daten der Jahre 1976, 1983 und 1984 konnten in einer Untersuchung von 1986 auch zwei alternative Lösungen für die Position der Rotationsachse und das Achsenverhältnis eines zweiachsig-ellipsoidischen Gestaltmodells berechnet werden.M. A. Barucci, D. Bockelée-Morvan, A. Brahic, S. Clairemidi, J. Lecacheux, F. Roques: Asteroid spin axes: Two additional pole determinations and theoretical implications. In: Astronomy & Astrophysics. Band 163, 1986, S. 261–268, (PDF; 205 kB). Auch eine Untersuchung von 1993 konnte aus den gleichen Daten eine Lösung für die Position der Rotationsachse mit prograder Rotation bestimmen. Das gefundene Achsenverhältnis für die dritte Ellipsoid-Dimension erreichte jedoch einen unrealistischen Wert. Die Periode schien einen Wert von 5,6397 h anzunehmen, es wurden aber weitere Beobachtungen zu deren Absicherung als notwendig angesehen.T. Michałowski: Poles, Shapes, Senses of Rotation, and Sidereal Periods of Asteroids. In: Icarus. Band 106, Nr. 2, 1993, S. 563–572, doi:10.1006/icar.1993.1193 (PDF; 599 kB).
Aus den archivierten Lichtkurven in Verbindung mit neuen Messungen am 19. August und 3. September 1986 am Osservatorio Astronomico di Collurania-Teramo in Italien wurden in einer Untersuchung von 1995 wieder zwei alternative Positionen für die Rotationsachse, allerdings mit retrograder Rotation, und eine Periode von 5,6316 h bestimmt. Auch die Achsenverhältnisse eines dreiachsig-ellipsoidischen Gestaltmodells des Asteroiden wurden abgeleitet.E. Dotto, G. De Angelis, M. Di Martino, M.A. Barucci, M. Fulchignoni, G. De Sanctis, R. Burchi: Pole Orientation and Shape of 12 Asteroids. In: Icarus. Band 117, Nr. 2, 1995, S. 313–327, doi:10.1006/icar.1995.1158. Weitere photometrische Beobachtungen des Asteroiden erfolgten am 23. Oktober und 2. November 1992 sowie 8. und 9. Februar 1994 am Charkiw-Observatorium in der Ukraine. Aus allen verfügbaren Lichtkurven wurden dann 1995 wieder sehr ähnliche Positionen für die Rotationsachse und die Achsenverhältnisse wie in Italien abgeleitet. Die Rotationsperiode wurde zu 5,6328 h berechnet.T. Michałowski, F. P. Velichko, M. Di Martino, Yu. N. Krugly, V. G. Kalashnikov, V. G. Shevchenko, P. V. Birch, W. D. Sears, P. Denchev, T. Kwiatkowski: Models of Four Asteroids: 17 Thetis, 52 Europa, 532 Herculina, and 704 Interamnia. In: Icarus. Band 118, Nr. 2, 1995, S. 292–301, doi:10.1006/icar.1995.1192. Auch am Observatorio de Sierra Nevada in Spanien wurde nach neuen Beobachtungen vom 8. September bis 7. Oktober 1997 eine Rotationsperiode von 5,6301 h bestimmt. In Verbindung mit den Beobachtungsdaten von 1976 bis 1994 wurden zwei alternative Positionen für die Rotationsachse, jetzt wieder mit prograder Rotation, und Achsenverhältnisse berechnet.M. J. López-González, E. Rodríguez: Strömgren photometry of 40 Harmonia, 45 Eugenia and 52 Europa. In: Astronomy & Astrophysics Supplement Series. Band 139, Nr. 3, 1999, S. 565–574, doi:10.1051/aas:1999409 (PDF; 1,34 MB).