mini|hochkant|Cristian Mungiu, Gewinner der Goldenen Palme 2026 für Fjord mini|hochkant|Der US-amerikanische Filmemacher Michael Moore mit der Preistrophäe 2004 für Fahrenheit 9/11 Mit der Goldenen Palme () wird bei den jährlich veranstalteten Filmfestspielen von Cannes der beste Langfilm im offiziellen Wettbewerb prämiert. Sie gilt als wichtigste Auszeichnung des Festivals, noch vor dem Großen Preis der Jury. Das Motiv wurde, wie es auch beim Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig oder dem Goldenen Bären der Berlinale auf die jeweilige Stadt bezogen der Fall ist, aus dem Stadtwappen von Cannes entnommen. Über die Preisvergabe stimmt eine Wettbewerbsjury ab, die sich meist aus internationalen Filmschaffenden zusammensetzt. Seit 2011 wird eine weitere Goldene Palme als Ehrenpreis für das Lebenswerk eines Filmschaffenden vergeben.

Bezeichnung und Preistrophäe Die Bezeichnung Goldene Palme existiert seit 1955, davor war der Filmpreis unter dem Namen „Großer Preis der Internationalen Filmfestspiele“ (Grand Prix du Festival International du Film oder kurz Grand Prix) bekannt. Bis 1954 erhielten die Gewinner Preistrophäen, die von bekannten zeitgenössischen Künstlern entworfen wurden. Erst Ende des Jahres 1954 lud das Organisationskomitee auf Initiative von Robert Favre Le Bret mehrere Juweliere ein, um einen an das Palmen-Motiv angelehnten Siegespreis zu kreieren. Es setzte sich der Entwurf der bekannten französischen Designerin Lucienne Lazon durch, der Pate für eine Trophäe stand, die man erstmals bei der achten Auflage des Filmfestivals im Jahr 1955 an den US-Amerikaner Delbert Mann (Marty) verlieh.

Die Trophäe wurde in der Geschichte der Filmfestspiele mehrfach umgestaltet und stets am Kunstgeschmack der Zeit orientiert, während von 1964 bis 1974 aus rechtlichen Gründen der Grand Prix wieder eingeführt wurde. Eine größere Neugestaltung erfuhr der Preis im Jahr 1997 zum 50. Geburtstag des Filmfestivals auf Anregung von Caroline Gruosi-Schäufele aus dem Hause Chopard, offizieller Partner der Filmfestspiele. In Filigranarbeit gestaltete die Designerin den neunzehnblättrigen Palmwedel aus 24-karätigem Gold und setzte diesen auf einen schlichten, von Hand zu einem Rechteck geschliffenen Solitär aus Bergkristall.Eva Weidmann: Sammlerstücke. In: Capital, 31. Januar 2008, S. 106. Seit 1998 wird die Goldene Palme in den Schweizer Chopard-Werkstätten in Meyrin per Hand gefertigt. Insgesamt benötigen sieben Goldschmiede und Juweliere ca. 40 Arbeitsstunden um die Preistrophäe herzustellen.Beschreibung zum Herstellungsprozess bei chopard.de, abgerufen am 26. April 2017. Der Materialwert der Goldenen Palme, die in einer Schatulle aus blauem Marokkoleder enthalten ist, wurde 2007 auf 25.000 Euro geschätzt.Maria Neidlinger: So funkeln die Stars in Cannes. In: Bunte, 16. Mai 2007, S. 62. Für die 70. Auflage der Filmfestspiele im Jahr 2017 wurde die Trophäe mit 167 kleinen Diamanten besetzt, die sich „wie Sternenstaub“ über das goldene Palmblatt legten.AFP: zeit.de, 25. April 2017, abgerufen am 26. April 2017. Zum 75. Jubiläum im Jahr 2022 erfuhr die Goldene Palme eine weitere temporäre Neugestaltung – eines der Blätter wurde mit 75 Diamanten, ein zweites mit 25 Diamanten besetzt (letztgenannte Zahl stand für die 25-jährige Partnerschaft des Festivals mit Chopard). Auch wurde die mittlerweile aus 18-karätigem Fairmined zertifizierten Gelbgold gefertigte Palme auf einen Sockel aus Rosenquarz platziert und nicht auf dem traditionellen Bergkristall.Die Goldene Palme. In: chopard.de, abgerufen am 30. Mai 2022.

Preisträger Bester Film mini|Siegestrophäe von 1979 mini|Gewinner Panahi während er Preisverleihung 2025 Am häufigsten mit dem Hauptpreis in Cannes ausgezeichnet wurden die Werke US-amerikanischer Filmregisseure (21 Siege), gefolgt von ihren Kollegen aus Frankreich (14), Italien (12) sowie Großbritannien (10). Je zweimal triumphieren konnten der Schwede Alf Sjöberg (1946 und 1951), der US-Amerikaner Francis Ford Coppola (1974 und 1979), der Däne Bille August (1988 und 1992), der bosnisch-serbische Filmemacher Emir Kusturica (1985 und 1995), der Japaner Shōhei Imamura (1983 und 1997), das belgische Brüderpaar Jean-Pierre und Luc Dardenne (1999 und 2005), der Österreicher Michael Haneke (2009 und 2012), der Brite Ken Loach (2006 und 2016), der Schwede Ruben Östlund (2017 und 2022) und der Rumäne Cristian Mungiu (2007 und 2026Ryan Lattanzio: Cannes Film Festival Reveals Competition Award Winners — Updating Live. In: indiewire.com, 23. Mai 2026 (abgerufen am 23. Mai 2026).). Zudem konnte sich die Wettbewerbsjury in der Vergangenheit mehrfach nicht auf einen Siegerfilm einigen, so beispielsweise 1993, als sich der Chinese Chen Kaige (Lebewohl, meine Konkubine) die Goldene Palme mit Jane Campion (Das Piano) teilte. Die Neuseeländerin gehört gemeinsam mit der Dänin Bodil Ipsen (1946 als Koregisseurin von Rote Wiesen mit dem Grand Prix geehrt) und den Französinnen Julia Ducournau (2021 für Titane ausgezeichnet) und Justine Triet (Preisträgerin 2023 für Anatomie eines Falls) zu den einzigen Filmregisseurinnen, die in Cannes den Hauptpreis erringen konnten.

Ein Regisseur aus dem deutschsprachigen Kino war erstmals 1946 erfolgreich, als Die letzte Chance des Schweizers Leopold Lindtberg gemeinsam mit zehn weiteren Produktionen prämiert wurde. Ihm folgten 1979 und 1984 die Deutschen Volker Schlöndorff (Die Blechtrommel) und Wim Wenders (Paris, Texas), während 2009 und 2012 der Österreicher Michael Haneke (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte und Liebe) triumphierte. 1956 und 2004 konnten sich mit Jacques-Yves Cousteaus und Louis Malles Die schweigende Welt beziehungsweise Michael Moores Fahrenheit 9/11 Dokumentarfilme durchsetzen.

In der Vergangenheit hatte die Jury die Möglichkeit, den Hauptpreis mit weiteren Auszeichnungen zu kombinieren. Dies geschah zuletzt im Jahr 2000, als Dancer in the Dark neben der Goldenen Palme auch den Darstellerpreis für die isländische Künstlerin Björk zugesprochen bekam. Mittlerweile untersagt das Reglement, dass der Hauptpreis (ebenso wie der Große Preis der Jury und der Regiepreis) mit weiteren Auszeichnungen kumuliert werden kann. Dieser Umstand wurde wiederholt kritisiert, zuletzt im Jahr 2012, als der Jurypräsident Nanni Moretti in der abschließenden Pressekonferenz zugab, dass er dem Gewinnerfilm Liebe von Michael Haneke ohne Reglement auch den Darsteller- und Drehbuchpreis zuerkannt hätte. vom 27. Mai 2012 bei festival-cannes.fr, 19:10 min ff. (Italienisch/Französisch/Englisch mit französischer und englischer Übersetzung; abgerufen am 28. Mai 2012). Ein Jahr später setzte sich die Wettbewerbsjury unter der Leitung von Steven Spielberg über das Reglement hinweg und vergab die Goldene Palme an Blau ist eine warme Farbe von Abdellatif Kechiche sowie an die beiden Hauptdarstellerinnen des Films, Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos.Jan Schulz-Ojala: Politisch mit Gefühl. In: Der Tagesspiegel, 27. Mai 2013, Nr. 21699, S. 23.

Mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Filme sind ab der Oscarverleihung 2027 auch für den Oscarwettbewerb der Sparte internationaler Film qualifiziert.Clayton Davis: Oscar Rule Changes: AI Crackdown, Actors Can Get Multiple Nominations in Same Category and International Film Eligibility Expands, Variety vom 1. Mai 2026