300px|mini|Die fiktive Flagge der Vereinigten Staaten mit 51 Sternen

Als 51. Bundesstaat bezeichnet man in der Politik der Vereinigten Staaten mögliche Kandidaten, die in das Bündnis der Vereinigten Staaten aufgenommen werden könnten. Der Begriff wurde auch oft humorvoll für Kanada als Ganzes, ungeachtet seiner eigenen föderalen Gliederung, benutzt, bis der neu gewählte amerikanische Präsident Donald Trump Anfang 2025 begann, Kanada ironiefrei als 51. Bundesstaat zu bezeichnen. Zuvor stand die Drohung im Raum, durch militärischen oder wirtschaftlichen Druck Kanada zu zwingen, Teil der Vereinigten Staaten zu werden. Seitdem wird der Begriff vor allem mit der MAGA-Bewegung in Verbindung gebracht.

Vor dem Beitritt von Alaska und Hawaii 1959 war der Ausdruck „49. Bundesstaat“ üblich. Seltener werden als 51. Bundesstaat auch Gebiete unter der Kontrolle oder dem Einfluss der USA bezeichnet. Als mögliche Kandidaten gelten insbesondere der Hauptstadtbezirk (District of Columbia) und das in der Karibik liegende Außengebiet Puerto Rico, dessen Bevölkerung sich 2012, 2017 und 2020 in nichtbindenden Referenden für die Anerkennung als Bundesstaat ausgesprochen hat.

Mögliche Kandidaten Laut Artikel IV, Absatz 3 der US-Verfassung, der die Beziehung zwischen den Bundesstaaten regelt, hat der Kongress die Möglichkeit, neue Bundesstaaten in die Union aufzunehmen. Diese müssen volles Vertrauen in die Handlungen der Legislative und Judikative der anderen Bundesstaaten haben, was sich in der Anerkennung rechtlicher Verträge, Ehen und strafrechtlicher Urteile zeigt. Die Bundesregierung garantiert militärische und zivile Verteidigung und eine republikanische Regierungsform für jeden Bundesstaat. Die Aufnahme neuer Bundesstaaten erfolgt gemäß den Präzedenzfällen und Prozeduren der Nordwest-Verordnung (Northwest Ordinance). Nach einem Präzedenzfall aus dem Jahr 1802 muss ein Ermächtigungsgesetz (Enabling Act) vom Kongress genehmigt werden, ehe es zugelassen wird. Anschließend können die Bewohner eines Territoriums eine Verfassung entwerfen und sie werden über die Bedingungen zur Aufnahme informiert.

District of Columbia Der District of Columbia gilt neben Puerto Rico als einer der aussichtsreichen Kandidaten für die Anerkennung als Bundesstaat in naher Zukunft. Die Einwohner des Bundesdistrikts gelten als größte Befürworter dieser Entscheidung, die jedoch einer Verfassungsänderung bedürfte. Die Anhänger nutzen das Motto des Unabhängigkeitskrieges in abgewandelter Form – „Taxation without representation“ –, um auf die mangelnde Repräsentation im Kongress hinzuweisen. Das Motto wird heute auf die Nummernschilder neu zugelassener Autos gedruckt (wobei der Halter alternativ die Internet-Adresse des D.C. wählen kann). Bill Clintons Präsidenten-Limousine hatte ein solches Nummernschild kurz vor Ende seiner Amtszeit. George W. Bush ließ diese Nummernschilder nach seinem Amtsantritt wieder entfernen.

Die kleine D.C. Statehood Party vertrat diese Ansicht und vereinte sich mit den Grünen zur D.C. Statehood Green Party. 1978 kamen sie ihrem Ziel am nächsten, als der Kongress das District of Columbia Voting Rights Amendment verabschiedete. Zwei Jahre später beriefen lokale Bürger mit einer Initiative eine konstitutionelle Versammlung für einen neuen Bundesstaat. 1982 ratifizierten die Wähler die Verfassung des Bundesstaates, der New Columbia heißen sollte. 1985 wurde der Plan jedoch gestoppt, als das Amendment scheiterte, weil es nicht von genug Staaten innerhalb von sieben Jahren ratifiziert wurde.

Eine andere Möglichkeit wäre die Rückgliederung des Gebietes in den Bundesstaat Maryland. Damit würden die Einwohner des D.C. in den Genuss der Vorteile kommen, in einem Bundesstaat zu leben, ohne dass ein 51. Bundesstaat geschaffen werden müsste.

Am 26. Juni 2020 stimmte das US-Repräsentantenhaus mit 232 zu 180 Stimmen dafür, den District of Columbia als 51. Bundesstaat anzuerkennen. Ein positives Votum des durch die Republikaner dominierten US-Senats galt als unwahrscheinlich, zumal Präsident Donald Trump sein Veto gegen ein solches, potenzielles Vorhaben ankündigte.

Puerto Rico mini|Die von der New Progressive Party in Puerto Rico verwendete US-Flagge mit 51 Sternen Die Bemühungen um eine Aufnahme Puerto Ricos als Bundesstaat sind immer wieder gescheitert. Bei jedem Referendum bis 2012 kam es ungefähr zu einem Gleichstand zwischen den Befürwortern der Aufnahme und den Verteidigern des Status quo (wobei sich einige Wähler auch für die vollständige Unabhängigkeit aussprachen). Obwohl die Anzahl der Befürworter bei jedem Volksentscheid stieg, verhinderten die hispanische Kultur und der Gebrauch der spanischen Sprache bislang die Aufnahme in ein Land mit englischsprachiger Mehrheit.

Beim Referendum über den Status Puerto Ricos 2012 parallel zur US-Präsidentschaftswahl wurde erstmals ein positives Ergebnis erzielt; die Mehrheit der Teilnehmer am Referendum sprach sich dafür aus, dass Puerto Rico zum 51. Bundesstaat der USA werden solle. Das Referendum bestand aus zwei Fragen. In der ersten Frage lehnten die Wähler mit einer Mehrheit von 54 % den gegenwärtigen Zustand als Territorium der Vereinigten Staaten ab. In der zweiten Frage stimmten 61 % für die Aufnahme als Bundesstaat der Vereinigten Staaten, 31 % für einen semiautonomen Status als ein souveränes freies assoziiertes Gebiet und 6 % für die vollständige Unabhängigkeit. Am 11. Juni 2017 fand ein erneutes Referendum statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 23 % stimmten 97,2 % der Teilnehmer für die Umwandlung in einen US-Bundesstaat, 1,3 % für die Beibehaltung des Status quo und 1,5 Prozent für eine Unabhängigkeit von den USA. Die Opposition hatte zum Boykott der Abstimmung aufgerufen.Puerto Rico stimmt für Umwandlung in US-Bundesstaat. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Juni 2017.

Parallel zu den Wahlen in den Vereinigten Staaten am 5. November 2024 fand ein weiteres, nicht bindendes Referendum statt.

Wenn Puerto Rico ein Bundesstaat wäre, hätte es fünf Sitze im US-Repräsentantenhaus und stünde mit seiner Bevölkerungszahl von 3.725.789 Einwohnern (Stand: 2010) auf Rang 29 (bisher 28. Oklahoma mit 3.751.351, 29. Connecticut mit 3.574.097).

Weitere und ehemalige US-Territorien miniatur|Hypothetische Vereinigung einiger ehemaliger und derzeitiger US-Territorien im Pazifik zu einem einzigen Bundesstaat Zu den weniger aussichtsreichen Kandidaten gehören Guam und die Amerikanischen Jungferninseln, die beide nicht-inkorporierte, organisierte Territorien der USA sind, die Nördlichen Marianen, die wie Puerto Rico ein Commonwealth bilden, und das nicht-organisierte, nicht-inkorporierte Territorium Amerikanisch-Samoa. Wegen ihrer sehr geringen Bevölkerungszahlen wären diese Territorien mit nur einem einzigen Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus bereits überrepräsentiert. So hat Guam als bevölkerungsreichstes Territorium nur 35 Prozent der Einwohner von Wyoming, des am geringsten bevölkerten bisherigen Bundesstaates. Jedoch wäre das Missverhältnis zwischen den Jungferninseln und den kleinen Staaten nicht größer als einige heutige Verhältnisse, beispielsweise das zwischen Kalifornien und Wyoming im US-Senat. Andere haben die Vereinigung der Jungferninseln mit Puerto Rico zu einem Bundesstaat (oft als „Commonwealth of Prusvi“ bezeichnet) oder die Vereinigung der (ehemaligen) US-Territorien im Pazifik nach dem Vorbild des „Greater Hawaii“ der 1960er Jahre vorgeschlagen. Guam und die Nördlichen Marianen hätten gemeinsam mit Palau, den Föderierten Staaten von Mikronesien und den Marshallinseln eine Bevölkerung von 440.943 (etwas weniger als Wyoming) und eine Fläche von 2353 km² (etwas kleiner als Rhode Island). Amerikanisch-Samoa könnte sich diesem Bundesstaat anschließen oder ein Teil von Hawaii werden.

Weitere Vorschläge Im Jahr 2012 stellte Newt Gingrich, der damals (vergeblich) um die Nominierung als Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2012 warb, für den Fall seiner Präsidentschaft die Einrichtung einer Weltraumkolonie auf dem Mond in Aussicht. Er bezog sich dabei auf die von ihm bereits im Jahr 1981 erfolglos betriebene Gesetzesinitiative einer „Northwest Ordinance for Space“, welche die Aufnahme des Mondes als Bundesstaat ermöglichen sollte, sobald die Zahl von 13.000 Einwohnern erreicht war.Washingtonpost.com: Gingrich pledges moon colony during presidency

Aktuelle Bundesstaaten

Neue Bundesstaaten könnten mit der Erlaubnis der jeweiligen Legislative auch durch Neuorganisation bestehender Bundesstaaten entstehen.

Maine war ein Teil von Massachusetts. West Virginia entstand während des Sezessionskrieges aus Gebieten im Nordwesten von Virginia, die loyal gegenüber den USA geblieben waren. Es gibt den Vorschlag, New York City aus dem Bundesstaat New York zu trennen, der auch unter der Bezeichnung Upstate New York wiederholt wurde. Da mehr als die Hälfte der Einwohner von Illinois in Chicago leben, sollte die Metropole vom Bundesstaat getrennt werden. Eine Variation davon war Chiwaukee, ein Gebiet von Milwaukee bis nach Gary (Indiana). Die südlichen Gebiete von Oregon und die nördlichen von Kalifornien hätten sich 1941 zum damals 49. neuen State of Jefferson vereinigen können. 1996, 1999 und 2005 gab es Bemühungen für einen 51. Bundesstaat Lincoln, der den Osten von Washington und den Idaho Panhandle umfasst hätte. Gebiet und Name waren bereits im 19. Jahrhundert als neuer Bundesstaat vorgeschlagen worden. Im 18. Jahrhundert vereinigten sich Teile von North Carolina und Tennessee zum State of Franklin, der aber vom Kongress nie zugelassen wurde. Ähnliche Bestrebungen gab es in der oberen Halbinsel von Michigan, die (eventuell gemeinsam mit den nördlichen Teilen von Wisconsin vereinigt) den Bundesstaat Superior bilden sollte. Bei der Aufnahme von Oklahoma als Staat existierten Bestrebungen, im Osten des Gebiets einen eigenen Bundesstaat Sequoyah zu bilden.

Internationale Verwendung des Begriffs Wegen ihrer kulturellen Ähnlichkeiten oder engen Verbindungen mit den USA bezeichnet man einige Länder spaßeshalber als den 51. Bundesstaat. In anderen Ländern haben sich Bewegungen mit unterschiedlicher Unterstützung und Ernsthaftigkeit als Bundesstaat beworben.

Guyana Die Organisation „Guyana USA“ hat sich der Integration von Guyana in die USA gewidmet. Sie begründen ihre Forderung damit, dass viele Einwohner enge Verbindungen zu den USA haben.„Guyana USA“ (englisch). 100.000 Guyaner haben eine doppelte Staatsbürgerschaft und 350.000 leben in den USA (halb so viele wie in der Heimat verbleiben).

Taiwan Mit dem Friedensvertrag von San Francisco und dem Vertrag von Taipeh wurden den Alliierten des Zweiten Weltkrieges mit internationalem Einverständnis die Administration des früheren Formosa übertragen. Die anhaltenden Debatten und Meinungsverschiedenheiten bezüglich des rechtlichen und politischen Status von Taiwan schwanken zwischen der Zuordnung zur Volksrepublik China unter der Autorität einer illegalen oder abtrünnigen Führung und einem (quasi) unabhängigen Staat, der internationale Unterstützung durch die Vereinten Nationen sucht und unter der (quasi) legalen Autorität der Regierung der Republik China funktioniert. Eine jüngere Umfrage in Taiwan ergab, dass 15 Prozent der Menschen bei der Frage nach der Zukunft Taiwans eine Aufnahme als 51. Bundesstaat der USA befürworteten. Die beiden Verträge erklärten nicht, wer nach der Aufgabe der Alliierten die Souveränität über Taiwan ausüben sollte. Die Volksrepublik China unterzeichnete keinen der beiden Verträge.

Afghanistan und Irak