Die Wiese ist ein 57,8 km langer, rechter Nebenfluss des Rheins im Südwesten von Deutschland und im Nordwesten der Schweiz.
Von ihrer in Baden-Württemberg im Südschwarzwald am Feldberg liegenden Quelle fließt sie erst ein kurzes Stück im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und dann größtenteils im Landkreis Lörrach, unter anderem durch die Kreisstadt Lörrach. Nachdem sie die Staatsgrenze überquert hat, zieht ihr Unterlauf durch den Kanton Basel-Stadt, zunächst kurz durch Riehen, danach durch das Kleinbasel, wo sie in den Oberrhein mündet.
Das Tal der ein Einzugsgebiet von 453 km² entwässernden Wiese wird Wiesental genannt; es ist etwa südwestlich orientiert. Größter Nebenfluss ist die von Norden nahende Kleine Wiese. Die rechtsrheinische Wiese gehört neben den linksrheinischen Zuflüssen Birsig, der an der Basler Schifflände mündet, und dem Mühlebach, der unter der Basler Dreirosenbrücke einfließt, zu den drei größeren Oberrhein-Nebenflüssen auf Schweizer Gebiet.
Name Das Gewässer wurde erstmals 1234 („hiis fluminibus … Wissen“) schriftlich erwähnt.
Etymologisch hat der Flussname Wiese (alemannische Aussprache ) nichts mit dem deutschen Wort Wiese zu tun. Der Name steht vermutlich mit dem indogermanischen Verb *ueis- für „fließen“ in Zusammenhang. Gemäß der in der Fachwelt zu einem großen Teil abgelehnten vaskonischen Hypothese könnte er ebenso auf eine Wortwurzel für Wasser oder Gewässer, is-, zurückgehen.Hans Krahe: Theorie über die älteste Gewässernamengebung, siehe auch Vennemann (1994), Steinbauer (1996).
Geographie Verlauf mini|hochkant|links|Wiesequelle Die Wiese entspringt im Schwarzwald im Naturpark Südschwarzwald. Ihre Quelle, die Wiesequelle, liegt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald unmittelbar westlich der Wohnlage Hebelhof der Gemeinde Feldberg zwischen dem Feldberg (), dem höchsten Berg des Mittelgebirges, im Nordwesten und dem Grafenmatt () im Südsüdwesten auf etwa Höhe; wenige Meter nördlich vorbei an der Quelle führt im Abschnitt Feldberg-Ort–Hebelhof–Todtnau die Bundesstraße 317.
Die Wiese wechselt kurz unterhalb der Wiesequelle in den Landkreis Lörrach über. Im Schwarzwald fließt sie anfangs in südwestlicher Richtung entlang der B 317 durch das Wiesental. Vom Feldberg kommend fließt sie, eingezwängt von den steilen Berghängen des Hochschwarzwaldes, noch als Bergbach an den Weilern Fahl und Brandenberg vorbei und durch den Kernort von Todtnau. Von dort zieht sie nach und durch Schlechtnau, an Geschwend vorbei, durch die Orte Utzenfeld, Schönau im Schwarzwald, Wembach, Fröhnd und durch Mambach, Atzenbach sowie Zell im Wiesental. mini|Das gletschergeformte obere Tal der Wiese vom Seebuck nach Südwest mini|Zwischen den beiden Basler Quartieren Kleinhüningen und Klybeck mündet die Wiese in den Rhein Zwischen Zell und Hausen öffnet sich das schmale Schwarzwaldtal der Wiese zu einer breiten Ebene, in der die Wiese erst an Fahrnau vorbeifließt und dann Schopfheim erreicht. Dort schwenkt sie nach Westen und trennt den Schwarzwald vom südlich davon gelegenen Dinkelberg.
Nach Durchfließen des Schopfheimer Kernorts verläuft sie vorbei an oder durch die Ortschaften Gündenhausen, Maulburg, Höllstein, Steinen und die Lörracher Stadtteile Hauingen, Brombach und Haagen, wonach sie die Bundesautobahn 98 unterquert, Tumringen, Lörrach selbst sowie Stetten, nach welchem sich die B 317 von ihr abkehrt.
Hinter der Stettener Wiesebrücke der Bahnstrecke Weil am Rhein–Lörrach verlässt die Wiese deutsches Gebiet. Ihre letzten 6 km Lauf liegen auf Schweizer Boden, anfangs in der Gemeindegemarkung von Riehen.Luzia Knobel: Wiese. In: Gemeinde Lexikon Riehen. Das nordwestlich an Riehen grenzende Gebiet der deutschen Gemeinde Weil am Rhein reicht nicht ganz bis an die Wiese; es wird jedoch von einem Kurzabschnitt des Mühleteichs, einem Nebenzweig des Flusses, durchflossen. Im auf Riehen folgenden Kleinbasel unterquert der Fluss neben anderen Bahnstrecken die Bahnstrecke Karlsruhe–Basel und kurz darauf beim Abzweig der Schweizer Autobahn A2 von der Schweizer Autobahn A3 unter anderem die A2, die etwas weiter nördlich in die deutsche Bundesautobahn 5 übergeht.
Schließlich mündet die Wiese zwischen den Kleinbasler Quartieren Klybeck im Süden und Kleinhüningen im Norden auf in den Oberrhein, der etwas weiter südlich beim Basler Rheinknie aus dem Hochrhein hervorgeht; unmittelbar nordnordöstlich der Wiesemündung liegt der Basler Rheinhafen und der Mündung westlich gegenüber jenseits des Rheins die französische Gemeinde Huningue.
Einzugsgebiet mini|230px|Wassereinzugsgebiet und Flusssystem der WieseDas Wassereinzugsgebiet der Wiese umfasst 453 Quadratkilometer und weist bei typischer langgestreckter Form eine recht gleichmäßige Breite auf. Am Oberlauf wird die Wiese von verschiedenen Bächen gespeist, rechtsseitig unter anderem von Schönenbach und Wiedenbach, linksseitig von Prägbach und Angenbach. Bei Maulburg mündet die Kleine Wiese; sie ist der größte und längste Zufluss und erhält ihrerseits rund ein Drittel ihres Wassers von der Köhlgartenwiese. Der letzte größere Zufluss, der Steinenbach, mündet bei Hauingen in sie.
Zuflüsse → Siehe auch: Liste der Fließgewässer im Flusssystem Wiese
Größter Nebenfluss der Wiese ist die Kleine Wiese, Namensgeberin der Sammelgemeinde Kleines Wiesental, die aus den zwei Quellflüssen Belchenwiese (Quelle am Südhang des Belchen) und Köhlgartenwiese (Quellaustritt südwestlich des Belchen am Südhang des Köhlgarten) gespeist wird, die sich in Tegernau vereinigen. Von dort fließt die Kleine Wiese südwärts und mündet in Maulburg, kurz nach der Grenze zu Schopfheim in die Große Wiese.
Die längsten Zuflüsse der Wiese über vier Kilometer Länge: Name Mündung GKZ Länge EZG MQ Kleine Wiese, am Oberlauf Belchenwiese rechts 232-6 22,3 km 91,3 km² 2,526 m³/s Prägbach links 232-2 14,7 km 30,8 km² 1,31 m³/s Steinenbach rechts 232-8 13,7 km 46,3 km² 0,779 m³/s Schlierbach links 232-72 9,8 km 13,5 km² 0,191 m³/s Schönenbach, am Oberlauf auch Langenbach, am Unterlauf auch Steigerswuhr rechts 232-12 8,6 km 20,1 km² 0,778 m³/s Angenbach, auch Mambach, Oberlauf Mattengraben links 232-4 8,6 km 22,0 km² 0,876 m³/s Wiedenbach rechts 232-32 7,9 km 19,7 km² 0,775 m³/s Aiternbach, am Mittellauf auch Multenerbach, Oberlauf Dietschelbach rechts 232-3312 7,3 km 9,1 km² 0,362 m³/s Böllenbach, Oberlauf Böllener Bächle rechts 232-34 7,1 km 13,5 km² 0,507 m³/s Künabach, Oberlauf Mossbächle links 232-394 6,2 km 10,4 km² 0,462 m³/s Sorrmattbach, auch Soormattbach rechts 232-92 5,2 km 4,7 km² 0,053 m³/s Schleifenbach, auch Schliffbach, am Oberlauf auch Fuchswaldbach oder Fuchsgraben links 232-332 4,0 km 5,9 km²
Darüber hinaus gibt es rund 60 weitere, kürzere Zuflüsse und etwa 20 Nebenläufe, die aus der Wiese aus- und wieder eingeleitet werden (siehe Liste der Fließgewässer im Flusssystem Wiese).
Geomorphologie Seit der Entstehung des Schwarzwaldes und seiner Ausläufer während der geologischen Hebungsvorgänge des oberrheinischen Grabenbruchs hat die Wiese durch ihre stetige Erosions- und Sedimentationsarbeit die Landschaft im Südschwarzwald und am Dinkelberg geformt. Die Wiese fließt durch zwei landschaftlich und geologisch unterscheidbare Abschnitte, welche das Wiesental in das Tal der Schwarzwaldwiese im Oberlauf zwischen Fahl und Zell und das Untere Wiesental im Unterlauf zwischen Hausen und Kleinhüningen gliedern.
In jüngerer erdgeschichtlicher Zeit haben vor allem die Wechsel von Warm- und Kaltzeiten im Pleistozän das Erscheinungsbild des Wiesentales geprägt. Das Tal der Schwarzwaldwiese wurde durch den Feldberg-Gletscher geformt. Nur im oberen Teil zwischen Fahl und Todtnau war der Gletscher mächtig genug, ein Trogtal in das kristalline Grundgestein zu graben. Die Gletscherzunge reichte jedoch bis nach Wembach. Am Oberlauf bei Todtnau und Gschwend fließt die Wiese an einigen Stellen durch klammartige Vertiefungen mit Stromschnellen und kleinen Wasserfällen.
mini|Mündungsdelta der Wiese mit Schotterinseln im Jahre 1749 Nach dem Ende der letzten Eiszeit, der Würmeiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, war das untere Wiesental durch den Schotter und das Geschiebe des Feldberggletschers aufgefüllt worden und bildete den Talgrund etwa 20 bis 30 Meter oberhalb des heutigen Niveaus. Durch das Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher wurden große Schmelzwassermengen freigesetzt; daraufhin grub sich die Wiese bis zu 15 Meter unter das heutige Niveau ein. Nach abermaliger Aufschotterung und Bildung der heutigen Niederterrasse vor etwa 2500 bis 6000 Jahren schuf die Wiese durch erneutes Eingraben den heutigen Talboden mit den Wiesenauen, in denen der Fluss breit mäandrieren konnte. Im Bereich des Flussdeltas der Wiese wirkten die eiszeitlichen Flussablagerungen so stark auf den Verlauf des Rheins ein, dass dessen Flussbett um rund fünf Kilometer nach Südwesten abgedrängt wurde, wo es heute im charakteristisch geformten Rheinknie liegt. In Kleinbasel, unterhalb der Riehenringbrücke, wurde die Wiese wiederum von einer anstehenden Nagelfluhbank abgedrängt, welche den markanten 90°-Knick im Unterlauf der Wiese bewirkte. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts floss die Wiese von ihrer Quelle im Schwarzwald bis zu ihrer Mündung in den Rhein weitgehend unreguliert, pendelte zwischen den Hochgestaden der Niederterrasse und suchte sich ihren Weg durch die Kies- und Sandbänke der Flussauen. Die alljährlich auftretenden Hochwasser sorgten immer wieder für eine Änderung des Flusslaufes.
Einzig die Wiesenwuhre, welche Nutzwasser für Landwirtschaft, Gewerbe und Handwerk und später für die Wiesentäler und Kleinbasler Industrie abzweigten, stellten sich dem Wiesenfluss in den Weg und leiteten einen nicht unerheblichen Teil des Wiesenwassers in die verschiedenen Gewerbekanäle. Im Wiesental ist als Synonym für Gewerbekanal der Ausdruck Teich beziehungsweise auf alemannisch/baseldytsch Diich/Tych gebräuchlich.
Hydrologie Abflusswerte Die mittleren Jahresniederschläge innerhalb des Einzugsgebiets variieren zwischen etwa 2000 mm im Feldberggebiet und 882 mm in Lörrach. Tendenziell nehmen die Niederschlagsmengen von Westen nach Osten und von Norden nach Süden ab. Die größten Niederschläge fallen meist in den Monaten November bis Januar, in den Schwarzwaldlagen meist als Schnee. mini|links|Monatsmittel Wasserabfluss der Wiese bei Kleinhüningen 1993–2007 mini|230px|Flusslängsprofil der Wiese Bedingt durch das Flussrelief, die geringe Speicherkapazität des Bodens im Einzugsgebiet im Oberlauf der Wiese und die Kombination von plötzlicher Schneeschmelze bei Föhn und ergiebigen Regenfällen, kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu schweren Überschwemmungen, die große Schäden an Mensch und Land verursachten. Die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrenden starken Hochwasser wurden von den Zeitgenossen auf die rücksichtslose Abholzung der Wälder im kleinen und großen Wiesental und die öden und wertlosen Flächen am Feldberg und Belchen zurückgeführt, die offenbar das Wasser nicht mehr in bisherigem Maße speichern konnten.Schülin, F. (1965): Chronik von Rötteln/Haagen, S. 290. Über das Jahr gesehen führt die Wiese um die Weihnachtszeit sowie von Mitte März bis Mitte April am meisten und im August am wenigsten Wasser.Hochwasservorhersagezentrale des Landes Baden-Württemberg Die mittlere Abflussmenge in Kleinhüningen beträgt 11,3 m³/s. Das eidgenössische Bundesamt für Umwelt hat innerhalb des Zeitraumes von 1933 bis 2006 im Jahre 1944 die höchste Abflussmenge mit 342,5 m³/s gemessen. Mit Ereignissen dieser Größenordnung ist jedoch nur alle 150 Jahre oder seltener zu rechnen.
Außergewöhnliche Hochwasser