mini|hochkant|Werner Mölders, NS-Propagandafoto 1941 Werner Mölders (* 18. März 1913 in Gelsenkirchen; † 22. November 1941 in Breslau) war ein Offizier und Jagdflieger der deutschen Luftwaffe während der NS-Zeit. Der im Spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg eingesetzte Mölders war einer der höchstdekorierten Soldaten der Luftwaffe.

Der sogenannte Möldersbrief, ein vom britischen Geheimdienst lanciertes Schriftstück, in dem Mölders aus christlichen Beweggründen eine Distanzierung vom Nationalsozialismus zum Ausdruck brachte, verschaffte ihm auch in den Jahren nach Kriegsende 1945 eine gewisse Popularität. Das Schreiben wurde 1962 eindeutig als Fälschung identifiziert. Die Bundesmarine benannte 1968 einen Zerstörer nach ihm. Kontroversen um die Ehrung Mölders’ im Rahmen der militärischen Traditionspflege der Bundeswehr dauern bis in die Gegenwart an. 2004 entschied Verteidigungsminister Peter Struck, Bundeswehreinrichtungen nicht weiter den Namen Mölders tragen zu lassen.Mölders-Feiern und die Bundeswehr , Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Eva Bulling-Schröter, Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke, abgerufen am 24. Mai 2017 Zur Begründung wurde unter anderem eine fehlende Distanz zum Nationalsozialismus sowie Mölders’ Rolle in der Legion Condor während des Spanischen Bürgerkriegs herangezogen.

Leben Herkunft und Schule Werner Mölders war das dritte von vier Kindern des Oberlehrers Viktor Mölders (1881–1915) und seiner Ehefrau Annemarie, geb. Riedel. Nachdem sein Vater als Reserveoffizier des preußischen Königs-Infanterie-Regiments Nr. 145 am 2. März 1915 während des Ersten Weltkriegs in Vauquois gefallen war,Verlustliste: Königs-Infanterie-Regiment (6. Lothringisches) Nr. 145 (Offizierkorps) auf denkmalprojekt.org, abgerufen am 16. Februar 2026; dgl. Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 442 vom 9. April 1915 (Preußen 194), S. 5779 (Königs-Infanterie-Regiment Nr. 145. 12. Kompagnie. Ltn. d. R. Viktor Mölders – Braunschweig – gefallen). zog seine Mutter, die aus einer bekannten Brandenburger Kaufmannsfamilie stammte, mit den Kindern nach Brandenburg (Havel). Neben der Schule engagierte er sich in der katholischen Jugendgruppe „Bund Neudeutschland“ und im Brandenburger Ruderklub.

Reichswehr und Aufbau der Luftwaffe Schon als Kind zog es ihn zum Militär. Nach bestandenem Abitur an der Saldria meldete sich Mölders freiwillig zur Reichswehr. Von 60 Offizieranwärtern seines Jahrgangs wurden 1932 drei eingestellt, unter ihnen Mölders. Er erhielt zunächst in Allenstein (Ostpreußen) eine Ausbildung zum Pionieroffizier und meldete sich als Oberfähnrich freiwillig zur damals noch geheimen Luftwaffe. Die Ausbildung zum Flugzeugführer durchlief er 1934 in Cottbus.

Dem 1935 in die Luftwaffe übernommenen Pionierleutnant wurde zusammen mit einigen älteren Offizieren die Aufgabe übertragen, ein Sturzkampfflugzeug-Geschwader aufzustellen. Im Mai desselben Jahres erhielt er das Flugzeugführerabzeichen der Luftwaffe. 1937 übernahm Mölders als Oberleutnant die 1. Staffel beim Jagdgeschwader 334 in Wiesbaden.

Legion Condor und Vorkriegszeit Mölders musste aufgrund seiner ungeplanten Versetzung zur Jagdfliegergruppe lange auf den Befehl warten, sich zur Legion Condor zu melden. Erst im April 1938 betrat er spanischen Boden und übernahm am 25. Mai 1938 Adolf Gallands 3. Staffel der Jagdgruppe 88, die unter dem Oberbefehl Francos im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte.

Mölders’ Staffel war zunächst mit dem Jagdflugzeug Heinkel He 51 ausgerüstet, das zur Bekämpfung von frontnahen Bodenzielen durch Tiefangriffe eingesetzt wurde., S. 14, abgerufen am 24. Mai 2017

Im Juli 1938 wurde auch die 3. Staffel mit dem neuen Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109 ausgerüstet. Die Messerschmitts der gesamten Jagdgruppe flogen in der Schlacht um den Ebro-Bogen von La Cenia als Jagdschutz für die Bomber- und Stuka-Verbände. Die massiven Bombenangriffe auf Truppenansammlungen, Stellungen, Flussübergänge und Ortschaften hatten einen großen Anteil an der Niederlage der republikanischen Volksarmee unter General Juan Modesto bei ihrer letzten Großoffensive gegen die aufständischen nationalspanischen Truppen., S. 13, abgerufen am 24. Mai 2017.Der Spanische Bürgerkrieg auf dhm.de, abgerufen am 22. Mai 2017.

Während seines Einsatzes in Spanien verfeinerte Mölders die von Günther Lützow im Jahr zuvor entwickelten neuen Luftkampftaktiken wie den aus vier Flugzeugen bestehenden Vierfingerschwarm, im NATO-Englisch heute Finger Four Formation. Diese Gefechtsformation bot Vorteile bei Selbstschutz und Angriff und wurde nach und nach bei allen Luftstreitkräften der Welt Standard., S. 15 f.

In Spanien erzielte Mölders 14 bestätigte Abschüsse und war damit der erfolgreichste auf nationalistischer Seite kämpfende deutsche Jagdpilot.Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg. Aus dem Englischen von Michael Bayer, Helmut Ettinger, Hans Freundl, Norbert Juraschitz und Renate Weitbrecht. 1. Auflage. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-442-15492-0. S. 448. Er erhielt das Spanienkreuz in Gold mit Brillanten und wurde vorzeitig im Alter von 25 Jahren zum Hauptmann befördert.

Nach seiner Rückkehr war Mölders zunächst im Stabsdienst im Reichsluftfahrtministerium tätig, wo er die neuen Taktiken dokumentierte und sein Wissen bei diversen Geschwaderbesuchen im Jahre 1939 an seine Pilotenkameraden vermittelte.

Zweiter Weltkrieg mini|Werner Mölders (links), 1940 Den Beginn des Zweiten Weltkrieges erlebte Mölders als Staffelkapitän der 1. Staffel des Jagdgeschwaders 53 (JG 53) „Pik As“. Im Oktober 1939 wurde er mit der Aufstellung der III. Gruppe des JG 53 in Wiesbaden-Erbenheim und mit Grenzüberwachungsaufgaben beauftragt. Nach sieben Luftsiegen erhielt er im April 1940 das Eiserne Kreuz I. Klasse, Ende Mai als erster deutscher Jagdflieger nach 20 Luftsiegen das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes., S. 12, abgerufen am 24. Mai 2017

Am 5. Juni 1940, während der zweiten Phase des Westfeldzugs, trafen 15 Messerschmitt 109 bei Beauvais mit sieben Dewoitine D.520 zusammen. Der Pilot René Pomier Layrargues schoss Mölders’ Bf 109 ab und wurde anschließend von drei Bf 109 attackiert. Layrargues schoss eine davon ab, hatte dann keine Munition mehr, wurde von einer Bf 109 abgeschossen und starb, als sein Flugzeug in ein Haus in Beauvais-Marissel stürzte.Crash du Dewoitine D-520 n°266 6-blanc

Mölders geriet in französische Kriegsgefangenschaft.La chute du capitaine Mölders. Témoignage des militaires du 195ème RALT (abgerufen am 27. Mai 2023).

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 22. Juni 1940 kam er wieder frei.

mini|Mölders schildert in Gegenwart von Theodor Osterkamp (rechts) und Adolf Galland (links) den Verlauf seines letzten Luftkampfes, 1941 Zum Major befördert, übernahm Mölders am 20. Juli 1940 als Kommodore das Jagdgeschwader 51 in Saint-Inglevert. Dieses Geschwader trug zu dieser Zeit die Hauptlast in der Luftschlacht um England. Seinen 40. Luftsieg errang Mölders am 21. September 1940. Er war damit der erste Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, der diese Zahl erreichte, und erhielt als zweiter Soldat der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Sein Geschwader war zu diesem Zeitpunkt das erfolgreichste der Luftwaffe. Im Oktober 1940 erzielte er seinen 50. Luftsieg und wurde zum Oberstleutnant befördert.Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht vom 23. und 26. Oktober 1940.

Unmittelbar vor Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wurde sein Geschwader nach Polen verlegt. Mölders’ Geschwader gehörte zur Luftflotte 2, die im Abschnitt der Heeresgruppe Mitte eingesetzt war. Zu den Aufgaben der Piloten gehörte neben dem Begleitschutz für die Bomberstaffeln und der sogenannten freien Jagd auch die Bekämpfung von Bodenzielen mit Bordwaffen und Bomben.

Als die Wehrmacht in der Sowjetunion einfiel, jubelte er: „Ein gewaltiger Krieg ist im Gange, und ich bin stolz darauf, mit meinem Geschwader im Schwerpunkt der Kampfhandlungen eingesetzt zu sein.“Jakob Knab: "Zeitlose soldatische Tugenden", in: Die Zeit, Nr. 46/2005, abgerufen am 22. Mai 2017 Am ersten Tag des Feldzugs gegen die Sowjetunion besiegte Mölders vier Gegner im Luftkampf, woraufhin ihm als zweitem Soldaten der Wehrmacht nach Adolf Galland die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen wurden. Es waren seine Luftsiege 69 bis 72. Am 15. Juli 1941 erzielte er fünf weitere Luftsiege an einem Tag und steigerte damit die Gesamtzahl seiner Abschüsse auf 101, damit übertraf er den bis dahin erfolgreichsten Jagdflieger Manfred von Richthofen. Als erster Offizier der Wehrmacht wurde er daraufhin von Adolf Hitler mit der damals höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung, den Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern, ausgezeichnet.Sonderbericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 16. Juli 1941.

Kurz darauf wurde er mit 28 Jahren zum Oberst befördert. Gleichzeitig erhielt Mölders Feindflugverbot und wurde als Inspekteur der Jagdflieger (später in General der Jagdflieger umbenannt) zum Generalstab der Luftwaffe ins Reichsluftfahrtministerium nach Berlin versetzt. Im Herbst 1941 erhielt er den Auftrag, den Jagdschutz der zum Angriff auf die Halbinsel Krim angetretenen Verbände vom Boden aus zu führen.

Tod mini|Beisetzung von Mölders, 1941 Während einer Inspektionsreise an die Ostfront erhielt Mölders den Befehl, sich zum Staatsbegräbnis des Generalluftzeugmeisters Udet nach Berlin zu begeben. Auf dem Flug von der Krim nach Berlin am 22. November 1941 nutzte er als Passagier eine Heinkel He 111 H-6 (Geschwaderkennung 1G+BT) des Kampfgeschwaders 27. Während des Fluges fiel kurz vor Breslau der linke Motor aus. Beim Landeanflug auf den Flugplatz Breslau-Schöngarten fiel auch der rechte Motor aus und das Flugzeug stürzte ab. Mölders und der Pilot Oberleutnant Georg Kolbe starben. Sein Adjutant Major Paul WenzelNorman Franks, Greg Van Wyngarden: Fokker D VII Aces of World War 1, Osprey Publishing, 2003, S. 47 und der Bordfunker Oberfeldwebel Tenz überlebten den Unfall.

Nach einem Staatsakt im Ehrensaal des Reichsluftfahrtministeriums wurde Mölders’ Sarg in einem Trauerzug durch die Stadt Berlin zum Invalidenfriedhof überführt, bei der unter anderem Günther Lützow, Adolf Galland, Wolfgang Falck, Walter Oesau und Hans Hahn das Ehrengeleit stellten. Er wurde neben Ernst Udet, Manfred von Richthofen und Wolff von Stutterheim beigesetzt.

Hinterbliebene Wenige Wochen vor seinem Tod heiratete Mölders mit Genehmigung von Hermann GöringGem. § 27 des Wehrgesetzes vom 21. Mai 1935 musste durch den Dienstvorgesetzten eines Soldaten eine Heiratserlaubnis erteilt werden. Werner Mölders hatte diese direkt bei Göring beantragt, damit die Hochzeit vollzogen werden konnte, bevor Luise Baldauf das gemeinsame Kind entbinden würde; siehe dazu z. B. Braatz, Werner Mölders. 2008, S. 322f. in der Christkönig-Kirche des kleinen Taunusortes Falkenstein seine Verlobte Luise Baldauf, die im fünften Monat von ihm schwanger war. Für das 2008 erschienene, von Heiner Möllers als „bislang abgewogenste Biographie“ über Mölders rezensierte Werk von Kurt Braatz gab die Witwe Luise Petzoldt-Mölders (1913–2011) dem Biographen umfassende Interviews.Heiner Möllers: Braatz, Kurt: Werner Mölders. Die Biographie. Moosburg: Neunundzwanzigsechs 2008. In: H-Soz-u-Kult, 18. Februar 2009.Heiner Möllers: Eine Replik auf Klaus Schmider. In: Portal Militärgeschichte, 5. September 2016.Yann Stahmer (Red.): 40 Jahre Jagdgeschwader 74 Mölders. Neuburg an der Donau 2001 (Bundeswehr-Dokumentarfilm, 61 Minuten).

Nachleben mini|Messerschmitt Bf 109 F-2 des JG 51 Mit Mölders’ Funktion als General der Jagdflieger wurde Adolf Galland betraut. Mölders’ altes Geschwader, das JG 51, erhielt den Namen „Jagdgeschwader Mölders“ und wurde somit zu einem Traditionsgeschwader, dessen Angehörige ein entsprechendes Ärmelband tragen durften.