El Salvador (deutsche Aussprache [], spanische Aussprache []; spanisch „der Erlöser“, „der Heiland“) ist ein Staat in Mittelamerika. Er grenzt im Nordwesten an Guatemala, im Nordosten an Honduras und im Süden an den Pazifischen Ozean. El Salvador ist das kleinste Land der Region Zentralamerika, weist zugleich deren höchste Bevölkerungsdichte auf und liegt in einem Erdbebengebiet.
Geographie Physische Geografie
Mit einer Fläche von 21.041 km² ist El Salvador ungefähr so groß wie das deutsche Bundesland Hessen. Die Küstenlinie zum Pazifik und zum Golf von Fonseca im Süden erstreckt sich über eine Länge von 307 km. Als einziges Land in Mittelamerika hat El Salvador keinen direkten Zugang zum Karibischen Meer.
El Salvador ist geprägt durch eine Kette von Vulkanen, die das Land grob in drei Regionen unterteilt: den südlichen Küstenstreifen, die zentralen Hochebenen und Täler sowie die nördlichen Berge. Der höchste Berg ist der El Pital (2730 m) an der Grenze zu Honduras. Der höchste Vulkan ist der Santa Ana im Westen mit einer Höhe von 2365 m. Der längste Fluss ist der Río Lempa mit einer Gesamtlänge von 422 km, davon 320 km auf Staatsgebiet.
Städte Im Jahr 2022 nutzten 62,9 Prozent der Einwohner El Salvadors das Internet. Die größten Städte sind (Stand: 2017): San Salvador (238.200 Einwohner Agglomeration: 1,8 Mio. Einwohner) Soyapango (283.200 Einwohner) Santa Ana (226.900 Einwohner) San Miguel (192.500 Einwohner) Apopa (185.100 Einwohner), Mejicanos (144.900 Einwohner) Ilopango (135.700 Einwohner) Colón (El Salvador) (131.500 Einwohner) Tonacatepeque (129.300 Einwohner) Nueva San Salvador (Santa Tecla) (123.800 Einwohner) Delgado (El Salvador) (119.500 Einwohner)
mini|links|San Salvador
Bevölkerung Die deutsche Bezeichnung für einen Einwohner bzw. eine Einwohnerin El Salvadors lautet Salvadorianer/Salvadorianerin.
Demografie
El Salvador hatte 2022 6,3 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,4 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 15,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,2 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,8, die der Region Lateinamerika und der Karibik betrug 1,8. Die Lebenserwartung der Einwohner El Salvadors ab der Geburt lag 2022 bei 71,5 Jahren (Frauen: 75,8, Männer: 66,8). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 26,3 Jahren. Im Jahr 2023 waren 25,0 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 8,4 Prozent der Bevölkerung betrug.
Bevölkerungsstruktur Ca. 90 % der Bevölkerung sind Mestizen, 9 % europäischer Abstammung und 1 % Indigene. Noch bis in die 1930er Jahre gehörten ca. 20 % der Bevölkerung indigenen Völkern an. In der Zeit der Matanza ab 1932 wurde das Sprechen indigener Sprachen und das Tragen traditioneller Kleidung zu einem Überlebensrisiko. Die Indigenen waren gezwungen, ihre Identität und Sprache zu verleugnen und sich an die Mehrheitsgesellschaft zu assimilieren. In El Salvador gibt es heute keine indigenen Sprachen mehr, die von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden.
48 % der Bevölkerung El Salvadors leben unterhalb der Armutsgrenze.
2008 lebten in den USA 1,1 Millionen Einwanderer aus El Salvador. Sie stellen dort die sechstgrößte Einwanderergruppe.Salvadoran Immigrants in the United States, Migration Information Service, Januar 2010. El Salvador hat selbst nur einen sehr niedrigen Ausländeranteil und ist vorwiegend ein Auswanderungsland. Im Jahre 2017 waren 0,7 % der Bevölkerung im Ausland geboren.
Eine in der Zeitung La prensa grafica veröffentlichte Umfrage von Diálogo Interamericano aus dem Jahr 2014 ergab, dass jeder vierte Salvadorianer insbesondere wegen der ausufernden Kriminalität auswandern möchte. 40 % der Männer und 31 % der Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren zogen einen solchen Schritt in Erwägung.Informe sostiene que violencia es principal factor de migración en C. A. In: La prensa grafica. 24. August 2014, online:
Sprachen Amtssprache und die am weitesten verbreitete Umgangssprache El Salvadors ist Spanisch.
Eine der wichtigsten Sprachen war früher Nawat, die heute nur noch von sehr wenigen Menschen gesprochen wird. Im ethnischen Sinne werden immerhin noch etwa 200.000 Menschen als Pipil eingestuft, des Weiteren einige Tausend als Lenca und Cacaopera, deren Sprachen bereits ausgestorben sind. Bei der Volkszählung 2007 bezeichneten sich nur 11.488 Menschen als Indigene, 97 Personen gaben Nawat als Muttersprache an, die meisten davon in den Municipios Santo Domingo de Guzmán und Cuisnahuat, beide im Departamento Sonsonate. Mit dem Aussterben des Nawat wäre El Salvador nach Uruguay das zweite Land auf dem amerikanischen Festland, in dem keine indigenen Sprachen mehr gesprochen werden.
Religion
50 % der Bevölkerung sind KatholikenLänderinformationen des Auswärtigen Amtes zu El Salvador, weitere 31 % Protestanten. Letztere bekennen sich zu einer Vielzahl verschiedener protestantischer Konfessionen, die zunächst von europäischen und seit dem 20. Jahrhundert zunehmend auch von nordamerikanischen Missionaren verbreitet werden. Die meisten von ihnen gehören den schnell wachsenden evangelikalen Gemeinschaften an. Deren Wachstum begann in den 1980er Jahren, als katholische Priester und Laien, vor allem Anhänger der Befreiungstheologie, die Regierung kritisierten und soziale Reformen forderten. Für die Behörden war laut Aussage des Weihbischofs von San Salvador, Gregorio Kardinal Rosa Chávez, „ein Katholik damals verdächtig“.El Salvador-Info, 26. Februar 2011, online: Die meisten Protestanten leben in den Städten. In einigen Städten sind 40 % der Bevölkerung protestantisch. Rund 10 % der Bevölkerung geben heute an, konfessionslos zu sein.
Neben dem Erzbistum San Salvador gibt es in El Salvador derzeit sieben weitere Bistümer: Chalatenango, San Miguel, Santa Ana, Santiago de Maria, San Vicente, Sonsonate und Zacatecoluca.
Bildung Die Zahl der Schüler pro Lehrer ist hoch.Rebecca Marlow-Ferguson [Hrsg.] (2002): World education encyclopedia. Gale Group, Thomson Learning, 2002 Band 1, S. 404. Im ländlichen Raum ist Analphabetismus weit verbreitet. In El Salvador stieg die mittlere Schulbesuchsdauer von 3,7 Jahren im Jahr 1990 auf 6,5 Jahre im Jahr 2015 an. Die Höhere Schule umfasst drei Schuljahre.Rebecca Marlow-Ferguson [Hrsg.] (2002): World education encyclopedia. Gale Group, Thomson Learning, 2002 Band 1, S. 406. Das Land besitzt folgende öffentliche und private Universitäten und Hochschulen: Universidad Centroamericana „José Simeón Cañas“ (UCA) in Antiguo Cuscatlán, La Libertad (privat)uca.edu.sv Universidad de El Salvador in San Salvador, Santa Ana, San Miguel, San Vicente und San Luis Talpa (öffentlich, gegr. 1841)ues.edu.sv Universidad Don Bosco (privat, Salesianer Don Boscos)udb.edu.sv Universidad Católica de El Salvador in Santa Anacatolica.edu.sv Universidad „Francisco Gavidia“ in San Salvador (privat)ufg.edu.sv Universidad Politécnica de El Salvador (privat)upes.edu.sv Universidad Tecnológica de El Salvador (privat)utec.edu.sv Universität „Dr. José Matías Delgado“ (UJMD) in La Libertad (privat)ujmd.edu.sv Escuela Superior de Economía y Negocios, (ESEN), Nuevo Cuscatlán, La Libertad (privat)esen.edu.sv
Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2019 7,2 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2018 praktizierten in El Salvador 28,7 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-Jährigen betrug 2021 12,4 pro 1000 Lebendgeburten. Es gibt in El Salvador ca. 25.000 mit HIV infizierte Menschen, darunter ca. 9.000 Frauen. Das entspricht rund 0,6 % der Bevölkerung über 15 Jahren.UNAIDS: Daten für El Salvador 2012 2016 waren 24,6 % der Bevölkerung stark übergewichtig (adipös).
Verbot des Ausbringens bestimmter Agrochemikalien El Salvador ist einer von nur zwei Staaten weltweit, die die Anwendung bestimmter Agrochemikalien landesweit und ausnahmslos verboten haben. Der Grund ist eine extreme Häufung eines besonderen Typs von tödlicher Niereninsuffizienz bei Landarbeitern. Nachdem ein diesbezüglicher Beschluss der Konferenz der mittelamerikanischen Gesundheitsminister vom März 2013 keine Folgen gezeigt hatte, verbot das Land das Ausbringen bestimmter Agrochemikalien im September 2013 im Alleingang. Das Verbot gilt für Glyphosat, wichtigster Handelsname Roundup, sowie für Paraquat und Endosulfan. Das Problem der tödlichen Kombination von Schwermetallen mit Pestiziden ist an der gesamten amerikanischen Pazifikküste bekannt, ferner aus Indien und Sri Lanka, wobei Letzteres ebenfalls ein Verbot für Glyphosat erlassen hat.El Salvador Government Bans Roundup over Deadly Kidney Disease, sustainablepulse.com, 19. September 2013, abgerufen am 17. Juni 2024
Totales Abtreibungsverbot El Salvador hat eines der schärfsten Abtreibungsgesetze weltweit. Es stellt jede Form von Schwangerschaftsabbruch als Gewaltverbrechen unter Strafe. Dies gilt selbst bei Vergewaltigungen, Eileiterschwangerschaften oder starken Missbildungen der Föten.NZZ am Sonntag – Hinter Gittern wegen einer Fehlgeburt, abgerufen am 11. Juli 2017
Ärzte sind verpflichtet, Frauen bei Verdacht auf Schwangerschaftsabbruch der Polizei zu melden.Amnesty International: Das absolute Abtreibungsverbot traumatisiert ganze Familien (PDF, engl.) Da sie bei Unterlassung selbst Haftstrafen riskieren, werden auch Fälle von Fehl- oder Totgeburten als Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Fehlender Rechtsbeistand, gerade bei Frauen aus einkommensschwachen Gruppen, kann dazu führen, dass betroffene Frauen zu Unrecht zu einer Haftstrafe bis zu 30 Jahren verurteilt werden.
Geschichte
Am 15. September 1821 erlangte El Salvador die Unabhängigkeit von der einstigen Kolonialmacht Spanien und gehörte danach, bis zu deren endgültigem Auseinanderbrechen im Jahr 1839, der Zentralamerikanischen Konföderation (Confederación de Centroamérica) an.
1882 beseitigte die Regierung von El Salvador per Gesetz das letzte verbliebene indigene Gemeindeland und ermöglichte so die Ausbreitung der Kaffeeplantagen. So befanden sich um das Jahr 1900 90 % der Güter des Landes in den Händen von 0,01 % der Bevölkerung.M. Ward, Thesis, Der Großteil der Bauern war landlos und lebte in äußerster Armut.
1930 übernahm der Verteidigungsminister des Landes, General Maximiliano Hernández Martínez, durch einen Putsch die Macht. 1932 ließ Martínez einen vom Vorsitzenden der neu gegründeten Kommunistischen Partei El Salvadors, Agustín Farabundo Martí, geleiteten Aufstand überwiegend indigener Pipil-Bauern im Westen des Landes blutig niederschlagen. Neben Farabundo wurden etwa 30.000 Menschen getötet. La Matanza – „das Massaker“ gilt als das Ende der Existenz der indigenen Völker El Salvadors. Es heißt, Menschen seien einfach auf Grund des Unterscheidungsmerkmals getötet worden, dass sie Nahuatl (Pipil) sprachen oder „indianische“ Kleidung trugen.H. Byrne: El Salvador’s Civil War. Lynne Reiner, Colorado 1996.
1939 wurde das aktive Frauenwahlrecht für Frauen über 25 Jahre (falls verheiratet) bzw. über 30 Jahre (falls ledig) eingeführt. Der Wahlgang war für Frauen freiwillig, für Männer dagegen Pflicht. Ab 1959 besaßen alle Salvadorianer über 18 Jahre unabhängig vom Geschlecht das aktive Wahlrecht.Michael Krennerich: El Salvador. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Handbuch der Wahldaten Lateinamerikas und der Karibik (= Politische Organisation und Repräsentation in Amerika. Band 1). Leske + Budrich, Opladen 1993, ISBN 3-8100-1028-6, S. 321–347, S. 325.