Die Republik Liberia ( [], []; veraltet Liberien) ist ein Staat an der westafrikanischen Atlantikküste. Er grenzt an Sierra Leone, Guinea und die Elfenbeinküste.

Der Küstenstreifen des heutigen Liberias war ab 1822 eine Kolonie der American Colonization Society. Liberia erlangte 1847 die Unabhängigkeit und war neben Äthiopien der einzige Staat in Afrika, der zur Zeit des Imperialismus im späten 19. Jahrhundert nicht von europäischen Mächten kolonialisiert wurde. Von 1989 bis 2003 herrschte in Liberia ein Bürgerkrieg mit hunderttausenden Opfern.

Geografie mini|450px|Topografische Übersichtskarte Liberia liegt im Südwesten Westafrikas an der Atlantikküste. Es grenzt im Nordwesten an Sierra Leone, im Norden und Nordosten an Guinea und im Osten an die Elfenbeinküste.

Die Portugiesen waren 1461 die ersten europäischen Entdecker, die Kenntnis von diesem Gebiet erhielten, das zunächst mit dem Namen Pfefferküste („Costa de Malagueta“) in die Landkarten eingetragen wurde. Die Mesorado Bay, Cape Palmas und das Kap Mesurado wurden neben einigen Flussmündungen und auffälligen Bergen als Orientierungspunkte der etwa langen Küstenlinie beschrieben.

Das Staatsgebiet umfasst 111.370 km²,Auswärtiges Amt: Länderinformationen Liberia (Stand: März 2015) abgerufen am 28. August 2015. was etwa der Größe von Bulgarien oder einem knappen Drittel Deutschlands entspricht. Die Staatsgrenze hat eine Gesamtlänge von , davon entfallen auf Guinea , Elfenbeinküste und Sierra Leone . Die Ausdehnung des Landes beträgt in Nordwest-Südost-Richtung und in Südwest-Nordost-Richtung.

Naturräumliche Gliederung Liberia liegt in einer geologischen Zone aus erdgeschichtlich sehr alten Gesteinen des Paläozoikums (vor allem Granit und Gneis), deren Oberfläche von starker Verwitterung und Sedimentation geprägt ist.

Das Staatsgebiet Liberias besteht größtenteils aus Bergland von 300 bis Höhe über dem Meeresspiegel. An die 10 bis breite, sumpfige Küstenebene schließt sich eine bis zu hohe Plateaulandschaft an. Das von Regenwald überzogene Gebiet wurde durch Erosion in zahllose Kuppen und Täler aufgelöst. Im Norden befinden sich Gebirge. Das Land gehört zur tropischen Regenwaldzone, die etwa 60 Prozent des heutigen Staatsgebietes einnimmt. Die land- und forstwirtschaftliche Nutzung bewirkte zahlreiche kleinteilige Rodungsflächen, bedeutend für die Volkswirtschaft sind neun Gummibaumplantagen.

Gebirge Die höchste Erhebung ist der Mount Wuteve () im Norden des Landes, er gehört zum Gebirgszug der Wologizi Mountains im Nordwesten. Die Nimba Mountains im Norden befinden sich im gleichnamigen County und verfügen über Eisenerzvorkommen, deren Abbau aber durch den Bürgerkrieg zum Erliegen kam. Im mittleren Nordwesten liegen die Mano-Hills, im Zentrum erstreckt sich das Bong Range bis an die Vorstädte der Hauptstadt Monrovia, das Putu Range im Osten reicht bis auf an die Küstenstadt Greenville heran.

Klima mini|Klimadiagramm von Monrovia

Zonen Das in Äquatornähe befindliche Liberia hat folgende Besonderheiten der klimatischen Verhältnisse: im Küstenbereich herrscht Tropenklima mit gleichbleibend heiß-feuchter Witterung, in der nördlichen Küstenebene wird die Regenzeit im August durch eine Trockenperiode unterbrochen, in den nördlichen Landesteilen herrscht von Juni bis Oktober die Regenzeit, die vom Niederschlagsregime des westafrikanischen Monsuns bestimmt wird, im äußersten Süden gibt es zwei Regenzeitmaxima.

Temperaturen An der Küste werden bis , im Landesinneren bis gemessen. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 26 °C im Januar und 24 °C im Juli.

Niederschläge Die Regenzeit ist durch ergiebige Niederschläge in allen Landesteilen gekennzeichnet, in dieser Zeit bricht der Straßenverkehr im Hinterland oft für Wochen zusammen. In der Hauptstadt Monrovia betragen die jährlichen Niederschläge , in Robertsport (Nordwestküste) und im trockeneren Südosten bei Harper lediglich .

Im Jahresdurchschnitt nehmen die Niederschläge zum Landesinneren hin stark ab, in den Mittelgebirgen im Norden dagegen steigen sie wieder an. Insbesondere im Landesinneren kommt es in der Trockenzeit von Oktober bis März zum staubig-heißen Harmattan-Wind, einem nordöstlichen Passatwind aus der südlichen Sahara, der die Temperaturen nach oben treibt. Die Niederschläge gehen nur wenige Wochen so stark zurück, dass von einer Trockenzeit, in der der Niederschlag geringer als die Verdunstung ist, gesprochen werden kann.

Gewässer mini|links|Der Guineastrom (Guinea Current)

Küste Auf die Küste Liberias strömt unablässig der Guineastrom, eine warme Meeresströmung des Atlantischen Ozeans ein. Sie ist verantwortlich für die Sedimentablagerungen entlang der Küstenlinie in Form von Nehrungen und ein Klimafaktor.

Flüsse mini|Übersicht der Flusssysteme Das Gewässernetz besteht aus zahllosen Bächen und einigen größeren Flüssen, die zumeist in südwestlicher Richtung zur Küste fließen. Es gibt sieben größere Flüsse, die ihr Quellgebiet in, beziehungsweise an der Grenze zu, Guinea haben. Der Mano, Moa, Lofa und der Saint Paul River entspringen auf oder am Rand der Hochebene von Beyla, die Flüsse Saint John River, Cestos River und Cavally in den Nimbabergen. Der größte Fluss dabei ist der Cavally, der allerdings nur einen Teil seines Einzugsgebietes in Liberia hat.

Seen Der größte See ist der Piso-See (etwa ) bei Robertsport. Entlang der Küste befinden sich zahlreiche kleine Lagunen und Mangrovensümpfe. Das Mount-Coffee-Wasserkraftwerk am Unterlauf des St. Paul River und das Firestone-Wasserkraftwerk am Farmington River sind die bisher einzigen Staudämme des Landes.

Böden mini|alt=|Highway im Busch in der Trockenzeit Die immerfeuchten, warmen Bedingungen führen zu einer intensiven Verwitterung des Ausgangsmaterials mit Auswaschung der wasserlöslichen Nährstoffe, so dass die unter dem Aspekt des Nutzpflanzenanbaus nährstoffarmen Bodentypen vorherrschen:

In weiten Teilen des Landes sind Ferralsole dominant. Bei diesem Bodentyp liegt der Verwitterungshorizont extrem tief. Die gelösten Mineralien werden wegen der geringen Austauschkapazität des Bodens schnell ausgewaschen, so dass er nahezu keine Nährstoffe mehr enthält und diese nach einer Düngung auch nicht speichern kann. Die Nährstoffe sind in Vegetation und Streu enthalten. Nach einer Rodung wird der Boden innerhalb weniger Ernteperioden ausgelaugt. Ferralsole werden traditionell nur über Wanderfeldbau genutzt. Nutzungen durch Dauerkulturen wie Plantagen sind aber doch agrartechnisch möglich.

Vom Küstenstreifen bis auf etwa 150 m über NN dominieren orange-gelbe (xanthic) Ferralsole. Im gebirgigen Landesinneren liegen humose (humic) und verhärtete (plinthic) Ferralsole vor und an der Grenze zu Guinea typische (haplic) Ferralsole.

Im Endstadium der Verwitterung werden die Silikate ausgewaschen (Desilifizierung), so dass nur die Eisen- und Aluminiumoxide zurückbleiben (Ferrallitisierung). Diese können sich mit Tonpartikeln verkitten und verhärten dann nach einmaligem Trockenfallen irreversibel (Plinthitbildung). Danach ist das Bodenmaterial allenfalls noch als Baumaterial einsetzbar. Die Neigung zur Verhärtung ist fast landesweit zu beobachten. Besonders stark betroffene Böden (Plinthosole) sind vereinzelt mit Ferralsolen vergesellschaftet.

An der Grenze zur Elfenbeinküste und landesweit vergesellschaftet kommt auch den Acrisolen Bedeutung zu. Dies sind nährstoffarme, saure Böden mit einer Tonverlagerung. Sie neigen zur Verschlämmung und Verkrustung, weshalb gerodete Flächen schwer zu bearbeiten und sehr erosionsanfällig sind. Auf ihnen müssen säuretolerante Kulturen wie Ölpalmen angebaut werden, die den Boden möglichst immer bedecken.

Neben diesen großflächig dominanten Böden kommen noch weitere mit nennenswerter Verbreitung vor: Cambisole liegen als relativ fruchtbare, junge Böden, in den Flusstälern. Fluvisole bilden sich aus Flusssedimenten und befinden sich direkt an großen Flüssen. Gleysole liegen in den Feuchtgebieten und sind stark grundwasserbeeinflusst Leptosole sind sehr flachgründige Böden in den Gebirgslagen. Nitisole sind junge, fruchtbare Böden, die kleinräumig im Bergland vorkommen Regosole sind die jungen, kaum ausgeprägten Böden auf den Dünen des Küstenstreifens.

Flora und Fauna Liberia ist einer der Biodiversitäts-Hotspots des afrikanischen Kontinents. Seit dem 19. Jahrhundert haben Forschungsexpeditionen in den dichten Regenwäldern Liberias immer wieder neue Arten entdeckt und beschrieben. Die Nationale Naturschutzbehörde listet das Vorkommen von Pflanzenarten, Säugetierarten und Vogelarten.

Typisch für die Vegetation Liberias sind die immergrünen Regenwälder. Im äußersten Norden des Landes gibt es auch einige Zonen, die als Feuchtsavanne gelten, die Küsten sind teilweise von Mangrovensümpfen bedeckt. Insbesondere Teak- und Mahagoni-Hölzer stellen besonders wertvolle Baumarten dar. Nur an Stellen, an denen weniger als Niederschlag pro Jahr fällt, sind die Wälder teilweise laubabwerfend.Vegetationszonen: Eine kartographische Darstellung der Vegetationszonen entlang des Mano River wurde 1979 publiziert und ist auch als Digitalisat verfügbar: A Reconnaissance Agricultural Land Evaluation of the Mano River Union Project Area in Liberia.

Leoparden, Waldelefanten und Flusspferde sind die bekanntesten Großsäuger Liberias, die bis in die jüngste Vergangenheit auch Jagdwild waren. Im Sapo-Nationalpark im Osten des Landes lebt eine der weltweit letzten Populationen des Zwergflusspferdes. Zu den seltenen Arten, die im Land vorkommen, gehören darüber hinaus: Die Liberia-Manguste oder Liberia-Kusimanse (Liberiictis kuhni) ist eine in Westafrika lebende Raubtierart aus der Familie der Mangusten. Sie wurde erst 1958 wissenschaftlich beschrieben und gilt als bedroht. Die Dianameerkatze (Cercopithecus diana) ist eine Primatenart aus der Gattung der Meerkatzen (Cercopithecus). Westafrikanische Stummelaffen sind Baumbewohner, jedoch bei ihrem Lebensraum flexibler als ihre östlichen Verwandten. Neben Regenwäldern finden sie sich etwa auch in Mangrovengebieten und baumbestandenen Savannen. Jentink-Ducker (Cephalophus jentinki), eine Antilopenart, sind vom Aussterben bedroht. Die Art kommt nur noch in einzelnen Gebieten Sierra Leones, Liberias und der westlichen Elfenbeinküste vor. Ihr Überleben hängt stark davon ab, ob verbleibende Regenwaldgebiete, wie die des Sapo-Nationalparks geschützt werden können. Die Gattung der Schimpansen unterteilt sich in zwei Arten, der Gemeine Schimpanse in weitere Unterarten. Die in Liberias Regenwäldern vorkommende westliche Unterart weicht im Schädelbau und auch in DNA-Sequenzen so stark von den anderen Unterarten ab, dass sie möglicherweise eine eigene Art darstellt.

In den Regenwäldern des Landes findet sich eine Vielfalt von Tieren. Besonders zahlreich sind die Reptilienarten, darunter zum Beispiel Krokodile, ebenso eine Vielzahl mehr oder weniger giftiger Schlangenarten sowie Skorpione und Eidechsen. Artenreich sind auch die Insekten vertreten, bunte Schmetterlinge teilen sich den Luftraum mit Fledermäusen und Vögeln (auch Papageienarten). An Säugetieren werden beispielsweise Schimpansen, Antilopen und Zwerg-Flusspferde erwähnt. Aber auch Waldbüffel und Elefanten sowie die inzwischen selten gewordenen Leoparden sind hier beheimatet.

Die Küstengewässer sowie die zahlreichen Flüsse beherbergen eine Vielzahl von Fischarten und Schalentieren. Auch Schildkröten und Seevögel nutzen diesen Lebensraum. Eine Besonderheit stellen die von wechselnden Wasserständen und Brackwasserzonen geprägten Mangrovensümpfe dar.

Holzeinschlag