Nicaragua (spanische Aussprache ; deutsch seltener auch Nikaragua, offiziell Republik Nicaragua, spanisch República de Nicaragua) ist ein Staat in Zentralamerika. Er grenzt im Norden an Honduras und im Süden an Costa Rica sowie im Westen an den Pazifik und im Osten an die Karibik.

Der Landesname leitet sich aus dem Nahuatl ab (nican ‚hier‘, aráhuac ‚Menschen‘). Andere Autoren führen den Landesnamen auf die Begegnung des spanischen Konquistadors Gil González Dávila mit dem Kaziken Nicarao zurück, die am 15. Oktober 1523 bei San Jorge/Rivas stattfand.

Staatspräsident José Daniel Ortega Saavedra kam bei einer umstrittenen Wahl 2006 an die Macht und hält seitdem mit diktatorischen Mitteln an ihr fest. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands übernimmt seine Frau und Vizepräsidentin Rosario Murillo viele Regierungsgeschäfte; Beobachter gehen davon aus, dass sie das Land weitgehend führt. Aufgrund der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen sanktionieren die EU und die USA Mitglieder der nicaraguanischen Regierung um Ortega.

Geographie Landschaften mini|Der Vulkan Momotombo Nicaragua wird parallel zur Pazifikküste von einer Kette aktiver Vulkane durchzogen, weshalb es auch das Land der tausend Vulkane genannt wird. Am Kratersee Laguna de Apoyo konnte an Buntbarschen nachgewiesen werden, dass sich eine Art zu zwei verschiedenen Arten auch ohne deren räumliche Isolierung entwickeln kann (sogenannte sympatrische Artbildung).

An der Pazifikküste liegen auch die Zentren und wichtigsten Siedlungsräume des Landes, während die östlichen und südlichen Landesteile dünn besiedelt sind. Zwei große Binnenseen prägen die Geographie – der größere Nicaraguasee (Lago Cocibolca) im Südwesten mit mehreren Inseln und der kleinere Managuasee im Westen. Aus dem Nicaraguasee entspringt der Fluss Río San Juan, der die Südgrenze des Landes bildet und in die Karibik mündet.

Der Osten des Landes bis zur Karibikküste ist eine große Regenwaldregion. Der nördliche Teil der Karibikküste wird auch Miskitoküste genannt.

Die höchste Erhebung ist der Pico Mogotón an der Nordgrenze mit 2107 Meter.

Nicaragua hat zwei Nachbarstaaten: im Norden Honduras mit 922 km Grenzlänge und im Süden Costa Rica mit 309 km Grenzlänge. Die gesamte Länge der Landgrenzen beträgt somit 1231 Kilometer.

Klima Ende Oktober 1998 wütete Hurrikan Mitch in Mittelamerika und richtete auch in Nicaragua schwere Schäden an. Durch die von Dauerregen ausgelösten Überschwemmungen und Erdrutsche starben mehr als 4000 Menschen. Es kam zu einem Ausbruch von Seuchen.

Nach der Katastrophe gab es vielfältige internationale Hilfe und Hilfszusagen. Allerdings nutzte die damalige Regierung unter Alemán einen Teil der Gelder, um sich und den ihr nahestehenden Gruppen einen Vorteil zu verschaffen.

Tierwelt Die Artenvielfalt in Nicaragua ist groß. In den Regenwäldern leben unter anderem Jaguare, Pumas, Ozelote sowie verschiedene Affenarten und Reptilien wie Alligatoren und Schlangen. Zudem gibt es eine Vielzahl an Vogelarten, zu nennen sind hier Papageien, Tukane, Pelikane und Kolibris. mini|ohne|Der Nationalvogel Nicaraguas: Guardabarranco (Türkisbrauenmotmot, Eumomota superciliosa)

Städte mini|Blick auf Managua

Im Jahr 2023 lebten 60 Prozent der Einwohner Nicaraguas in Städten. Die größten Städte sind (Stand: 30. Juni 2016):

+ Name der Stadt Einwohner Managua 1.033.622 León 169.362 Tipitapa 127.618 Masaya 125.824 Chinandega 111.256 Ciudad Sandino 110.083 Estelí 105.709 Matagalpa 103.860 Granada 100.496

Bevölkerung Demografie

Nicaragua hatte 2023 7,0 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,4 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 20,0 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 4,7 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,3, die der Region Lateinamerika und die Karibik betrug 1,8. Die Lebenserwartung der Einwohner Nicaraguas ab der Geburt lag 2022 bei 74,6 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 24,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 29,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 5,4 Prozent der Bevölkerung betrug.

+ Entwicklung der Bevölkerung Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl 1950 1.295.000 1990 4.145.000 1960 1.775.000 2000 5.027.000 1970 2.398.000 2010 5.738.000 1980 3.250.00020206.625.000

Bevölkerungsstruktur Etwa 90 % der Bevölkerung leben in der Pazifikregion und im Managua-Gebiet. Die Bevölkerung besteht zu 69,7 % aus Mestizen, 17,6 % sind Weiße (meist spanischer Abstammung). 9,2 % sind afrikanischer Herkunft, die zu 95 % in der Atlantikregion leben, allerdings stellen auch dort inzwischen Mestizen und Weiße mit knapp 59 % die Mehrheit. 3,2 % sind Indígenas, mehrheitlich Miskito sowie die kleineren ethnischen Gruppen Sumo (Mayangna) und Rama, deren Siedlungsgebiete im Landesinneren und an der Atlantikküste liegen. Hinzu kommen etwa 30.000 Araber (hauptsächlich Syrer, Libanesen und Palästinenser). In Managua existiert eine Gemeinde von rund 8000 chinesischen Einwanderern.

Sprachen Spanisch ist die Amtssprache Nicaraguas und wird von über 97 % der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen.inide.gob.ni VIII Censo de Población y IV de Vivienda. Resumen Censal. Nicaragua 2006. Weitere Sprachen sind Kreolisch (Karibisches Englisch), das besonders an der Ostküste Nicaraguas verbreitet ist, und die Indiosprachen Miskito. Die Miskito-Sprache ist die am häufigsten gesprochene indigene Sprache in Nicaragua. Dies liegt daran, dass die Miskito-Bevölkerung auch die höchste Einwohnerzahl der Ureinwohner im Land hat. Weitere Indiosprachen sind Sumu (Mayangna), Rama und Garífuna (Igñeri).

Religion links|mini|Die alte Kathedrale von Managua mini|Kathedrale von León

Unmittelbar nachdem die Spanier Nicaragua erobert hatten (um 1530), kamen spanische Missionare in das Land. Bis auf wenige Ausnahmen wurde die indigene Bevölkerung zum katholischen Glauben bekehrt.

Heute sind noch rund 47 Prozent der Nicaraguaner römisch-katholisch.Bericht Latinobarómetro 2013/2014 Die katholische Kirche umfasst acht Diözesen. In den letzten Jahren haben protestantische Freikirchen zunehmend an Einfluss gewonnen, aber auch die Religionsfreien haben um rund 8 auf 12 Prozent zugenommen. Die Herrnhuter Brüdergemeine kam im 19. Jahrhundert aus Deutschland, um die Mission an der englischsprachigen Miskitoküste zu beginnen. Fast alle Miskito- und Rama-Indianer gehören dieser evangelischen Kirche an. Auf Spanisch heißt sie Iglesia Morava und auf Englisch Moravian Church. Eine andere christliche Kirche im Land ist die Neuapostolische Kirche, die dort nach eigenen Angaben etwa 2000 Mitglieder betreut.Unsere Familie – Kalender 2005, S. 81. Darüber hinaus sind weitere Glaubensgemeinschaften wie Mormonen oder Zeugen Jehovas (20.000 Mitglieder) aktiv.

Die katholische Kirche hatte in der ganzen jüngeren Geschichte des Landes eine große Bedeutung. So wendete sich bereits Anfang der siebziger Jahre der damalige Erzbischof Obando y Bravo (Erzdiözese Managua) gegen die Somoza-Diktatur. In der katholischen Kirche fand der demokratische Widerstand starken Halt. Während der Regierungszeit der Sandinisten in den 1980er Jahren jedoch wurde Obando y Bravo zu einer Leitfigur der Opposition. Gläubige und Priester, die politisch im Sinne der Revolution aktiv waren, sahen sich starken Repressionen durch die Kirche ausgesetzt. Zugleich versuchte die Regierung unter Daniel Ortega, durch Installation einer sogenannten „Volkskirche“ (iglesia popular) die eigene Politik christlich zu rechtfertigen und propagandistisch zu stützen. Ihr prominentester Vertreter war Ernesto Cardenal. Diese Bewegung wurde von Vertretern der Befreiungstheologie und von den Regierungen von Kuba, der Deutschen Demokratischen Republik und der Sowjetunion unterstützt. Papst Johannes Paul II. rügte sie während seines vielbeachteten Nicaragua-Besuchs im Jahr 1983 öffentlich und erhob 1985 Obando y Bravo zum ersten Kardinal Nicaraguas.

Landfrage Als die Sandinisten 1979 ihre Landreform durchführten und das Land an Kleinbauern, Kooperativen und Staatsbetriebe verteilten, hatte man es unterlassen, die neuen Eigentümer offiziell im Grundbuch einzutragen. Man sagt, dass die Sandinisten es vergessen hätten, wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sie nicht die Kontrolle über so viele Ländereien verlieren wollten. Diese Umstände führten zur großen Landfrage in den 1990ern.

Eines der ersten Ziele, die nach 1990 verfolgt wurden, war es, die Landreform der Sandinisten rückgängig zu machen. Zunächst wurden Staatsbetriebe zu je 25 % zwischen den einstigen Großgrundbesitzern, Landarbeitern, ehemaligen Angehörigen der sandinistischen Armee sowie den ehemaligen Contras aufgeteilt. Doch mit dem Ende der Revolution kamen auch die mit Somoza geflohenen Reichen aus ihrem Exil in Miami zurück und forderten „ihr“ Land. Sie hatten im Gegensatz zu den Bauern und Kooperativen noch ihre Besitztitel. Auf juristischem Wege ließen sich einige Fälle „klären“, wobei die Richter oftmals bestochen wurden, um zugunsten der ursprünglichen Besitzer zu entscheiden. Es folgten harte Auseinandersetzungen, denn das durch die Revolution politisierte Volk ließ sich nicht sein Land wegnehmen. Es kam zu zahlreichen Protesten in der Bevölkerung, die auch zu einigen Erfolgen führten. So musste Alemán die geplante Neuordnung des Bodenbesitzes 1997 überarbeiten, nachdem es zu großen Demonstrationen und Blockaden gekommen war.

Doch die Besitzfrage bleibt in vielen Fällen ungeklärt, und die Gerichte schieben den Klagenberg vor sich her. Um die Situation endgültig zu klären, werden seit längerem spezielle Agrargerichte gefordert, doch diese wurden bisher nicht gegründet. Eine Folge dieser unklaren Besitzverhältnisse ist Landflucht.

Migration Wegen der hohen Arbeitslosigkeit gibt es in Nicaragua eine ausgeprägte Landflucht. Dabei ist die Hauptstadt Managua das wichtigste Ziel. Allerdings ist auch hier die wirtschaftliche Situation nicht wesentlich besser, und die Verstädterung bringt ihre eigenen Probleme mit sich. Viele zieht es weiter ins Ausland, wo sie Arbeit suchen. Schätzungen zufolge lebt rund jeder fünfte Bürger Nicaraguas im Ausland, hauptsächlich in Costa Rica und in den USA. Dort leben und arbeiten sie meist illegal und sind durch ihre Überweisungen an Freunde und Verwandte die Hauptdeviseneinbringer des Landes.

Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 9,7 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2017 praktizierten in Nicaragua 9,7 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 15,2 pro 1000 Lebendgeburten. Die Lebenserwartung der Einwohner Nicaraguas ab der Geburt lag 2022 bei 74,6 Jahren (Frauen: 77,6, Männer: 71,6). Die Lebenserwartung stieg von 67,2 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 11 %.

Geschichte

Kolonialzeit Bei seiner vierten Reise landete Christoph Kolumbus im Juli 1502 auf der Insel Guanaja, die zu den honduranischen Islas de la Bahía gehört. Von der Mündung des Río Coco, dem Cabo Gracias a Dios, folgte er der Küste Nicaraguas und ankerte an der Mündung des Río San Juan, um schwere Stürme zu überstehen.