Mit Adynaton (von ), Plural: Adynata, wird eine Aussage bezeichnet, in der jemand sagen will, dass etwas auf keinen Fall geschehen kann, dies aber indirekt zum Ausdruck bringt.
So heißt es zum Beispiel im Gleichnis vom Nadelöhr: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Auf direktem Wege ausgedrückt hieße die gleiche Aussage: „Ein Reicher kommt niemals in das Reich Gottes.“ Das Wort „niemals“ wird also indirekt durch „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ ausgedrückt.
Rhetorische Figur Das Adynaton ist eine rhetorische Figur, die die Bedeutung oder Behauptungsstärke einer Aussage durch den (expliziten oder impliziten) Wahrscheinlichkeitsvergleich mit etwas Unmöglichem betont, nach dem Schema: „Eher geht die Welt unter, als dass…“. Das Adynaton stammt aus der altgriechischen Dichtung und wird ursprünglich meist im Zusammenhang eines Schwures, später abgeschwächt einer Beteuerung gebraucht. In der formalen Ausführung sind nach Gregor Maurach explizit komparativische Adynata von nicht oder nur implizit komparativischen Adynata zu unterscheiden.Gregor Maurach: Lateinische Dichtersprache. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, § 158 d.
Beispiele
Ältester Beleg ist das nicht-komparativische Adynaton bei Homer, Ilias I 233 ff.:
Klassisches Beispiel der komparativischen Form ist Vergil, Bucolica I 59-63:
Weitere musterhaft ausgeprägte Adynaton-Reihungen liegen etwa in den mit der Appendix Vergiliana überlieferten Dirae sowie, zum paradoxen Genuss einer kompletten Adynaton-Dichtung gesteigert, im spätantiken Gedicht Aurea concordi … der Dichterin Eucheria vor.Text und Übersetzung bei Helene Homeyer (Hrsg.): Dichterinnen des Altertums und des frühen Mittelalters. Zweisprachige Textausgabe. Schöningh, Paderborn u. a. 1979, S. 185–187. Die mittelalterliche, v. a. karolingische Dichtung verallgemeinert das Adynaton zum Topos der verkehrten Welt, der in parodistischer oder moralisierender Weise gebraucht wird.Ernst Robert Curtius: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. 4. Aufl. Francke Verlag, Bern/München 1963, Kap. 5, § 7.
mini|Christiaen Gillisz. van Couwenbergh: Die Mohrenwäsche (1632) In werden das Weißwerden eines Kuschiters und das Verschwinden der Flecken eines Leoparden als ebenso unmöglich genannt wie dass Jerusalem bzw. Juda sich zum Guten wendet. Im 17. Jahrhundert bezog sich der niederländische Maler Christiaen Gillisz. van Couwenbergh darauf in seinem Gemälde Die Mohrenwäsche.Wolfgang Maier-Preusker: Christiaen van Couwenbergh (1604-1667). Œuvre und Wandlungen eines holländischen Caravaggisten. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 52 (1991), S. 163-236, hier S. 195 f.
Literatur Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler-Lexikon Sprache. 3. neubearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 3-476-02056-8, S. 16. Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur (= Kröners Taschenausgabe. Band 231). 8., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-23108-5.
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Einzelnachweise
Kategorie:Rhetorischer Begriff