Chaba (eigentlich Hor-Chaba) ist der Horusname eines altägyptischen Herrschers (Pharao), der während der 3. Dynastie regierte. Thomas Schneider datiert seine Regierungszeit auf den Zeitraum um 2670 v. Chr.Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 97., Michael Rice hingegen auf den Zeitraum zwischen 2640 v. Chr. und 2637 v. Chr.Michael Rice: Who’s Who in Ancient Egypt. London 2002, S. 92.
Chaba ist dank Tonsiegelabdrücken und Gefäßinschriften archäologisch belegt und dokumentiert, allerdings haben sich zu seiner Person und Regierungszeit Fragen ergeben, die zu divergierenden Theorien und Ansichten innerhalb der Forschung geführt haben. So scheint Chaba der erste Herrscher Ägyptens gewesen zu sein, der einen Goldhorusnamen führte.Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 2002, S. 84–86, 171, 172 und 177.Jean-Pierre Pätznik: Siegelabrollungen und Rollsiegel der Stadt Elephantine im 3. Jahrtausend v. Chr.: Spurensicherung eines archäologischen Artefaktes. (= Breasted, Ancient Records. (BAR) International Series. Band 1339). Archaeopress, Oxford 2005, ISBN 1-84171-685-5 (Zugleich: Dissertation, Universität Heidelberg 1999), S. 73–75.
Seine chronologische Position innerhalb der Dynastie und seine exakte Herrschaftsdauer sind umstritten. Grund hierfür sind zeitgenössische Siegelinschriften, die keinerlei Hinweise auf besondere politische, kulturelle oder religiöse Ereignisse liefern, sondern sich allein auf das Aneinanderreihen von Königsnamen und Beamtentiteln beschränken. Hinzu kommen spätere Königslisten der Ramessidenzeit, in denen stark verzerrte Kartuschennamen erscheinen, die einander hinsichtlich Position und Anzahl der Herrschernamen widersprechen. Diese Ungenauigkeiten und fehlende Quellen erschweren eine sichere Auswertung der historischen Figur des Chaba und seiner Regierungszeit. Aus diesem Grund haben verschiedene Ägyptologen und Historiker unterschiedliche Gleichsetzungsversuche von Chabas Horusnamen mit Kartuschennamen ramessidischer Königslisten aufgestellt und vorgetragen.
Umstritten ist auch, wo Chaba bestattet wurde. Während ein Großteil der Ägyptologen eine Stufenpyramide in Saujet el-Arjan als Grabstätte favorisiert, vermuten andere die nahegelegene Mastaba Z500 als Bestattungsort.Aidan Dodson: The Layer Pyramid of Zawiyet el-Aryan: Its Layout and Context. In: Journal of the American Research Center in Egypt. (JARCE) Nr. 37, 2000, American Research Center (Hrsg.), Eisenbrauns, Winona Lake / Bristol 2000, , S. 81–90.
Belege
Chaba ist durch insgesamt neun Gefäßinschriften belegt. Fundorte sind Saujet el-Arjan, Abusir und Naga-ed-Deir. Die Gefäße sind ausnahmslos schalenförmig, bestehen aus Magnesit, Diorit und Travertin und weisen eine polierte, glatte Oberfläche auf. Die Inschrift befindet sich stets auf der Innenseite und besteht jeweils nur aus dem Horusnamen.
Chabas Name erscheint auch auf mehreren, fragmentarisch erhaltenen Tonsiegeln. Fundorte umfassen Quesna (im Delta)Luxor Times: British archaeologists discovered an Old Kingdom Mastaba in Delta, Saujet el-Arjan, Hierakonpolis und Elephantine. Auf Elephantine wurde die größte Anzahl an Siegeln entdeckt. Es wird vermutet, dass sich unter dem heutigen Garten des Museums von Elephantine noch weitere Siegel finden lassen. Hintergrund der Annahme ist der Umstand, dass an die heutige Gartenanlage eine archäologische Ausgrabungsstätte angrenzt, in der bereits vorgenannte Siegel gefunden wurden. Die Tonsiegelabdrücke enthalten weitaus mehr Inschriften als die Gefäße, allerdings sind die Abdrücke aufgrund ihres Alters stark erodiert und die Tonsiegel zerbrochen.
Eines dieser Tonsiegel, als UC-11755 registriert, ist zwar ungesicherter Herkunft, aber trotzdem von besonderem Interesse für die Ägyptologie: Die Inschrift ist ungleich gut erhalten und präsentiert Chabas Horusnamen im Wechsel mit einem möglichen Goldnamen.
Identität 220px|mini|Tonsiegelfragment UC 11755; Petrie Museum, London.
Zum Königsnamen König Chaba ist nur durch seinen Horus- und Goldnamen bekannt, sein Thron- (Nisut-Biti) und Nebtiname sind nicht überliefert. Sein Goldname konnte bislang auf nur einem Tonsiegel nachgewiesen werden. Gleichzeitig ist Chaba einer der wenigen Herrscher der Frühzeit und des Alten Reiches, für die ein Goldname archäologisch nachgewiesen ist. Der Goldname wird als eine Art Vorläufer des späteren Goldhorusnamens angesehen. Es ist möglich, dass Chaba die endgültige Form eingeführt hat, da sein Goldname als erster die Miniaturdarstellung eines Horusfalken enthält.Alexandre Moret: The Nile and Egyptian Civilization. Hoboken 2013, S. 149–150. Die korrekte Lesung und Deutung des Namens sind umstritten. Alexandre Moret verweist auf den Goldnamen von König Djoser, welcher Ra-Nubti („Goldene Sonne“) lautete und sich aus einem Sonnensymbol über einem Goldzeichen zusammensetzte. König Chaba ersetzte das Sonnenzeichen durch einen Horusfalken auf einer Standarte, nachdem die Sonne als Himmelskörper unter Djoser zur eigenständigen Gottheit Re erhoben worden war.
Moret liest Chabas Goldhorusnamen als Hor-Nubti und übersetzt dies mit „Goldener Horus“. Thomas Schneider und Jürgen von Beckerath tendieren in ganz ähnliche Richtung und lesen Netjer-nub, was sie mit „Goldener Falke“ übersetzen. Peter Kaplony wiederum liest Nub-iret, alternativ auch Nub-iret djedef, wobei er unsicher ist, ob die Silbe djedef noch zum Titel gehört oder eine Hinzufügung in Form eines Ehrentitels darstellt. Den Horusfalken sieht er nicht als Teil des Goldnamens, sondern als eigenständigen Titel.Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Band 3. Harrassowitz, Wiesbaden 1963, ISBN 3-447-00052-X, S. 173–174.
Neben Chaba sind die einzigen Vorgängerkönige vor König Snofru (Begründer der 4. Dynastie), für die ebenfalls Goldnamen überliefert sind, die Herrscher Djer, Den (beide 1. Dynastie), Ninetjer, Chasechemui (beide 2. Dynastie) und Djoser (3. Dynastie). Von König Snofru an gehörte der Goldhorusname zum festen Titulaturprogramm eines jeden ägyptischen Herrschers, unabhängig von dessen Regierungsdauer.
Gleichsetzung mit ramessidischen Königslisten 220px|mini|Steingefäß mit Chabas Namen; Petrie Museum, London.
Dass Chabas Herrschaftsdauer und seine chronologische Position innerhalb der Dynastie umstritten sind, ergibt sich aus späteren, vornehmlich ramessidischen Königslisten, die während der 19. und 20. Dynastie verfasst wurden und die Geburtsnamen von verstorbenen Herrschern heranziehen. Der Geburts- und der Nebtiname von Chaba sind jedoch auf zeitgenössischen Artefakten nicht erhalten, sodass sich Ägyptologen uneinig sind, mit welchem ramessidischen Königsnamen Chaba zu identifizieren ist. Die Königsliste von Abydos präsentiert für die 3. Dynastie die Kartuschennamen Nebka, …djeser-sa, Teti, Sedjes und Neferkare. Die Königsliste von Sakkara im Grab des hohen Beamten Tjuloy listet die Namen Djeser, Djeserteti, Nebkare und Huni auf. Und der Turiner Königspapyrus gibt Djeser-it, Djeser-itj, Hudjefa II. und Huni als Herrschernamen an. Der Griechisch schreibende, ägyptische Historiker Manetho benennt für die 3. Dynastie sogar neun Herrscher: Necheróphes, Tosorthrós, Týreis, Mesôchris, Sôÿphis, Tósertasis, Achês, Sêphuris, und Kerpherês. Allerdings handelt es sich nach einer neuen Untersuchung durch Christoffer Theis teilweise um Namen von Herrschern, die aus der vierten Dynastie aus unbekannten Gründen in die dritte Dynastie eingedrungen sind.Christoffer Theis: Bemerkungen zu Manetho und zur manethonischen Tradition. 1, Die dritte Dynastie. In: Welt des Orients. Band 44, 2014, S. 109–125. Ägyptologe Iorwerth Eiddon Stephen Edwards beispielsweise identifiziert Chaba mit dem Kartuschennamen Teti.Iorwerth Eiddon Stephen Edwards, C. J. Gadd: The Cambridge ancient history: History of the Middle East and the Aegean Region. Cambridge University Press, New York 1975, ISBN 0-521-08691-4, S. 156.
Wolfgang Helck und Aidan Dodson hingegen setzen Chaba mit dem Kartuschennamen Hudjefa II. gleich. Das altägyptische Wort hudjefa bedeutet „zerstört“ und stellt keinen wirklichen Personennamen dar, sondern ist ein Vermerk der Verfasser der Königslisten, dass der ursprüngliche Königsname nicht mehr lesbar war. Da die Erstverfasser das Wort (wohl versehentlich) mit einer Kartusche umrahmten, wurde Hudjefa von nachfolgenden Schreibern sehr wohl als Königsname verstanden und entsprechend übernommen. Der Turiner Königspapyrus nennt als einziges Dokument eine Regierungsdauer von sechs Jahren für den nun verlorenen Herrscher. Eine solch kurze Regierungszeit würde auch zu einem eher wenig belegten Herrscher wie Chaba passen.Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 109.
Rainer Stadelmann, Nicolas Grimal und Toby Wilkinson widersprechen vorgenannten Theorien und schlagen stattdessen eine Gleichsetzung von Chaba mit einem Herrscher namens Huni vor. Dieser Herrscher ist, wenn auch nur spärlich, ebenfalls zeitgenössisch belegt und wird in den ramessidischen Königslisten einhellig als letzter Regent der 3. Dynastie beschrieben. Hintergrund des Gleichsetzungsvorschlags ist die Schichtpyramide von Saujet el-Arjan. Dieses Grabmonument wird von einigen Gelehrten König Chaba zugesprochen, da sich ganz in der Nähe eine Mastaba befindet, in der mehrere Steinschalen mit Chabas Horusnamen gefunden wurden. Stadelmann und Grimal sind überzeugt, dass die Pyramide ursprünglich vollendet worden war, die Vollendung jedoch mehrere Regierungsjahre in Anspruch genommen haben musste. Da der Turiner Königspapyrus für den Namen Huni eine Regierungsdauer von 24 Jahren angibt, sieht Stadelmann hierin die Verknüpfung zwischen Chaba und Huni als ein und dieselbe Person: Die im Papyrus angegebenen 24 Jahre würden den Bau der Schichtpyramide ausreichend decken. Um seine These zu stützen, verweist Stadelmann auf eine Stufenpyramide auf Elephantine, in deren Nähe Tonsiegel des Chaba entdeckt wurden und die gleichzeitig Huni zugesprochen wird.Rainer Stadelmann: King Huni: His Monuments and His Place in the History of the Old Kingdom. In: Zahi A. Hawass, Janet Richards (Hrsg.): The Archaeology and Art of Ancient Egypt. Essays in Honor of David B. O'Connor. Band 2, Conceil Suprême des Antiquités de l'Égypte, Kairo 2007, S. 425–431.
Nach einer neuen Untersuchung könnte Chaba mit dem Kartuschennamen Neferkare identisch sein.Christoffer Theis, Zu den an der Pyramide Lepsius XIII gefundenen Namen. Die Frage nach Nfr-k3 und B3-k3, In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 43, 2014, S. 426–438.
Manethos Herrscherliste Es ist unbekannt, ob König Chaba in die Königschronologie des Manetho mit einbezogen wurde. Eine Gleichsetzung der von ihm genannten Herrschernamen mit zeitgenössischen Herrschern wird im Allgemeinen als problematisch bewertet, da Manetho gräzisierte Namen benutzt, deren Herleitungsquellen unklar sind. Manetho nennt an der Stelle, an der Chabas Name erscheinen müsste, die Prätendenten Mesôchris und Sôÿphis. Wolfgang Helck und Eberhard Otto setzen allerdings diese Namen mit Sanacht, einem weiteren König der 3. Dynastie, gleich.Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Lexikon der Ägyptologie. Band 5, Harrassowitz, Wiesbaden 1984, ISBN 3-447-02489-5, S. 250. Doch wurde zuletzt deutlich gemacht, dass weder Mesôchris noch Sôÿphis Könige der dritten Dynastie waren, sondern dass es sich bei beiden um verschriebene griechische Namen aus der vierten Dynastie handelt. Damit entfallen alle genannten früheren Gleichsetzungen in der Literatur.
Regierungszeit Die genaue chronologische Position von Chabas Regierungszeit ist nicht genau bestimmbar, da die ramessidischen Königslisten einander teilweise widersprechen, was Anzahl und Position bestimmter Königsnamen betrifft. Auch eine Auswertung möglicher Regierungsereignisse gestaltet sich als schwierig.
Chronologie und Herrschaftsdauer 220px|mini|Tonsiegel des Chaba mit der stark zerstörten Darstellung einer Gottheit.