Huni (ursprüngliche Lesung des Eigennamens unklar) war vermutlich der letzte altägyptische König (Pharao) der 3. Dynastie (Altes Reich). Er mag gemäß Thomas Schneider zwischen 2690 und 2670 v. Chr. regiert haben. Im Turiner Königspapyrus werden ihm 24 Jahre Regierungszeit zugesprochen.
Von der modernen Forschung wird Huni als schwer fassbarer Herrscher angesehen, da einerseits zwar spätere Quellen über ihn vorliegen, andererseits jedoch nur sehr wenige zeitgenössische Artefakte oder Denkmäler erhalten geblieben sind. Zudem widersprechen sich spätere Königslisten und Chroniken hinsichtlich der Anzahl und Reihenfolge der Könige während der 3. Dynastie. Einigkeit herrscht nur dahingehend, dass die Königslisten, die Huni erwähnen, ihn stets als Vorgänger von König Snofru, dem Begründer der 4. Dynastie, beschreiben.: Der Name des letzten Königs der 3. Dynastie und die Stadt Ehnas. S. 125–128. Es ist zudem unklar, unter welcher gräzisierten Namensform Huni in den berühmten Aegyptiaca des antiken Historikers Manetho erscheint. Ägyptologen wie Winfried Barta halten den Namen Achés für denkbar, welcher von Manetho in seiner Beschreibung der 3. Dynastie an siebter Stelle aufgeführt wird. Zeitgenössische Belege erwähnen Huni nur indirekt und verschweigen jegliche Informationen zu seiner Familie und Herkunft. Bisherige Rückschlüsse auf seine Identität und Regierungszeit sind deshalb vorwiegend Vermutungen und Rekonstruktionen.
Belege Die einzigen zeitgenössischen Monumente, die zweifelsfrei Huni zugeordnet werden können, sind ein Granit-Konus und eine Inschrift auf einem Steingefäß.
Der Konus aus rotem Granit wurde 1909 auf Elephantine gefunden, nahe einer kleinen Stufenpyramide. Das 160 cm hohe, 69 cm dicke und 50 cm breite Denkmal wird heute im Ägyptischen Museum in Kairo (JE 41556) aufbewahrt. Nach Rainer Stadelmann wurde es ursprünglich sichtbar an der Außenseite der kleinen Pyramide aufgestellt.: King Huni. S. 426.
In den Jahren 2009 und 2010 fand Miroslav Barta bei den Ausgrabungen der Mastaba AS-54 in Abusir-Süd einen weiteren Beleg des Königs Huni, ein Steingefäß aus poliertem Magnesit. Die kurze Inschrift lautet: König von Ober- und Unterägypten, Huni. Der Name des Herrschers ist ohne Kartusche geschrieben, der Name des Grabbesitzers konnte noch nicht identifiziert werden.: An Abusir Mastaba from the Reign of Huni. S. 47; Abbildung 6, S. 48.
In der Mastaba des hohen Beamten Metjen (Mastaba L6 in Sakkara, Ende der 3. Dynastie) wird ebenfalls der Name des Huni erwähnt. Der Grabbesitzer wird als „Leiter des Totenstiftungsgutes des Königs Huni im 2. unterägyptischen Gau“ bezeichnet.Karin Barbara Gödecken: Eine Betrachtung der Inschriften des Meten im Rahmen der Sozialen und rechtlichen Stellung von Privatleuten im ägyptischen alten Reich (= Agyptologische Abhandlungen. Band 29). Harrassowitz, Wiesbaden 1976, ISBN 3-447-01613-2, S. 9–10; Kurt Sethe: Urkunden des Alten Reichs (= Urkunden des ägyptischen Altertums. 1. Abteilung, Band 1). Hinrichs, Leipzig 1933, S. 2 (Urk. I, 2,12).
Des Weiteren wird Huni auf der Rückseite des berühmten Palermosteins genannt. Unter der Herrschaft des Neferirkare (5. Dynastie) ist ein Gut, das den Namen Hunis trägt, bezeugt. Diese Anlage konnte jedoch bislang nicht lokalisiert werden.Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 88.
Huni wird außerdem im Papyrus Prisse (vermutlich 13. Dynastie) aufgeführt, in dem unter anderem die Lehre für Kagemni erzählt wird. In dieser Lehre (Kolumne II, Zeile 7) heißt es:
Damit wird Huni als direkter Vorgänger von Snofru angegeben, was sich mit den späteren Königslisten deckt:Nicolas Grimal: A History of Ancient Egypt. Oxford 1992, S. 65–67. Auch der Turiner Königspapyrus sowie die Königsliste von Sakkara beschreiben Huni als direkten Vorgänger von König Snofru.
Ein bekanntes Fundstück, das oft Huni zugesprochen wird, ist der sogenannte „Brooklyner Königskopf“ aus poliertem Rosengranit (siehe Titelbild). Aufgrund des pausbackigen Gesichts wird er aber ebenso Pharao Cheops zugewiesen.R. A. Fazzini, R. S. Bianchi, J. F. Romano, D. B. Spanel: Ancient Egyptian Art in the Brookylin Museum. New York 1989.
Name und Identität Der Name „Huni“ mini|hochkant=0.4|Die Sakkara-Liste stammt aus der 19. Dynastie. Sie zeigt die jüngere Schreibweise.
Vom Königsnamen „Huni“ gibt es verschiedene Varianten, die sich grundsätzlich in eine ältere und eine jüngere Schreibweise einteilen lassen: Auf älteren Belegen wird er mit den Gardiner-Zeichen M23 (Binse), X1 (Brotlaib), N35 (Wasserlinie) und V28 (Seilstrick o. Kerzendocht) oder ähnlich geschrieben – so auf dem Granit-Konus aus Elephantine (möglicherweise zeitgenössisch), auf dem Palermostein (5. Dynastie), auf der Grabinschrift des Metjen (3. bis 4. Dynastie) und auf dem Steingefäß aus Abusir (3. bis 4. Dynastie). Daneben existiert eine jüngere Schreibweise, die durch das Determinativ eines „schlagenden Mannes“ (A25) gekennzeichnet ist und den Bestandteil Nisut nicht mehr enthält: Auf dem Papyrus Prisse (13. Dynastie) wird er mit den Zeichen A25, N35 und Z4 (zwei Schrägstriche) überliefert, das Zeichen V28 wurde hier ausgelassen. In der Königsliste von Sakkara (19. Dynastie) und in der Turiner Königsliste (19. Dynastie) bilden die Zeichen V28, A25, N35, Z4 und D40 (Arm mit Stock) Hunis Namen. Die Königsliste von Abydos (ebenfalls 19. Dynastie) führt Huni merkwürdigerweise nicht auf und nennt stattdessen einen gewissen Neferkare, den die Ägyptologie nicht recht zuzuordnen weiß. Bereits Ludwig Borchardt stellte fest, dass es sich bei allen Varianten um den gleichen Namen handeln muss. Er las den älteren Namen nsw Ḥ(w) (Nisut H(u)) („König Hu“) und nahm an, dass die spätere Überlieferung aus einer falschen Überlegung heraus das Nisut als Titel aus der Kartusche herausgenommen und vor diese gestellt habe.Ludwig Borchardt: König Huni? In: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Band 46, 1909, S. 12–13 (). Die Verkürzung Hu verstand man als „Schläger“ und setzte das Zeichen des schlagenden Mannes dahinter.: Der Name des letzten Königs der 3. Dynastie und die Stadt Ehnas. S. 127. Das Ni (N35 + Z4) sei eine auch sonst feststellbare Erweiterung der Schreibung dieses Wortes, die aus der Schleife am Rücken des Zeichens des „schlagenden Mannes“ entwickelt worden sei. Eine Lesung als „König Hu“ schlug auch Eduard Meyer vor.
Hans Goedicke schlug eine Lesung des Namens als Nj-Swtḥ (Ni-Suteh) vor, die sich an den Königsnamen Nj-nṯr (Ninetjer) und N(.j)-wsr-Rˁ (Niuserre) orientiert, die ebenfalls mit Nj („zugehörig“) beginnen und sich auf eine bestimmte Gottheit berufen.Hans Goedicke: The Pharaoh Ny-Swtḥ. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. Band 81, 1956, S. 18–24. Rainer Stadelmann und Wolfgang Helck widersprechen dem und machen geltend, dass weder eine Gottheit Swtḥ, noch sonst im Altägyptischen ein Wort dieser Konsonantenfolge bekannt ist. Daher wird Goedickes Lesung inzwischen abgelehnt.: Der Name des letzten Königs der 3. Dynastie und die Stadt Ehnas. S. 126.: King Huni. S. 425.
Wolfgang Helck verweist auf die älteste überlieferte Form des Namens der Stadt Ehnas aus der 6. Dynastie. Da die Schreibung dieses Stadtnamens die gleichen Zeichen wie der Name „Huni“ verwendet, legt er nahe, dass sich dahinter ein alter Gutshof der Totenstiftung dieses Königs verbirgt. Somit müsste die Schreibung des Stadtnamens also den Königsnamen des Königs Ḥw enthalten. Da eine keilschriftliche Version des Ortsnamens als Ḫininsi überliefert ist, folgert Helck, dass die Zeichen im Königsnamen ḥ + n + nsw zu interpretieren sind. Daraus leitet er den Namen Ḥw-nj-nsw („Der ‚Ausspruch‘ gehört dem König“) ab, der zwar bisher nicht belegt ist, aber parallel zu K3-nj-nsw („Das Ka gehört dem König“) gebildet ist.W, Helck: Der Name des letzten Königs der 3. Dynastie und der Stadt Ehnas. 1976, S. 126–127. Helck identifiziert den Ort mit Herakleopolis parva, das am Nordostrand des Nildeltas liegt.
Rainer Stadelmann weist abschließend darauf hin, dass Helcks Interpretation nicht unproblematisch ist, insbesondere in Hinblick auf die Form der Königsnamen aus der 3. Dynastie: Während dieser Zeit (und in den Dynastien davor) wurde in öffentlichen Dokumenten und an öffentlich zugänglichen Orten nur der Horusname des Königs zur Schau gestellt, der Geburtsname wurde verschwiegen. Huni wäre demzufolge der erste ägyptische Herrscher, unter dem sich die Königskartusche als offizielles und in der Öffentlichkeit präsentiertes Namenssiegel durchsetzt.Kathryn A. Bard, Steven Blake Shubert: Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London / New York 2014, ISBN 978-0-415-18589-9, S. 495.
Zum möglichen Horusnamen König Huni kann nicht eindeutig einem Horusnamen aus der 3. Dynastie zugeordnet werden. Es gibt auch diesbezüglich Kontroversen und alternative Vorschläge.
Toby Wilkinson, Jaromír Málek,J. Malek, in: Ian Shaw (Hrsg.): The Oxford history of ancient Egypt. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-815034-2, S. 93. Nabil Swelim und Jacques Vandier schlagen eine Gleichsetzung von Huni mit einem König namens Horus Qa-hedjet („Erhobene Krone des Horus“) vor, der nur auf einer einzigen Stele (Louvre E 25982) erwähnt wird und von dem nur der Horusname bekannt ist. Stilistisch datiert sie in die Zeit zwischen Djoser und Snofru.: King Huni. S. 428. Allerdings gibt es Zweifel an der Echtheit der Stele.Jean-Pierre Pätznik, Jacques Vandier: L’Horus Qahedjet: Souverain de la IIIe dynastie? Leuven 2007, S. 1455–1472.Toby Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 103.
Peter Kaplony hält den Namen Neb-hedjetnub („Herr der Goldenen Krone“) aus dem Großen Grabschacht in Saujet el-Arjan für Hunis möglichen Horusnamen. Aber auch dies ist nicht unwidersprochen, da es sich nach Meinung von Aidan Dodson und Nabil Swelim eher um einen Goldnamen handelt, der dem König Bicheris (4. Dynastie) zugesprochen wird.Aidan Dodson: On the date of the unfinished pyramid of Zawyet el-Aryan. In: Discussion in Egyptology. 3. Ausgabe, 1985, S. 22.Peter Kaplony: Die Rollsiegel des Alten Reiches. Band I, Fondation Egyptologique, Brüssel 1981, S. 146–155.
Andere Ägyptologen setzen Huni mit König Horus Chaba gleich, da Chaba – ähnlich wie Qahedjet – nur durch seinen Horusnamen, jedoch nicht durch weitere Titel bekannt ist. Diese Gleichsetzung basiert auf dem Umstand, dass Chabas Serech alleinstehend auf gravierten Steingefäßen erscheint, ein Trend, der mit dem Tod des Königs Chasechemui (Ende der 2. Dynastie) begann und eine auffällige Modeerscheinung der 3. Dynastie war.Toby H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 85. Ergänzend wirft Rainer Stadelmann ein, dass Chaba die ihm zugeschriebene Pyramide von Saujet el-Arjan nahezu fertigstellen konnte und die 24 Jahre, die Huni im Turiner Kanon zugesprochen werden, den für die Fertigstellung erforderlichen Zeitrahmen vollständig decken würden. Eine Gleichsetzung zwischen Horus Chaba und Huni gilt deshalb als die bislang wahrscheinlichste.
Familie mini|80px|Gefäßaufschrift aus Elephantine mit Djefatnebti, die vielleicht mit Huni liiert war.
Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Könige am Übergang von der 3. zur 4. Dynastie sind nicht geklärt. Die Königsliste von Saqqara, der Turiner Königspapyrus und die Lehre für Kagemni im Papyrus Prisse beschreiben Snofru stets als direkten Nachfolger des Huni. Eine Schlüsselfigur ist die Königin Meresanch I. Diese ist ziemlich sicher die Mutter des Snofru,: Die Königsmütter des Alten Ägypten. S. 67f. es sind aber keinerlei Titel bezeugt, die sie als Tochter oder Gemahlin eines Königs ausweisen. Auch sonst finden sich keine Hinweise auf eine genealogische Verbindung zwischen Snofru und Huni. Da in Manethos Chronik zur altägyptischen Geschichte (Aegyptiaca) mit Snofru eine neue Dynastie beginnt, ist es durchaus möglich, dass mit ihm eine andere Königsfamilie an die Macht gekommen ist.: Die Königsmütter des Alten Ägypten. S. 68f.