Der Musikverlag () ist in der Medienwirtschaft ein zu den Medienunternehmen gehörender Verlag, der Verlagsrechte von Musikwerken akquiriert, verwaltet, sie bei der Verwertungsgesellschaft registrieren lässt und sie Tonträgerunternehmen zur Veröffentlichung anbietet.

Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen gemäß UrhG für ihre Werke Urheberrechtsschutz, weil Musikwerke zur Kunst gehören und deshalb dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Die Urheber sind Komponisten (Melodie) und Liedtexter (Text), die ihre Urheberrechte jedoch nicht selbst wahrnehmen können. Den Urhebern steht gegenüber den Nutzern der Werke eine Vergütung zu, deren Ansprüche gemäß UrhG nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden können. Diese rechnet aber nicht mit den Urhebern, sondern mit den Musikverlagen ab.

Musikverlage können in Verlage der Unterhaltungsmusik (U-Verlage) und Verlage der ernsten Musik (E-Verlage) unterteilt werden. E-Musikverlage erwirtschaften einen Großteil ihrer Umsätze aus Notendruck und Papiergeschäft (Musikalien).

Aufgaben Ein Musikverlag ist ein Unternehmen, das „Musikkompositionen mit kommerziellem Marktpotenzial von Urhebern sucht, Vertragsverhandlungen mit diesen führt, die Urheberrechte erwirbt und das Management der Musikstücke für einen bestimmten Zeitraum übernimmt“.Harvey Rachlin, The Encyclopedia of the Music Business, 1981, S. 217; ISBN 978-0060149130 Der Musikverlag bildet die Schnittstelle zwischen Komponisten und Liedtextern einerseits und den Verbrauchern, Tonträgerunternehmen und Verwertungsgesellschaften andererseits.Insa Sjurts, Gabler Lexikon Medienwirtschaft, 2011, S. 426 Wesentliche Aufgaben sind die Beschaffung von erfolgversprechenden Musikwerken (), der Abschluss eines Verlagsvertrages mit den Urhebern, das Marketing der Musikwerke bei einem geeigneten Tonträgerunternehmen sowie der Buchdruck von Notenblättern und sonstigen Fachbüchern über Musik. Zudem ist der Musikverlag auch zuständig für die Lizenzerteilung an ausländische Medienunternehmen. Ferner unterstützt er das Marketing und die Musikpromotion bei Tonträgerunternehmen.

Einige Musikverlage diversifizierten ihren Aufgabenbereich, indem sie eigene Tonstudios errichteten. Zu den ersten produzierenden Verlegern gehörten Ralph Maria Siegel und Will Meisel, die 1960 eine Produktionsfirma gründeten.Jürgen Osterhammel/Martin Rempe/Sven Oliver Müller, Kommunikation im Musikleben, 2015, S. 256 Sohn Peter Meisel gründete mit Bruder Thomas 1962 die Hansa Musik Produktion.

Geschichte Musikverlage hatten sich früher auf die Vermarktung von Notenblättern () spezialisiert. Erst die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1440Christoph Marquand Ed.Johann August Meissner, Kurz gefasste Geschichte des Buchdrucks, 1839, S. 26 ermöglichte den Musiknotendruck. In dieser Phase fungierten die Druckereien als Verleger, von denen Ottaviano dei Petrucci 1498 als patentierter Erfinder des Notendrucks galtChristian Baierle (Hrsg.), Der Musikverlag. Geschichte, Aufgaben, Medien und neue Herausforderungen, 2009, S. 57 und als erster Musikverleger angesehen wird. Erhart Öglin und Peter Schöffer der Jüngere imitierten ab 1512 in Deutschland dessen Drucktechnik.

Ersichtlich erster weltweiter Musikverlag im heutigen Sinne war der im Januar 1719 in Leipzig gegründete Verlag Breitkopf & Härtel, dem 1790 die Mainzer Schott Music folgte. Beide existieren noch heute. Der Sohn des Verlegers Bernhard Christoph Breitkopf war Johann Gottlob Immanuel Breitkopf, der den musikalischen Notensatz revolutionierte, indem er die Drucktypen in kleinere Segmente zerlegte.Karl Robert Mandelkow (Hrsg.), Goethes Briefe, Band 1: Briefe der Jahre 1764–1786, 1965, S. 544 Im Dezember 1800 gründeten die Komponisten Franz Anton Hoffmeister und Ambrosius Kühnel in Leipzig die Edition Peters,Erika Bucholtz, Henri Hinrichsen und der Musikverlag C.F. Peters, 2001, S. 1 ff. im April 1807 entstand der Friedrich Hofmeister Musikverlag. Ein existenzielles Problem für diese ersten Musikverlage war das Fehlen eines Urheberrechts, so dass der wechselseitige Nachdruck von Notenblättern legal war.Urs Pfeiffer, Vom Notendrucker zum Rechtemakler: Die Entwicklung des modernen Musikverlags, 2012, S. 24 Deshalb schlossen sich im Mai 1829 insgesamt 16 deutsche Musikverlage zum „Verein der Musikverleger gegen musikalischen Nachdruck“ zusammen, der als Fachverband einzustufen ist und aus dem der „Deutsche Musikverleger-Verband (DMV)“ hervorging. Ein englisches Gesetz von 1710,The Statute of Anne, 1710, Copyrighthistory.com (englisch) das so genannte Statute of Anne, erkannte als erstes ein ausschließliches Vervielfältigungsrecht der Autoren an, die es dann an die Verleger abtraten. Nachdem die USA und Frankreich mit ähnlichen Gesetzen nachzogen, folgte Preußen 1837 mit einem entsprechenden Schutz. Die Bundesversammlung Deutscher Bund beschloss ebenfalls 1837 eine zehnjährige Schutzfrist seit Erscheinen des Werkes – 1845 auf 30 Jahre nach dem Tode des Urhebers () verlängert. 1870 wurde im Norddeutschen Bund ein allgemeiner Urheberrechtsschutz eingeführt, den das Deutsche Reich 1871 übernahm und später weiter ausbaute. Dadurch fanden auch Musikverlage ihren rechtlichen Platz im Rahmen des Urheberrechtes. Nach 1850 erlebte das Verlagswesen einen weiteren Aufschwung, der einerseits auf die großen Bedarf an Salon- und Tanzmusik und andererseits an neuen Drucktechniken lag, die Massenauflagen ermöglichten.Wieland Ziegenrücker/Peter Wicke, Sachlexikon Popularmusik, 1987, S. 258; ISBN 3-442336015

Im Oktober 1942 entstand in Nashville der Musikverlag Acuff-Rose Publications, gegründet von Country-Sänger Roy Acuff und Songwriter Fred Rose, dessen Kerngeschäft die Country-Musik war.John Rumble, Acuff-Rose Publications, in: Paul Kingsbury (Hrsg.), The Encyclopedia of Country Music, 1998, S. 5 f. Hill & Range wurde im Dezember 1944 von den Österreichern Joachim „Jean“ Aberbach (* 12. August 1910 in Wien; † 24. Mai 1992 New York City), Bruder Julian „Julius“ (* 8. Februar 1909 in Wien; † 17. Mai 2004 New YorkBillboard-Magazin vom 5. Juni 2004, Julian Aberbach Dies At 95, S. 59)Ronnie Pugh, Hill and Range Songs Inc., in: Paul Kingsbury (Hrsg.), The Encyclopedia of Country Music, 1998, S. 241 und deren Vater Aron (Adolph, „Dolfi“) Aberbach (* 25. Dezember 1878 in Bolechiw; † 2. April 1959 in HollywoodBillboard-Magazin vom 6. April 1959, Deadth Claims Aberbach Pere, S. 8) gegründet und zunächst ebenfalls hauptsächlich Hillbilly- und Country-Music sowie Folk Music in den Katalog aufnahm.Billboard-Magazin vom 19. Mai 1945, BMI takes over Uruguay, Folk Music-Catalogues, S. 17 Zu jener Zeit entwickelte sich im amerikanischen Musikverlagswesen der Beruf des Song-Pluggers mit der Aufgabe, Sänger und Musiker von den neuen Musiktiteln ihres Verlags zu überzeugen, damit diese die Titel in ihr Repertoire übernehmen.Wieland Ziegenrücker/Peter Wicke, Sachlexikon Popularmusik, 1987, S. 363 f.

Durch die Expansion der Musikindustrie insbesondere im Bereich des Massenmarkts der Unterhaltungsmusik (Popmusik) gewannen weltweit ab 1955 auch die Musikverlage erheblich an Bedeutung. Die Umsätze der Musikindustrie mit Schallplatten vervielfachten sich, wobei es zu häufigen Millionensellern kam. Die Aufgabe der Verlage wechselte vom bloßen Notendruck zur Registrierung von Copyrights bei Verwertungsgesellschaften und zum Marketing der Musikwerke bei Tonträgerunternehmen. Erfolgreiche Komponisten und Liedtexter gründeten eigene Musikverlage, um auch die dem Musikverlag zustehenden Royaltys vereinnahmen zu können. So gründeten 1956 die erfolgreichsten Autoren des Rock ’n’ Roll, Leiber/Stoller, den eigenen Musikverlag „Tiger Music“.Jerry Leiber/Mike Stoller, Hound Dog: The Leiber & Stoller Autobiography, 2009, S. 76. Elvis Presley – eigentlich kein Autor – folgte mit „Elvis Presley Music“ und „Gladys Music“, die bis 1973 zu je 50 % dem größten US-Musikverlag Hill & Range gehörten. Über diese Verlage mussten die für Elvis tätigen Autoren ihre Werke anmelden.

Dieser Strategie folgten 1963 die Autoren der meisten Beatles-Songs Lennon/McCartney auf Empfehlung von Dick James mit Northern Songs Ltd.Kenneth Womack, The Beatles Encyclopedia: Everything Fab Four, 2017, S. 359 Die Bedeutung der Musikverlage als Vermögensmasse wurde verdeutlicht, als im Februar 1965 Northern Songs einen Börsengang vornahm. Aktionäre waren nunmehr Lennon/McCartney mit jeweils 15 %, ihr Manager Brian Epstein hielt 7,5 %, George Harrison und Ringo Starr besaßen je 1,6 %, die Mehrheit von 37,5 % lag bei Dick James. Dieser verkaufte seine Anteile im März 1969 – ohne Abstimmung mit den Beatles – an den britischen Fernsehsender Associated Television (ATV), wodurch die Beatles die Verfügungsmacht über ihre Urheberrechte teilweise verloren. Als ATV seinerseits im Jahre 1985 zum Verkauf anstand, erwarb Michael Jackson die Anteile an Northern Songs für 47,5 Millionen US-Dollar. Jackson selbst stimmte 1995 einer Fusion von ATV mit Sony Music Publishing für 95 Millionen US-Dollar zu. Der Musikverlag, den Paul McCartney 1985 für 47,5 Millionen US-Dollar hätte zurück erwerben können, war nunmehr 800 Millionen US-Dollar wert, wobei Sony/ATV mittlerweile knapp 2 Millionen andere Copyrights hinzugefügt hatte.Kenneth Womack, The Beatles Encyclopedia: Everything Fab Four, 2017, S. 361.

Im Juni 1946 gründete Hans Gerig in Köln den „Bühnen- und Musikverlag Hans Gerig“ auf der Aachener Straße 333,Karl Gustav Fellerer, Rheinische Musiker, Ausgabe 111, 1960, S. 45 Seine später aus 35 Einzelverlagen bestehende Verlagsgruppe avancierte zum bedeutendsten deutschen unabhängigen Musikverlag im Familienbesitz. Im Jahre 1978 verwaltete der Verlag über 30.000 Copyrights, vornehmlich Schlager und Kölner Karnevalslieder.

Ab 1987 begann eine große Konzentrationswelle in der Musikindustrie, die zunächst die Tonträgerunternehmen und dann auch Musikverlage erfasste. Spektakuläre Unternehmenskäufe fanden im Mai 1987 durch die Warner Music Group statt, die den Musikverlag Chappell Music für 250 Millionen US-Dollar erwarb. Im Januar 1989 folgte Thorn EMI mit dem Kauf von SBK Entertainment (zu deren Katalog inzwischen die 250 von ATV verwalteten Beatles-Kompositionen gehörten) für 295 Millionen US-Dollar. Schließlich führte im Dezember 1995 die Fusion von ATV Music Publishing (die Erben von Michael Jackson) mit Sony Music Publishing zur Entstehung des damals weltweit dritt größten Musikverlags.Randy Poe, The New Songwriter's Guide to Music Publishing, 2005, o. S. Zu den beiden größten avancierten Music Corporation of America (MCA) und PolyGram, die sich beide wiederum im Mai 1998 zur Universal Music Group vereinigten. Im August 2000 erwarb Universal Music mit Rondor Music International einen der weltweit größten unabhängigen Musikverlage und besaß damals ein Portfolio von über einer Million Copyrights.

Nachdem Bertelsmann im Mai 2007 BMG Music Publishing an die Universal Music Group verkauft hatte und sich im August 2008 auch aus dem Joint Venture Sony/BMG durch den Verkauf des 50-%-Anteils an Sony zurückgezogen hatte, gründete Bertelsmann im Juli 2009 ein Musiverlags-Joint Venture, mit dem der Unternehmenskauf wichtiger Independent-Musikverlage finanziert wurde. Hierdurch avancierte BMG Music Publishing zum viert größten Musikverlag weltweit.The Hollywood Reporter, BMG Buys Virgin, Famous Music Catalog From Sony/ATV, 21. Dezember 2012

Die in Qualität wie Quantität bedeutendste archivische Überlieferung von Musikverlagen im deutschsprachigen Raum ist das Archivgut von Musikverlagen im Sächsischen Staatsarchiv – Staatsarchiv Leipzig. Sie umfasst bei über 700 laufenden Metern Gesamtumfang Archivgut aus dem Zeitraum 1800 bis 1990 und dokumentiert die nationalen wie internationalen Aktivitäten wichtiger Musikverlage wie Breitkopf & Härtel, C. F. Peters und VEB Deutscher Verlag für Musik.

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