Schepseskaf war der siebte und mutmaßlich letzte zeitgenössisch belegte König (Pharao) der altägyptischen 4. Dynastie des Alten Reichs. Er regierte etwa von 2510 bis 2500 v. Chr.Jahreszahlen nach Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3. Über seine Person existieren nur sehr wenige Zeugnisse. Die einzigen bekannten Ereignisse aus seiner kurzen Regierungszeit sind die Vollendung der Tempelanlage der Mykerinos-Pyramide und der Bau seiner eigenen Grabanlage in Sakkara-Süd.

Herkunft und Familie Die familiären Verhältnisse Schepseskafs liegen weitgehend im Dunkeln. Da durch ein Dekret belegt ist, dass er den Totentempel seines Vorgängers Mykerinos vollenden ließ, nahm George Andrew Reisner an, dass er dessen Sohn sein müsse. Diese Annahme kann allerdings nicht als sicher gelten, da in dem Dekret keine Verwandtschaftsangabe enthalten ist. Die Fertigstellung der Grabanlage durch den Nachfolger eines verstorbenen Pharaos ist außerdem nicht davon abhängig, ob ein Verwandtschaftsverhältnis besteht.Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band I: Die Mastabas der Kernfriedhöfe und die Felsgräber. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3244-1, S. 66.

Die Mutter von Schepseskaf ist unbekannt. Unklar ist auch das Verhältnis zu drei weiteren Frauen. Bei Chamaat, die den Titel einer Königstochter trägt, könnte es sich entweder um eine Tochter von Schepseskaf oder von Userkaf, dem ersten Herrscher der 5. Dynastie, handeln. Die in Gizeh bestattete Königin Bunefer könnte seine Gemahlin oder seine Tochter gewesen sein, gleiches gilt für Chentkaus I.

Herrschaft Schepseskaf regierte nur wenige Jahre, die genaue Länge seiner Herrschaft ist allerdings unsicher. Der Königspapyrus Turin, der im Neuen Reich entstand und ein wichtiges Dokument zur ägyptischen Chronologie darstellt, gibt vier Jahre und einige Monate an, der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho nennt sieben Jahre. Das höchste zeitgenössisch belegte Datum ist ein „Jahr nach dem ersten Mal der Zählung“ (gemeint ist eine landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung), welches seinem zweiten Regierungsjahr entspricht. Mehrheitlich wird in der Ägyptologie dem Königspapyrus Turin folgend eine Regierungslänge von vier bis fünf Jahren angenommen, vereinzelt wird aber auch wegen der Größe seines Grabmals eine längere Regierungszeit von sieben bis acht Jahren in Betracht gezogen.Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band I: Die Mastabas der Kernfriedhöfe und die Felsgräber. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3244-1, S. 74.

Schepseskaf erscheint auch auf der Rückseite des berühmten Palermosteins, einem großen Bruchstück des Annalenstein der 5. Dynastie. Dessen gesamte Rückseite ist den Königen Menkaure bis Neferirkare gewidmet. Leider ist die Steintafel besonders auf ihrer Rückseite durch Abrieb so stark beschädigt, dass ein Großteil der ursprünglichen Inschrift kaum oder gar nicht mehr lesbar ist. Schepseskaf erscheint gemeinsam mit Menkaure in Zeile 1, wobei allerdings aufgrund der Bruchkante nur noch das Krönungsjahr und ein Überbleibsel des letzten Regierungsjahres erhalten geblieben sind. Folgende Ereignisse lassen sich rekonstruieren:

Jahr Ereignisse Krönungsjahr - ??? Monat, 11. Tag: Erscheinen des Königs von Ober- und Unterägypten, Umschreiten der Weißen Mauern (von Memphis), Diadem-Fest - „Geburt“ (Erschaffung) der Statue der Beiden Upuauts - Vereinen der Beiden Länder durch den König der Götter - Auswahl des Ortes (der Nekropole?) der Pyramide „Fontäne des Schepseskaf“ - ??? im Schrein der Sentju-Pfeiler von Ober- und Unterägypten - ...1624..., dazu 600...Nilfluthöhe: 1,56 m 1. Jahr - ...(angedeutet, aber komplett zerstört)...

Schepseskaf bestieg gemäß dem Palermostein den Thron am 25. Peret IV. Das genaue Datum ließ sich aus der Kalenderjahr-Regelung im ägyptischen Verwaltungskalender ermitteln, der für die Regierungszeiten maßgebend war.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz / Wiesbaden 1950, S. 54. Toby Wilkinson, Iorwerth Eiddon Stephen Edwards und Marshall Clagett machen besonders auf einen bestimmten Eintrag im Krönungsjahr aufmerksam: dem „Diadem-Fest“. Dieses war offensichtlich Bestandteil der Krönungszeremonie, bei der dem neuen Herrscher königlicher, geweihter Schmuck und schließlich die Krone(n) aufgesetzt wurde(n). Dieses Fest ist mindestens seit König Huni sicher belegt, da aus seiner Zeit ein konischer Granitblock stammt, auf dem ein „Diadem-Palast“ erwähnt wird. Wilkinson und Clagett machen darauf aufmerksam, dass das altägyptische Wort Sesched (Sšd; Gardiner-Zeichen V12) auch „Stirnbinde“ und/oder „Bindfaden“ bedeuten kann und wohl eher Teil eines gesonderten Kopfschmucks war.Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt: The Palermostone and its associated Fragments. London 2000, S. 149–151.

Des Weiteren machen die Gelehrten auf die Erwähnung von Schepseskafs Grabmal aufmerksam, das heute gemeinhin als Mastabat al-Firʿaun bekannt ist. Was genau dort geschah, ist aufgrund des lädierten Textes nicht mehr mit Sicherheit bestimmbar, möglicherweise ist hier die Planung oder Gründung der Nekropole eingetragen. Der Palermostein bezeichnet das Grab allerdings als „Pyramide“, obwohl es sich um ein sogenanntes Bankgrab (eine Mastaba) handelt. Es bleibt rätselhaft, warum die Alten Ägypter seine Mastaba als „Pyramide“ bezeichneten, obwohl ihnen die architektonischen Unterschiede genauestens bekannt waren und es in der Hieroglyphenschrift ein eigenes Determinativ für „Mastaba“ gibt.

Weiters bleibt unklar, warum die „Geburt“ (Erschaffung) einer Statue des Gottes Upuaut doppelt erwähnt wird. Vielleicht repräsentierte jede Statue jeweils die Landeshälfte Oberägypten und Unterägypten, was dem exzessiven Dualismusglauben der Alten Ägypter entsprochen hätte. Zu guter Letzt geben die Zahlenangaben „1624“ und „600“ im letzten Eintrag Rätsel auf, weil die Zeichen für das Gezählte verloren gegangen sind. Entweder sind sie Teil einer Schenkung des Königs an unbekannte Domänen oder sie sind Teil einer Steuererhebung.

Außer den Angaben zur Thronbesteigung und seiner Bautätigkeit sind keine Ereignisse aus Schepseskafs Regierungszeit überliefert. Der Übergang zur 5. Dynastie nach seinem Tod ist noch größtenteils unklar. Zwischen ihm und Userkaf scheint für lediglich zwei Jahre ein König geherrscht zu haben, den Manetho Thamphthis nennt, der aber zeitgenössisch nicht belegt ist. Auch Chentkaus I. wird teilweise als kurzzeitige Herrscherin oder Regentin in Betracht gezogen.Miroslav Verner: Further Thoughts on the Khentkaus Problem. In: Discussions in Egyptology. Band 38, 1997, S. 109–117 (Volltexct als PDF; 2,7 MB).

Bautätigkeit Gizeh Da sein Vorgänger Mykerinos noch vor der Fertigstellung seiner Pyramidenanlage verstarb, hatte Schepseskaf die Verantwortung, sie zu vollenden. Während die eigentliche Pyramide unter Mykerinos wohl noch fertiggestellt worden war, waren vom Totentempel, dem 600 m langen Aufweg und dem Taltempel lediglich die Fundamente begonnen worden. Schepseskaf vollendete die Bauten in zeitsparender Ziegel-Bauweise. Diese Arbeiten sind durch zwei Stelen bezeugt, die Schepseskaf im Totentempel der Mykerinos-Pyramide aufstellen ließ.

Sakkara-Süd mini|Die Mastaba des Schepseskaf

Hauptartikel: Mastabat al-Firʿaun

Sein eigenes Grabmal errichtete Schepseskaf in Sakkara-Süd, auf halbem Wege zwischen der Stufenpyramide des Djoser in Sakkara und den Pyramiden des Begründers der 4. Dynastie Snofru in Dahschur. Er wich hierbei von dem inzwischen etablierten Konzept der Pyramide als königliche Grabanlage ab und griff stattdessen auf die ältere Form der Mastaba zurück. Sein Grab, das unter dem Namen Mastabat al-Firʿaun bekannt ist, besteht im Kern aus zwei Stufen und hat eine Länge von 99,6 m, eine Breite von 74 m und eine Höhe von etwa 18 m. Als Baumaterial diente roter Sandstein, die Verkleidung bestand ursprünglich aus Tura-Kalkstein und in der untersten Steinlage aus Rosengranit.

Beim Bau des unterirdischen Kammersystems behielt er allerdings das bei den Pyramiden verwendete Konzept bei. Der Eingang liegt an der Nordseite der Mastaba. Die Bauarbeiten am Kammersystem sind nicht vollendet worden. Der Sarkophag, der wohl aus Grauwacke oder Basalt gefertigt wurde, ist nur noch in Fragmenten erhalten.

Statuen mini|hochkant|Kopf einer Alabaster-Statue, die früher Schepseskaf, heute allerdings überwiegend Mykerinos zugeschrieben wird; Museum of Fine Arts, Boston

Es existiert keine annähernd vollständig erhaltene Statue, die zweifelsfrei das Abbild des Schepseskaf zeigt. Im Totentempel seiner eigenen Grabanlage wurden nur Fragmente der unteren Hälfte einer Sitzstatue gefunden. Sie bestehen aus Dolerit und befinden sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo (Kairo JE 40704).Berta Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings. III. Memphis, Part 2. Saqqâra to Dahshûr. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2003, S. 434. Bei einem weiteren Stück ist unklar, ob es Schepseskaf darstellt. Es handelt sich um einen Statuenkopf aus Alabaster, der sich heute im Museum of Fine Arts in Boston (Boston 09.203)G. A. Reisner: Mycerinus: The Temples of the Third Pyramid at Giza. Cambridge (Mass.) 1931, S. 112 (Nr. 23); Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings. III. Memphis. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 1974, S. 30 (PDF 30,5 MB); befindet und der von George Andrew Reisner Anfang des 20. Jahrhunderts im Taltempel der Mykerinos-Pyramide entdeckt wurde. Da das Fundstück ein sehr jugendliches Gesicht zeigte, zog Reisner die Möglichkeit in Betracht, dass es sich nicht um ein Bildnis des Mykerinos, sondern des Schepseskaf handeln könnte. Bestärkt wurde er in dieser Annahme, da er in der Nähe weitere Fragmente aus Alabaster fand, von denen eines den Namen des Schepseskaf trug.G. A. Reisner: Mycerinus: The Temples of the Third Pyramid at Giza. Cambridge (Mass.) 1931, S. 112 (Nr. 23). Heute wird allerdings überwiegend davon ausgegangen, dass der Statuenkopf tatsächlich Mykerinos darstellt, da die Gesichtszüge denen von anderen Statuen dieses Königs sehr ähnlich sind.Chatharine H. Roehrig: Head of King Menkaure as a Young Man. In: The Metropolitan Museum of Art, New York (Hrsg.): Egyptian Art in the Age of the Pyramids. New York 1999, S. 274–276.

Schepseskaf im Gedächtnis des Alten Ägypten Altes Reich Schepseskaf scheint nach seinem Ableben nur einen sehr geringen Totenkult genossen zu haben, was wohl auf seine recht kurze Regierungszeit zurückzuführen ist. Lediglich drei Totenpriester und mit dem Totenkult in Zusammenhang stehende Beamte sind für ihn belegt.F. Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil I. München / Berlin 1969, S. 225. Diese Zahl ist verglichen mit den anderen Herrschern der 4. Dynastie äußerst gering, so sind etwa für Cheops 73F. Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil I. S. 152–156. und für Mykerinos immer noch 21F. Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil I. München / Berlin 1969, S. 213–214. Totenpriester und Beamte belegt. Der Kult scheint auch schneller erloschen zu sein als bei seinen Vorgängern. Während der Kult seiner Vorgänger noch bis in die 6. Dynastie anhielt, ist er für Schepseskaf nur bis in die 5. Dynastie nachweisbar.