Radjedef (nach anderer Lesung Djedefre oder Djedefra) war der dritte König (Pharao) der altägyptischen 4. Dynastie (Altes Reich) und regierte etwa von 2580 bis 2570 v. Chr.Jahreszahlen nach T. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002. Über seine Person und seine Regierungszeit existieren nur sehr wenige Zeugnisse. Radjedef ist im Wesentlichen durch seine Bautätigkeit bekannt, die die Vollendung der Grabanlage seines Vaters Cheops und die Errichtung einer eigenen Pyramidenanlage in Abu Roasch umfasste. Unter seiner Herrschaft wurde der Sonnengott Re zur zentralen Gottheit Ägyptens erklärt.

Herkunft und Familie mini|links|140px|Kartuschenname des Djedefre in der Abydos-Liste

Radjedef war ein Sohn von Pharao Cheops, seine Mutter ist unbekannt. Brüder waren Babaef I., Minchaef, Hordjedef sowie Chephren, der nach Radjedefs Tod den ägyptischen Thron bestieg. Unsicher ist die Zuordnung von Anchhaf (BruderRainer Stadelmann: Die grossen Pyramiden von Giza (= Welt der Wunder-Wunser der Welt.). Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1990, ISBN 3-201-01480-X, S. 105. oder OnkelT. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 100.) sowie Mindjedef und Duaenhor (Brüder oder NeffenA. Dodson, D. Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. London 2004, S. 56, 60.). Unklar ist auch, ob Horbaef ein Bruder des Radjedef war. Er ist nur durch seinen Sarkophag bezeugt, dessen genauer Fundort aber nicht notiert wurde. Eine spätere Zuordnung zu einem Grab auf dem Ostfriedhof der Cheops-Pyramide, auf dem die Söhne des Cheops bestattet wurden, ist daher spekulativ. Bauefre, der nur durch Zeugnisse aus dem Mittleren Reich bekannt ist, könnte ein weiterer Bruder sein, wenn er nicht identisch mit Babaef I. ist.A. Dodson, D. Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. London 2004, S. 56. Chufuchaef I. war eventuell ein weiterer Bruder, es wurde aber auch vermutet, dass er identisch mit Chephren ist.Rainer Stadelmann: Khaefkhufu = Chephren. Beiträge zur Geschichte der 4. Dynastie. In: Studien zur altägyptischen Kultur. Band 11, 1984, S. 165–172. Als ältester Sohn des Cheops und ursprünglicher Thronfolger wurde lange Zeit Kawab angesehen. Nach neueren Erkenntnissen scheint Kawab aber wohl eher ein Sohn des Snofru und damit nicht ein Bruder, sondern ein Onkel des Radjedef gewesen zu sein.Roman Gundacker: Ein Beitrag zur Genealogie der 4. Dynastie. In: Sokar. Nr. 16, 2008, S. 22–51.

(Halb-)Schwestern des Radjedef waren seine Gemahlin Hetepheres II. sowie Chamerernebti I. (Gemahlin des Chephren), Meresanch II. (Gemahlin des Horbaef) und Neferetiabet.

Radjedef hatte zwei bekannte Ehefrauen: Chentetenka und seine Halbschwester Hetepheres II., die vor ihrer Ehe mit Radjedef bereits mit dessen Onkel Kawab verheiratet gewesen war. Sechs Kinder des Radjedef sind namentlich bekannt, ihre Mütter konnten bisher aber noch nicht identifiziert werden. Es handelt sich um die vier Söhne Baka, Setka, Hornit und Nikauradjedef sowie die beiden Töchter Hetepheres und Neferhetepes. Ein weiterer Sohn war eventuell Itisen.Mostafa Waziri, Mohamed el-Seaidyː Private Old Kingdom Statue of Ity-sen at Abu Rawash. In: Miroslav Bárta, Zahi Hawass, Mohamed Megahed (Herausgeber): Living at the wall: Studies in honor of Mark Lehner. Charles University – Faculty of Arts, Prag 2024, ISBN 978-80-7671-164-8, S. 405–413. Neferhetepes war möglicherweise die Mutter der späteren Pharaonen Userkaf oder Sahure.A. Dodson, D. Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. London 2004, S. 60, 69. Der nur unter seiner griechischen Namensform bekannte Nachfolger des Chephren, Bicheris, wird häufig als Sohn des Radjedef angesehen, es ist aber unklar, um welchen seiner Söhne es sich handelt. Sowohl BakaJürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. Mainz 1997, S. 158. als auch SetkaA. Dodson, D. Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. London 2004, S. 61. wurden bisher in Betracht gezogen.

Herrschaft Regierungsdauer Die genaue Regierungsdauer des Radjedef ist unbekannt. Der Königspapyrus Turin, der im Neuen Reich entstand und ein wichtiges Dokument zur ägyptischen Chronologie darstellt, gibt ihm acht Regierungsjahre. Auf: ancient-egypt.org vom 6. Oktober 2014; zuletzt abgerufen am 2. Oktober 2015. Der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho nennt hingegen 25 Jahre. Zeitgenössisch ist mit Sicherheit nur ein „1. Mal der Zählung“ überliefert, womit eine landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung gemeint ist. Bei der Nennung eines „10.“ oder „11. Mals der Zählung“ auf einem Deckstein von einer der Bootsgruben der Cheops-Pyramide ist nicht sicher, ob sie sich auf Cheops bezieht oder auf Radjedef, der die Cheops-Bootsgruben anlegen ließ. Sollte Letzteres der Fall sein, ergibt sich die zusätzliche Problematik, dass diese Zählungen ursprünglich alle zwei Jahre stattfanden (d. h. auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte ein „Jahr nach dem x-ten Mal der Zählung“), später aber zum Teil auch jährlich stattfinden konnten (auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte das „y-te Jahr der Zählung“).siehe hierzu M. Verner: Archaeological Remarks on the 4th and 5th Dynasty Chronology. Prag 2001. Ob unter Radjedef eine regelmäßige zweijährliche Zählung stattfand, lässt sich aus dem vorhandenen Quellenmaterial nicht herauslesen. Bedingt durch diese Unsicherheiten gibt es in der modernen Forschung sehr unterschiedliche Auffassungen über Radjedefs Regierungslänge. Während einige Forscher mit den acht Jahren des Turiner Papyrus konform gehen,T. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 102. halten andere aufgrund der recht umfangreichen Bautätigkeit dieses Königs auch eine deutlich längere Regierungszeit von bis zu 25 Jahren für möglich.Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band I: Die Mastabas der Kernfriedhöfe und die Felsgräber. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3244-1, S. 71–73.

Ereignisse und Entwicklungen mini|hochkant|Die Inschrift IV-C am Wasserberg des Djedefre nennt Radjedef.

Durch Inschriften ist bezeugt, dass Radjedef eine Expedition in die Oase Dachla in der Libyschen Wüste entsandte, wie es bereits vor ihm sein Vater Cheops zweimal getan hatte. Ziel all dieser Expeditionen war die Gewinnung von mineralischen Pigmenten. Die inschriftlichen Zeugnisse hierfür stammen von einem Lagerplatz in der Wüste, etwa 60 km von Dachla entfernt. Er liegt am Fuß eines Sandsteinfelsens und wurde in pharaonischer Zeit offenbar als „Wasserberg des Radjedef“ bezeichnet. Klaus-Peter Kuhlmann: Der „Wasserberg des Djedefre“ (Chufu 01/1). Ein Lagerplatz mit Expeditionsinschriften der 4. Dynastie im Raum der Oase Dachla. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Band 61, von Zabern, Mainz 2005, S. 243–289.

Unter Radjedef wurde der Kult des Sonnengottes Re von Heliopolis zur höchsten Staatsreligion erhoben. Die königlichen Eigennamen trugen nun bis auf wenige Ausnahmen bis zum Ende der 5. Dynastie den Namen des Re als Bestandteil (Beispielsweise Chephren = Cha-ef-Re bzw. Ra-cha-ef oder Mykerinos = Men-kau-Re). Passend dazu führte Radjedef das Epitheton „Sohn des Re“ (Sa-Re) ein, welches ab dem Mittleren Reich zum festen Titel des königlichen Eigennamens wurde.

Dieser religiöse Wandel machte auch eine neue Interpretation der Natur des Königs notwendig. Galt er vorher als Verkörperung des Horus und somit selbst als höchster Weltgott, rückte nun das Konzept der Gottessohnschaft in den Vordergrund, wodurch die eigene Göttlichkeit des Königs vermindert und er den Göttern gegenüber in eine stärkere Verantwortungsposition gerückt wurde.Reinhard Grieshammer: Gottessohnschaft. In: Lexikon der Ägyptologie. Band 2, Harrassowitz, Wiesbaden 1977, Spalte 820–821.

Nachfolge Nach Radjedefs Tod folgte ihm zunächst nicht einer seiner Söhne, sondern sein Bruder Chephren auf den Thron. Da im pharaonischen Ägypten in der Regel die Herrschaft vom Vater auf einen Sohn überging, war dieser Regierungswechsel Anlass für zahlreiche Spekulationen. So ging etwa George Andrew Reisner davon aus, dass es nach dem Tod des Cheops zu Familienstreitigkeiten kam und zwei Familienzweige um die Vorherrschaft stritten. Radjedef wäre demnach gar nicht als rechtmäßiger Thronfolger vorgesehen gewesen und nach seinem Tod hätte dann Chephren die Macht ergriffen. Diese Annahme Reisners wird allerdings durch keinerlei archäologische Funde gestützt. Nach Radjedefs Tod kam es zu keiner Damnatio memoriae, er genoss kultische Verehrung und taucht auch in späteren Königslisten auf. Eine unrechtmäßige Machtergreifung ist daher auszuschließen. Die Frage, warum auf ihn nicht einer seiner Söhne, sondern sein Bruder Chephren folgte, bleibt daher weiterhin offen.Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Band I: Die Mastabas der Kernfriedhöfe und die Felsgräber. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3244-1, S. 63–64.

Bautätigkeit Gizeh mini|hochkant|Deckensteine von einer der südlichen Bootsgruben der Cheopspyramide

Zum Pyramidenkomplex des Cheops gehören fünf Bootsgruben. Drei davon wurden beraubt, zwei an der Südseite der Pyramide gelegene Gruben wurden allerdings unversehrt vorgefunden. In ihnen wurden zwei hölzerne, zerlegte Boote beigesetzt, von denen eines restauriert wurde und nun im Großen Ägyptischen Museum ausgestellt ist. An den Wänden und Deckensteinen der Grube, in welcher dieses Boot gefunden wurde, sind zahlreiche Graffiti angebracht, die den Namen von Radjedef beinhalten. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass einige Teile von Cheops’ Grabanlage erst unter Radjedef vollendet wurden.

Abu Roasch mini|hochkant|Die Pyramide des Radjedef in Abu Roasch

Seine eigene Pyramide errichtete Radjedef in Abu Roasch, nördlich von Gizeh. Mit einer Seitenlänge von 106,2 m und einer Höhe von 67,4 m war sie deutlich kleiner konzipiert als die Grabanlagen seiner beiden Vorfahren Snofru und Cheops. Von der Römerzeit an bis ins 19. Jahrhundert diente sie als Steinbruch, wodurch sie so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sie von den Ausgräbern ursprünglich für unvollendet angesehen wurde. Neuere Grabungen, die in den 1990er Jahren begannen, haben allerdings gezeigt, dass die Pyramidenanlage vollendet worden war. Teile der zum Pyramidenkomplex gehörenden Tempelanlagen wurden aber wohl erst nach Radjedefs Tod fertiggestellt, da sie in zeitsparender Ziegelbauweise errichtet wurden.

Das innere Kammersystem wurde gegenüber den Pyramiden von Snofru und Cheops wieder stark vereinfacht. Die Grabkammer wurde nun wieder wie bei den Pyramiden der 3. Dynastie unterirdisch angelegt und nicht mehr im eigentlichen Pyramidenkörper.

Der Taltempel liegt etwa 1,5 km nordöstlich der Pyramidenanlage und ist mit ihr durch einen Aufweg verbunden, der an der Nordseite einer Umfassungsmauer endet. An der Ostseite der Pyramide liegt der Totentempel und südlich von ihm eine Bootsgrube, die allerdings beraubt und von den Steinräubern als Schutthalde genutzt worden war. Dort wurden die Überreste mehrerer Statuen des Königs gefunden.

Zum Grabkomplex gehören auch zwei kleine Nebenpyramiden. Die erste befindet sich an der Südwestecke der Königspyramide und diente als sogenannte Kultpyramide. Bei der zweiten, die an der Südostecke der Königspyramide entdeckt wurde, scheint es sich um das Grab einer Königin zu handeln.

Statuen