Ełk [], , ist eine Mittelstadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie ist das Zentrum des Powiat Ełcki.
Geographische Lage Die Stadt liegt im historischen Ostpreußen, rund 150 km östlich der Stadt Olsztyn (Allenstein) in Masuren am Lyck-See (), 136 Meter über dem Meeresspiegel. Die Entfernung zum heute russischen Kaliningrad (Königsberg) im Nordwesten beträgt etwa 190 Kilometer. Der Ort dehnt sich am Ostufer des Lyck-Sees aus.
Ortsname Der deutsche Ortsname Lyck leitet sich aus prußisch „luka“ ab und ist die Bezeichnung für die Gelbe Mummel, eine Teichrose. Ältere Schreibweisen des deutschen Ortsnamens sind Lik und Lyk. Die polnische Form Ełk entstand durch Abtrennung aus „we Łku“ und weist ebenfalls auf Sumpf- und Wasserpflanzen.
Stadtgliederung Die Stadt (Miasto) Ełk gliedert sich in 13 Stadtteile und Siedlungen (): Baranki Bogdanowicza Centrum Grunwaldzkie Jeziorna Kochanowskiego Konieczki Pod Lasem Pólnoc I Pólnoc II Szyba (Sybba; 1938–1945: Walden) Wczasowe Zatorze
Geschichte mini|Lage der Stadt am Lyck-See mini|Lyck vor 1900 mini|25-Pfennig-Notgeldschein von 1920 mit der Stadtansicht von Lyck Mittelalter und Frühe Neuzeit Lyck liegt im westlichen Teil des prußischen Stammesgebietes Sudauen, das 1283 durch den Deutschen Orden erobert wurde. Der Ort wurde erstmals 1343 als Luk urkundlich erwähnt. Hier siedelten vor allem Fischer, die sich durch Fischfang aus See und Fluss ernährten. Ein Schloss auf der Insel des Lycker Sees war bereits 1273 vorhanden. Das Ordenshaus Burg Lyck wurde 1398 durch den Komtur zu Balga Ulrich von Jungingen angelegt und später von anderen umgebaut und erweitert.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen, Gotha 1858, S. 206.
1425 erhielt das Fischerdorf die Handfeste durch den Hochmeister Paul von Rusdorf (Dorfprivileg). Nach dessen Tod wurde die Urkunde 1445 in Rastenburg bestätigt. Während des Preußischen Städtekriegs brannten um 1454 polnische Soldaten den Ort nieder. 1497 verweigerte Hochmeister Friedrich von Meißen dem polnischen König den Huldigungseid, er ließ die Burg Lyck wieder aufbauen und stark befestigen, um gegen erneute polnische Angriffe gewappnet zu sein. 1536 errichtete der aus Krakau stammende Pfarrer Maletius auf seinem von Herzog Albrecht verliehenen Gut eine Druckerei und ließ etliche polnische Bücher drucken. Das war nach Marienburg und Königsberg die dritte Druckerei im gesamten Preußenland. Die Verleihung des Stadtrechtes erfolgte 1669 durch den Großen Kurfürsten.
Mit dem Gymnasium verfügte die Stadt über eine höhere Lehranstalt. Deren Anfänge gingen auf eine 1588 von Markgraf Georg Friedrich von Ansbach für die Polen gestiftete Provinzial-Schule zurück, die 1599 zur Fürstenschule erhoben worden war. 1812 wurde diese Lehranstalt zum Königlichen Gymnasium Lyck.Ludwig Adolf Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 65–66 (online).
19. Jahrhundert 1815 kam der Begriff Masuren (Mazury) auf. Lyck empfand sich – nicht nur wegen seiner Druckerei und seines Gymnasiums, sondern besonders wegen seiner bedeutenden Persönlichkeiten – als geistiges Zentrum der damaligen Region und bezeichnete sich deshalb als Bildungshauptstadt Masurens. Mehr als 100 Jahre (1818–1945) war Lyck Kreisstadt des gleichnamigen Kreises Lyck im ostpreußischen Regierungsbezirk Allenstein. Bis 1824 bestand das Stadt- und Amtsgericht Lyck, danach das Land- und Stadtgericht Lyck und ab 1849 das Kreisgericht Lyck. Von 1879 bis 1945 bestand das Landgericht Lyck (ab 1926 mit Arbeitsgericht) und das Amtsgericht Lyck. Die Stadt war Sitz des Hauptzoll- und Finanzamts sowie einer Oberförsterei.
Zwischen 1868 und 1885 wurden die Ostpreußische Südbahn sowie Bahnverbindungen nach Insterburg und Johannisburg angelegt, die dem Ort einen enormen wirtschaftlichen Schub gaben.Übereinkunft zwischen dem Deutschen Reich und Rußland wegen Herstellung einer Eisenbahn von Lyck nach Brest-Litewsk. 1871 (Wikisource) Maschinenfabriken, Holzschneidemühlen, Ziegeleien, Brauereien und ansehnliche Gärtnereien entstanden. Insbesondere der Handel mit Russland war bedeutend. 1908 wurde das Königliche Lehrerseminar fertiggestellt. 1915 folgte die Bahnverbindung nach Sensburg.
Seit 1856 erschien in Lyck Ha-Maggid (wörtl. Der Erzähler / Der Bote), eine Wochenzeitung in hebräischer Sprache. Das Blatt bestand bis 1903 und war über mehrere Jahrzehnte europaweit die führende regelmäßig erscheinende hebräische Zeitung. Gründer dieser Publikation waren David Gordon und Eliezer Lippmann Silbermann (1819–1882). Im Jahr 1861 gründete Silbermann in Lyck den literarischen Verein Mekize Nirdamim (hebräisch מְקִיצֵי נִרְדָּמִים, „Erwecker der Schlummernden“), der sich zum Ziel setzte, mittelalterliche hebräische Handschriften und kaum verfügbare klassische jüdische Literatur neu herauszugeben.
Das Corps Masovia feierte 1881 zum ersten Mal ein Stiftungsfest in Lyck. Die Lycker Zeitung Masovia. Publikationsorgan für den Landesstrich Masuren erschien am 14. Juni 1881 in breitem Überdruck mit den Farben blau-weiß-rot und brachte ein Begrüßungsgedicht und einen Artikel über die Corpsgeschichte.Rüdiger Döhler (Hrsg.): Corps Masovia. Die 175jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005, ISBN 3-00-016108-2, S. 147 f. Die gleiche Resonanz fand 1896 das 66. Stiftungsfest. 120 Jahre später wurde wieder ein Stiftungsfest in Ełk gefeiert.
20. Jahrhundert Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Lyck eine evangelische gotische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar und eine Präparandenanstalt. Zu den Erwerbszweigen der Stadtbevölkerung gehörten Maschinen-, Möbel- und Zementwarenfabrikation sowie Getreide- und Viehhandel.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Lyck zweimal von russischen Truppen besetzt. Bei den Rückeroberungen im Zuge der Winterschlacht in Masuren wurde die Stadt Anfang 1915 stark zerstört. Nach dem Ende des Krieges hatte die Bevölkerung gemäß dem Versailler Vertrag im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Lyck gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen abzustimmen. In Lyck stimmten 8340 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfiel keine Stimme.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 85
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberte im Januar 1945 die Rote Armee in der Ostpreußischen Operation die Region. Anfang April unterstellte die Sowjetunion das im Januar 1945 durch die Flucht der Einwohner weitgehend entvölkerte Lyck der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Lyck erhielt den polnischen Ortsnamen Ełk. In der Folgezeit wurde die Stadt durch Polen, die hauptsächlich aus angrenzenden Gebieten kamen, besiedelt.
Die Stadt ist seit 1992 Sitz des Bistums Ełk der römisch-katholischen Kirche Polens.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1499 600 castlesofpoland.com (polnisch) 1600 800 wspolczesna.pl (polnisch) 1782 2000 ohne die Garnison (zwei Schwadronen Bosniaken)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen, Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 39, Nr. 2 (Google Books). 1802 1817 1810 1928 1816 2653 davon 2576 Evangelische, 60 Katholiken und 17 JudenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 320–327, Ziffer 392 (Google Books). 1818 2450 mit Insel im See (38 Einwohner), Vorwerk (94 Einwohner), Waldbude (sieben Einwohner) und Wassermühle (sieben Einwohner)Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 105, Ziffer 1983–1987 (Google Books). 1821 2692 in 159 Privatwohnhäusern 1831 2945 meistens DeutscheAugust Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 454–455, Nr. 65 (Google Books). 1867 5380 am 3. Dezember 1871 5743 am 1. Dezember, davon 5407 Evangelische, 115 Katholiken und 228 JudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 304–305, Ziffer 1. 1875 5912 1880 6846 1890 9981 davon 361 Katholiken und 224 Juden (1300 Polen) 1900 11.386 mit der Garnison (ein Infanterie-Regiment und ein Dragoner-Regiment), davon 534 Katholiken und 189 JudenLexikoneintrag zu Lyck, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig/Wien 1908, S. 893. 1910 13.428 am 1. Dezember, davon 11.516 Evangelische, 752 Katholiken, 211 sonstige Christen und 156 Juden (12.027 mit deutscher, 365 mit polnischer und 534 mit masurischer Muttersprache, 438 Einwohner benutzen die deutsche und eine andere Sprache)Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft I: Regierungsbezirk Allenstein, S. 22–23, Ziffer 1: Lyck. 1925 15.159 davon 14.247 Protestanten, 589 Katholiken, 21 andere Christen und 187 Juden 1933 15.512 davon 14.620 Protestanten, 628 Katholiken, 17 andere Christen und 137 Juden 1939 16.243 davon 14.836 Protestanten, 778 Katholiken, 211 andere Christen und 16 Juden + Bevölkerungsentwicklung seit 1945 Jahr 2011 2019 2024 Einwohner 59.274stat.gov.pl (polnisch) 62.006 59.250https://miasto-gazeta.pl/elk-sie-wyludnia-zniknelo-pol-tysiaca-mieszkancow-w-rok/
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Evangelisch
Kirchengebäude mini|Die frühere evangelische Pfarrkirche, heute römisch-katholische Herz-Jesu-Kirche Eine erste Kirche in Lyck wurde 1550 gebaut, sie brannte 1651 ebenso wie ihr Nachfolgebau 1656 ab. Ein neues Kirchengebäude von 1688 wurde 1837 wegen Baufälligkeit abgetragen. 1850 entstand eine neugotische – noch von der Schinkel-Schule geprägte – Backsteinkirche. Sie fiel dem russischen Angriff im Ersten Weltkrieg zum Opfer. Unter Verwendung von Mauerresten der vorigen Kirche wurde 1920 bis 1925 ein neues Bauwerk errichtet,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 124, Abb. 577–579 mit deutlichen Anklängen an die Ordensarchitektur.
Das Gotteshaus, das gut durch den Zweiten Weltkrieg kam, wurde 1959 gründlich renoviert. Seit 1946 wurden hier katholische Gottesdienste gefeiert und das Gebäude der veränderten liturgischen Nutzung angepasst. Heute ist es eine Pfarrkirche der römisch-katholischen Kirche in Polen und trägt den Namen Kościół Najświętszego Serca Jezusewego (Kirche des Allerheiligsten Herzens Jesu / Herz-Jesu-Kirche).
Kirchengemeinde Schon in den 1530er Jahren waren an der Pfarrkirche lutherische Geistliche tätig.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 89–90. In der Anfangszeit wurde die Predigt in polnischer Sprache gehalten, nach 1815 wurde erst in deutscher, danach in masurischer Sprache gepredigt. 1925 zählte die Gemeinde 17.000 Gemeindeglieder.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 493–494 Das Kirchspiel gehörte zum Kirchenkreis Lyck in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.