miniatur|Verschiedene Nishikigoi
Koi ist die e Bezeichnung für „Karpfen“ und meint außerhalb Japans in der Regel Nishikigoi (japanisch , wörtlich „Brokatkarpfen“), farbenprächtige Zierkarpfen.
Es gibt Zuchtformen des Kois, die dem in Europa gezüchteten Spiegelkarpfen oder Zeilkarpfen in der Beschuppung gleichen. Diese werden Doitsu (japanisch doitsu „Deutschland“) oder genauer Doitsugoi („Deutschland-Karpfen“) genannt.
Theorien zur Herkunft der Kois miniatur|Koi mit Zierfischfutter
Die Herkunft der Kois ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise stammen einfarbige Karpfen aus dem Iran und wurden vor etwa 2000 Jahren nach Ostasien gebracht, wo sie als Insektenfresser und Speisefische gehalten wurden. Seit etwa 1870 wurden Kois in Japan von Adeligen als Statussymbole gehalten. Inzwischen ist die Koizucht auch in Europa sehr beliebt.
Varietäten Es gibt Stand 2018 rund 130 Nishikigoi-Sorten in unterschiedlichen Farben und Musterungen. 2022 wurde eine japanische Landwirtschaftsnorm (JAS 0020:2022) zu Nishikigoi herausgegeben, die neben bestimmten Fachausdrücken mitsamt englischen Übersetzungen auch 21 Nishikigoi-Varietäten (, ) definiert. Das Normdokument betont, dass es sich dabei nicht um Spezies handelt.
Gosanke
Die drei beliebtesten Nishikigoi-Varietäten sind Kōhaku, Taishō Sanshoku und Shōwa Sanshoku. In Anlehnung an „die ehrenwerten drei Häuser“ (Gosanke) des Tokugawa-Klans werden die „großen drei“ eines gegebenen Gebiets im Japanischen bisweilen ebenfalls Gosanke genannt; so sind diese drei Farbkarpfen-Zuchtformen die „Gosanke der Nishikigoi“.
mini|Kōhaku Kōhaku () sind weiß mit roten Flecken bzw. Flächen. Daher rührt auch der Name, der so viel wie „rot-weiß“ bedeutet. Im JAS 0020:2022 trägt diese Varietät die Nummer 2001.
Je nach Muster gibt es näher unterteilte Bezeichnungen, etwa: nach Anzahl der roten Bereiche in Nidan Kōhaku (, wörtlich „Zweistufen-Kōhaku“: zwei rote Bereiche), Sandan Kōhaku (, „Dreistufen-Kōhaku“), Yondan Kōhaku (, „Vierstufen-Kōhaku“) usw. Inazuma Kōhaku (, „Blitz-Kōhaku“) mit einem einzelnen durchgehenden roten Bereich in Blitz-Form von Kopf bis Schwanz Maruten Kōhaku (, etwa „Rundpunkt-Kōhaku“) mit einem runden roten Fleck auf dem Kopf; ist dieser Fleck das einzige Rot, spricht man von Tanchō Kōhaku (), diese werden im JAS 0020:2022 als eigene Varietät betrachtet, siehe Abschnitt Tanchō Menkaburi (, etwa: „Maskenträger“ oder „Maskerade“), bei denen der rote Bereich den gesamten Kopf bedeckt Kuchibeni Kōhaku (, „Lippenstift-Kōhaku“) mit rotem Bereich um die Maulpartie Einfarbig weiße bzw. rote Tiere werden als Shiromuji () bzw. Akamuji () bezeichnet und bereits als Jungfische aussortiert; siehe auch Abschnitt Muji.
mini|Taishō Sanshoku auf dem Gelände des Shuzen-ji in Izu Taishō Sanshoku (), kurz Taishō, wurden in der Taishō-Zeit gezüchtet und nach ihr benannt. Sie tragen sowohl rote als auch schwarze Flecken auf weißer Grundfarbe. Darauf bezieht sich auch der zweite Namensbestandteil Sanshoku, der so viel wie „drei Farben“ bedeutet. In Niigata, einem großen Zuchtgebiet dieser Varietät, wurden sie früher auch als Sanke () bezeichnet, daher rührt die Alternativbezeichnung Taishō Sanke. Die hier sanke gelesenen Kanji , wörtlich etwa „drei Haare“, stehen in anderer Lesung, mike, für die Schildpattzeichnung von Katzen. Laut Zen Nippon Airinkai ist Sanke als landläufige Bezeichnung insbesondere in Niigata noch immer verbreitet. JAS 0020:2022 führt als Name dieser Varietät nur Taishō Sanshoku auf, mit der Nummer 2002.
Der Kopf ist in der Regel weiß und frei von schwarzen Flecken, es gibt aber Ausnahmen. Für mindestens drei Eigenschaften der schwarzen Flecken gibt es nähere Fachbegriffe: Lage: Befinden sich die schwarzen Flecken in weißen Bereichen, spricht man von Tsubozumi (, wörtlich „[Tinten-]Fasstusche“), befinden sie sich in roten Bereichen, von Kasanezumi (, „Stapeltusche“). Glanz: Glänzendes Schwarz wird als urushizumi (, „Lacktusche“) und mattes Schwarz als nabezumi (, etwa „Ruß am Topfboden“) bezeichnet. Quantität: Bei vielen schwarzen Flecken, die einen imposanten Eindruck erwecken, spricht man von ōzumi (, wörtlich „Großtusche“); bei nur verhältnismäßig wenigen schwarzen Flecken, die einen adretten Eindruck erzeugen, von kozumi (, wörtlich „Kleintusche“).
mini|Shōwa Sanshoku Shōwa Sanshoku () wurden in der Shōwa-Zeit gezüchtet, sind nach ihr benannt und, wie der Name vermuten lässt, ebenfalls dreifarbig. Im Gegensatz zu Taishō Sanshoku ist ihre Grundfarbe nicht weiß, sondern schwarz; sie tragen rote und weiße Flecken und weisen zusammenhängende schwarze Bereiche ohne Flecken auf. Der Brustflossenansatz ist in der Regel schwarz. Während es laut Zen Nippon Airinkai eine Eigenschaft der ursprünglichen Zuchtform war, dass der schwarze Bereich den Fischkörper ausladend vom Bauch her aufsteigend bis zum Rücken umschließt, sind in jüngerer Zeit zunehmend auch weiße Bäuche mit nur wenig Schwarz zu finden, die als Kindai Shōwa (; kindai bedeutet so viel wie „Gegenwart“ oder „Moderne“) bezeichnet werden. Im JAS 0020:2022 trägt Shōwa Sanshoku die Nummer 2003.
Weitere Varianten: Hi Shōwa (, „Purpur-Shōwa“): verhältnismäßig viel Rot und wenig Weiß Ōzumi Shōwa (): Schwarz dringt kraftvoll in die Anordnung der roten Bereiche ein Boke Shōwa (, siehe Bokeh): schwarze Bereiche „verdünnt“ Doitsu Shōwa – siehe Abschnitt Doitsugoi Tanchō Shōwa – siehe Abschnitt Tanchō
Doitsugoi Als Doitsugoi (, „Deutschland-Karpfen“) nennt JAS 0020:2022 unter der Nummer 2011 solche, die „am ganzen Körper fast keine Schuppen haben und deren Haut [daher] entblößt ist“. Der Standard merkt an, dass es sich dabei um Nachkommen in Deutschland „verbesserter“ Speisekarpfen handle, die nach dem Import nach Japan mit verschiedenen Nishikigoi-Varietäten gekreuzt worden seien. Da sie ihre sichtbaren Merkmale genetisch stark weitergäben, gebe es viele Nishikigoi-Varietäten, denen man die optischen Eigenschaften von Doitsugoi verliehen habe.
Tanchō
Tanchō () bedeutet wörtlich in etwa „Rotscheitel“ und ist die japanische Bezeichnung für den Mandschurenkranich. Die Nishikigoi-Varietät Tanchō zeichnet sich durch einen annähernd kreisrunden roten Fleck auf dem Kopf aus, der an die karmesinrote Krone des Kranichs erinnert. Auch mit der japanischen Nationalflagge Hi no Maru wird er assoziiert. Der restliche Körper ist frei von Rot. Die Landwirtschaftsnorm JAS 0020:2022 definiert Tanchō lediglich darüber, dass „sich auf dem Kopf ein kreisförmiger Purpurfleck befindet“, merkt aber an, es komme vor, „dass der kreisförmige Fleck etwas anderes als ein Purpurfleck ist“.
JAS 0020:2022 führt Tanchō als eigenständige Nishikigoi-Varietät mit der Nummer 2014. Der Name wird aber auch bei der Unterteilung anderer Varietäten nach dem Farbmuster verwendet (Tanchō Kōhaku, Tanchō Sanshoku, Tanchō Shōwa, Tanchō Goshiki, Ginrin Tanchō usw.).
Muji mini|Ein einfarbig goldener Nishikigoi Einfarbige Nishikigoi werden als Muji () bezeichnet, was für „Ungemustertheit“ steht. JAS 0020:2022 definiert Muji unter der Nummer 2021 als solche, „die keine Flecken haben“. Als separate Varietät mit der Nummer 2016 aufgeführt sind Hikari-Muji (, „Leucht-Muji“), „die keine Flecken haben und deren ganzer Körper strahlt“. Laut Zen Nippon Airinkai sind Muji einfarbige Nishikigoi, deren Körper nicht schimmert, im Unterschied zu Hikari-Muji, die ebenfalls einfarbig sind, deren Körper aber (zum Beispiel golden) schimmert.
Weitere Varietäten miniatur|Asagi Weitere in JAS 0020:2022 aufgeführte Varietäten: Nummer Name Merkmalejapanischtranskribiert 2004 Shiroutsuri Grundfarbe schwarz, weiße Flecken 2005 Goshiki hell- oder indigoblau, ausgenommen Kopf; Netzmuster nach Anordnung der Schuppen; rote Flecken auf dem Rücken 2006 A-Ginrin golden oder silbern strahlende Schuppen mit visuellen Merkmalen der Gosanke 2007 B-Ginrin golden oder silbern strahlende Schuppen, aber A-Ginrin nicht einschlägig 2008 Kawarigoi Nishikigoi, die sich nicht in die restlichen im Standard aufgeführten Varietäten einordnen lassen 2009 Kujaku Netzmuster, rote Flecken auf dem Rücken, ganzer Körper strahlt 2010 Kumonryū ursprünglich weiß, im Laufe des Lebens tritt durch Ausweitung weißer Stellen ein Wolkenmuster zutage; dazu Doitsugoi-Merkmale 2012 Hikari-Moyō keine schwarze Grundfarbe, gemustert, gesamter Körper schimmert 2013 Koromo rote Flecken, dort Schuppenspitzen halbmondförmig indigo oder schwarz gefärbt 2015 Hikari-Utsuri Grundfarbe schwarz, gemustert, gesamter Körper strahlt 2017 Shūsui Asagi mit Doitsugoi-Merkmalen 2018 Asagi Netzmuster, im Allgemeinen rote Flecken ventral 2019 Bekkō weiße, gelbe oder rote Grundfarbe, klar umrissene schwarze Punkte 2020 Hiutsuri/Kiutsuri schwarze Grundfarbe, purpurrote oder gelbe Flecken
Im Normdokument nicht aufgeführt sind Aragoke und Butterfly-Koi.
Lebensweise Kois haben eine Lebenserwartung von bis zu 60 Jahren und erreichen ein Gewicht von bis zu 24 kg bei einer Körperlänge von bis zu einem Meter. Sie legen etwa 400.000 bis 500.000 Eier und in etwa 4 Tagen entwickelt sich aus dem Ei ein Jungfisch. Kois ernähren sich von Pflanzen, Insekten und Würmern. Sinkt die Wassertemperatur auf unter 10 °C, reduzieren Kois ihren Stoffwechsel und halten am Boden ihres Gewässers Winterruhe.
Haltung mini|links|Eine Koifarm in Japan
Kois werden in möglichst keimfreien Anlagen gezüchtet und, um ein besonders großes Wachstum zu erzielen, in Japan oftmals in riesigen Naturteichen gehalten. Da es sich um gesellige Tiere handelt, sollten sie immer zu mehreren gehalten werden. Wie groß der Schwarm sein sollte, hängt dabei von der Größe des Gewässers ab. Es wird ein Raum von mindestens einem bis drei Kubikmeter pro Fisch empfohlen. Der Koiteich sollte nicht der prallen Sonne ausgesetzt, aber auch nicht komplett von ihr abgeschottet sein. Das Wasser sollte regelmäßig auf den pH-Wert und den Gehalt von Sauerstoff, Nitrit, Nitrat, Kupfer, Ammonium und Ammoniak getestet werden. Das Gewässer muss eine Mindesttiefe von 1,3 m haben, da Kois in dieser Tiefe Winterruhe halten. Sie dürfen dann nicht geweckt oder umgesetzt werden. Die Tiere dürfen nicht zu üppig gefüttert werden, da sie nicht selbst die Nahrungsaufnahme beenden, solange sich noch etwas Fressbares in der Umgebung befindet. Da sich der Stoffwechsel der Kois mit sinkender Wassertemperatur verlangsamt, sollte die Fütterung an die Umgebungstemperatur des Wassers angepasst werden. Die Nahrung muss reich an Proteinen, Fett und Kohlenhydraten sein. In der Zucht werden Hilfsmittel wie Ablaichbürsten verwendet, um unter anderem das Risiko von Pilzinfektionen zu verringern.
Rechtsvorschrift in Österreich In Österreich ist die dauerhafte Haltung von Kois in Aquarien verboten.
Auswilderung
Das Auswildern von Kois durch Aussetzen, etwa in Teichen, stellt für heimische Ökosysteme eine Gefahr dar: Heimische Arten werden mitunter dadurch verdrängt oder Krankheiten verbreitet. In Australien etwa häufen sich Fälle, bei denen Angler auf z. T. sehr große Kois treffen und dies zur Bedrohung lokaler Ökosysteme wird.https://www.abc.net.au/radionational/programs/rnafternoons/aquarium-fish-hurting-waterways/6364144
Filme Juwelen im Karpfenteich. Die Welt der japanischen Koi. Dokumentarfilm 2011Juwelen im Karpfenteich. Deutschland, 2011, 43 Min., Buch und Regie: Antje Christ, Produktion: Christ Media, ZDF, arte, Erstsendung: 11. Januar 2012 bei arte, Inhaltsangabe von ARD, .
Quellen Tierportrait CH Koi-Zuchtformen bebildert (Webarchiv)
Einzelnachweise
Weblinks