Rikuzentakata (, -shi) ist eine Stadt in der Präfektur Iwate auf Honshū, der Hauptinsel von Japan.

Geographie mini|links|Stadtzentrum Rikuzentakata (aus 4 Luftaufnahmen von 1977 zusammengesetztes Luftbild in Farbe), erstellt vom MLIT. An der Küstenlinie sind der Küstenschutzwald Takata Matsubara und das dahinterliegenden Marschland um den See Furukawa-Numa zu sehen. Rikuzentakata ist eine im Südosten der Ria-Küste in der Präfektur Iwate gelegene Gemeinde, die im Norden an Ōfunato und im Süden an die Präfektur Miyagi mit der Gemeinde Kesennuma grenzt. Sie liegt an der Ostküste der Tōhoku-Region am Ende einer 3 km breiten Bucht an der Mündung des Flusses Kesen.

Rikuzentakata liegt südlich von Morioka und nördlich von Sendai am Pazifischen Ozean und stellt eine für die Ria-Küste des Sanriku-Gebietes ungewöhnliche Umgebung dar. Die Geometrie ähnelt der Sendai-Ebene, doch vollzieht die Bathymetrie vor der Küste von Rikuzentakata, das zwischen der Karakuwa- und der Hirota-Halbinsel verortet ist, unvermittelte Sprünge, so dass Tsunamis verstärkt werden können.

In der jüngsten Geschichte (seit 1945) kam es zwei Mal zu signifikanten Änderungen des Küstenverlaufs von Rikuzentakata: 1960 durch den Chile-Tsunami und 2011 durch den Tōhoku-Tsunami. Nachdem der Chile-Tsunami 1960 durch den Küstenwald Takata-Matsubara landeinwärts vorgedrungen war, hatte er auf seinem Rückfluss den Takata-Matsubara-Wald zertrennt und ein Erosionsgebiet mit einer Breite von 240 m und einer maximalen Tiefe von 5 m geschaffen. (Online veröffentlicht am 10. Januar 2018). Bis zum Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 lag in der Nähe der Küste der Brackwassersee Furukawa-numa (), dessen trennende Sandbank jedoch vom durch das Erdbeben ausgelösten Tsunami weggespült und der See damit Teil der Küstengewässer wurde. Dieser Küstenrückzug durch Erosion oder Subsidenz schuf auch eine Reihe von 9 Hauptinseln, die somit vom Festland getrennt wurden.

Geschichte Der Namensbestandteil Rikuzen verweist auf die Provinz Rikuzen, die sich während der Meiji-Zeit hier befand.

Im Jahr 1933 kam die Eisenbahn in das Berggebiet von Takata.

1955 erhielt Rikuzentakata durch Zusammenlegung der ehemaligen Städte Takata, Kesen, Hirota und Otomo sowie der Dörfer Yonesaki, Yahagi, Takekoma und Yokota den Status einer Stadt. Die Gebiete Takata und Kesen wurden zu kommerziellen und industriellen Zentren. Die Entwicklung des Takata-Gebiets fand nach den 1960er Jahren statt. Nach dem Chile-Erdbeben von 1960 vollzog das Downtown-Gebiet Takata eine rasante Entwicklung. Takatas Bevölkerungswachstum und die resultierende Ausdehnung des Downtown-Gebietes Takata spiegelte die sozialen Bedingungen der Zeit wider. Während die Gesamtbevölkerung von Rikuzentakata zwischen 1980 und 2010 um 21 % und die Bevölkerung von Kesen zwischen 1995 und 2010 um 14 % von 3.818 auf 3.287 sank, stieg die Bevölkerung im Takata-Gebiet zwischen 1950 und 2005 um 19 % von 6.461 auf 7.711 an.

Nachdem die Hauptverkehrsstraße zuvor durch die Bergregion geführt hatte, wurde im Jahr 2009 die Nationalstraße 45 als Takata-Umgehungsstraße eröffnet, die der Küstenlinie folgt. Daraufhin verlagerten sich die wirtschaftlichen und administrativen Zentren in die Küstenregion. Zum Zeitpunkt der Volkszählung im Jahr 2010 hatte die Stadt eine Bevölkerung von 23.300 Menschen, bei einer geografischen Ausdehnung von 232 km². Die Bevölkerungsdichte lag damit bei 100 Einwohnern pro km² und somit höher als in Miyako (47/km²) und Kamaishi (90/km²), zwei weiteren größeren Städten der Sanriku-Riaküste.

Wichtigster Industriebereich der Stadt ist – ähnlich wie in anderen Küstengemeinden entlang der Sanriku-Ria-Küste – die Fischerei, besonders in Kesen, Hirota, Otomo und Yonezaki. In Rikuzentakata werden Schalentiere wie Austern und Jakobsmuscheln gezüchtet. Insbesondere lebte die Bevölkerung vor dem Tōhoku-Erdbeben 2011 von der Austernzucht (40 Millionen Yen Umsatz im Jahr 2010) und vom Standort als landschaftliche Attraktion. Vor der Zerstörung durch die Naturkatastrophe vom 11. März 2011 war Rikuzentakata ein bekannter Tourismusort. Mit seinen historischen Holzhäusern und Schreinen galt es als einer der schönsten Orte Japans. Ein Großteil der Stadt stand seit mehr als einem Jahrhundert. Der Takata Matsubara-Park (高田松原) war vom japanischen Umweltministerium im Jahr 1927 zu einem „Ort landschaftlicher Schönheit“ (名勝) der Shōwa-Zeit erklärt worden. Der Takata-Strand war für seine Schönheit bekannt und zählte vor dem Tsunami von 2011 zu den berühmtesten weißen Stränden mit Kiefernwald.

Erdbeben- und Tsunamikatastrophen Im Laufe der letzten 150 Jahre war die Küste von Rikuzentakata mehrfach von Tsunamikatastrophen betroffen: durch den Meiji-Tsunami 1896, den Shōwa-Tsunami 1933, den Chile-Tsunami 1960 und den Tōhoku-Tsunami 2011. +Vergleich der Bilanzen von völlig zerstörten Häusern und Opfern in Rikuzentakata für die Katastrophen von 1896, 1933, 1960 und 2011 (Online veröffentlicht am 15. August 2017). Mit Verweis auf: Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Forensic investigation of the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster: a case study of Rikuzentakata, Disaster Prevention and Management, 26 (3) (2017), S. 298–313, doi:10.1108/DPM-10-2016-0213. Katastrophenereignis Völlig zerstörte Häuser Zahl der Todesopfer Quelle Meiji 1896 (Erdbeben und Tsunami) 245 818 Shōwa 1933 (Erdbeben und Tsunami) 242 106 Chile 1960 (Erdbeben und Tsunami) 148 8 Tōhoku 2011 (Erdbeben und Tsunami) 3159 1763 Anmerkung: Die Zahl der Todesopfer für die Tōhoku-Katastrophe 2011 errechnet sich aus den Gesamtzahlen der Toten und Vermissten des 153. FDMA-Schadensberichts vom 8. März 2016 abzüglich der Zahlenangaben katastrophenbedingter Todesfälle, die von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) ermittelt wurden.

Historische Tsunami-Erfahrungen und Gegenmaßnahmen mini|Tsunami in Takata (links) und Hirota (rechts):rot: vorausgesagte Überflutungsgebiete anhand der Vereinigungsmenge dreier Erdbebentypen: der historischen Meiji-Sanriku-oki und Shōwa-Sanriku-oki und des hypothetischen Miyagi-okischwarze Zahlen: Überflutungs- oder Auflaufhöhen [m] vom 11. März 2011blau: Überflutungsgebiete am 11. März 2011Säulendiagramme: Bevölkerung (links) und Tote (rechts) für die Altersgruppen 0–15 (unten), 16–64 (Mitte) und ≥65 (oben), Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported (CC BY 3.0); hier: 2179, Fig.2 e) ("Takada, Rikuzen-Takada") und Fig. 2 f) ("Hirota, Rikuzen-Takada"). Kesen hatte während des Meiji-Tunami 1896 und des Shōwa-Sanriku-Erdbeben-Tsunamis 1933 beträchtlichen Schaden erlitten.

Nach dem Shōwa-Sanriku-Erdbeben-Tsunami 1933 förderten National- und Lokalregierung Tsunami-Katastrophenschutzmaßnahmen. Unter anderem aufgrund der begrenzten technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten lag der Fokus dabei nicht auf dem Ausbau von Infrastruktur, sondern auf der Rettung von Menschenleben durch Evakuierung und Umsiedlung wie zum Beispiel bei der Verlagerung von Kesen. Im Kesen-Gebiet wurde das Dorf Osabe, das am stärksten von dem Meiji-Tunami und dem Showa-Tsunami zerstört worden war, nach dem Shōwa-Tsunami auf höher liegendes Terrain umgesiedelt.

Der Chile-Tsunami hatte eine Höhe von 3–4 m, strömte den Fluss Kesen-gawa hinauf und drang durch das verhältnismäßig karge Gebiet des Takata-Matsubara in das Inland ein. Nach dem Chile-Tsunami im Jahr 1960 begann die Katastrophenschutzpolitik mittels der Möglichkeiten aus dem rapiden Wirtschaftswachstum Japans, den Ausbau der Infrastruktur zu verstärken und ein Meldewarnsystem zu entwickeln. Als Folge dieses rasanten wirtschaftlichen Fortschritts wurde das Tsunami-Schutzprojekt zusammen mit anderen nationalen Projekten zur Landverbesserung initiiert. Der erste Seawall (Ufermauer) mit einer Höhe von wurde nun zwischen dem Strand und dem Wald errichtet, um das Küstenvorland zu schützen und den Küstenverlauf zu stabilisieren. Der Takata-Strand wurde daraufhin als Badestrand wiederhergestellt.

Obwohl die Innenstadt von Takata der Erfahrung vergangener Tsunamis nach ein potenziell hohes Risiko von Tsunamis barg, war die Bevölkerung im Gebiet von Takata rapide angewachsen. Als Folge des Stadtplanungsprojekts der örtlichen Regierung zur Förderung der Wirtschaft und sozialen Wohlfahrt wurden beispielsweise ein Rathaus, ein Gymnasium und ein zweiter Seawall mit einer Höhe von gebaut. Dieser 1966 errichtete Seawall war mit seiner Höhe an der Höhe des Chile-Tsunamis (4–5 m) ausgerichtet worden, den er um einen Meter übertraf. Er war zwischen dem Wald und dem Furukawa-numa-Marschland errichtet, und sollte die niedrig und landeinwärts gelegenen Gebiete – vor allem im Takata-Gebiet – vor dem Tsunami schützen, was wiederum die Entwicklung des Gebiets beschleunigte.

Dieser Seawall schützte das Gebiet vollständig während des Tsunamis im Jahr 1968, wobei die Regierung der Präfektur Iwate berichtete, der Tsunami habe den Einwohnern ein Gefühl der Sicherheit gegeben. Die ausgewiesenen Evakuierungsstätten, die später von dem Tsunamis im Jahr 2011 betroffen werden sollten, lagen auch in diesem Gebiet, für das zwar auch Tsunamigefährdungskarten vor dem Tsunami von 2011 eine Überflutung voraussagten, jedoch lediglich in einer Höhe von 0,5 bis 1,0 Metern.

1972 begann der Bau von Buhnen und Wellenbrechern am Takata-Strand zum Schutz des Küstenvorlands und zur Stabilisierung der Küstenlinie. Im April 1988 wurde der Takata-Strand als ein Entwicklungsgebiet der Küstengemeinschaftszone (coastal community zone, CCZ) spezifiziert, und es wurden Küstenprojekte – zusammen mit anderen Projekten wie Parkprojekte – durchgeführt. Zwischen 1990 und 2001 wurden unter Berücksichtigung des Landschaftsschutzes drei Unterwasserwellenbrecher errichtet. +Auswirkungen vergangener Tsunamis nach Gebieten Rikuzentakatas (Online veröffentlicht am 15. August 2017). Hier S. 26, 28, Table 4 "Past tsunamis impacts and countermeasures in Rikuzentakata". Tsunami-Ereignis Tsunamihöhe [m] Völlig zerstörte Häuser Zahl der Todesopfer Takata Kesen Hirota Otomo Yonezaki Takata Kesen Hirota Otomo Yonezaki Takata Kesen Hirota Otomo Yonezaki Meiji-Tsunami 1896 - 3,45 32,6 9,2 4,21 1 37 146 65 18 19 42 570 203 11 Shōwa-Tsunami 1933 - 3,85 28,87 7,70 3,00 14 127 130 49 98 3 32 23 52 35 Chile-Tsunami 1960 1,0 5,2 3,8 6,75 5,40 26 20 0 66 42 3 1 0 3 0 Tōhoku-Tsunami 2011 15,8 18,1 204 1081 1101 634 937 1173 260 59 62 113

mini|Der Küstenschutzwald vor (links) und nach dem Tsunami vom 11. März 2011 (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012), hier: S. 1002, Figure 12. Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0). Küstenwälder – Takata-Matsubara