Bellac (okzitanisch ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Haute-Vienne in der Region Nouvelle-Aquitaine; sie ist Verwaltungssitz des Arrondissements Bellac und Hauptort des Kantons Bellac.
Geschichte In der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts baute Boso der Alte, Graf von La Marche auf einem Felssporn oberhalb des Vincou eine nicht mehr erhaltene Burg. Hier entwickelte sich der Ort Bellac, der im 12. Jahrhundert von Graf Aldebert III. Stadtrechte erhielt. 1531 fiel Bellac an die Krone.
Bellac im Zweiten Weltkrieg Am 22. August 2020 schrieb Pascal Coussy: „Im Limousin dienten während des gesamten Kriegs die Gefängnisse von Guéret, Limoges, Bellac, Tulle und Brive auch als Internierungs- oder Transitlager für Feinde und Opfer des Vichy-Regimes und der Nazi-Besatzer.“Pascal Coussy: Il y a 80 ans, les camps oubliés de Pétain en Limousin, france3 (Regionalprogramm für Nouvelle-Aquitaine), 22. August 2020 Es ist einer der wenigen Hinweise darauf, dass während des Zweiten Weltkriegs auch in Bellac Internierungen stattfanden, aber leider enthält auch der lesenswerte Artikel von Coussy keine Details über Bellac.
Ob tatsächlich „während des gesamten Krieges“, wie Coussy schrieb, ein Lager in Bellac existierte, ist nicht dokumentiert. Detailliertere Informationen liegen aber vor für die Zeit von August 1940 bis Dezember 1942. In diesem Zeitraum befand sich in Bellac beziehungsweise in dem zu Bellac gehörenden Weiler Saint-Saveur () ein Lager für Fremdarbeiter.Christian Eggers: Unerwünschte Ausländer. Juden aus Deutschland und Mitteleuropa in französischen Internierungslagern 1940 – 1942, Metropol Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-932482-62-X
In Bellac war die Compagnie de Travailleurs Étrangers 313 (CTE, Fremdarbeiterkompagnie) stationiert, die spätere GTE 313 (Groupe de Travailleurs Étrangers (Fremdarbeitergruppe)). Ihr gehörten überwiegend oder ausschließlich Deutsche und Österreicher anFMD – Fondation pour la Mémoire de la Déportation: Groupement de travailleurs étrangers : lieu-dit Saint-Sauveur, in der Regel Emigranten. Sie wurden, sofern sie körperlich dazu in der Lage waren, gegen eine geringe Entlohnung in der Forstwirtschaft eingesetzt. In einem weiteren Aufsatz spricht Eggers von 265 Männern, die der GTE 313 angehörtenChristian Eggers: L’internement sous toutes ses formes : approche d’une vue d’ensemble du système d’internement dans la zone de Vichy, eine Zahl, die die Fondation pour la Mémoire de la Déportation zum Stichtag 15. Juli 1941 ebenfalls anführt. Am 2. November 1942 hätten der Einheit nur noch 118 Personen angehört; 12 seien im 4. Quartal 1942 desertiert.
Im Dezember 1942 wurde die GTE 313 nach Pierre-Buffière verlegt.
Bellac war ab 1940 – mit Unterbrechungen – Wohnsitz der deutschen Emigranten Adolf Moritz Steinschneider und Eva Steinschneider und deren gemeinsamer Tochter Marie-Louise.
Adolf Moritz Steinschneider wurde am 11. Juni 1944 in der Nähe von Bellac von Soldaten der SS-Division „Das Reich“, die am Vortag das Massaker von Oradour verübt hatten, verschleppt und ermordet.
Bevölkerungsentwicklung 1962: 4783 1968: 5240 1975: 5360 1982: 5079 1990: 4924 1999: 4576
Verkehr Bellac hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Le Dorat–Limoges-Bénédictins und wird im Regionalverkehr von Zügen des TER Nouvelle-Aquitaine bedient.
Sehenswürdigkeiten Kirche Notre-Dame (12. und 14. Jahrhundert) Alte Brücke
Persönlichkeiten Jean Giraudoux (1882–1944), Berufsdiplomat und Schriftsteller Marcel Roux (1909–1993), Architekt und Stadtplaner Agnès Clancier (* 1963), Schriftstellerin
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Nouvelle-Aquitaine Kategorie:Unterpräfektur in Frankreich