mini|Transparent von Pax Christi auf der Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz in München 2023 mini|Die Friedenskirche St. Bernhard in Speyer wurde 1953/54 als Zeichen der Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen gebaut. Die Hälfte der Baukosten spendeten französische Katholiken. In der Krypta befindet sich die Pax-Christi-Kapelle. Die Namen und Wappen von 42 Ländern, in denen sich bis 1944 Menschen der Pax-Christi-Bewegung angeschlossen hatten, sind in Strichzeichnungen auf den beiden Mittelsäulen der Krypta von St. Bernhard zu sehen. In kleinen Wandnischen sollen außerdem Steine aus allen Erdteilen die Sehnsucht nach einem friedlichen Zusammenleben der Völker symbolisieren. In der Kirche wird auch Erde von Schlachtfeldern der beiden Weltkriege als Mahnung und Gedenken an die Opfer aufbewahrt. Seit der Zusammenfassung der fünf Speyrer Pfarreien am 1. Januar 2016Kanal Speyer - Rheinlokal: Die neue Pfarrei Pax Christi Speyer trägt diese Pfarrei den Namen Pax Christi.
Pax Christi („Friede Christi“) ist die internationale katholische Organisation der Friedensbewegung, die sich heute jedoch als ökumenisch offen versteht. Der Name der Bewegung ist zurückzuführen auf das Leitwort, das Papst Pius XI. seinem Pontifikat 1922 gab: Pax Christi in regno Christi („Der Friede Christi in Christi Reich“). Sitz des Sekretariats von Pax Christi International ist Brüssel.
Geschichte Die Organisation entstand zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Frankreich, zunächst als „Kreuzzug des Gebets um Versöhnung“ und um die Heilung Deutschlands von den spirituellen und moralischen Auswirkungen der Zeit des Nationalsozialismus.Sylvie Toscer: Les catholiques allemands à la conquête du développement. Harmattan, Paris 1997, ISBN 2-7384-5405-4, S. 76. Diese Bewegung ging von einigen Laien um die Lehrerin Marie-Marthe Dortel-Claudot aus, einer engagierten Katholikin in Südfrankreich, die bis 1950 die erste internationale Generalsekretärin war. Sie wurde gefördert von Bischof Pierre-Marie Théas von Montauban, der die deutsch-französische Aussöhnung zu seinem Anliegen gemacht hatte.Wilfried Köpke: „Wie auch wir vergeben... Deutschland“ [50 Jahre Pax Christi], in: Orientierung, Zürich 59 (1995) S. 210–212. Vierzig französische Bischöfe unterzeichneten noch vor Kriegsende den Aufruf zu einem gemeinsamen „Kreuzzug der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich“. In Deutschland wurde der Aufruf aufgegriffen und verbreitet. Viele Wallfahrten waren Zeichen der Buße und des Umkehrwillens. Bald wurde der Name der Bewegung in das neutralere Pax Christi geändert.
Nach Kriegsende engagierte sich Bischof Théas (bis 1950 Pax-Christi-Präsident), seit 1947 Bischof von Lourdes, für die Entlassung deutscher Kriegsgefangener. Bald fand Pax Christi auch in Deutschland Anhänger; der Schwerpunkt der Arbeit war zunächst die deutsch-französische Aussöhnung, wobei das gemeinsame Gebet und gemeinsame Wallfahrten eine große Rolle spielten.
Schon 1946 fand im französischen Wallfahrtsort Vézelay die „Croisade de la Paix“ (Kreuzzug für den Frieden) mit insgesamt 40.000 Teilnehmern aus Belgien, Spanien, der Schweiz, Italien, Luxemburg, Kanada, den USA und Frankreich statt, die 14 schwere Holzkreuze als Zeichen ihres Wunsches nach Frieden und Versöhnung nach Vézelay trugen. Auf Initiative französischer Priester wurden auch die bei der Vorbereitung der Veranstaltung eingesetzten deutschen Kriegsgefangenen aus einem nahe gelegenen Lager eingeladen, daran teilzunehmen. Sie brachten das 15. Kreuz mit, das als Kreuz der Deutschen mit eingereiht wurde.
Im Februar 1947 fand in Lourdes ein erstes Treffen unter dem Namen Pax Christi statt, zu dem auch 17 Deutsche – unter ihnen der Kapuzinerpater Manfred Hörhammer – eingeladen waren. Auf Initiative von Bischof Théas konnten sie auf dem Rückweg von nun entlassenen deutschen Kriegsgefangenen begleitet werden.
Vom 1. bis zum 4. April 1948 fand der erste internationale Kongress der Vereinigung als Arbeitstagung im niederrheinischen Marienwallfahrtsort Kevelaer statt, dessen grenznahe Lage und dessen Entstehung im Dreißigjährigen Krieg der jungen Bewegung gute Anknüpfungspunkte boten. Dort wurde am 3. April 1948 auch die formelle Gründung des deutschen Zweiges vollzogen.Wilfried Köpke: Die umstrittenen Friedenskämpfer. 50 Jahre Pax Christi, 30'-Fernsehfeature, ARD, 29. März 1998
Die deutsche Sektion übernahm später auch die Nachfolge des 1919 gegründeten Friedensbundes Deutscher Katholiken, einer Gründung von Max Joseph Metzger aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.
Nach dem Koreakrieg orientierte sich die katholische Kirche in Deutschland antikommunistisch. Pazifistische Bestrebungen wurden verdächtigt, einen „Frieden um jeden Preis“ zu wollen, also dem Kommunismus gegenüber zu tolerant zu sein. Die Debatte um den genauen Inhalt des katholischen Pazifismus, der im Konzilsdokument Gaudium et Spes von 1965 die völlige Abschaffung des Krieges zum verbindlichen Ziel erklärt, dauert seither noch an.
Zu den prägenden Gestalten der ersten Zeit gehörten in Deutschland Manfred Hörhammer als „Geistlichem Beirat“ und Alfons Erb als Vizepräsident der Bewegung, der dazu beitrug, dass sich Pax Christi in den 1960er-Jahren auch der Verständigung mit dem polnischen Katholizismus und der Auseinandersetzung mit den von Deutschen im Zweiten Weltkrieg in Osteuropa begangenen Verbrechen zuwandte. Aus dieser Arbeit erwuchs die Initiative zur Gründung des Maximilian-Kolbe-Werks durch Pax Christi und andere Träger. Prägend für das Engagement in der Erinnerungsarbeit an die Shoah wurde die langjährige Vizepräsidentin Gisela Wiese.
In den 1970er-Jahren öffnete sich die deutsche Sektion von Pax Christi zunehmend dem Nord-Süd-Dialog und ökumenischen Anliegen. Während der Nachrüstungsdebatte (1979–1984) positionierte sich Pax Christi eindeutig auf Seiten der politischen Friedensbewegung und rief 1986 auch dazu auf, die Kriegsdienstverweigerung als Instrument zur Überwindung der „Systeme“ einzusetzen. Die weltpolitische Lage änderte sich jedoch schneller als zu vermuten war: Wiederum in Kevelaer rief 1988 der damalige Präsident von Pax Christi International, Franz Kardinal König, beispielsweise dazu auf, die Initiativen von Michail Gorbatschow ernst zu nehmen. Über den Einsatz bewaffneter Natotruppen 1996/97 kam es unter dem Eindruck des Massakers von Srebrenica zu heftigen, polarisierenden Auseinandersetzungen innerhalb der Mitglieder der deutschen Sektion.Wilfried Köpke: Friedensstandpunkt oder Friedensbewegung, in: Orientierung, Zürich 61 (1997) S. 70–72.
Seither bemüht sich die Bewegung um neue Arbeitsschwerpunkte, teils mit gutem Erfolg, teils etwas abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Zum Kongress 2008 in Berlin, zum 60. Jubiläum der deutschen Sektion, sandte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone eine GrußbotschaftGrußbotschaft von Kard.VON KARD. Tarcisio Bertone zum 60-Jahr-Jubiläum der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" in Deutschland", auf www.vatican.va, abgerufen am 22. Oktober 2018., mit der an das Leitwort von Papst Pius XI. als Maßstab katholischer Friedensbewegung erinnert wird: Pax Christi in regno Christi, das der Bewegung 1945 ihren Namen gab.
Im Juni 2017 trat der Linzer Bischof Manfred Scheuer als Präsident von Pax Christi Österreich nach einem Vortrag des palästinensischen Botschafters Salah Abdel-Shafi aus Anlass des 50. Jahrestages der israelischen Besetzung des Westjordanlands und Ostjerusalems zurück. Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde hatten zuvor die Veranstaltung in Linz als antisemitisch qualifiziert. Pax Christi wies diese Behauptung zurück und verwies auf einen VideomitschnittDer Nahostkonflikt und die Rolle der Europäische Union. Solidarwerkstatt, 14. Juni 2017. der Veranstaltung. In einer Stellungnahme wurde auch auf die missbräuchliche Verwendung des Begriffs „Antisemitismus“ als Instrument der politischen Auseinandersetzung verwiesen und festgehalten: „Wenn Pax Christi gerade jetzt zum 50. Jahrestag der israelischen Besetzung Palästinas für das Ende dieser Besatzung und für die Zweistaatenlösung eintritt, so hat das nichts mit „Antisemitismus“ zu tun, sondern ist Ausdruck unseres grundlegenden Bekenntnisses zu Frieden, Gewaltfreiheit, Völkerrecht und Menschenrechten.“Pax Christi Österreich zum Rücktritt von Bischof Manfred Scheuer als Präsident. PAX, Zeitschrift der Friedensbewegung Pax Christi Österreich, Herbst 2017, S. 3.
Im Februar 2023 besuchte eine Pax-Christi-Delegation aus sechs Ländern, darunter Deutschland, das Heilige Land. In einer anschließend veröffentlichten Erklärung verurteilte Pax Christi International (PCI) Israels Vorgehen gegen die Palästinenser als Militärbesatzung. Darin hieß es: „Was wir gesehen haben, ist die Brutalität eines Unterdrückers, ein diskriminierendes System, das jeden Aspekt des palästinensischen Lebens kontrolliert und die Frage aufwirft, ob dies nicht Apartheid ist.“ Was die Gruppe in den von Israel besetzten Gebieten sah, sei „ein vorsätzlicher Plan, eine Gruppe von Menschen zugunsten einer anderen zu entrechten“, so die Delegation unter Verweis auf den zunehmenden israelischen Siedlungsbau in den besetzten palästinensischen Gebieten sowie harte israelische Maßnahmen gegen die palästinensische Bevölkerung.
Im Jahr 2024 forderte Pax Christi die deutsche Bundesregierung auf, Palästina als Staat anzuerkennen.
Im September 2024 wurde in Rom das „Katholische Institut für Gewaltfreiheit“ (Catholic Institute for Nonviolance) in Trägerschaft von Pax Christi International gegründet. Es soll Forschung, Ressourcen und Erfahrungen im Bereich der Gewaltfreiheit für katholische Kirchenführer, Gemeinschaften und Institutionen zugänglicher machen.pax_zeit 4_2024, S. 11.
Struktur Pax Christi International ist in nationale Sektionen unterteilt. Solche Sektionen gibt es in den meisten west- und mitteleuropäischen Staaten, außerdem in den USA, in Australien und Neuseeland. In den afrikanischen Staaten gibt es dagegen bislang nur „assoziierte Gruppen“, die noch nicht den Status eigenständiger Sektionen erreicht haben. Denselben Status haben auch Pax Christi Warszawa und Pax Christi Ungarn. Daneben gibt es ein weites Spektrum angegliederter („affiliated“) Organisationen und offizieller Partnerorganisationen in Osteuropa, Asien, Nahost, Afrika und Lateinamerika.
Im internationalen Rahmen gilt Pax Christi unabhängig von der geschilderten Kritik weiterhin als die offizielle katholische Friedensbewegung. Die Co-Präsidenten von Pax Christi International sind seit 2019 Schwester Teresia Wamuyu Wachira, Loretoschwester aus Kenia, und Marc Stenger, emeritierter Bischof von Troyes (Frankreich). Pax Christi International ist Mitglied der Internationalen Koordination für die Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kinder der Welt (2001–2010). Das Internationale Sekretariat von Pax Christi befindet sich in Brüssel. Hier arbeiten einige Festangestellte und immer wieder Freiwillige für ein bis zwei Jahre. Die Freiwilligen rekrutieren sich aus den einzelnen Landessektionen bzw. von Partnerorganisationen wie z. B. ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste). Die aktuelle Generalsekretärin (Stand: Juli 2026) ist Martha Inés Romero.paxchristi.net: meet-the-team, abgerufen am 16. Juli 2026.
Deutschland mini|Anti-Irakkrieg-Proteste vor dem Haupttor der US-amerikanischen Spangdahlem Air Base im April 2003