Die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg (zumindest bis Mitte der 1970er Jahre auch Ergänzungsstrecke Hannover–GemündenProjektgruppe Korridoruntersuchungen im BMV (Hrsg.): Untersuchung über Verkehrswegeinvestitionen in ausgewählten Korridoren der Bundesrepublik Deutschland: Bericht der Projektgruppe „Korridoruntersuchungen“ im Bundesverkehrsministerium. Verlag Neue Presse, Coburg 1974, (Schriftenreihe des Bundesministers für Verkehr, Heft 47), S. 11, 30 f. genannt) ist eine 327 Kilometer lange zweigleisige, elektrifizierte Eisenbahn-Schnellfahrstrecke zwischen Hannover und Würzburg. Die zwischen 1973 und 1991 errichtete Trasse war das längste zusammenhängende Neubauprojekt der Deutschen Bundesbahn. Die Gesamtkosten betrugen knapp 11,9 Milliarden Deutsche MarkDeutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Klaus-Dieter Feige und der Gruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wirtschaftlichkeit der „ICE-Neubaustrecken“ – Drucksache 12/8381. (PDF; 262 KiB) Drucksache 12/8476 vom 12. September 1994 (rund 6,1 Milliarden Euro; Preisstand: 1980/90er Jahre).

Die Strecke ist Teil des Kernnetzes der Transeuropäischen Verkehrsnetze., S. 50. Sie wird planmäßig tagsüber von täglich rund 110 Fernzügen mit bis zu 280 km/h und nachts von durchschnittlich 26 Güterzügen mit insgesamt 37.460 Bruttotonnen sowie bis zu 160 km/h befahren. Bis 2019 wurden 420 Millionen Fahrgäste über die Strecke befördert. 2020 wurde die Zahl der jährlichen Fahrgäste mit 15,5 Millionen angegeben. Bis heute ist sie die längste Neubaustrecke für Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland.

Verlauf

Vor dem Bau der Strecke verkehrten die Fernzüge zwischen Hannover und Würzburg über Alfeld (Leine), Kreiensen und Northeim bis Göttingen (Hannöversche Südbahn), weiter über Eichenberg, Eschwege West, Bebra, Bad Hersfeld, Fulda und Gemünden am Main nach Würzburg (alte Nord-Süd-Strecke).

Die Schienenoberkante liegt auf Höhen zwischen und . Die Neubaustrecke ist gegenüber den Bestandsstrecken zwischen Hannover und Würzburg um 35 Kilometer kürzer.Heinz Dürr, Knut Reimers (Hrsg.): Hochgeschwindigkeitsverkehr. 1. Auflage. Hestra-Verlag, 1991, ISBN 3-7771-0234-2 (Jahrbuch des Eisenbahnwesens, Band 42), S. 129. Auf einer Länge von 51 Kilometern verläuft sie parallel zu bestehenden Strecken.

Zur Zeit der Deutschen Teilung verliefen 70 Prozent der Strecke durch Zonenrandgebiet.Bahnbauzentrale der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn (Hrsg.): Neubau- und Ausbaustrecken der Deutschen Bundesbahn: Fragen & Antworten, Zahlen & Daten, Argumente & Ansichten. Broschüre (44 Seiten A4) mit Stand von Dezember 1983, Frankfurt am Main, 1983, S. 15, 25, 27.

Durch alle großen Halte der Strecke führt auch die Bundesautobahn 7. Weiträumig parallel ist auch die Bundesstraße 27, wobei diese nicht durch Hannover und Kassel führt.

Abschnitt Hannover–Göttingen mini|links|Brücke bei Barnten mini|links|Ein ICE im Hildesheimer Wald, zwischen Eichenbergtunnel und Escherbergtunnel, auf dem Weg nach Norden

Die 327,4 Kilometer lange Neubaustrecke beginnt mit Streckenkilometer 0,0 im Hauptbahnhof Hannover. In südlicher Richtung verlaufend folgt sie auf hannoverschem Stadtgebiet über den (vorrangig bei Messen) auch von Fernzügen bedienten Bahnhof Hannover Messe/Laatzen bei km 8 bis Rethen der bestehenden Nord-Süd-Strecke. Die beiden NBS-Gleise verlaufen zwischen Hannover Bismarckstraße und der Abzweigstelle mittig zwischen denen der Altstrecke. Die Schnellfahrstrecke verlässt dort kreuzungsfrei die Parallellage und schwenkt in südwestlicher Richtung von der Altstrecke ab. Sie quert anschließend zwischen Rethen und Barnten auf elf Brücken von insgesamt 1,1 Kilometer Länge und auf bis zu acht Meter hohen Dämmen von zusammen 6,9 Kilometer Länge die Hochwassergebiete von Leine und Innerste.Bundesbahn (1984), S. 38 f. Bei Sorsum (km 29) fädelt mit der Hildesheimer Schleife eine eingleisige Verbindungskurve in südlicher Richtung ein, die von Zügen von und nach Berlin über Wolfsburg, Braunschweig und Hildesheim genutzt wird.

Mit dem Eintritt in den Escherbergtunnel und zwei weitere Röhren verlässt die Strecke die Norddeutsche Tiefebene und passiert den Hildesheimer Wald. Zwischen Sibbesse und Bad Gandersheim folgt die Strecke dem Verlauf eines Tals ohne größere Ingenieurbauwerke, bevor nach weiteren sechs Tunneln und fünf Talbrücken der Leinegraben erreicht wird und die Schnellfahrstrecke bei Edesheim erneut in eine Parallellage mit der Nord-Süd-Strecke einschwenkt. Dort besteht bei km 77 die Möglichkeit, in beiden Fahrtrichtungen von der und auf die Altstrecke zu wechseln. Northeim wird westlich umfahren, im Bahnhof Nörten-Hardenberg bei km 90 besteht eine weitere Möglichkeit zum Gleiswechsel mit der Altstrecke. Beim Streckenkilometer 99 wird der Bahnhof Göttingen erreicht.

Abschnitt Göttingen–Kassel mini|links|Im Gegensatz zu den späteren Neubaustrecken liegt die Trasse kaum in Verkehrswegebündelung zu Autobahnen. Eine Ausnahme ist die Werratalbrücke parallel zur Brücke der A 7

Im Streckenabschnitt zwischen den Bahnhöfen Göttingen und Kassel-Wilhelmshöhe folgt die Strecke weitgehend der Luftlinie. Knapp 21 Kilometer des 44 Kilometer langen Abschnitts verlaufen in Tunneln, darunter in dem 10.525 Meter langen Mündener Tunnel (km 121), der zweitlängsten Röhre in Deutschland.

Auf Höhe der Fuldatalbrücke Kragenhof (km 133) erreicht die Schnellfahrstrecke die Parallellage zur Nord-Süd-Strecke, der sie für neun Kilometer bis zum südlichen Stadtrand von Kassel folgen wird. Die Strecke passiert den westlichen Rand des Kasseler Rangierbahnhofs und erreicht beim Strecken-Kilometer 144 den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. Mit der im Rahmen der Schnellfahrstrecke neu errichteten Station wird der Kopfbahnhof Kassel Hauptbahnhof umgangen. Im Raum Kassel verläuft die Strecke auf rund 15 Kilometer Länge in Verkehrswegebündelung mit vorhandenen Strecken.Rüdiger Block: ICE-Rennbahn: Die Neubaustrecken. In: Eisenbahn-Kurier Special: Hochgeschwindigkeitsverkehr. Nr. 21, 1991, ohne ISSN, S. 36–45.

Für den dünn besiedelten, aber topographisch sehr bewegten Abschnitt zwischen Göttingen und der Landesgrenze nördlich von Kassel fielen in der Bauphase die höchsten Kosten pro Kilometer an. Die Schnellfahrstrecke verläuft in diesem Abschnitt an Ortschaften im Abstand von etwa 700 bis 1000 Metern vorbei, ein großer Teil der Strecke liegt ohnehin in Tunneln, in denen die bis zu 400 Meter hohen Erhebungen zwischen Göttingen und Kassel unterquert werden. Ausnahmen sind die Göttinger Stadtteile Grone und Groß Ellershausen, für die Lärmschutzmaßnahmen errichtet werden mussten.Deutsche Bundesbahn, Bundesbahndirektion Hannover, Projektgruppe Hannover–Würzburg Nord der Bahnbauzentrale (Hrsg.): Neubaustrecke Hannover–Würzburg. Der Abschnitt Göttingen–Kassel. 36 A4-Seiten, Hannover, Oktober 1983, S. 10, 22.

Abschnitt Kassel–Fulda links|mini|Führerstandsmitfahrt im InterCity-Express der Deutschen Bahn von Kassel nach Fulda|thumbtime=569 mini|links|Die Rombachtalbrücke, die zweithöchste Eisenbahnbrücke in Deutschland mini|links|Ein ICE 2 auf der Fuldatalbrücke Morschen

Es folgt der 89,96 KilometerDeutsche Bahn AG: Trassenpreissoftware 2008 mit Datenstand vom 9. Dezember 2007: Trassenlänge von 89,961 Kilometer von Kassel-Wilhelmshöhe nach Fulda, unter ausschließlicher Einbeziehung elektrifizierter Strecken, nur Strecke 1733 (Neubaustrecke) lange Abschnitt zwischen dem Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe und dem Bahnhof Fulda, von dem 47,79 Kilometer in 25 Tunneln verlaufen.

Die Trasse folgt dabei in groben Zügen dem Verlauf der Fulda, die dreifach gequert wird. Im Bereich Bebra und Bad Hersfeld verläuft die Strecke deutlich westlich der Fulda, teils dicht entlang der A 7.Ohne Quelle Da das Fuldatal verhältnismäßig kurvig und eng bebaut ist und die Seitentäler weitgehend quer dazu verlaufen, waren in diesem Abschnitt ebenfalls zahlreiche Kunstbauwerke notwendig. Rund zwei Drittel des rund 80 Kilometer langen Neubauabschnitts verlaufen über 18 Talbrücken. Zu den herausragenden Bauwerken zählen dabei die Fuldatalbrücke Solms (km 206), die mit rund 1600 Metern längste Brücke der Strecke, sowie die Rombachtalbrücke (km 218), mit rund 95 Metern die zweithöchste Eisenbahnbrücke in Deutschland. Nach dem 7.345 Meter langen Dietershantunnel wird der Bahnhof Fulda (km 234) erreicht.

Die Neubaustrecke verläuft in diesem Abschnitt, abgesehen von den Knotenbereichen Fulda und Kassel, nahezu vollständig in unbesiedeltem Gelände. Die Entfernung von geschlossenen Siedlungen liegt in der Regel bei mindestens 400 Metern.Deutsche Bundesbahn, Projektgruppe Hannover–Würzburg Mitte der Bundesbahndirektion Frankfurt (Hrsg.): Die Neubaustrecke Hannover–Würzburg. Der Abschnitt Kassel–Fulda, Broschüre (46 S.), Stand: Oktober 1984, S. 20.

Abschnitt Fulda–Würzburg mini|links|Ein Intercity auf der Rampe, die vom Hauptbahnhof Würzburg (im Hintergrund) auf die Schnellfahrstrecke führt (Mai 1988)

Südlich des Fuldaer Bahnhofs folgt die Neubaustrecke der Bahnstrecke Fulda–Hanau rund vier Kilometer bis Bronnzell, wo die Kinzigtalbahn Richtung Frankfurt am Main in südwestlicher Richtung die Parallellage verlässt. Von dieser Strecke zweigt bei Flieden die Fulda-Main-Bahn nach Gemünden und Würzburg ab. Nach einer Serie kürzerer Röhren folgt der 10.779 Meter lange Landrückentunnel (km 251), der längste Tunnel in Deutschland. Am Nordportal des Tunnels erreicht die Neubaustrecke mit ihren höchsten Punkt. Nachdem die Strecke zur Maintalbrücke Gemünden abfällt, steigt sie im weiteren Verlauf Richtung Süden nochmals an. Am Betriebsbahnhof Burgsinn (km 283) besteht die Möglichkeit, von der Bahnstrecke Flieden–Gemünden, die nach Gemünden und von dort weiter über die Main-Spessart-Bahn nach Würzburg verläuft, auf die Neubaustrecke direkt nach Würzburg einzufädeln und umgekehrt.

Im Bahnhof Rohrbach (km 302) fädelt die von der Main-Spessart-Bahn kommende Nantenbacher Kurve in die Schnellfahrstrecke ein.

Nach der Maintalbrücke Veitshöchheim (km 321) verläuft die Strecke durch zwei weitere Tunnel, macht im letzten eine Linkskurve und fädelt über eine Rampe kreuzungsfrei in den Hauptbahnhof Würzburg (km 327) ein.

Geschichte Grundsatzplanung

Die grundlegende Streckenführung zwischen Hannover und dem Maintal ergab sich aus dem Wunsch, bestehende Engpässe der stark befahrenen Nord-Süd-Bestandsstrecke zu beseitigen.Heinz Delvendahl: Planung und Ausführung von Neubaustrecken. Probleme und Wege zu ihrer Lösung. In: Deutsche Bundesbahn (Hrsg.): DB Report 74. Hestra-Verlag, Darmstadt 1974, ISBN 3-7771-0134-6, S. 65–70.