(65) Cybele ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels, der am 8. März 1861 vom österreichischen Astronomen Ernst Wilhelm Leberecht Tempel am Observatoire de Marseille in Frankreich entdeckt wurde.

Der Asteroid wurde benannt nach der phrygischen Göttin Kybele, die oft mit Rhea identifiziert wird. Der Asteroid wurde ursprünglich vom bayerischen Ministerialrat Carl August von Steinheil in Anspielung auf Maximilian II. Joseph, König von Bayern, Maximiliana genannt. Der Name galt aber als nichtklassisch und wurde nach Protest von John Herschel, George Biddell Airy, Friedrich Wilhelm August Argelander und anderen vom Berliner Astronomischen Jahrbuch geändert. Der Entdecker hatte die Namensrechte auf Steinheil übertragen „aus Anerkennung für die hervorragenden Leistungen seines aus dessen Werkstätte bezogenen Fernrohrs.“

(65) Cybele wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber außerhalb der Hecuba-Lücke und ist damit ein Mitglied der nach ihr benannten Cybele-Gruppe.

Wissenschaftliche Auswertung Mit Daten radiometrischer Beobachtungen im Infraroten am Kitt-Peak-Nationalobservatorium in Arizona vom März 1975 wurden für (65) Cybele erstmals Werte für den Durchmesser und die Albedo von 309 km und 0,02 bestimmt.D. Morrison, C. R. Chapman: Radiometric diameters for an additional 22 asteroids. In: The Astrophysical Journal. Band 204, 1976, S. 934–939, doi:10.1086/154242 (PDF; 636 kB).D. Morrison: Asteroid sizes and albedos. In: Icarus. Band 31, Nr. 2, 1977, S. 185–220 doi:10.1016/0019-1035(77)90034-3. Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (65) Cybele, für die damals Werte von 237,3 km bzw. 0,07 erhalten wurden.E. F. Tedesco, P. V. Noah, M. Noah, S. D. Price: The Supplemental IRAS Minor Planet Survey. In: The Astronomical Journal. Band 123, Nr. 2, 2002, S. 1056–1085, doi:10.1086/338320 (PDF; 398 kB). Eine Auswertung von Beobachtungen, die im Dezember 2006 und Juni 2007 durch das japanische Weltraumteleskop AKARI im mittleren Infrarot erfolgt waren, führte 2012 zu Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 301 ± 5 km bzw. 0,04.T. Kasuga, F. Usui, S. Hasegawa, D. Kuroda, T. Ootsubo, T. G. Müller, M. Ishiguro: AKARI/AcuA Physical Studies of the Cybele Asteroid Family. In: The Astronomical Journal. Band 143, Nr. 6, 2012, S. 1–11, doi:10.1088/0004-6256/143/6/141 (PDF; 477 kB). Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 zunächst mit 276,6 km bzw. 0,06 angegebenC. R. Nugent, A. Mainzer, J. Masiero, J. Bauer, R. M. Cutri, T. Grav, E. Kramer, S. Sonnett, R. Stevenson, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year One: Preliminary Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astrophysical Journal. Band 814, Nr. 2, 2015, S. 1–13, doi:10.1088/0004-637X/814/2/117 (PDF; 1,07 MB). und dann 2016 korrigiert zu 218,6 oder 248,0 km bzw. 0,05 oder 0,06, diese Angaben beinhalten aber alle hohe Unsicherheiten.C. R. Nugent, A. Mainzer, J. Bauer, R. M. Cutri, E. A. Kramer, T. Grav, J. Masiero, S. Sonnett, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year Two: Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astronomical Journal. Band 152, Nr. 3, 2016, S. 1–12, doi:10.3847/0004-6256/152/3/63 (PDF; 1,34 MB).

Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (65) Cybele eine taxonomische Klassifizierung als C-Typ.D. Lazzaro, C. A. Angeli, J. M. Carvano, T. Mothé-Diniz, R. Duffard, M. Florczak: S3OS2: the visible spectroscopic survey of 820 asteroids. In: Icarus. Band 172, Nr. 1, 2004, S. 179–220, doi:10.1016/j.icarus.2004.06.006 (arXiv-Preprint: PDF; 3,49 MB). Auf der Grundlage von spektroskopischen Beobachtungen am 23. November 1996 mit dem Photopolarimeter ISOPHOT und am 25. Dezember 1997 mit der Infrarotkamera ISOCAM an Bord des Weltraumteleskops Infrared Space Observatory (ISO) sowie am 10. und 11. Juni 2002 am La-Silla-Observatorium wurden in einer Untersuchung von 2004 thermophysikalische Modelle des Asteroiden erstellt. Aus den archivierten photometrischen und spektroskopischen Daten und unter Berücksichtigung von Informationen über die Gestalt und Rotation wurde ein effektiver Durchmesser von 273 ± 12 km mit Achsen von etwa 302 × 290 × 232 km und eine visuelle Albedo von 0,05 berechnet. Das Spektrum entsprach dem von Regolith, aber eine genauere Analyse war nicht möglich.T. G. Müller, J. A. D. L. Blommaert: 65 Cybele in the thermal infrared: Multiple observations and thermophysical analysis. In: Astronomy & Astrophysics. Band 418, Nr. 1, 2004, S. 347–356, doi:10.1051/0004-6361:20040025 (PDF; 745 kB).

(65) Cybele wurde am 8. Februar 2005 mit dem Spitzer-Weltraumteleskop und am 8. und 9. September 2009 mit der Infrared Telescope Facility (IRTF) am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaiʻi erneut spektroskopisch beobachtet, um Informationen über die Oberflächenzusammensetzung des Asteroiden zu erhalten. Das Spektrum, das sehr ähnlich zu dem von (24) Themis war, wies darauf hin, dass die Oberfläche von (65) Cybele von einem Mantel aus feinen wasserfreien Silicatkörnern bedeckt ist, der eine kleine Menge Wassereis und komplexe organische Feststoffe enthält, ähnlich wie die Oberfläche von Kometen. Das gleichzeitige Vorhandensein von Wassereis und wasserfreien Silicaten deutet darauf hin, dass eine Hydratation nicht oder nur unvollständig stattgefunden hat, weil die Temperaturen immer ausreichend niedrig waren. Mit einem thermischen Model wurden für den Durchmesser und die Albedo Werte von 290 ± 5 km und 0,05 abgeleitet.J. Licandro, H. Campins, M. Kelley, K. Hargrove, N. Pinilla-Alonso, D. Cruikshank, A. S. Rivkin, J. Emery: (65) Cybele: detection of small silicate grains, water-ice, and organics. In: Astronomy & Astrophysics. Band 525, A34, 2011, S. 1–7, doi:10.1051/0004-6361/201015339 (PDF; 595 kB). Da Wassereis auf dem Asteroiden nachgewiesen wurde, erfolgte am 11. September 2010 eine spektroskopische Beobachtung mit dem Teleskop I des Keck-Observatoriums auf Hawaiʻi, um nach Anzeichen von sublimiertem Wasser zu suchen. Dies war jedoch erfolglos und für die Produktionsrate wurde ein oberer Wert von 400 kg/s angenommen.D. Jewitt, A. Guilbert-Lepoutre: Limits to Ice on Asteroids (24) Themis and (65) Cybele. In: The Astronomical Journal. Band 143, Nr. 1, 2012, S. 1–7, doi:10.1088/0004-6256/143/1/21 (PDF; 464 kB). Da mit erdgebundenen Teleskopen ein direkter Nachweis der Emissionslinien von Wasser schwierig ist, erfolgte eine weitere Beobachtung mit dem Herschel-Weltraumteleskop am 21. Dezember 2012 im fernen Infrarot. Es konnten wieder keine solchen Emissionslinien gefunden werden und die Produktionsrate wurde auf maximal 23 kg/s geschätzt. Eis kann daher nur in sehr geringen Anteilen in Gemischen oder in reiner Form nur auf sehr kleinen Bereichen der Oberfläche vorliegen. Eine thermische Modellierung lieferte für den Durchmesser und die Albedo Werte von 282 ± 9 km und 0,04.L. O’Rourke, T. G. Müller, N. Biver, D. Bockelée-Morvan, S. Hasegawa, I. Valtchanov, M. Küppers, S. Fornasier, H. Campins, H. Fujiwara, D. Teyssier, T. Lim: Low Water Outgassing from (24) Themis and (65) Cybele: 3.1 μm Near-IR Spectral Implications. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 898, Nr. 2, 2020, S. 1–8, doi:10.3847/2041-8213/aba62b (PDF; 630 kB).

mini|links|Berechnetes 3D-Modell von (65) Cybele Photometrische Beobachtungen von (65) Cybele fanden erstmals statt vom 31. August bis 2. September 1977 am La-Silla-Observatorium. In die Auswertung wurde auch eine Beobachtung während einer Nacht am 8. November 1978 am Table Mountain Observatory in Kalifornien mit aufgenommen. Aus den gemessenen Lichtkurven wurde eine Rotationsperiode des Asteroiden von 6,07 h abgeleitet.H. J. Schober, F. Scaltriti, V. Zappalà, A. W. Harris: The remaining large minor planets with unknown rotational properties: 31 Euphrosyne and 65 Cybele. In: Astronomy & Astrophysics. Band 91, Nr. 1–2, 1980, S. 1–6, (PDF; 135 kB).

Eine Forschergruppe an der University of Arizona und am Planetary Science Institute in Tucson führte in den 1980er Jahren ein Programm zur „Photometrischen Geodäsie“ einer Anzahl von schnell rotierenden Asteroiden des Hauptgürtels durch, darunter auch (65) Cybele. Beobachtungen am Kitt-Peak-Nationalobservatorium bei fünf Gelegenheiten zwischen Februar 1982 und Januar 1986 lieferten nur gering modulierte Lichtkurven. Es wurde vermutet, dass die Gestalt am ehesten einem abgeflachten Maclaurin-Ellipsoid ähnelt. Eine Anwendung der von der früheren Beobachtung bekannten Rotationsperiode von 6,07 h auf die Lichtkurven brachte keine gute Übereinstimmung, aber die geringe Modulation machte eine neue Bestimmung einer Periode sehr schwierig, davon abgesehen, dass Perioden kürzer als 6 Stunden ausgeschlossen werden konnten. Es wurden weitere Beobachtungen des Asteroiden als notwendig erachtet.S. J. Weidenschilling, C. R. Chapman, D. R. Davis, R. Greenberg, D. G. Levy, S. Vail: Photometric geodesy of main-belt asteroids: I. Lightcurves of 26 large, rapid rotators. In: Icarus. Band 70, Nr. 2, 1987, S. 191–245, doi:10.1016/0019-1035(87)90131-X. In einer Untersuchung von 1988 konnte unter Verwendung einer neuen Beobachtung vom Februar 1987 für (65) Cybele eine Lösung für die Position der Rotationsachse bestimmt werden mit retrograder Rotation. Außerdem wurden die Achsenverhältnisse eines dreiachsig-ellipsoidischen Gestaltmodells berechnet, wobei die Äquator-Achsen nahezu gleich groß sind. Für die Rotationsperiode wurde allerdings der früher bestimmte Wert verworfen und stattdessen eine Periode von etwa vier Stunden (oder einem Vielfachen davon) angenommen.J. D. Drummond, S. J. Weidenschilling, C. R. Chapman, D. R. Davis: Photometric geodesy of main-belt asteroids: II. Analysis of lightcurves for poles, periods, and shapes. In: Icarus. Band 76, Nr. 1, 1988, S. 19–77, doi:10.1016/0019-1035(88)90139-X. Eine neue Beobachtung im April 1988 war nur durch einige Vereinfachungen kompatibel mit der 4-Stunden-Periode, dennoch wurde weiterhin dieser Wert als am wahrscheinlichsten angesehen und zugleich weitere Beobachtungen für nötig gehalten.S. J. Weidenschilling, C. R. Chapman, D. R. Davis, R. Greenberg, D. H. Levy, R. P. Binzel, S. M. Vail, M. Magee, D. Spaute: Photometric geodesy of main-belt asteroids: III. Additional lightcurves. In: Icarus. Band 86, Nr. 2, 1990, S. 402–447, doi:10.1016/0019-1035(90)90227-Z. In Verbindung mit der nachfolgend erwähnten Beobachtung in Argentinien konnte die Lage der Rotationsachse und die Werte für die Achsenverhältnisse noch verbessert werden. Für die Rotationsperiode wurden 4,04 h abgeleitet und die frühere 6-Stunden-Periode weiterhin verworfen.J. D. Drummond, S. J. Weidenschilling, C. R. Chapman, D. R. Davis: Photometric geodesy of main-belt asteroids: IV. An updated analysis of lightcurves for poles, periods, and shapes. In: Icarus. Band 89, Nr. 1, 1991, S. 44–64, doi:10.1016/0019-1035(91)90086-9.